Auto AG Holding: Weniger Umsatz, aber mehr Gewinn in 2016, Buchwert steigt auf 641 CHF/Aktie – Konstante Dividende von 10 CHF

Robert Meyer, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Auto AG Group, berichtete von einem guten Start ins 2017. Bild: zvg

Als Importeur von Nutzfahrzeugen der Marken Fiat und Iveco hat die in Rothenburg ansässige Auto AG Group in den letzten zwei Jahren den Wechselkurszerfall beim Euro sehr stark zu spüren bekommen. Auch in 2016 ging der Umsatz im Nutzfahrzeugbereich nochmals um 12.7% auf 62.7 Mio. CHF zurück. Der Umsatzrückgang sei vor allen Dingen auf Preissenkungen der aus dem Euroraum importierten Fahrzeuge zurückzuführen, erklärte CEO Robert Meyer an der Medienorientierung des Unternehmens. Die verkauften Stückzahlen lagen mit 1’149 nur leicht unter dem Vorjahr. 2015 wurden noch 1’175 Nutzfahrzeuge verkauft. Auch die Einnahmen in der Werkstatt und aus dem Verkauf von Ersatzteilen waren 2016 mit 13.1% rückläufig. Deutlich besser entwickelten sich die Umsätze im Bereich des öffentlichen Verkehrs. Hier betreibt die Auto AG Group in der Region Luzern-Rothenburg zwölf Buslinien. Der Umsatz stieg in diesem Bereich 2016 auf 17.9 Mio. CHF (+ 2.3%), was auf höhere Passagierzahlen und Extrafahrten zurückzuführen ist. Auch im Bereich Fahrzeugbau verzeichnete die Tochterfirma GESER Fahrzeugbau AG eine markante Umsatzsteigerung, so dass der Gesamtumsatz der Gruppe immer noch 80.6 Mio. CHF erreichte (- 9.7%) (siehe Geschäftsbericht 2016).

Höheres Betriebsergebnis – Reingewinn steigt um 35%

Auf der Kostenseite profitierte die Auto AG Group im Bereich Nutzfahrzeuge und Ersatzteile von den niedrigeren Einstandspreisen, was zu einem um 15.7% geringeren Warenaufwand von nur noch 45.2 Mio. CHF führte. Auch der Personalaufwand lag mit 23.1 Mio. CHF leicht unter dem Niveau des Vorjahres, so dass sich das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) trotz der geringeren Umsätze auf fast 6.4 Mio. CHF leicht verbesserte. Die EBITDA-Marge stieg sogar um einen Prozentpunkt auf 7.9%. Aufgrund nahezu gleichbleibender Abschreibungen lag das EBIT bei 3.6 Mio. CHF (+ 5.9%). Durch den Wegfall von ausserordentlichen Abschreibungen in Höhe von knapp 400’000 CHF, welche 2015 im Zusammenhang mit einem IT-Projekt angefallen waren und die Erfolgsrechnung belasteten, fiel der konsolidierte Reingewinn mit 2.7 Mio. CHF um 35.0% höher als im Vorjahr aus. Die Aktionäre sollen an der Generalversammlung vom 11. Mai einer Ausschüttung in Höhe von 10 CHF pro Aktie zustimmen, welche neu in Form einer steuerfreien Nennwertreduktion erfolgt. „Mit der Ausschüttung einer attraktiven Dividende bleibt die Auto AG ihrer langjährigen Strategie treu und setzt ein klares Zeichen, dass sie der Unternehmensentwicklung sehr zuversichtlich gegenübersteht“, so VR-Präsident Georges Theiler.

NFZ-Center in Weiningen zu 93% vermietet – positiver Ausblick

Die Zuversicht von Theiler scheint begründet zu sein. Denn Robert Meyer berichtete an der Medienorientierung von einem guten Start ins Geschäftsjahr 2017. Im Bereich Nutzfahrzeugverkauf sei das Unternehmen gut gestartet. Nach wie vor liegt der Schwerpunkt auf den kleineren Nutzfahrzeugen, die vom Lieferboom im eCommerce profitieren. Auch beim Fahrzeugbau sei der Auftragsbestand erfreulich, und die Werkstätten seien gut ausgelastet. Im Bereich des öffentlichen Verkehrs hat die Auto AG Group wieder von Extrafahrten im ersten Quartal profitieren können. Dazu zählen auch Fahrten, die im Zusammenhang mit der knapp einwöchigen Schliessung des Luzerner Bahnhofes standen. Trotz der guten Auftragslage sei das Management bestrebt, die Kostenseite laufend zu optimieren, so Meyer. Erfreuliche Informationen hatte der CEO auch im Zusammenhang mit dem Neubauprojekt in Weiningen/ZH parat. Das neu erstellte Nutzfahrzeugcenter der Auto AG Limmattal mit einer Fläche von 7’400 m2 sei bereits zu 93% vermietet. Firmen wie Pneu Egger, Purat Autoklima und Gallo AG gehören zu den Mietern des Projektes, das ganz im Stil des Nutzfahrzeugcenters in Rothenburg entwickelt wurde. Die Eröffnung in Weiningen soll am 1. und 2. Juli stattfinden. Auch in Rothenburg soll das bestehende Center weiterentwickelt werden. Georges Theiler kündigte an, dass Ende April das Baugesuch für ein Neubauprojekt eingereicht wird. Bis 2019 will die Auto AG Group rund 20 Mio. CHF in den Bau eines Büro- und Gewerbeobjektes an diesem Standort investieren. Theiler, der auch VR-Präsident der börsenkotierten Immobiliengesellschaft Mobimo ist, bestätigte auf Nachfrage, dass aufgrund der Neubauprojekte die Erträge aus der Vermietung weiter steigen würden. Allerdings sei es nicht das Ziel der Auto AG, zu einer Immobilienfirma zu werden. Wachstumspotenzial für die Zukunft sieht CEO Robert Meyer vor allem bei Zukäufen im Bereich des Servicegeschäfts.

