Swiss Private Hotel AG/VJC: „Wir zahlen einen ideellen Aufschlag für die Victoria-Gruppe“

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Im Übernahmekampf um die Victoria-Jungfrau Gruppe (VJC) besserte gestern die zur Hotelierfamilie Manz gehörende Swiss Private Hotel AG (SPH) ihr Angebot auf (siehe Blog-Beitrag v. 30.1.) . Dies überraschte insofern, weil die Familie den als fairen Wert errechneten Preis von 300 bis 325 CHF bis als zu hoch bezeichnete. Alexander Manz (Bild) erklärt im Gespräch mit „schweizeraktien.net“, warum sie ihr Angebot aufgebessert haben, und wie sie die Profitabilität der Hotelgruppe steigern wollen.

Herr Manz, Sie haben gestern Ihr Angebot für die Übernahme der Victoria-Jungfrau-Hotelgruppe (VJC) auf 310 CHF erhöht und damit die AEVIS-Offerte überboten. Welches Feedback haben Sie bisher vor allen Dingen vom VJC-VR und den Grossaktionären erhalten?

Wir sind mit den Grossaktionären und dem Verwaltungsrat im Gespräch, können aber aus verständlichen Gründen dazu keine Auskunft geben. Ein sehr positives Feedback haben wir von den vielen Kleinaktionären erhalten, die sich aufgrund unseres Aufrufes gemeldet haben. Sie machen sich ernsthaft Sorgen um das Fortbestehen der Victoria-Jungfrau-Gruppe und deren Hotels im Falle einer Übernahme. Für sie ist auch der Preis irrelevant, da sie nur wenige Aktien besitzen, sich aber durch den Besitz der Aktien auch als Mitbesitzer der Hotels und als Teil der Gruppe fühlen.

Also werden diese Kleinaktionäre eher nicht andienen?

Ich rechne damit, dass 90% der rund 7’000 Kleinaktionäre auch in Zukunft dabei bleiben möchten. Dies allerdings nur, wenn sie merken, dass man sich um sie als Aktionäre und potenzielle Gäste auch bemüht. Wir haben ja bereits früher kommuniziert, dass wir die Kleinaktionäre weiterhin möchten.

In einem Beitrag der Handelszeitung hiess es aus Ihrer Familie, dass das Preisband von 300 bis 325 CHF jenseits von Gut und Böse sei. Nun bieten Sie 310 CHF je Aktie und liegen damit mitten in dieser Spanne. Was hat Ihre Meinung geändert?

Die vielen Gespräche mit den Kleinaktionären haben uns dazu bewogen, hier nachzuziehen. Denn es ist ihnen und auch uns sehr wichtig, dass die Hotels der Victoria-Gruppe in Schweizer Händen bleiben und auch als Schweizer Luxushotels weiterbetrieben werden. Obwohl der in der Fairness Opinion errechnete Preis uns nach wie vor aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht überhöht erscheint, sind wir bereit, eine Art ideellen Aufschlag zu bezahlen. Wir wollen damit auch die Seriosität und die Ernsthaftigkeit unseres Angebotes unterstreichen.

Der VJC-Verwaltungsrat hat offenbar vor Unterzeichnung der Transaktionsvereinbarung mit AEVIS sowohl mit SPH als auch mit AEVIS das Gespräch gesucht, sich anschliessend aber für die (mittlerweile erhöhte) AEVIS Offerte entschieden. Warum?

Wir gehen davon aus, dass hier nur der Preis ausschlaggebend war. Denn auch wir hatten ein freundschaftliches Gespräch mit dem Verwaltungsrat und haben festgestellt, dass wir die gleiche Sprache sprechen. Auch wir möchten mit dem bestehenden Verwaltungsrat und dem Management weiterarbeiten, denn wir sind überzeugt, dass der Verwaltungsrat gute Arbeit leistet. Was der Gruppe allerdings fehlt, ist ein Patron wie es früher Emanuel Berger war. Zudem kann sich der Verwaltungsrat nicht auf einen starken Aktionär stützen. Die SPH möchte als starker Aktionär der Sparring Partner des Verwaltungsrates sein. Und auch wir würden Beat Sigg, der derzeit vielleicht zu viele Aufgaben übernehmen muss, aktiv unterstützen.

