Metall Zug: Transformation zur Beteiligungsholding schreitet zügig voran

Starker Rebound in den Geschäftsbereichen lässt Gewinne sprudeln

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Die Metall Zug-Gruppe ist ist verschiedenen Branchen wie Medizintechnik und Automobilindustrie tätig. Bild: Metall Zug AG

Das Konzernergebnis der Metall Zug-Gruppe erreichte im Geschäftsjahr 2021 mit 53.3 Mio. CHF den besten Wert seit drei Jahren. Der Umsatz fiel zwar um 19,6% auf 661.9 Mio. CHF, doch bereinigt um die Abspaltung von V-Zug, Währungs- und Akquisitionseffekte errechnet sich ein organisches Wachstum des Nettoumsatzes von 10,5%. Das ist die höchste Wachstumsrate der letzten fünf Jahre und zeigt den Fortschritt in der strategischen Neu-Ausrichtung als unternehmerisch geführte Beteiligungsgesellschaft.

Der Jahresabschluss 2021 ist von operativen, strategischen und makro-ökonomischen Faktoren geprägt. Hervorzuheben sind die schnelle Erholung und der steigende Auftragseingang in zwei der drei wichtigsten Geschäftsbereichen: Medical Devices und Wire Processing. Nach einem schwierigen Jahr 2020 mit jeweils negativem Betriebsergebnis gelang in beiden Sparten ein kräftiger Sprung zurück zu einem positiven EBIT.

Operative Zahlen

Bei Medical Devices erreichte das EBIT mit 24.6 Mio. CHF den besten Wert seit der Akquisition durch Metall Zug. Der Vorjahreswert betrug noch -4.4 Mio. CHF. Der Umsatz kletterte auf 215.2 Mio. CHF nach 169.6 Mio. CHF im Vorjahr. Ähnlich ist das Bild im Bereich Wire Processing, wo sich der Umsatz von 150 Mio. CHF auf 206.2 Mio. CHF und das EBIT von -6 Mio. CHF auf 14.6 Mio. CHF verbesserten.

Rückläufig fiel dagegen das EBIT im Bereich Infection Control aus. Das Betriebsergebnis sank von 8.9 Mio. CHF auf 2.6 Mio. CHF. Doch der Grossteil des Vorjahreswerts entfiel auf positive Sondereffekte aus Liegenschaftstransaktionen. Der Umsatz nahm jedoch leicht auf 180.2 Mio. CHF zu. Insgesamt lag das EBIT von Metall Zug bei 42.3 Mio. CHF, nach 15.5 Mio. CHF im Vorjahr.

Abspaltungseffekte

Deutlich verbessert hat sich das Finanzergebnis, das von 4.4 Mio. CHF im Vorjahr auf 17.6 Mio. CHF anstieg. Dazu trug auch das anteilige Konzernergebnis von V-Zug bei, an der Metall Zug eine 30%-Beteiligung hält. Ähnlich wird zukünftig mit der geplanten 25%-Beteiligung an Komax verfahren werden. Im Februar kündigten Komax und Metall Zug an, dass die Schleuniger Group in Komax eingebracht wird und dafür Metall Zug eine 25%-Beteiligung erhält. Dem müssen noch die Komax GV sowie die Kartellbehörden zustimmen.

Metall Zug hat somit die 2019 angekündigte Strategieänderung trotz Pandemie in mehreren Schritten vollzogen. Die Verselbständigung und Abspaltung von V-Zug haben bei Metall Zug zur Fokussierung und bei V-Zug zur Freisetzung neuer Energien geführt. Auch wenn der Aktienkurs von V-Zug mittlerweile im Korrekturmodus ist, die eigenständige Börsenkotierung hat für die Aktionäre Wert geschaffen.

Der Aktienkurs von V-Zug seit Erstnotiz im Juni 2020. Chart: six-group.com

Mit der Komax-Transaktion folgt ein weiterer Meilenstein in der Transformation von Metall Zug hin zu einer Holdinggesellschaft mit substanziellen Beteiligungen an Schweizer Industrieunternehmen. Zukäufe sollen vorwiegend in den bestehenden Geschäftsfeldern getätigt werden. 2021 wurden diverse Beteiligungen der Tochtergesellschaften aufgestockt oder vollständige Übernahmen getätigt.

