Schilthornbahn: Jahresverlust von knapp 4 Mio. CHF

Auch 2021 Verluste in Höhe von 25 bis 30% im Wintersportgeschäft

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Auf dem Allmendhubel, dem „kleinen“ Hausberg von Mürren, hofft man auf einen Restart des Tourismusgeschäfts. Bild: schilthorn.ch

Die Zahlen für das Geschäftsjahr 2020 fallen bei fast allen Bergbahnbetreibern äusserst unbefriedigend aus. Umsatzeinbussen über 50% verzeichnen die Jungfraubahnen, die Pilatus Bahnen, die Titlisbahn; über 30% gehen die Erträge z.B. bei der Rigi Bahn und der Luftseilbahn Wengen-Männlichen zurück.

Deutlicher Gästerückgang sowohl im Sommer als auch im Winter

Auch die Schilthornbahn macht da keine Ausnahme. 46% Ertragsminus teilen die Berner Oberländer für das Geschäftsjahr 2020 mit. Dass vor allem der Sommer mit einem Besucher-Rückgang von 57% schlecht lief, verwundert nicht, ist das doch die Jahreszeit, in der die Touristen aus Übersee, vorwiegend aus Asien und den USA, aber auch aus Resteuropa, unter normalen Umständen das Schilthorn frequentieren. Aber auch im umsatzstärkeren Winter ging die Besucherzahl um 30% zurück.

So wurde 2020 ein Ertrag von 17.3 Mio. CHF erwirtschaftet, nach 30.7 Mio. in 2019. Kräftig wurde auf die Ausgabenbremse getreten: Für Waren, Personal und andere betrieblichen Aufwendungen gab die Schilthornbahn mit 16 Mio. CHF über 5 Mio. weniger aus als 2019. Dennoch steht unter dem Strich ein Jahresverlust von 3.98 Mio. CHF, der noch deutlich höher ausgefallen wäre, hätte man nicht die Abschreibungen, die 2019 noch bei 8.7 Mio. CHF lagen, auf 4.9 Mio. CHF reduziert.

Positiv wertet die Schilthornbahn den Cashflow von 1.22 Mio. CHF; die Liquidität sei zu jedem Zeitpunkt gewährleistet gewesen, beruhigt das Unternehmen seine Lieferanten und Kreditoren in einer Medienmitteilung.

Hoffnung auf einen Restart und das Projekt Schilthornbahn 20XX

Für 2021 geht die Schilthornbahn von Verlusten im Wintersportgeschäft von 25 bis 30% aus. Ein frühere Öffnung der Terassen wäre insbesondere an Schönwettertagen ein wichtiger Faktor für den Besuch im Wintersportgebiet gewesen, schreibt das Unternehmen. So hätten z.B. die Ertragseinbussen aufgrund der kompletten Schliessung der Restaurants seit Weihnachten etwas abgefedert werden können.

Jetzt hoffen die Mürrener auf einen gelingenden Restart nach der Covid-19-Pandemie bzw. nach Aufhebung der bestehenden Massnahmen und richten den Blick nach vorne. Die Plangenehmigung vom Bundesamt für Verkehr für das Projekt Schilthornbahn 20XX wird noch in diesem Frühjahr erwartet. Die ersten vorbereitenden Baumassnahmen verschieben sich allerdings corona-bedingt ins Frühjahr 2022.

Der Verwaltungsrat beantragt den Verzicht auf eine Dividendenausschüttung. Die anhaltende Unsicherheit über die Öffnung der internationalen Reisemärkte und die langfristigen Auswirkungen der Pandemie erfordere eine umsichtige Liquiditätsplanung, schreibt das Unternehmen.

Aktionäre werden zur Beantragung von Covid-19-Härtefallunterstützung befragt

Im Rahmen des Risikomanagements werde zudem die Einreichung eines Gesuchs zur Beantragung von Covid-19-Härtefallmassnahmen geprüft. Obwohl in der Kompetenz des Verwaltungsrats, möchte dieser zuerst die Aktionärinnen und Aktionäre in einer nicht bindenden Konsultativabstimmung dazu befragen, weil der Bezug von Härtefallunterstützungen ein dreijähriges Ausschüttungsverbot nach sich ziehen würde.

Der Kurs der auf OTC-X gehandelten Schilthornbahn-Aktie hat gegenüber März 2020 nochmals nachgelassen. Quelle: otc-x.ch

Die Aktie der Schilthornbahn kostet derzeit 1’560 CHF. Damit liegt der Kurs der Aktie, die auf OTC-X der BEKB gehandelt wird, noch unter dem Wert von Ende März 2020.

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