Weisse Arena: Bündner Tourismusunternehmen rutscht in die roten Zahlen, schwaches Wintergeschäft – Zukunft liegt in der Digitalisierung

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Die neue Gondelbahn La Siala wurde im Dezember 2015 eröffnet. Quelle: Weisse Arena AG
Die neue Gondelbahn La Siala wurde im Dezember 2015 eröffnet. Quelle: Weisse Arena AG

Das Bergbahn- und Tourismusunternehmen Weisse Arena AG musste im Geschäftsjahr 2015/16, welches per 30. April 2016 endete, erstmalig in der Unternehmensgeschichte einen Verlust ausweisen. Seit der Fusion der Laaxer und der Flimser Bergbahnen im Jahr 1996 schrieb die Gesellschaft stets schwarze Zahlen. Die Gesellschaft wird seitdem auch von Reto Gurtner als VR-Präsident geleitet. Mit zahlreichen Innovationen hat er die Firma von einem reinen Transportunternehmen zu einem Anbieter touristischer Dienstleistungen ausgebaut. Finanziert wurde die Expansion durch Kredite und den Bau und anschliessenden Verkauf von Wohnungen, die gleichzeitig vermietet werden. Mit dem Rocksresort hat die Gruppe ein eigenes Modell von Wohnungen geschaffen, die verkauft wurden und während der Abwesenheit der Eigentümer auch vermietet werden. Statt nunmehr weitere Bauinvestitionen zu tätigen, setzt Gurtner, der gleichzeitig auch CEO der Weissen Arena ist, auf die Digitalisierung des Angebots. In der Digitalisierung und deren Fortschritte liege die Zukunft der Unternehmung, lässt sich Gurtner im aktuellen Geschäftsbericht zitieren. Er ergänzt aber auch, dass jetzt Handlungsbedarf bestehe. So müssten die Kapazitäten an die neuen Gegebenheiten angepasst werden. Die Anlagen der Gruppe seien auf mehr als eine Million Gäste ausgelegt. Von diesem Ziel war die Firma im letzten Winter um 20% entfernt. Trotz des Verlustausweises von 1 Mio. CHF sei die Gruppe dank eines Cashflows von 17 Mio. CHF gesund. Allerdings finde derzeit in der gesamten Tourismusbranche eine radikale Transformation statt. Dies bedeute, dass das Angebot an die veränderte Nachfrage angepasst werden müsse. Als nicht zielführend bezeichnet Gurtner den Ruf nach Subventionen.

Schwaches Wintergeschäft lastet auf den Zahlen

Die Weisse Arena verzeichnete im Winter 2015/16 einen Rückgang der Ersteintritte gegenüber dem bereits schwachen Vorjahr in Höhe von 6% respektive einem Gästeminus um 47’551 auf 750’774 Gäste (siehe Geschäftsbericht). Dank des sehr warmen Sommers 2015 entwickelte sich das Sommergeschäft auf Vorjahreshöhe, so dass für das Gesamtjahr der Gästerückgang mit 5.4% auf 846’451 etwas weniger stark ausfiel. Das Gästeminus führte zu einem Rückgang der operativen Umsätze um 3.5 Mio. CHF auf 67.9 Mio. CHF. Neben diesen, in der konsolidierten Rechnung als Hauptumsätze dargestellten, Einnahmen erwirtschaftet die Gruppe sogenannte Nebenerträge aus Zusatzleistungen wie etwa dem Immobiliengeschäft und Services. Diese stiegen im Berichtsjahr um 4.9 Mio. CHF auf 22 Mio. CHF an, so dass auf Konzernebene ein Umsatzplus von 1.6 Mio. CHF auf 89.8 Mio. CHF resultierte. Wichtigste Einnahmequelle war die Weisse Arena Bergbahnen AG mit einem Umsatz von 33.5 Mio. CHF nach 34.7 Mio. CHF im Vorjahr. Die schwierigen Witterungsbedingungen forderten auf der Ausgabenseite ihren Tribut. So stiegen die betrieblichen Aufwendungen um 1.4 Mio. CHF respektive 10% auf 15.6 Mio. CHF an, während sich die Personalausgaben um 0.4 Mio. CHF auf 9.8 Mio. CHF erhöhten. Hieraus resultierte ein Einbruch des Spartenbetriebsgewinns vor Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) um 35.6% auf 9.7 Mio. CHF. Nach leicht tieferen Sachabschreibungen von 11.5 Mio. CHF (VJ: 11.6 Mio. CHF) und dem Wegfall ausserordentlicher Abschreibungen, die das Vorjahresergebnis mit 2.9 Mio. CHF belasteten, erzielte die Weisse Arena Bergbahnen AG ein negatives EBIT von 1.8 Mio. CHF nach minus 1.4 Mio. CHF im Vorjahr.

