SSE Holding: Umsatz- und Gewinn gehen im 2016 zurück, Erwartungen nicht erfüllt – Stabile Dividende

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Am Standort Gamsen musste die SSE Holding einige Rückschläge verbuchen. Quelle: SSE Holding AG

Die in der Sprengstoffherstellung und im Chemiebereich tätige SSE Holding AG musste im Jahr 2016 einen Rückgang der Nettoumsätze um 5 Mio. CHF auf 79.2 Mio. CHF verbuchen. In den Einnahmen sind auch die Verkäufe aus den Aktivitäten der Orica-Gruppe enthalten, welche im letzten Jahre von SSE übernommen wurde (siehe Interview mit CEO Daniel Antille auf schweizeraktien.net). Diese zusätzlichen Aktivitäten steuerten im 4. Quartal des Berichtsjahres 10 Mio. CHF zu den Gruppeneinnahmen bei. Die Übernahme von Orica stellte laut SSE-Geschäftsbericht das Highlight des letzten Jahres dar. Der Kaufpreis lag bei rund 20 Mio. CHF. Durch die Akquisition wurde die Gesellschaft zum führenden Akteur im Sprengstoffmarkt Deutschland und zu einem bedeutenden Anbieter in Polen. Die Integration der Aktivitäten bedeutet eine grosse Herausforderung für die Gruppe, ist gleichzeitig aber ein äusserst wichtiger Schritt für die Weiterentwicklung der SSE Holding. Der Kaufpreis wurde aus liquiden Mitteln und einem Darlehen in Höhe von 15 Mio. CHF finanziert. Das Darlehen soll allerdings zurückgeführt werden, wozu eine Kapitalerhöhung geplant ist. Nähere Informationen hierzu werden die Aktionäre an der Generalversammlung am 30. Juni erhalten.

Wegfall von Grossprojekten belastet

Das Jahr 2016 war am Schweizer Standort in Gamsen geprägt von einem erwarteten starken Rückgang des schweizerischen Sprengstoffgeschäfts. Hierfür verantwortlich zeichnete das Auslaufen von Grossprojekten, die in den vergangenen Jahren Umsatztreiber waren. Allerdings sieht die Gesellschaft die Talsohle als erreicht an. Ebenfalls einen deutlichen Umsatzrückgang verzeichnete die Chemiesparte, die im 2015 noch Rekordwerte erzielte. Der Wegfall von zwei der fünf Kunden liess die Verkäufe einbrechen. Trotz dieser Belastungen gelang es am Standort in Gamsen dank Restrukturierungsmassnahmen, die unter anderem den Abbau von Personal beinhalteten, dennoch, schwarze Zahlen zu schreiben.

Ebenfalls rückläufig war das Geschäftsfeld Pyrotechnik, wo die SSE nicht an das Rekordvorjahr anknüpfen konnte. Während der Absatz von Feuerwerkskörpern stabil blieb, gingen die Verkäufe technischer Produkte zurück. Vor allem die Bestellungen des Bundes sind deutlich tiefer ausgefallen als im Vorjahr.

Die Entwicklung in Schweden blieb ebenfalls leicht hinter den Erwartungen zurück. Als Grund wird das temporär schlechtere Marktumfeld genannt. Eine deutliche Aufhellung wird hier erwartet. Erfreulich entwickelten sich die Absätze in Norwegen. Mit der per 1. Oktober 2016 wirksam gewordenen Übernahme der Orica-Aktivitäten hat sich Mitteleuropa zum Absatzschwerpunkt entwickelt. Ohne Berücksichtigung dieser neuen Bereiche sind die Umsätze in Mitteleuropa wegen Polen, der Tschechischen Republik und Rumänien zurückgegangen.

Margen deutlich tiefer

Den im Vergleich zum Vorjahr tieferen Nettoumsätzen von 79.2 Mio. CHF steht ein Plus der Bruttoumsätze von 4.4 Mio. CHF gegenüber. Dieses resultiert aus den positiven Warenveränderungen von 4.5 Mio. CHF nach einer Wertkorrektur von 5.5 Mio. CHF im Vorjahr. Auf der Kostenseite stiegen die Materialaufwendungen deutlich auf 40.5 Mio. CHF (Vorjahr: 34.4 Mio. CHF) an. Ebenfalls höher fielen mit 24.9 Mio. CHF (Vorjahr: 23.8 Mio. CHF) die Personalkosten aus. Der höhere Forschungsaufwand für die Entwicklung neuer Produkte liess die entsprechenden Ausgaben um 0.7 Mio. CHF auf 2.8 Mio. CHF anschwellen. Klar höher waren auch die Administrativkosten mit 6.3 Mio. CHF nach 4.8 Mio. CHF im Vorjahr. Hierin enthalten sind zumindest teilweise die Mehraufwendungen im Zusammenhang mit der Orica-Übernahme.

