Hypothekarbank Lenzburg: Um 5.5% höhere Erträge im ersten Semester 2017, Reingewinn stagniert bei 9.9 Mio. CHF – Investitionen in die Digitalisierung

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CEO Marianne Wildi und der Verwaltungsrat der Hypi haben im 1. Semester 2017 ein gutes Ergebnis präsentieren können. Bild: schweizeraktien.net

Die Hypothekarbank Lenzburg AG (Hypi) konnte im ersten Semester 2017 in einem anhaltend schwierigen Umfeld für Regionalbanken die Geschäftserträge um 5.5% auf 37.4 Mio. CHF steigern. Wie bereits im Vorjahr trieb die Hypi die Digitalisierung weiter voran. Ein wichtiger Schritt hierbei ist etwa der seit Monatsanfang mögliche Handel sämtlicher an der SIX Swiss Exchange kotierten Wertpapiere über die vollautomatische Handelsplattform Glox. Das von der Firma MACD entwickelte System wurde erfolgreich in die Finstar-Software der Hypi integriert. Bis Jahresende werden alle anderen Anlagekategorien über das neue System handelbar sein. Mit der Implementierung der Handelsmöglichkeiten wird die von der Hypi selbst entwickelte Finstar-Software um die Funktion einer Handelsplattform ergänzt. In naher Zukunft dürfte Finstar auch noch zu einer offenen Bankenplattform werden, die anderen Instituten zur Verfügung steht. Mit der Schaffung der Grundlagen für eine offene Programmierschnittstelle (API) im ersten Semester hat die Hypi die Weichen gestellt, Finstar auch in Teilbereichen für Dritte nutzbar zu machen. Diese Erweiterungen sind allerdings nicht gratis zu haben, wie die Entwicklung der Geschäftsaufwendungen im Berichtssemester mit plus 9% auf 21.8 Mio. CHF aufzeigt.

Zinskosten fallen deutlich

Die Haupteinnahmequelle der Hypi ist, wie bei den anderen Regionalbanken auch, das Zinsdifferenzgeschäft. Im Berichtssemester ging der Anteil des Nettozinserfolgs an den Gesamteinnahmen allerdings von 74% im Vorjahr auf 72.8% zurück. Dennoch konnte das Lenzburger Bankhaus einen deutlichen Anstieg des Nettozinserfolgs um 1 Mio. CHF auf 27.2 Mio. CHF verbuchen. Noch stärker fiel das Plus beim Bruttozinserfolg, d.h. vor Veränderungen von Wertberichtigungen, mit plus 1.2 Mio. CHF auf 27.5 Mio. CHF aus. Massgeblich verantwortlich für den höheren Gewinn waren die markant um 2.8 Mio. CHF auf 6.9 Mio. CHF gesunkenen Zinskosten. Diesen stand ein um 1.2 Mio. CHF tieferer Zinsertrag und ein um 0.4 Mio. CHF gesunkener Ertrag aus den Finanzanlagen gegenüber. Die deutlich tieferen Zinskosten konnten durch eine Umplatzierung von Geldern der 2. Säule in Vermögensverwaltungsmandate erreicht werden. Diese Massnahme hat sich zusätzlich positiv auf den Erfolg des Kommissions- und Dienstleistungsgeschäfts ausgewirkt. Dieser stieg um 0.8 Mio. CHF auf 6.3 Mio. CHF an. Auch aus dem Handelsgeschäft resultierte ein um 0.2 Mio. CHF auf 1.6 Mio. CHF gestiegener Erfolg. Der übrige ordentliche Erfolg verharrte hingegen auf dem Vorjahresniveau von 2.2 Mio. CHF. Hierin enthalten sind die Erträge aus dem Verkauf von Finstar-Lizenzen, die im Berichtssemester weiter zulegten.