Gastronomiesparte konnte Einnahmen steigern

Die zweitwichtigste Einnahmequelle bildet die in der Weisse Arena Gastro AG enthaltene Gastronomiesparte, welche die Einkünfte um 0.3 Mio. CHF auf 31.8 Mio. CHF steigern konnte. Hiervon stammen 57% aus den 17 Betrieben im Tal. Während die neun Berggastbetriebe, die zudem einer Erneuerung unterzogen wurden, einen Umsatzrückgang von 0.5 Mio. CHF auf 12.8 Mio. CHF verbuchten, legte die Talgastronomie vor allem wegen des Betriebs am Caumasee zu. Dort wurde ein Ertragsplus von 0.7 Mio. CHF erreicht. Allerdings zogen auch hier die Kosten deutlich an, was aber teilweise auch dem neu wieder von der Gesellschaft geführten Alpenhotel zuzurechnen ist. So erhöhten sich die Lohnausgaben um 1.3 Mio. CHF auf 12.8 Mio. CHF, während die Betriebskosten um 0.6 Mio. CHF auf 10.3 Mio. CHF anschwollen. Im Ergebnis resultierte ein deutlicher Rückgang des EBITDA um fast 50% auf 1.3 Mio. CHF. Nach den um 0.2 Mio. CHF auf 2.9 Mio. CHF erhöhten Sachabschreibungen resultierte ein negatives EBIT von 1.6 Mio. CHF (Vorjahr: Verlust von 50’000 CHF).

Rocksresort kann weitere Wohnungen verkaufen

Das Rocksresort verzeichnete im Bereichtsjahr einen Rückgang der Übernachtungen um 9% auf 65’000 Logiernächte. Gleichzeitig entwickelte sich der Verkauf der Wohnungen weiterhin sehr positiv, so dass nunmehr 130 der gesamthaft 144 Appartments verkauft sind. Vor allem wegen der Verkäufe legten die Spartenerträge um 1 Mio. CHF auf 6.8 Mio. CHF zu. Bei einem stabilen Personalaufwand von 0.1 Mio. CHF und einem um 0.2 Mio. CHF auf 0.7 Mio. CHF gesunkenen Betriebsaufwand resultierte ein Plus des EBITDA von 1.2 Mio. CHF auf 6.8 Mio. CHF. Während die ordentlichen Sachabschreibungen um 0.2 Mio. CHF auf 1.3 Mio. CHF fielen, belasteten zusätzliche Abschreibungen im Umfang von 3.4 Mio. CHF das Spartenergebnis. So fiel das EBIT um 49% auf 2.1 Mio. CHF. Deutliche Bremsspuren verzeichnete das Geschäft mit Sportartikeln mit einem Umsatzrückgang um 0.7 Mio. CHF auf 4.3 Mio. CHF. Deutlich weniger stark fiel indessen das Minus des EBITDA aus, während das EBIT dank des Verzichts auf zusätzliche Abschreibungen auf dem Vorjahrswert von 0.2 Mio. CHF gehalten werden konnte. Auf Wachstumskurs war auch die Ski- und Snowboardschule mit einem Umsatzplus von 0.5 Mio. CHF auf 7.5 Mio. CHF. Die Mountain Adventures AG betreibt neben dem Unterricht auch noch Cafés und stellt Kapazitäten bei Grossanlässen zur Verfügung. Auch die Dienstleistungsgesellschaft, welche das Marketing für die Destination macht, konnte die Einkünfte um 1.3 Mio. CHF auf 6.7 Mio. CHF ausbauen.