Die Offerten von AEVIS und SPH sind nun mittlerweile fast identisch. Warum sollten die Aktionäre der SPH und nicht AEVIS andienen?

Wir betreiben mit unserer Gruppe nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Südamerika erfolgreich Hotels. Daher könnten wir ab dem 1. Tag Synergien voll nutzen. Denn zusammen mit den vier Häusern der Victoria-Jungfrau-Gruppe würden wir bereits über 10 Hotels in der Schweiz verfügen. Damit hätten wir auch eine kritische Grösse, die in der Hotellerie für die Profitabilität sehr wichtig ist. Unser Familienunternehmen steht zudem finanziell sehr solide da. Unsere Eigenkapitalquote liegt bei über 90%. Die AEVIS-Gruppe hingegen ist mit einer Eigenkapitalquote von 20% und laut Bloomberg mehr als 550 Mio. CHF Schulden sehr stark fremdfinanziert. Ausserdem bringt die Börsenkotierung von AEVIS auch Nachteile, weil der permanente Druck des Finanzmarktes besteht. Ein weiterer Grund ist sicherlich das Image. Die Victoria-Jungfrau-Gruppe ist ein Unternehmen mit über 100-jähriger Tradition. Auch unser Unternehmen besteht seit 125 Jahren. Beide Unternehmen denken und handeln langfristig, was bei einer börsenkotierten Gesellschaft wie AEVIS eher nicht der Fall ist.

Wie hoch schätzen Sie den Investitionsbedarf in den Hotels, und wie wollen Sie diesen finanzieren?

Eine genaue Schätzung abzugeben, ohne dass wir eine Due Diligence machen konnten, wäre unseriös. Da wir in den letzten sechs Jahren über 50 Mio. CHF in unsere eigenen Häuser investiert haben, verfügen wir für solche Projekte über viel Kompetenz und grosses Know-how. Dank unserer soliden Eigenkapitalbasis ist die Finanzierung der Investitionen auch aus eigener Kraft möglich.

Das grösste Problem der VJC-Gruppe ist, ähnlich wie bei anderen Luxushotels auch, die Profitabilität. Wie wollen Sie die Hotels wieder zu rentablen Betrieben machen?

Wie bereits erwähnt, erscheint uns die kritische Grösse sehr wichtig, um Synergien gerade im Einkauf voll ausschöpfen zu können. Dann verfügen wir im Marketing schweizweit über ein hervorragendes Netzwerk in allen grösseren Städten, über das wir schon heute Verbindungen zu den wichtigsten Grosskonzernen pflegen. Im Ausland haben wir über unsere Hotelgruppe in Südamerika, die zu den „Leading Hotels of the World“ gehören, ein hervorragendes Netzwerk. Auch im IT-Bereich und im Online-Sektor ist die Manz-Gruppe schon auf dem modernsten Stand der Technik, so dass sich diese Infrastruktur sehr rasch von den vier neuen Hotels nutzen lassen würde. Dass wir nicht nur reden können, sondern auch gute Ergebnisse liefern, zeigt unsere Gruppe. Das Betriebsergebnis (GOP) lag auch in den Krisenjahren bei über 30%. Und wir konnten in den Jahren 2006 bis 2010 jedes Jahr um 16% stärker als der Markt wachsen.

Für den Aktionär wird es schwierig, sich nun zu entscheiden. Nach den Aussagen von Alexander Manz im Interview dürfen die Kleinaktionäre jedoch darauf setzen, dass ihre Interessen auch nach einer allfälligen Übernahme durch SPH gewahrt bleiben. Daher macht eine Andienung für sie möglicherweise wenig Sinn. AEVIS hat sich dazu noch nicht geäussert. Selbst wenn AEVIS nochmals versucht, das aktuelle Angebot zu überbieten, dürften angesichts des geringen Preisunterschiedes letztendlich andere Faktoren wie der Leistungsausweis in der Hotellerie, das Netzwerk, das Image und die Finanzkraft der jeweiligen Partei entscheidend für den Zuschlag sein.

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