Raststätten Schweiz: Pandemie sorgt für stockenden Betrieb

Lurag erzielt 2020 schwarze Null aus eigener Kraft, während Thurau-Gruppe Verlust verzeichnet

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Langsam rollt der Verkehr wieder in gewohntem Ausmass über die Schweizer Strassen. Über ein Jahr lang haben die verringerte Mobilität der Schweizerinnen und Schweizer und das Ausbleiben der internationalen Gäste für eine merkliche Beruhigung des Strassenverkehrs gesorgt. Das Ausmass zeigen die vom Bundesamt für Strassen ASTRA publizierten Verkehrszahlen an zehn ausgewählten Zählstellen auf dem Nationalstrassennetz im Vergleich zum Basisjahr 2019. Über das gesamte Jahr 2020 blieb das Verkehrsaufkommen rund 16% unter dem Wert von 2019. Insbesondere während des ersten Lockdowns brachen die Zahlen stark ein, im April 2020 wurden über 50% weniger Personenwagen, Busse und Lastwagen gezählt als im Vergleichsmonat vom Vorjahr. Nach einer Erholung im vergangen Sommer folgte ein neuerlicher, wenn auch weniger starker Einbruch im Winter durch den zweiten Lockdown. Dieser blieb für beinahe das gesamte erste Halbjahr 2021 bestehen, nach den neusten Öffnungsschritten nähert sich das Verkehrsaufkommen aber wieder 2019er Niveau an.

Das Verkehrsaufkommen auf den Schweizer Nationalstrassen nähert sich langsam wieder dem Niveau von 2019 an. Chart: eigene Darstellung
Ohne Verkehr kein Umsatz auf Raststätten

Dürfte das geringere Verkehrsaufkommen manchem Schweizer noch als angenehmer Nebeneffekt der Pandemie erschienen sein, stellte es die Schweizer Raststätten vor grosse Herausforderungen. Sind keine Fahrzeuge unterwegs, braucht es auch kein Benzin; die Umsätze aus Treibstoffverkauf sind somit direkt mit der Mobilität korreliert. Zudem beeinträchtigen die tieferen Frequenzen auch die Restaurants, Shops und Hotels an den Raststätten, dies zusätzlich zu den allgemeinen Einschränkungen in der jeweiligen Branche wie beispielsweise der Schliessung der Restaurants.

Wenig überraschend verzeichneten die Betreiber der Schweizer Raststätten denn auch markante Umsatzeinbussen für das Geschäftsjahr 2020. Die Umsätze der Luzerner Raststätten AG Lurag gingen 2020 um 21% auf 15.2 Mio. CHF zurück. Besonders betroffen war der Hotelbetrieb. Wie es Hotelleiter Daniel Bacher im Geschäftsbericht der Lurag ausdrückt, wurden während der umfangreichsten Stornierungswelle aller Zeiten bis Mitte März praktisch alle Vorausbuchungen im Wert von einer Mio. CHF verschoben oder storniert. Mit dem behördlich verordneten Lockdown und den Grenzschliessungen blieb dem Hotel dann nichts anderes mehr übrig, als die Tore für rund zweieinhalb Monate zu schliessen. Der Hotelumsatz ging 2020 als Konsequenz um über zwei Drittel auf 0.6 Mio. zurück.

Schwarze Null als Erfolg bei Lurag

Etwas weniger stark präsentiert sich das Minus beim Treibstoffabsatz, welcher 16% tiefer lag als 2019 und somit exakt die Entwicklung des schweizweiten Verkehrsaufkommens widerspiegelt. Am erfreulichsten verlief der Betrieb an der Autobahnraststätte Neuenkirch noch in den Tankstellenshops, wo bis im Dezember Umsatzzahlen gar leicht über Vorjahresniveau erzielt wurden und erst mit dem neuerlichen Lockdown ein kleiner Rückgang entstand.

Mit zeitweise bezogener Kurzarbeitsentschädigungen und angepassten Öffnungszeiten der Shops konnte die Lurag dem Umsatzrückgang zwar teilweise entgegenwirken, trotzdem fiel das EBITDA auf 0.9 Mio. CHF, entsprechend einer EBITDA-Marge von 5,8% (Vorjahr 8,7%). Abzüglich von im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls verringerter Abschreibungen und nach Steuern resultiert unter dem Strich gerade noch so eine schwarze Null.

Ungewohnt oft zeigen sich während der Corona-Pandemie leere Strassen und Parkplätze bei der Autobahnraststätte Luzern-Neuenkirch. Bild: Luzerner Raststätten AG
Grenznähe zusätzliches Problem für Thurau-Gruppe

Umsatzmässig von der Pandemie noch stärker betroffen als die Lurag war die Raststätte Thurau AG. Diese ist mit Anteilen von 50%, respektive 54%, an den St. Galler Raststätten Rheintal und Walensee beteiligt, sowie mit 51% an der Raststation Bodensee in Hörbranz, Österreich. Gesamthaft ging der Gruppenertrag 2020 um 39% auf 20.6 Mio. CHF zurück. Dabei verzeichnete die Gruppe in den Bereichen Gastronomie (-50%), Shop (-36%) und Tankstelle (-37%) gleichermassen massive Einbussen. Wieso aber war der Umsatzrückgang bei der Ostschweizer Raststätten-Gruppe höher als bei der Lurag?

