schweizeraktien.net – Die Woche | 14. Juni 2021

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Es hat richtig Spass gemacht, an unserem Branchentalk Banken in der letzten Woche endlich wieder einmal Leute persönlich und ungezwungen getroffen zu haben. Auch wenn unsere Gäste aufgrund der Schutzmassnahmen gezwungen waren, beim Apéro riche am Tisch zu sitzen, so entwickelten sich auch nach der Diskussion mit Andréa Maechler bilateral angeregte Gespräche. Kein Wunder hatte die Direktorin der Schweizerischen Nationalbank (SNB) doch klare Worte zu den Kryptowährungen gefunden, aber auch aufgezeigt, dass sich die SNB der neuen Technologie nicht verschliesst. Beim Apéro wurden auch neue Kontakte geknüpft und bestehende aufgefrischt. Uns hat es gezeigt, wie wichtig Präsenzanlässe sind. Sie werden durch die Pandemie nicht verschwinden. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an alle Teilnehmer, die am Branchentalk dabei waren.

Doch werden Präsenzanlässe wieder ihren früheren Stellenwert erhalten? Die Pandemie und digitale Tools haben dazu geführt, dass es Teilnehmer gewohnt sind, sich Wissen und neue Erkenntnisse in virtuellen Veranstaltungen anzueignen. Dies spart Zeit, Kosten und ist bequemer. Die Kongressbranche sieht daher die Zukunft in «hybriden» Events. Auch der Börsenkandidat Kursaal Bern setzt auf diese Eventform, wie uns Geschäftsführer Kevin Kunz und Finanzchef Oliver Schmutz in einem Gespräch erklärt haben.

Doch die hybriden Events könnten dazu führen, dass sich die Gesamtzahl der Teilnehmer zwar erhöht, die Anzahl der Besucher am Präsenzanlass jedoch sinkt. Kommt hinzu, dass die Zahlungsbereitschaft für einen digitalen Event deutlich geringer als für einen Präsenzanlass sein dürfte. Wir sind gespannt, wie sich die Branche entwickelt. Kurzfristig sollte sie jedoch vom immensen Nachholbedarf profitieren.

Der Nachholbedarf und das Bedürfnis zu konsumieren, zeichnet sich derzeit über alle Branchen hinweg ab. Mittlerweile sind es nicht nur die Börsenkurse, die einen Teil dieser als «Re-opening-Trade» bezeichneten Entwicklung vorwegnehmen. Auch aus der Unternehmenswelt kommen immer wieder positive Signale. So gab am Freitag die Zuger Bossard-Gruppe bekannt, dass Umsatz und Gewinn nicht nur deutlich über der von der Pandemie geprägten Vorjahresperiode, sondern auch über dem ersten Halbjahr 2019 liegen würden. Bossard beliefert unterschiedliche Industriebetriebe dank eines ausgeklügelten Logistiksystems mit Schrauben und anderen Verbindungselementen. Daher gilt der Auftragseingang bei Bossard als ein guter Indikator für die künftige Konjunkturentwicklung. Die Ampeln stehen hier jedenfalls auf Grün.

Auch bekannte Wirtschaftsforscher kommen – je länger je mehr – zum Schluss, dass das Ende der Pandemie eine völlig neue Dynamik auslösen wird. Wirtschaftshistoriker Thomas Straumann vergleicht die Phase mit den Goldenen Zwanzigern, den «Roaring Twenties», die ab etwa 1920 – in einzelnen Ländern wie dem von einer starken Hyperinflation getroffenen Deutschland um einige Jahre verzögert – nach dem Ende des ersten Weltkriegs 1918 und der darauffolgenden tiefen Rezession einen nie dagewesenen Wirtschaftsboom auslösten. Auch wenn die Pandemie ein einschneidendes Ereignis für Wirtschaft und Gesellschaft war bzw. noch ist, so erscheint ein Vergleich mit der Situation nach dem 1. Weltkrieg doch etwas weit hergeholt, finden wir. Leid und Tod der Corona-Pandemie sind jedenfalls nicht mit den Kriegsfolgen vergleichbar.

Wenn schon Analogien zur Geschichte bemüht werden, sollte auch nicht vergessen werden, dass die «Roaring Twenties» im «Schwarzen Donnerstag», dem grossen Börsenkrach vom 24. Oktober 1929 und der dann folgenden Weltwirtschaftskrise mündeten. Auch aktuell erscheinen die Börsen in Partylaune – und es ist angesichts der vielen systemischen Risiken nicht gesichert, dass noch acht gute Jahre vor uns liegen.

Durch die Corona-Krise scheint die Klima-Krise etwas in den Hintergrund geraten zu sein. So könnte man jedenfalls die Ablehnung des CO2-Gesetzes interpretieren. Dass Politik, Wirtschaft und Gesellschaft wegen des Klimawandels aktiv werden müssen, erscheint weiterhin unbestritten. Doch über das «Wie» und vor allem die Geschwindigkeit herrscht kein Konsens, wie der Ausgang der Abstimmung vom gestrigen Sonntag zeigt. Es ist auch als Signal der Bevölkerung zu verstehen, dass sie doch nicht so schnell auf Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, Ölheizungen und Kurztrips mit dem Flugzeug verzichten will bzw. verursachergerechte Preise dafür nicht zu bezahlen bereit ist. Nun muss die Politik nach Lösungen suchen, welche in der breiten Bevölkerung akzeptiert werden.