Operatives Ergebnis bricht um fast 40% ein

Insgesamt führten die höheren Kosten zu einem deutlichen Rückgang des Betriebsgewinns vor Abschreibungen (EBITDA) um 4.2 Mio. CHF respektive minus 39.5% auf 6.3 Mio. CHF. Die Abschreibungen unterschritten mit einem Wert von 5.4 Mio. CHF den Vorjahreswert von 7.4 Mio. CHF deutlich. So resultierte ein Einbruch des EBIT von 70.8% auf 0.9 Mio. CHF. Positiv auf den Gruppengewinn wirkten sich die Erträge aus den Finanzanlagen in Höhe von 2.5 Mio. CHF (Vorjahr: 1.9 Mio. CHF) aus. Ebenfalls massiv tiefer fielen mit 0.5 Mio. CHF die Wechselkursverluste (Vorjahr: 1.2 Mio. CHF) aus. Dennoch brach der Reingewinn um 75.3% auf 0.6 Mio. CHF ein. Die Aktionäre erhalten jedoch eine gegenüber dem Vorjahr unveränderte Dividende von 70 CHF pro Aktie, die wiederum aus den Reserven für Kapitaleinlagen ausgeschüttet wird und damit für private Anleger mit einem Steuerwohnsitz in der Schweiz steuerfrei ist.

Margenverbesserungen erwartet

Für das laufende Jahr 2017 rechnet die Gesellschaft mit stabilen Umsätzen im Inland. In Europa wird sich der Absatz dank der Akquisitionen erhöhen. Gleichzeitig soll auch das EBITDA im Ausland steigen. Allerdings wird sich trotz einer erwarteten Verbesserung der Margen im laufenden Jahr der volle Effekt der Akquisitionen erst ab 2018 in einer deutlichen Margenverbesserung niederschlagen. Trotz der rückläufigen Bedeutung für die Gruppe ist das Schweizer Standbein ein wichtiger Ertragspfeiler. Dieser wird nicht zuletzt dank des Potenzials in der Chemiesparte zu einer zufriedenstellenden Rentabilität im 2017 und vor allem im 2018 beitragen.

Die Geschäftszahlen der SSE für 2016 fallen deutlich schwächer aus als im Vorjahr und verfehlen die Erwartungen. Ein Teil des Gewinnminus kann sicherlich der Akquisition der Orica-Gruppe und den daraus resultierenden hohen Aufwendungen zugeschrieben werden. Allerdings leidet die Gesellschaft auch in den bisherigen Geschäftsfeldern an mitunter erheblichen Ertragsrückgängen, die nur teilweise durch Effizienzsteigerungen kompensiert werden konnten. Im laufenden Jahr steht die Integration der Orica-Aktivitäten an oberster Stelle der Prioritätenliste. Angesichts der Grösse der Akquisition stellt diese für die Gesellschaft eine Herkulesaufgabe dar, die es zu meistern gilt. Dies sollte aber gelingen. In jedem Fall bleibt die Unternehmensführung stark gefordert.

Die Übernahme der Orica wirkte sich deutlich auf die Bilanz der Gesellschaft aus. So sanken die offen ausgewiesenen Eigenmittel um 9.7 Mio. CHF auf 34.9 Mio. CHF. Hierbei nicht übersehen werden darf allerdings, dass 4 Mio. CHF aus Gewinnreserven in Rückstellungen umgebucht wurden. Den tieferen Eigenmitteln stehen die um 23.7 Mio. CHF auf 61.4 Mio. CHF angestiegenen Fremdmittel gegenüber. So fiel der Eigenfinanzierungsgrad von 54.2% auf noch 36.2% der Bilanzsumme.

Bei der Übernahme der Orica wurde Firmenangaben zufolge ein Goodwill bezahlt. Dieser wurde vollumfänglich mit dem Eigenkapital verrechnet. Angesichts des Rückgangs der Eigenmittel um 9.7 Mio. CHF, wovon 4 Mio. CHF auf das Konto von Umbuchungen gehen, lässt sich ein Goodwill von knapp 5 Mio. CHF ermitteln. Bei der Bestimmung des bezahlten Goodwills ebenfalls zu berücksichtigen sind die Dividendenzahlung und der im Jahr 2016 erwirtschaftete Gewinn.

Die Aktien der SSE werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 3’000 CHF weisen die Papiere eine Rendite von 2.3% auf. Die übrigen Kennzahlen eignen sich vor allem wegen der akquisitionsbedingten Kosten wenig zur Bewertung der Aktien. In Betracht kommt noch der Buch- respektive Substanzwert der Titel. Während der ausgewiesene Buchwert mit 1’660 CHF deutlich unter dem Kurs liegt, dürfte der Substanzwert den aktuellen Kurs nicht unerheblich überschreiten. Als Indiz angesehen werden können die hohen Sachabschreibungen, welche die Gesellschaft durchführt. Die Rechnungslegung nach dem OR, die von der SSE angewandt wird, bietet zahlreiche Möglichkeiten, den tatsächlichen Sachwert nicht aufzuzeigen. Auch wenn der Substanzwert der Titel den aktuellen Kurs überschreitet, dürfte dieser von den freien Aktionären kaum je realisiert werden können. Eine genaue Einschätzung fällt angesichts der geplanten Kapitalerhöhung, deren Konditionen bislang nicht bekannt sind, schwer. Investoren sollten vorderhand abwarten.

Transparenzhinweis: Der Autor ist Aktionär der Gesellschaft.

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