Kursaal-Casino AG Luzern: Spielerträge und Gewinn stark rückläufig

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Die Schweizer Casinobranche hat derzeit wenig Freude. Der stärkere Wettbewerb durch die Neueröffnung der Casinos in Zürich (A-Casino) und Neuenburg (B-Casino) im letzten Jahr sowie die zunehmende Regulierung und höhere Abgaben machen den 21 Casinos zu schaffen. Auch die Grand Casino Luzern-Gruppe bleibt von dieser Entwicklung nicht verschont. In ihrem kürzlich publizierten Aktionärsbrief vermeldet die Gesellschaft einen Einbruch des Konzerngewinns im 1. Semester 2013 auf magere 447’300 CHF (Vorjahr 1.06 Mio. CHF).

Das Grand Casino Luzern verzeichnete im Spielbereich von Januar bis Ende Juni einen Rückgang der Besucherzahlen auf 108’000 Gäste. Im Vorjahr waren noch 10’000 Besucher mehr in dem Casino zu Gast, das direkt am Ufer des Vierwaldstädtersees liegt. Der Brutto-Spielertrag (BSE) ging um knapp 3 Mio. CHF auf 20.28 Mio. CHF (Vorjahr: 23.11 Mio. CHF) zurück. Vom niedrigeren BSE war auch der Gesamtertrag der Grand Casino Luzern-Gruppe betroffen. Dieser lag mit 26.68 Mio. CHF knapp 12% oder 3.57 Mio. CHF unter dem Vorjahreswert. Das operative Ergebnis (EBITDA) erreichte 3 Mio. CHF, und das EBIT fiel mit 609’100 CHF um mehr als die Hälfte (Vorjahr: 1.44 Mio. CHF). Die geringeren Beteiligungserträge aus dem Grand Casino machten sich auch in der Erfolgsrechnung der Muttergesellschaft Kursaal-Casino AG Luzern bemerkbar: Diese lagen nur noch bei 3.78 Mio. CHF (Vorjahr: 4.85 Mio. CHF) und führten zu einem Semestergewinn, der mit 1.16 Mio. CHF ebenfalls um knapp 50% unter dem Vorjahreswert lag. Die Gesellschaft weist in ihrem Aktionärsbrief auf die vielfältigen neuen Angebote hin, wie die erste Casino-App der Schweiz, ihren Kundenclub und neue Angebote für asiatische Gäste. Da sich das 2. Halbjahr nach Angaben der Gesellschaft in der Regel besser als die erste Jahreshälfte entwickelt und mit der Integration der Gastro-Aktivitäten in die Grand Casino Luzern AG seit dem Frühjahr Effizienzgewinne erzielt werden sollen, geben sich Verwaltungsrat und Unternehmensleitung zuversichtlich, die für 2013 gesteckten Ziel erreichen zu können.

Die Geschäftsentwicklung der Casino Luzern-Gruppe im 1. Semester spiegelt nicht nur die ungünstigen Rahmenbedingungen in der Branche allgemein wider. Sie zeigt auch, dass auf die sich abzeichnende schwierige Entwicklung in der Branche zu wenig konsequent reagiert wurde oder die eingeleiteten Massnahmen offenbar (noch) nicht greifen. Auf der Kostenseite dürften die Möglichkeiten wohl bald ausgeschöpft sein, sofern das Angebot nicht darunter leiden soll. Daher besteht der Hebel für eine Ergebnisverbesserung im Grand Casino sowie den angegliederten Gastro-Betrieben – dem Gourmetrestaurant Olivo, dem Seecafé und den Bankettangeboten – vor allen Dingen in der Rückkehr zu Ertragswachstum. Die Erträge müssen in allen Bereichen wieder steigen, um der Gesellschaft ausreichend Mittel für Neu- und Ersatzinvestitionen zur Verfügung zu stellen. Zudem sollte auch die Ausschüttung an die Aktionäre nicht aus der Substanz, sondern aus dem im operativen Geschäft erwirtschafteten Gewinn erfolgen. Derzeit werden die Namenaktien (à 100 CHF) der Gesellschaft für 270 CHF gehandelt. Gemessen an der letztjährigen Ausschüttung von 12 CHF je Namenaktie, die aufgrund der Reserven für Kapitaleinlagen von über 2 Mio. CHF selbst bei weiterhin schwachem Geschäftsverlauf gesichert sein dürfte, rentiert die Aktie mit 4.4%. Auch das Kurs/Buchwert-Verhältnis erscheint mit 0.75 niedrig. Allerdings ist diese günstige Bewertung ein Spiegelbild der unsicheren Zukunft im Casinogeschäft. Erst wenn Unternehmensleitung und Verwaltungsrat zeigen, dass sie mit erfolgreichen Massnahmen auf die Herausforderungen in der Branche reagieren, dürfte der Aktienkurs wieder an Fahrt gewinnen.