Gruppenverlust von 1.1 Mio. CHF

Auf Konzernebene musste die Weisse Arena einen Verlust von 1.1 Mio. CHF ausweisen. Belastend auf das Ergebnis wirkten sich die im Vergleich zum Vorjahr um 7.2% respektive plus 2.3 Mio. CHF auf 34.2 Mio. CHF angestiegenen Personalkosten aus. Diese stehen ebenso wie die um 12.7% auf 25.2 Mio. CHF angestiegenen Sachaufwendungen im engen Zusammenhang mit den ungünstigen Witterungsbedingungen. Diese erforderten einen deutlich höheren Aufwand, um den Betrieb der Pisten im Winter überhaupt ermöglichen zu können. Deutlich wird dies sogar beim Materialaufwand, der um 0.3 Mio. CHF auf 9.5 Mio. CHF anstieg. So resultierte ein Minus des EBITDA um 16.5% auf 19.9 Mio. CHF. Nach leicht höheren Sachabschreibungen von 18 Mio. CHF (plus 0.1 Mio. CHF) resultierte ein massiver Einbruch des EBIT um fast 70% auf 1.8 Mio. CHF. Trotz der um 0.1 Mio. CHF auf 2.5 Mio. CHF gesunkenen Finanzierungskosten resultierte unter dem Strich ein Verlust von 1.1 Mio. CHF nach einem Vorjahresgewinn von 2.8 Mio. CHF.

Die Geschäftszahlen der Weissen Arena reflektieren das schwierige Umfeld für Bergbahnen. Dank der Erträge aus dem Wohnungsverkauf konnte die Gesellschaft die Ertragsrückgänge im Kerngeschäft kompensieren. Diese noch sprudelnde Einnahmequelle dürfte indessen in den nächsten Jahren mit dem Abschluss des Verkauf der noch verbleibenden 14 Wohnungen versiegen. Diesen Erträgen standen in der Vergangenheit stets auch grosse Investitionen in die Erneuerung und den Ausbau der Infrastruktur gegenüber. Diese fallen zukünftig deutlich geringer aus, so dass die Gesellschaft die erwirtschafteten Mittel zur Rückzahlung der Schulden und für den laufenden Betrieb einsetzen kann. Im Ergebnis sind angesichts des weiterhin hohen Abschreibungsbedarfs auf die Sachanlagen, der auch in den nächsten Jahren anhalten wird, keine massiven Gewinnsprünge zu erwarten. Nicht übersehen werden darf aber auch, dass die Gesellschaft zahlreiche zusätzliche Abschreibungen zulasten der Erfolgsrechnung durchführt, die nicht betriebswirtschaftlich notwendig sind. Bereinigt um diesen negativen Einfluss auf das Ergebnis sollte es der Gruppe auch weiterhin gelingen, schwarze Zahlen zu schreiben, was dem Gros der Bergbahnen nicht gelingt.

Die Aktien der Gesellschaft werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 104 CHF werden die Titel knapp unterhalb des ausgewiesenen Buchwerts von 118 CHF bewertet. Wegen der erhöhten Abschreibungen und der Erträge aus den Wohnungsverkäufen ist eine Bestimmung eines fairen Werts auf der Basis der Kennzahlen der Erfolgsrechnung wenig sinnvoll. In Betracht kommt einzig das – frei von derartigen Sonderfaktoren – Verhältnis des Kurses zum EBITDA von weniger als 3. Dieses Niveau signalisiert keine überteuerte Bewertung der Titel. Ebenfalls als nicht zu teuer angesehen werden kann das Verhältnis des Enterprise Values (EV) zum EBITDA von 9.4 für das abgelaufene Geschäftsjahr. Zusätzlich erhalten diejenigen Aktionäre, die mindestens 75 Titel besitzen, eine Vergünstigung von 10% auf die Bergbahntickets und auf das Mietmaterial. Zumindest für das laufende Jahr müssen die Aktionäre hingegen auf eine Dividendenzahlung verzichten. Ob die Ausschüttungen in den nächsten Jahren wieder aufgenommen werden, ist derzeit offen.

Hinweis in eigener Sache: Mehr über die Zukunft des Schweizer Bergtourismus erfahren Sie im Branchentalk Tourismus am 25. Oktober 2016 auf dem Schiff MS Cirrus in Luzern. Programm und Anmeldung finden Sie hier.

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