Flughafen Bern AG: Neuer Name für die „Alpar AG“ – Ertragsstärke soll verbessert werden

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GV Flughafen Bern AG
An der 66. Generalversammlung der Alpar AG wurde die Umwandlung in die Flughafen Bern AG beschlossen.

Das Airline-Business ist ein wenig wie das Fliegen selber: es ist von Steig- und Sinkflügen, aber auch von immer wieder auftretenden Turbulenzen geprägt. Aviatik-Experten sagen, dass diese Unstetigkeit zum Luftfahrtgeschäft einfach dazu gehört. Die Geschichte der Flughafen Bern AG, die an der Generalversammlung vom 12. Juni 2014 ihren bisherigen Namen Alpar AG aufgegeben hat, ist ebenfalls von dieser Unstetigkeit geprägt. Neue Fluggesellschaften kamen und gingen. Die Gesellschaft erwirtschaftete einige Jahre Gewinne, ein paar Jahre später verharrte sie in der Verlustzone. Und laufend wurde in die Infrastruktur des Flughafens in Bern-Belp investiert.

Der neue Verwaltungsratspräsident Beat Brechbühl machte Aktionären und Mitarbeitern an der 66. Generalversammlung (GV) jedoch Mut. „Wir sind gut unterwegs“, sagte er und fügte hinzu, dass man gerade im Fluggeschäft einen langen Atem und ebenso langfristige Investitionen benötige. Und diese Investitionen haben es am „Bern Airport“ in sich. Für die Sanierung der 1959 erstellten Flugpiste werden maximal 8 Mio. CHF veranschlagt, während die Vorinvestitionen für die 4. Ausbauetappe rund 6 Mio. CHF kosten sollen. Mit dem geplanten Ausbau will man nicht nur den Bodenverkehr entflechten, sondern auch neue Abstellflächen und Gebäude (Hangare, Gewerbeimmobilien) schaffen. Finanziert werden sollen diese Investitionen einerseits aus dem laufenden Geschäft, andererseits durch die Erhöhung des Aktienkapitals. Daher stimmten die Aktionäre an der GV einer genehmigten Kapitalerhöhung über 5 Mio. CHF sowie einer bedingten Kapitalerhöhung über weitere 5 Mio. CHF zu und gaben so dem VR den notwendigen Spielraum für künftige Kapitalmassnahmen. Mit dem Ausbau will die Gesellschaft auch neue Geschäftsfelder erschliessen. Der Verwaltungsratspräsident machte deutlich, dass die Ertragskraft der Flughafen Bern AG nicht zufriedenstellend sei. „An der Ertragsstärke müssen wir noch arbeiten“, so Brechbühl.

Der Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2013 zeigt dies deutlich. Der Gesamtertrag (inkl. Liegenschaftserträge) ging um 5.0% auf 14.1 Mio. CHF zurück. Insbesondere die Erlöse aus dem Flugplatzbetrieb lagen 2013 mit 11.9 Mio. CHF knapp 700’000 CHF (6%) unter dem Vorjahreswert, während der Handelsertrag mit 576’000 CHF den Vorjahreswert übertraf. Grund für die rückläufigen Erträge sind die Flugbewegungen, die mit 54’666 um 9.5% geringer als im Vorjahr ausfielen. Hier machte sich vor allen Dingen die Konsolidierung des Streckennetzes der Skywork Airlines bemerkbar. Skywork hatte mit seiner massiven Expansion im Jahr 2012 dem Flughafen zwar umsatzmässig (und ergebnismässig) zu grossem Schub verholfen (siehe Blog-Beitrag vom 30.5.13), war aber gleichzeitig auch rasch an die Grenzen der eigenen finanziellen Möglichkeiten gestossen. Als Investor Daniel Borer kein weiteres Kapital nachschoss, musste die Gesellschaft ihr Angebot anpassen und forderte auch vom Flughafen entsprechende Unterstützung u.a. in Form von niedrigeren Gebühren. Ob Skywork nun den Turnaround geschafft hat, ist nicht bekannt. Gemäss Zeitungsberichten werden für Skywork Airlines wieder Investoren gesucht; die Auslastung der Skywork-Flugzeuge soll allerdings mit durchschnittlich 60% gut sein.

Bei einem leicht höheren Personalaufwand (8.8 Mio. CHF, +2.3%) und geringeren Betriebsaufwendungen von 2 Mio. CHF (-8.7%) erreichte die Gesellschaft auf Stufe Betriebsergebnis (EBIT) eine „schwarze Null“. Der Reingewinn für das Geschäftsjahr 2013 wird mit 100’000 CHF ausgewiesen. Die Bilanz präsentiert sich mit einer Eigenkapitalquote von 65.1% solide.

Im laufenden Geschäftsjahr erwartet der Flughafen Bern mehr als 200’000 Passagiere (2013: 260’555). Zusätzliche Passagiere sollen zudem ab dem Winter 2014/15 Skiflüge aus Norwegen (Oslo) und Polen (Warschau) beisteuern. Ebenso will die Gesellschaft das Geschäft mit Privat- und Business-Jets ankurbeln. Zu diesem Zweck wurde eine Kooperation mit Interlaken Tourismus abgeschlossen. Im Fokus sind hier die Golfstaaten und deren sehr wohlhabendes Klientel. Beim Wintertourismus haben die Kooperationspartner Flughafen Bern und Interlaken Tourismus den osteuropäischen und den russischen Markt im Visier. Mit dazu beitragen soll auch die neue Marke „Bern Airport“, die unter der neutralen Dachmarke von Bern Tourismus zusammengefasst ist.

Es sieht ganz danach aus, dass mit der diesjährigen Generalversammlung auch eine neue Ära für den über 80jährigen Berner Flughafen begonnen hat. Denn zumindest optisch wird gezeigt, dass der Flughafen im Belpmoos nicht mehr das „Mösli“ ist, wie er liebevoll von der lokalen Bevölkerung genannt wird, sondern ein Hauptstadtflughafen mit Verbindungen in die wichtigsten Städte Europas. Als nächstes muss es Verwaltungsrat und Management gelingen, mit dem neuen Auftritt auch am Markt zu überzeugen und die Ertragskraft nachhaltig zu steigern. Dazu wird das Unternehmen sicherlich noch etwas Zeit benötigen, ebenso wie den Goodwill der regionalen Bevölkerung und der dort ansässigen Firmen. Hilfreich wäre es zudem, wenn auch die politische Klasse sowohl auf Gemeinde- als auch auf Kantonsebene ihre Unterstützung für den Wirtschaftsfaktor Flughafen bekräftigen würde. Spielt auch noch das wirtschaftliche Umfeld mit, könnte der Flughafen auch für Investoren interessant werden. Erst müssen jedoch die bestehenden Aktionäre über die geplante Kapitalerhöhung nochmals Geld in das Unternehmen investieren. Derzeit werden die Aktien auf der Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank für 45 CHF gesucht und zu 70 CHF angeboten. Damit liegt der Kurs etwa 50% unter dem Nominalwert und sogar mehr als 50% unter dem ausgewiesenen Buchwert von 107 CHF je Aktie. Obwohl die Aktie unter Value-Aspekten günstig erscheint, sollten sich an dem Unternehmen vorerst nur Investoren mit einem Bezug zum Flughafen und der Region beteiligen. Erst wenn die Gesellschaft wieder nachhaltig Gewinne erzielen und auch Dividenden ausschütten kann, dürfte sich ein Engagement auch finanziell auszahlen.

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