Das Thema „Casinos“ ist auch Schwerpunkt des ersten „Branchentalk“ von schweizeraktien.net am 22. Oktober 2013.  

1 KOMMENTAR

  1. Zur Dividende der Kursaal-Casino Luzern AG:
    Nach einem Bericht der Neue Luzerner Zeitung vom 22. März 2013 (S. 11) stellt Verwaltungsratspräsident Guido Egli „für die nächsten paar Jahre gleich hohe Dividenden in Aussicht“.
    Insofern dürften die zuletzt gezahlten CHF 12.00 je Namen-Aktie für die nächsten Jahre gesichert sein, so dass die Aktie auf dem Papier attraktiv rentiert. Allerdings muss sich die Ertragslage (deutlich) verbessern, wenn die Ausschüttung nicht perspektivisch zulasten der noch immer reichlich vorhandenen Substanz gehen soll.
    Der ganzseitige NLZ-Beitrag steht unter der Überschrift „Die Casinos spielen einander aus“ und beleuchtet auch die Hintergründe des umkämpften Schweizer Casino-Marktes mit deutlich rückläufigen Betriebserträgen.

    Zur Entwicklung der deutschen Spielbanken-Landschaft:
    Dunkle Wolken sind auch über der deutschen Casino-Branche aufgezogen, die inmitten einer schweren Krise steckt. Die Süddeutsche Zeitung, nach der BILD-Zeitung Deutschlands zweitgrösste Tageszeitung nach Auflage, berichtete am 22. August 2013 über „Casinos in der Krise“: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/casinos-in-der-krise-ausgespielt-1.1751796

    Die Casino-Betriebe gerade in kleineren Städten entfernen sich immer mehr vom eigentlichen Casino-Geschäft und suchen ihr Glück in teilweise fragwürdigen „Zusatzaktionen“, um überhaupt Gäste anzulocken. Auch renommierte Spielbanken stehen vor dem Aus oder haben bereits geschlossen.

    Anfang August 2013 haben in Mecklenburg Vorpommern bereits die Casinos von Schwerin und Rostock geschlossen. 2014 werden auch die Casinos in den bekannten Ferienorten Binz (Insel Rügen) und Heringsdorf (Insel Usedom) sowie in Stralsund schliessen. Danach gibt es in „MV“ kein einziges Casino mehr, obwohl der deutsche Osten einst – gerade in den Jahren nach der Wiedervereinigung – als Eldorado für die Casino-Branche gegolten hatte.
    Im September 2012 hat auch das traditionsreiche Casino Travemünde (Schleswig-Holstein) nach mehr als 200 Jahren (!) seine Pforten geschlossen und ist nach Lübeck gezogen.

    Von 78 Spielbanken des Jahres 2008 sind noch 71 übriggeblieben – doch der Trend zur Schliessung scheint sich angesichts dramatisch rückläufiger Spielerträge zuletzt zu beschleunigen. Seit 2008 sind diese Spielerträge in Deutschland um 42% gesunken.
    Der Druck auf die Branche kommt dabei aus verschiedenen Richtungen, die in der Summe verstärkend wirken und die Abwärtsspirale in der Tendenz beschleunigen: Nichtraucherschutzgesetz, Glücksspielstaatsvertrag mit Werbeverbot für Casinos, strenge Zugangskontrollen, Verbot von Casino-Spielen durch lizenzierte Spielbanken im Internet und die wachsende Konkurrenz aus weitgehend unregulierten, wild wuchernden „Spielhöllen“, den geschätzt etwa 12.000 gewerblich betriebenen Spielhallen im Bundesgebiet. Hinzu kommen tausende von vermutlich in keiner Statistik erfassten „Schattenanbietern“ von Glücksspielen aller Art. Längst hat sich sowohl Online wie auch Offline eine milliardenschwere Parallelwelt ausserhalb der schönen Fassaden einer immer stärker kontrollierten Casino-Industrie entwickelt.
    Die Krise hat sich jenseits des Rheins zuletzt massiv verschärft, wobei die Gründe in Deutschland vielschichtiger und mit der Schweiz nicht 1:1 vergleichbar sind. Gleichwohl gibt es einige Analogien zwischen beiden Ländern.

    Nach unserer Einschätzung und Analyse ist die „Casino-Krise“ – nicht zuletzt beim Blick auf einige Casino-Standorte in Deutschland – häufig nur eine Begleiterscheinung und „Nebenerkrankung“ unterschätzter struktureller Krisen und Probleme aus teilweise ganz anderen Bereichen, die sehr vielfältig sind und oft über viele Jahre nur im Verborgenen blühten, nun aber in der Summe vieler sich überlagernder Effekte für die Branche eine dramatische und oftmals auch „lethale“ Wirkung entfalten. Dazu zählen Änderungen in der Gesundheitspolitik („Kurtourismus“), ein verändertes Individual- und Gruppenreiseverhalten in der Tourismusindustrie, Verschiebungen bei den Inlandsferienzielen, Änderungen in der Freizeitgestaltung, eine wachsende Alltags-Digitalisierung in Kombination mit demographischen Effekten, Wanderungsbewegungen zwischen Stadt und Land, ausbleibende Erneuerungsinvestitionen infolge Geldmangel, lokale Wirtschafts- und Strukturpolitik usw. usw. Es gibt für einen Gast heutzutage viele Gründe, keine Spielbank mehr aufzusuchen.

