Precious Woods: Nachhaltigkeit und operative Risiken prägen Geschäft

Erstes Halbjahr 2021 als Lichtblick

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Die Tropenwälder gehören zu den artenreichsten Gebieten unseres Planeten. Um Flora und Fauna intakt zu halten, setzt Precious Woods in Brasilien und Gabun auf eine nachhaltige Waldbewirtschaftung. Bild: Precious Woods, Facebook

Der Brasilianische Amazonas und Tropenwälder in Gabun. Was nach exotischen Tourismusdestinationen klingt, stellt für die in Zug beheimatete Precious Woods AG das Zentrum der Geschäftstätigkeit dar. Das Unternehmen ist auf die nachhaltige Bewirtschaftung von Tropenwäldern und die Herstellung und den Verkauf von zertifizierten Halbfertigprodukten aus Tropenhölzern spezialisiert. Damit unterscheidet sich das Geschäftsmodell frappant vom allgemeinen Ruf des Holzmarktes in Regenwäldern und insbesondere im Amazonas. Berichte und Bilder von Bränden und Rodungen standen in den letzten Jahren im Vordergrund und liessen Zweifel über die langfristige Überlebensfähigkeit der grünen Lunge unseres Planeten aufkommen. Obschon bereits rund 20% des ursprünglichen Amazonas Regenwaldes vernichtet sind, werden die Ressourcen weiter ausgenutzt und neue Fläche zum Ackerbau geschaffen.

Holzernte auf Basis von wissenschaftlicher Datensammlung

Auf Erhalt statt Vernichtung ist dafür die Waldbewirtschaftung von Precious Woods ausgerichtet. Das Unternehmen verpflichtet sich zu einer schonenden Waldnutzung und beschränkt den Holzeinschlag auf maximal 3 Bäume pro Hektar Wald in einem Zyklus von 25 Jahren in Gabun, beziehungsweise 35 Jahren in Brasilien. Dieser selektive Holzeinschlag beruht auf akribischer Datensammlung. So werden alle wichtigen topografischen und botanischen Informationen der Gebiete sowie alle Bäume ab einer Grösse von einem halben Meter Durchmesser erfasst. Besonders schützenswerte Gebiete beispielsweise aufgrund von hoher Biodiversität, der Beheimatung gefährdeter Tierarten oder religiöser Bedeutung für die lokale Bevölkerung werden zudem von der Ernte ausgeschlossen. Durch diese Massnahmen soll eine schnelle Regeneration des Waldes und der Erhalt des Ökosystems gewährleistet werden. Precious Woods lässt sich diese Bemühungen jährlich durch das Project for the Endorsement of Forest Certification (PEFC) und das Forest Stewardship Council (FCS) doppelzertifizieren.

Wichtige Funktion als natürlicher CO2-Speicher

Per Ende 2020 bewirtschaftete Precious Woods rund 1.1 Mio. Hektar Waldfläche nach diesen Kriterien. Ein Wert, der annähernd der gesamten Schweizer Waldfläche entspricht. Die Bedeutung fürs Klima wird bei Betrachtung des in den Bäumen gespeicherten CO2 klar. Auf über 330 Mio. Tonnen beläuft sich dieses gemäss Unternehmensangaben. Dies entspricht ungefähr dem Siebenfachen des in der Schweiz jährlich ausgestossenen CO2. Für den Planeten ist eine nachhaltige Bewirtschaftung der Tropenwälder deshalb unabdingbar, für Precious Woods bedingt sie aber auch finanzielle Einbussen. Schliesslich wäre eine intensivere Nutzung, wie dies in Gabun und Brasilien häufig und teils illegal vorkommt, mit deutlich weniger Kosten verbunden.

Munteres Auf und Ab definiert jüngere Vergangenheit

So verzeichnete das 1990 gegründete Unternehmen in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrzehntes jährlich einen Verlust in Millionenhöhe. Seither wechselten sich Gewinn- und Verlustjahre munter ab. 2020 stand bei Umsätzen von 46.2 Mio. EUR ein Verlust von 2.2 Mio. zu Buche. 67% der Umsätze entfielen auf die nachhaltige Forstwirtschaft in Gabun, 28% auf jene in Brasilien und 5% auf den Bereich Trading. Haupteinnahmequelle ist der Verkauf von Rund- und Schnittholz aus über 60 verschiedenen Holzarten. Am Standort im Brasilianischen Amazonas betreibt Precious Woods zudem ein Biomassekraftwerk, welches Sägemehl und Holzreste aus dem Sägewerk zur klimafreundlichen Stromproduktion für den Eigenbedarf und die nahe gelegene Stadt nutzt. Dem Kraftwerk werden für die verhinderten Emissionen von jährlich um die 150’000 Tonnen CO2-Äquivalenten Emissionszertifikate gutgeschrieben, welche von Precious Woods weiterverkauft werden und so eine weitere – wenn auch kleine – Umsatzquelle darstellen.