Elektrofahrzeuge als Zukunftsthema

Angesichts der starken Veränderungen in der Mobilitätsbranche macht sich auch das Rothenburger Unternehmen Gedanken über die Zukunft. „Wir sind überzeugt, dass Elektrofahrzeuge ein Zukunftsmarkt sind“, so Robert Meyer. Die Geschäftsfelder der Auto AG Group würden sich daher langfristig ändern. Ein weiteres Thema sei in diesem Zusammenhang auch der Trend hin zu Mietfahrzeugen im Nutzfahrzeugbereich. Dieses Geschäftsfeld schaue man sich ganz genau an, berichtete Meyer, ohne auf konkrete Projekte einzugehen. Bereits heute hat das Unternehmen Elektro-Nutzfahrzeuge auf Basis der Iveco-Palette im Angebot, die in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Unternehmen eForce One AG entwickelt werden. Im kommenden Jahr feiert die Auto AG ihr 100-jähriges Jubiläum. Der Zeitpunkt, um im Jubiläumsjahr die Weichen für die Zukunft zu stellen, wäre ideal.

Nach zwei schwierigen Jahren kann der Jahresabschluss 2016 des Zentralschweizer Buslinienbetreibers und Nutzfahrzeughändlers wieder überzeugen. Zwar sind die Spuren des Euro-Kurszerfalls weiterhin in der Erfolgsrechnung zu sehen. Erfreulicherweise beschränkt sich dies nur auf die Umsatzseite. Dank Kostendisziplin und dem Wegfall von Sonderfaktoren steigen die Gewinnzahlen gegenüber dem Vorjahr teilweise deutlich an. Auch die Bilanz ist mit einer Eigenmittelquote von 54.8% solide – dies trotz der Investitionen in das Nutzfahrzeugcenter in Weiningen. Dank der soliden Bilanz und der konstanten Cashflows dürfte auch die Finanzierung des Neubaus in Rothenburg für das Unternehmen gut zu stemmen sein. Zudem besteht bis 2018 noch ein genehmigtes Kapital in Höhe von 504’000 CHF, das für allfällige Zukunftsprojekte genutzt werden könnte. Klar ist aber auch, dass es für das Unternehmen in den kommenden Jahren aufgrund der starken Veränderungen in der Mobilitätsbranche nicht einfach sein wird zu wachsen. Die Diversifikation in den Bereich der Vermietung von Gewerbeimmobilien mit dem Fokus auf die Fahrzeug- und Transportbranche ist sicherlich ein erster Schritt Richtung Ertragsdiversifikation. Weitere müssen in den kommenden Jahren folgen.

Bei Kursen um die 390 CHF, die zuletzt auf OTC-X für eine Aktie gezahlt wurden, beträgt das Kurs/Gewinn-Verhältnis niedrige 11.2. Zudem notiert die Aktie mit einem Abschlag von rund 40% auf den ausgewiesenen Buchwert von 641 CHF je Aktie. Die Ausschüttungsrendite beträgt rund 2.5%. Dies ist zwar nicht üppig, aber im aktuellen Tiefzinsumfeld dennoch interessant. Die Aktien der Auto AG Holding bleiben daher weiterhin für Anleger mit einem Faible für Substanzwerte, die auch längerfristig engagiert bleiben möchten, interessant.


-- Download als PDF --




Kategorien: Industrie, Nichtkotierte Aktien

Tags: , , , ,

1 reply

  1. Die in Rothenburg LU beheimatete Auto AG Group übernimmt die Nater AG Nutzfahrzeuge mit drei Standorten in Gossau SG, Müllheim TG und Staad SG und expandiert damit in die Ostschweiz.

    https://www.autoag.ch/de/meta/news/newsdetail/news/auto-ag-group-und-nater-ag-nutzfahrzeuge-neu-unter-gemeinsamem-dach.html

    Gemäss Pressemitteilung versprechen sich die Auto AG Group und die Nater AG Nutzfahrzeuge vom Zusammenschluss eine klare Stärkung ihrer Marktposition. Im immer härteren Wettbewerb von leichten und schweren Nutzfahrzeugen sehen beide Unternehmen Synergiepotenzial im Knowhow- und Erfahrungsaustausch sowie in der gemeinsamen Nutzung vorhandener Strukturen in Werkstatt oder Administration, wie es heisst.

    Im nationalen Netzwerk der Auto AG Group sollen die Unternehmen von gruppeninternen Dienstleistungen wie Planung, Fahrzeugbau oder Fahrzeugvermietung profitieren und so Zugang zu neuem Wachstumspotential erhalten.

    Wie die Luzerner Zeitung heute (1. Mai 2017) berichtet, wurde über den Kaufpreis Stillschweigen vereinbart.

    http://www.luzernerzeitung.ch/nachrichten/zentralschweiz/luzern/Auto-AG-Group-uebernimmt-Ostschweizer-Nater-AG;art92,1019611

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.