In der kommenden Woche erwarten Sie gleich zwei Interviews bei uns: eines mit Daniel Buser, VRP der Kursaal Bern AG, und eines mit Mathias Imbach, CEO von Sygnum. Wir befragen Imbach zu den jüngsten Turbulenzen am Kryptomarkt.

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in die Woche.

Aktuelle Artikel vom schweizeraktien.net-Team




Branchentalk Banken: Tokenisierte Welt eröffnet neue Möglichkeiten

Branchentalk Banken: Tokenisierte Welt eröffnet neue Möglichkeiten

Klare Worte von SNB-Direktoriumsmitglied Andréa Maechler an unserem 8. Branchentalk Banken zu Kryptowährungen. Nach Ansicht der SNB sind diese nur ein spekulatives Anlageinstrument. Breit verfügbarem Digitalgeld erteilte Maechler eine Absage. Hingegen rief sie dazu auf, mit der neuen Technologie zu experimentieren…

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Branchentalk Banken: Expansion auf neuen Wegen

Branchentalk Banken: Expansion auf neuen Wegen

Wie bereits seit 2014 führte Zern & Partner auch 2021 wieder die traditionelle Umfrage unter den regional aktiven Banken der Schweiz durch. Die Selbsteinschätzung der eigenen Bank wie auch der Branche als Ganzes zeigt trotz Pandemie mit Durchschnittswerten zwischen 7 und 8 auf der bis 10 reichenden Skala ein hohes Mass an Zufriedenheit…

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Kursaal Bern: Frisches Kapital aus dem Börsengang soll Marktposition stärken

Kursaal Bern: Frisches Kapital aus dem Börsengang soll Marktposition stärken

Die Kursaal Bern AG hat weitere Details zum IPO an der BX Swiss bekannt gegeben. Seit dem 11. Juni 2021 können Aktionäre 40’781 neue Aktien im Bezugsverhältnis 2:1 zeichnen. Nicht gezeichnete Aktien stehen neuen Aktionären zur Verfügung. Die Preisspanne liegt zwischen 350 und 380 CHF pro Aktie. Erster Handelstag an der BX Swiss soll der 29. Juni 2021 sein. Wir haben mit CEO Kevin Kunz und CFO Oliver Schmutz über die Hintergründe für den Börsengang gesprochen…

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Kursaal-Casino Luzern: Wiederaufnahme der Dividendenzahlung dank Online-Boom

Kursaal-Casino Luzern: Wiederaufnahme der Dividendenzahlung dank Online-Boom

Während die terrestrischen Spielbanken wegen der Pandemie im Jahr 2020 teilweise geschlossen waren, boomte das Geschäft mit dem Geldspiel im Onlinebereich. Die Grand Casino Luzern AG profitierte davon mit ihrem Online-Angebot mycasino.ch und erzielte in diesem neuen Geschäftsfeld einen Bruttospielertrag (BSE) von 69 Mio. CHF, während der BSE im landbasierten Casino-Geschäft stark rückläufig war auf nur noch knapp 25 Mio. CHF. Die Aktionäre haben für 2020 erstmals wieder eine Dividende erhalten…

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Was uns im Netz sonst noch aufgefallen ist…




SNB und Banque de France starten Versuch mit Digitalwährung

SNB und Banque de France starten Versuch mit Digitalwährung

Die Banque de France sowie die Schweizerische Nationalbank (SNB) wollen in Europa grenzüberschreitend funktionierende Digitalwährungen testen und betreten damit Neuland, wie nau.ch berichtet…

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Digitale Währung im Aufwind – Schweizer Börse kotiert bereits das hundertste Kryptoprodukt

Digitale Währung im Aufwind – Schweizer Börse kotiert bereits das hundertste Kryptoprodukt

Investoren, die in der Schweiz in Kryptowährungen investieren wollen, haben immer mehr die Qual der Wahl. Seit wenigen Tagen können Anleger aus mittlerweile 100 Produkten mit Kryptowährungen als Basiswert wählen, die an der SIX gehandelt werden. Damit trifft die SIX offenbar den Zeitgeist: Das Handelsvolumen im laufenden Jahr hat im Vergleich zum Vorjahr 2020 massiv zugelegt, wie derbund.ch berichtet…

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BIZ: Lastet der Bitcoin bald wie Blei auf den Bankbilanzen?

BIZ: Lastet der Bitcoin bald wie Blei auf den Bankbilanzen?