Erstes Semester 2021 lässt hoffen

In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2021 kehrte Precious Woods mit einem Ergebnis von 1.4 Mio. EUR (Vorjahr -2.3 Mio.) erneut in die Gewinnzone zurück. Auch die Umsätze legten mit 27.2 Mio. EUR (+18%) begünstigt durch gestiegene Holzpreise deutlich zu. Die Nachfrage nach Rohstoffen ist hoch, trotzdem sind die Lagerbestände der Precious Woods insbesondere in Gabun hoch. Infrastrukturelle Beeinträchtigungen behinderten den Transport an weiterverarbeitende Werke und an den Hafen, ebenso nahm die Frequenz der Verschiffungen aufgrund der Covid-19-Situation spürbar ab. Für das zweite Halbjahr sind noch keine Zahlen bekannt, im Halbjahresbericht ging das Unternehmen jedoch von einer positiven Entwicklung und starken Umsatz- und Rentabilitätssteigerung für das Gesamtjahr aus.

Fazit

Nachhaltig wirtschaftende Unternehmen sind gefragt bei Investoren. Doch für ein attraktives Investment muss auch die Wirtschaftlichkeit stimmen. Und genau da harzt es noch bei Precious Woods. Mit der nachhaltigen Bewirtschaftung von Tropenwäldern trifft das Unternehmen zwar den Nerv der Zeit – an der Klimakonferenz in Glasgow vergangenen Herbst haben 100 Staaten einen Pakt geschlossen, um die Zerstörung der Wälder zu stoppen –, doch vermag es sich noch zu wenig konstant in der Gewinnzone zu halten. Wenn es gelingt, das im ersten Halbjahr 2021 erzielte Umsatzwachstum und die Margen zu halten, würde für das Gesamtjahr ein Umsatz von 54 Mio. EUR und ein Gewinn von knapp 3 Mio. resultieren. Beides wären ohne Sondereffekte Höchstwerte der letzten 10 Jahre.

Die operativen Risiken sind hoch. In Gabun stellt die Infrastruktur ein Problem dar; immer wieder führen der Zustand der Strassen und mangelnde Schienenkapazitäten zu Logistikproblemen. In Brasilien ist die Unterstützung des Staates zum Schutz der Wälder vor illegaler Abholzung und Rodung bestenfalls gering. Dies erhöht den eigenen Patrouillenaufwand für Precious Woods und gefährdet langfristig die Gesundheit des gesamten Tropenwaldes. Dazu kommen in beiden Ländern teils Verzögerungen aufgrund von Streiks oder Personalmangel bei den Behörden. Ein weiterer nicht beeinflussbarer externer Einflussfaktor ist der Holzpreis, welcher im ersten Semester 2021 teils historische Höchstwerte erreichte und so zum positiven Halbjahresergebnis verhalf.

Die Aktien der Precious Woods AG werden seit Ende letzten Jahres ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Der letztbezahlte Kurs liegt bei 12.50 CHF. Auf Basis des oben erwähnten allfälligen Gewinnes für 2021 von knapp 3 Mio. EUR entspräche dies einem KGV von 31. Eine doch eher hohe Bewertung für ein Unternehmen, das den Beweis noch schuldig ist, konstant positive Ergebnisse liefern zu können. Auch das KBV von 1.9 per Ende des ersten Semesters 2021 ist nicht gerade günstig. Dividende zahlt das Unternehmen keine, die vorhandene Liquidität wird zum Auffangen saisonaler Schwankungen und politischer Risiken benötigt.

Die Bewertung dürfte momentan somit wohl stark von der Nachhaltigkeit von Precious Woods getrieben sein. Sollte das Unternehmen auch nachhaltig in den schwarzen Zahlen operieren können, hätte dies Signalwirkung, dass tatsächlich auch eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Waldbewirtschaftung erfolgreich sein kann. Precious Woods würde somit in diesem Bereich eine Leader-Rolle einnehmen. Zudem beschränkt sich das Unternehmen nicht bloss auf ökologische Verantwortung, sondern fördert auf lokaler Ebene auch Kultur sowie Bildungs- und Gesundheitswesen. Dieser umfassende Nachhaltigkeitsansatz macht Precious Woods attraktiv für Impact Investing.

Dank der schonenden Nutzung finden auch grosse Säugetiere wie Jaguare, Elefanten und Gorillas Lebensraum in den Tropenwäldern von Precious Woods. Bild: Precious Woods, Facebook

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