    Einiges, was für Deutschlands Casino-Landschaft gilt, trifft auch auf die Schweiz zu. Insofern ist es m.E. realistisch, dass es hierzulande auf Sicht von 5 Jahren zu diversen Betriebsschliessungen oder – sofern sinnvoll – auch zu Betriebszusammenlegungen kommen wird Der zur Verteilung stehende Kuchen wird nicht grösser, im Gegenteil. Nur die Kannibalisierung schreitet voran. Was der eine gewinnt, verliert der andere – und häufig verlieren beide. Es ist naheliegend, dass es am Ende dieses Prozesses deutlich mehr Verlierer als Gewinner geben wird. Insofern müssen die Verantwortlichen grundsätzlich ihr Geschäftsmodell schon heute sehr kritisch hinterfragen, denn das Casino-Geschäft ist aus heutiger Sicht kaum geeignet, um die Betriebe in eine bessere Zukunft zu führen. Auch die Kostenstrukturen sind dabei an die neuen Realitäten anzupassen.

    Insofern steht die ganze Branche heute vor Herausforderungen von Herkules’schen Dimensionen.

    Die eher düsteren Entwicklungen in Deutschland erscheinen insbesondere für die Stadtcasino Baden AG von Relevanz. Diese möchte sich an der Seite der deutschen Gauselmann-Gruppe (Spielautomaten und Spielotheken), gleichzeitig seit Frühjahr 2013 auch mit ca. 10% einer der grössten Aktionäre der Stadtcasino Baden AG, an deutschen und österreichischen Casinos beteiligen, um mit dieser Expansion der „Schwäche“ im Schweizer Heimmarkt zu begegnen und die Gesellschaft wieder auf Wachstumskurs auszurichten. Im Mai 2013 wurde bekannt, dass die Stadtcasino Baden AG im Verbund mit ihrem Grossaktionär Gauselmann-Gruppe auch den Zuschlag für den Betrieb zweier Casinos im deutschen Bundesland Sachsen erhalten hat, die 2014 eröffnet werden sollen. Die Standorte sind in Magdeburg sowie in Güntersdorf Nähe Leipzig (http://www.nzz.ch/aktuell/zuerich/uebersicht/stadtcasino-baden-betreibt-spielbank-in-sachsen-1.18085389#). In jedem Fall ist die Strategie der Stadtcasino Baden AG „ antizyklisch“, da die Lage der Casino-Branche auch in Deutschland bestenfalls „schwierig“ ist.

    Angesichts der vorgängig skizzierten Entwicklungen in Mecklenburg-Vorpommern mit den Casino-Schliessungen selbst in 1A-Feriendestinationen sowie der nicht trivialen „strukturellen“ Situation im Bundesland Sachsen erscheint die eingeschlagene D-A-CH-Expansionsstrategie u.a. nach Magdeburg und Güntersdorf für die Aktionäre der Stadtcasino Baden AG nach Einschätzung des Verfassers durchaus aber auch mit hohen Risiken behaftet. Der Nutzen für die Stadtcasino Baden AG als Partner in diesen Projekten ist angesichts der Investitionen möglicherweise beschränkt, wenn sich der Casino-Markt in Ostdeutschland weiterhin analog zum Bundestrend – oder gar schlechter – entwickelt und keine nachhaltige Erholung erkennbar wird.

    Dass Spielcasinos in Sachsen – dabei nur zum Teil an anderen Standorten – auch in der vermeintlich besseren Vergangenheit alles andere als ein wirtschaftlicher Selbstläufer waren und auch vom Land bezuschusst werden mussten, zeigt dieser Artikel aus der Mitteldeutsche Zeitung vom 21. Mai 2013:
    http://www.mz-web.de/mitteldeutschland/spielbanken-in-sachsen-anhalt-neues-spiel-und-neues-glueck-in-magdeburg-und-guenthersdorf,20641266,22823354.html
    Künftige Landeszuschüsse dürften eher unwahrscheinlich sein, wenn sich die Erwartungen an den Geschäftsbetrieb nicht erfüllen. Insofern müssen zumindest die Aktionäre der Stadtcasino Baden AG die weiteren Entwicklungen in Deutschland im Auge behalten.

    Für die Kursaal-Casino Luzern AG gibt es aktuell keine Hinweise, dass sie ihr Glück in einer (riskanten) Expansionsstrategie ins benachbarte Ausland suchen.

    Thorsten Grimm, Grisonia Consult GmbH, 18. September 2013, info@grisonia.ch

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