Eine zumindest partielle Erklärung bietet erneut der Blick auf die vom ASTRA publizierten Daten zum Verkehrsaufkommen. Von den zehn Zählstellen befinden sich die drei mit dem geringsten Rückgang des Verkehrsaufkommens am Berner Ostring, beim Aeschertunnel am Zürcher Westring und im ebenfalls nahe Zürich gelegenen Würenlos. Die stärksten Verkehrsberuhigungen traten dafür am San Bernardino, in Chiasso und in Coppet bei Genf auf, also allesamt im grenznahen Gebiet. Während der von Pendlern mitbestimmte Verkehr in den sich im Landesinnern befindenden Agglomerationen weniger stark zurückging, war der Effekt in der Nähe der Landesgrenze umso stärker. Die weitgehende Grenzschliessung und damit einhergehend das Ausbleiben von Grenzgängern und Durchreisenden sind die Gründe dafür.

Dies erklärt auch die unterschiedlichen Herausforderungen der Thurau-Gruppe und der Lurag. Letztere war durch die Lage in der Zentralschweiz verhältnismässig wenig von den Grenzschliessungen betroffen, auch wenn auch sie mit dem Ausbleiben von Gruppenreisenden und der geringeren Frequentierung der Nord-Süd-Achse zu kämpfen hatte. Die Thurau-Gruppe war durch ihr Tätigkeitsgebiet nahe der Grenze aber deutlich stärker und direkter betroffen, was sich auch gruppenintern zeigt. So litt die Raststätte Rheintal stark unter ausbleibendem, grenzübergreifendem Werksverkehr und den wegfallenden Skitouristen von und nach Österreich, während die Raststätte Walensee vom erhöhten inländischen Tourismus profitierten konnte und somit weniger Einbussen verzeichnete.

Perspektiven bleiben auch nach Verlustjahr unsicher

Auch bei der Thurau-Gruppe vermochten Kosteneinsparungen an den verschiedenen Standorten und Kurzarbeitsentschädigung die tieferen Umsätze nicht gänzlich zu kompensieren. Für die Gruppe resultierte deshalb gar ein geringer Jahresverlust von 50’000 CHF, während im Vorjahr noch ein Gewinn von 1.2 Mio. zu Buche gestanden hatte. Immerhin konnte der Neubau der Raststätte Thurau Nord planmässig und ohne Unterbruch durchgeführt werden, die Einschränkungen des Betriebes fielen ausserdem in die Zeit der geringen Kundschaft aufgrund der Pandemie.

Das laufende Geschäftsjahr bleibt anspruchsvoll für die Schweizer Raststätten. Bis Mitte Juni lag das Verkehrsaufkommen an den zehn Zählstellen erneut rund 17% unter der Vergleichsperiode von 2019. Jedoch ist ein deutlicher Aufwärtstrend feststellbar – in der ersten Junihälfte lag das Minus nur noch bei 6%. Dies lässt auf eine bessere zweite Jahreshälfte hoffen. Ein weiterer Pluspunkt stellt für die Raststätten die Aufhebung des Alkoholverkaufsverbots dar. Seit Anfang 2021 kann somit in den Tankstellenshops, Restaurants und Hotels auf Schweizer Raststätten ebenfalls Alkohol verkauft werden, was Zusatzumsätze generieren wird.

Fazit

Auch wenn der Verkehr auf den Schweizer Strassen und somit auch das Geschäft der Raststätten langsam wieder ins Rollen kommt, bleibt die Situation schwierig. Nach den neuerlichen Schliessungen Anfang Jahr und der verringerten Mobilität der Schweizerinnen und Schweizer sind erneut bescheidene Ergebnisse für das Gesamtjahr 2021 zu erwarten. Auch längerfristig müssen sich die Raststätten mit absehbaren Herausforderungen auseinandersetzen. Der Ruf nach nachhaltiger Mobilität bleibt auch nach Ablehnung des CO2-Gesetzes bestehen. Die Treibstoffabsätze dürften somit auch in Zukunft durch diesen Wandel unter Druck bleiben; dafür bieten sich Möglichkeiten durch E-Mobilitäts-Ladestationen. Die Lurag beispielsweise verfügt bereits seit 2018 über sechs 350-kW-Ladestationen.

Die Aktienkurse der Lurag AG (schwarz) und der Raststätten Thurau AG (blau) liegen nach einem markanten Absturz zum Ausbruch der Corona-Pandemie deutlich unter den Werten von 2018. Chart: money-net.ch

Die Aktien der Lurag AG und jene der drei Ostschweizer Raststätten werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Der Kursverlauf der Titel über die letzten Jahre ist dabei wenig erbaulich, liegen die Kurse doch allesamt unter den im Juni 2018 bezahlten Werten. Dieses Jahr verzichten die Gesellschaften ausserdem aufgrund der schlechten Resultate auf die Ausschüttung einer Dividende. Zumindest bei den drei Ostschweizer Gesellschaften könnte dies auch über die nächsten Jahre so bleiben, schliesslich haben sie nach dem unsicheren Start ins 2021 allesamt beim Kanton ein Gesuch um Härtefallentschädigung eingereicht. Sollten diese genehmigt werden, dürften die Gesellschaften in den nächsten drei Jahren keine Dividenden ausschütten.

Die Lurag hingegen konnte gemäss eigenen Angaben die Liquidität jederzeit aus eigener Kraft sicherstellen. Eine Wiederaufnahme der Dividende sollte somit nach überstandener Pandemie wieder möglich sein. Dadurch und durch die über 20%ige Kurskorrektur seit Ausbruch der Pandemie bis zuletzt auf 850 CHF je Aktie könnten die Lurag-Titel langfristig betrachtet durchaus attraktiv sein.

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