Krypto-Akteure im Bankenumfeld sehen sich an verschiedenen Stellen mit verschärften regulatorischen Auflagen wie etwa einem härteren Kapitalregime bei der Eigenkapitalunterlegung von bilanziellen Risikopositionen konfrontiert. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) schlägt für Bitcoin und andere Digitalwährungen nach einem Bericht von finews.ch eine Risikogewichtung von 1’250% in Bankbilanzen vor – und geht damit sogar noch über das Risikogewicht der SNB hinaus. Noch handelt es sich nur um einen Vorschlag, aber der Druck auf die «Kryptoindustrie» dürfte paradoxerweise mit dem wachsenden Erfolg von Kryptowährungen zunehmen…

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Man muss ESG nicht lieben, aber ignorieren ist keine Option

Man muss ESG nicht lieben, aber ignorieren ist keine Option

Nachhaltige Kapitalanlagen liegen im Trend. Das hat auch die Finanzindustrie erkannt. Sie ist in den letzten Jahren auf den «grünen Zug» aufgesprungen. In einem Gastbeitrag für «The Market» (Login notwendig) schreibt der kanadische Ökonom David Rosenberg, dass der ESG-Trend mittlerweile viele «Green-Washer» auf den Plan gerufen hat, die wohl bald aus dem Markt gedrängt werden. Er nennt auch Kriterien für eine erfolgreiche ESG-Strategie…

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Swiss Post Solutions: Post-Tochter steht vor Börsengang

Swiss Post Solutions: Post-Tochter steht vor Börsengang

Dank der guten Stimmung an den Aktienmärkten füllt sich auch die IPO-Pipeline immer weiter. Wie luzernerzeitung.ch berichtet, steht die Swiss Post Solutions offenbar vor einem Börsengang. Das in der digitalen Transformation von Geschäftsprozessen im Dokumentenmanagement spezialisierte Unternehmen setzte 2020 rund 539 Mio. CHF um und arbeitet profitabel…

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Luzern darf wieder mit den Chinesen rechnen

Luzern darf wieder mit den Chinesen rechnen

Die Verantwortlichen der Tourismusdestination Luzern registrieren nach einem Bericht von zentralplus.ch ein wieder steigendes Interesse von chinesischen Gästen ab dem Herbst und erwarten hier «gewisse Nachholeffekte». Doch offenbar hat die Pandemie auch das Reiseverhalten in China stark verändert: Im Mittelpunkt stehen nicht mehr – anders als früher – Gruppenreisen, sondern Individualtourismus. Auch darauf muss sich die lokale Tourismusbranche einstellen…

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Schweizer zieht es ans Meer statt in die Berge (ePaper, Login notwendig)

Schweizer zieht es ans Meer statt in die Berge (ePaper, Login notwendig)

Nach einem Bericht der Sonntagszeitung (Login notwendig) befürchtet die hiesige Tourismusindustrie trotz Öffnungsschritten einen «miserablen» Sommer – weil die Reiselust der Schweizer in diesem Jahr wieder erwacht und nicht länger «Zwangsferien zuhause» notwendig sind wie im Corona-Sommer 2020, die sogar einigen Betrieben einen unerwarteten Boom mitten in der Krise beschert hatten…

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Die Reddit-Anleger-Horden sind an der Schweizer Grenze angekommen

Die Reddit-Anleger-Horden sind an der Schweizer Grenze angekommen

Die wenigsten Schweizer Anleger dürften bisher von der börsenkotierten deutschen windeln.de SE gehört haben. Die Aktie fristete nach hohen Kursverlusten und vielen operativen Fehlschlägen nur noch ein Mauerblümchendasein an den Börsen unseres nördlichen Nachbarlands. Vor wenigen Tagen stieg die Aktie – scheinbar grundlos – wie Phönix aus der Asche empor… In sozialen Medien organisierte Kleinanleger hatten sich, wie einst bei Gamestop, der Aktie angenommen und jagten diese raketengleich in den Himmel, um den Titel kurze Zeit auch wieder teilweise abstürzen zu lassen. Die deutsche Finanzmarktaufsicht Bafin warnt, und auch nzz.ch hat sich des Themas angenommen (Login notwendig). Wann treffen diese «Anlegerhorden» die Schweiz – und welche Aktien sind möglicherweise betroffen?…

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Luzerner Hotel Château Gütsch mit neuem Besitzer

Luzerner Hotel Château Gütsch mit neuem Besitzer

Das an ein «Märchenschloss» erinnernde und weit über Luzern hinaus bekannte Château Gütsch oberhalb der Stadt hat einen neuen Besitzer, bleibt jedoch in russischer Hand. Über einen liechtensteinischen Fonds und eine Luzerner AG als zwischengeschaltete Gesellschaften hat der ehemalige Aeroflot-Manager und Unternehmer Kirill Androsov die Traumimmobilie in bester Aussichtslage von seinem Landsmann Alexander Lebedev zu einem nicht genannten Preis erworben. Wie htr.ch berichtet, plant der neue Eigentümer nach einer «sanften Renovation» die Wiedereröffnung als gehobenes Boutiquehotel mit «moderner, internationaler Küche» im Januar 2022… Man darf mit Blick auf die jüngere Vergangenheit gespannt sein, wie sich dieses Projekt in der Praxis entwickelt…

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