Geschäftsaufwand steigt um 1.8 Mio. CHF an

Den Mehrerträgen steht allerdings ein Anstieg der Geschäftsaufwendungen um 1.8 Mio. CHF auf 21.8 Mio. CHF gegenüber. Sowohl beim Personalaufwand (plus 1 Mio. CHF) als auch beim Sachaufwand (plus 0.8 Mio. CHF) spiegeln sich die Investitionen in den Ausbau der digitalen Angebote wider. Auch die zulasten der Erfolgsrechnung durchgeführten Wertberichtigungen und Abschreibungen legten um 0.2 Mio. CHF auf 3 Mio. CHF zu. So musste die Hypi einen um 0.7% auf 12.3 Mio. CHF rückläufigen Geschäftserfolg verbuchen. Analog ging der Reingewinn im gleichen Umfang auf 9.9 Mio. CHF zurück.

Zinsgeschäft bleibt herausfordernd

Die Hypi erwartet für das laufende zweite Semester 2017 ein weiterhin herausforderndes Zinsdifferenzgeschäft. Aufmerksam verfolgt werden müsse die allgemeine Entwicklung im Wohnungsbau. Die Liegenschaftspreise dürften nicht mehr weiter steigen, während sich die Leerwohnungsbestände an verschiedenen Orten erhöhen. Weitere Ergebnisverbesserungen werden im zinsindifferenten Geschäft angestrebt. So soll der gezielte Ausbau des dualen Geschäftsmodells der Hypi, basierend auf dem klassischen physischen Bankgeschäft auf der einen und den digitalen Kanälen auf der anderen Seite, weiter vorangetrieben werden. Dieser Ausbau erfordert einen Einsatz von Ressourcen. Diese Investitionen in die Zukunft sollen sich langfristig auszahlen und der Hypi weitere Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Dank der soliden Eigenmittelausstattung sieht sich die Bank gut gerüstet, um diese Herausforderungen zu meistern.

Die Geschäftszahlen der Hypi für das erste Semester 2017 fallen trotz der hohen Investitionen in die Erweiterung des digitalen Angebots gut aus. Als kluger Schachzug erweist sich die Verschiebung von teuren Pensionskassengeldern hin zu Vermögensverwaltungsmandanten. Der daraus resultierende deutliche Rückgang des Zinsaufwands und der gleichzeitige Anstieg des Kommissions- und Dienstleistungserfolgs dürfte allerdings zukünftig nicht wiederholt werden können. Die Aussage, wonach weitere Ressourcen für den Ausbau des Angebots benötigt werden, lässt zudem erwarten, dass die Geschäftsaufwendungen eher zulegen.

Bei einem anhaltenden Druck auf die Zinsmargen dürften unter dem Strich zumindest kurzfristig keine grossen Sprünge im ordentlichen Bankgeschäft möglich sein. Allerdings bietet der weitere Ausbau des digitalen Angebots nicht unerhebliche Chancen, zusätzliche Erträge aus der Finstar-Software zu generieren. Diesen möglichen kontinuierlichen Mehreinnahmen aus Serviceverträgen und Software-Lizenzen stehen lediglich die anfänglichen Investitionskosten gegenüber, die später nicht mehr anfallen. Für die Hypi eröffnen sich hier neue Ertragsfelder bei geringen Aufwendungen.

Die Aktien der Hypi sind an der SIX Swiss Exchange kotiert. Seit Jahresanfang sind die Papiere zeitweise um über 8% avanciert, um in den letzten Wochen wieder etwas zurückzufallen. Der letztbezahlte Kurs lag bei 4’526 CHF, was aber immer noch einem ansehnlichen Plus von 6% seit Januar entspricht. Als zumindest im aktuellen Tiefzinsumfeld gut angesehen werden kann die Dividendenrendite von derzeit 2.4%. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Aktionäre auch im nächsten Jahr eine Ausschüttung in dieser Höhe erhalten werden. Zudem notieren die Titel mit einem Discount von gut 25% auf den per 30. Juni 2017 ausgewiesenen Buchwert. Das KGV auf der Basis des auf das Gesamtjahr hochgerechneten Geschäftserfolgs liegt im für Regionalbanken üblichen Bereich von gut 13. Dies ist als ein fairer Wert anzusehen. Nicht in dieser Bewertung enthalten sind zukünftige deutliche Mehrerträge aus dem digitalen Geschäft. Solche Erträge erscheinen durchaus zumindest auf mittelfristige Sicht realistisch. Diese Möglichkeiten gepaart mit der als sicher geltenden Bardividende lassen die Titel der Hypi als eine gute Anlagemöglichkeit erscheinen.  

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