Die Schleuniger Gruppe soll in Komax eingebracht werden. Abb.: Metall Zug, Investorenpräsentation 15. März 2022

Etwas unter dem Radarschirm bewegt sich noch die Entwicklung des Technologieclusters Zug auf dem eigenen Areal. Hier werden Gebäude errichtet, Infrastrukturen geschaffen und richtungsweisende Lösungen für die Probleme unserer Zeit entwickelt.

Tech Cluster Zug in Zahlen

Metall Zug setzt neben Solarenergie auch auf Abwärme, Seewasser und Grundwasser. Auf dem Areal können daher die Mieter in der kommenden Heizperiode 2022/2023 vollständig mit CO2-neutraler Energie versorgt werden. Einige Projekte werden bereits 2022 abgeschlossen werden, andere bis spätestens 2026. Es gibt auch Verzögerungen. Das ursprünglich als reines Holzhaus geplante Gebäude für Wohnungsmieter wurde so nicht genehmigt und wird nun in einer Holz-Beton-Version realisiert, allerdings erst ein Jahr später fertiggestellt. Das Gebäude für die VZ Depotbank wird dagegen nach Fertigstellung an die Bank verkauft. Ebenso sind ausgesuchte Apartments für den Verkauf vorgesehen. Wohnraum, Parkplätze und Gewerberäume bringen dagegen Mieteinnahmen. Bis 2025 liegen allein die jährlichen Investitionen in Renditeliegenschaften zwischen 18 Mio. CHF und 24 Mio. CHF, insgesamt rund 107 Mio. CHF. Ab 2025 werden dann Mieterlöse von über 5 Mio. CHF p.a. prognostiziert.

Innovations-Hub

Gegenwärtig zeigt sich noch wenig von dem Mega-Investitionsprojekt Tech Cluster Zug in den Zahlen. Doch das wird sich in den nächsten Jahren ändern. Noch bedeutsamer ist aber die Positionierung als Hightech-Cluster mit neutralem CO2-Fussabdruck. Das wird junge innovative Unternehmen anziehen, den Standort sehr viel attraktiver machen und durch die angestrebte Vernetzung auch vielfältige neue Geschäftsmöglichkeiten erschliessen.

Investitionskosten über die Nutzungsdauer eines Assets verteilt. Abb.: Metall Zug, Investorenpräsentation 15. März 2022
CO2-Absorption

Die Standorte von Metall Zug in der Schweiz sind bereits CO2-neutral, und obwohl das Unternehmen von jeher eine nachhaltige Geschäftspolitik verfolgt, wurde doch in den letzten Jahren das verantwortungsvolle Handeln noch stärker in den Fokus der Entwicklung gerückt. Interessant ist hierbei, dass die Mitarbeitenden voll in den Prozess integriert sind und dass das Unternehmen starke eigene Akzente setzt. Beispielsweise wird Absorptionsprojekten gegenüber Kompensationsschemata in der CO2-Reduktion der klare Vorzug gegeben. Als Beispiel nennt Metall Zug standortgerechte Aufforstung und Carbon-Capture-Technologien.

Grüner Wasserstoff

Richtungsweisend ist das mit WWZ gegründete Joint Venture Multi Energy Zug AG. Sie soll neue nachhaltige Energieversorgungslösungen durch Sektor-Kopplung schaffen. Neben Solaranlagen und Energiespeicherlösungen wird auch eine Wasserstoffproduktionsanlege für grünen Wasserstoff konzipiert.

Fazit

Die Ergebnisse des Jahres 2021 dokumentieren, dass Metall Zug in den Vorjahren die Weichen richtig gestellt hat. Das ermöglicht es auch, die Dividende von 1.70 CHF im Vorjahr auf 3 CHF anzuheben. Die Pandemie konnte niemand vorhersehen, umso mehr überzeugen der kraftvolle Turnaround und die Rückkehr der wichtigen Geschäftseinheiten in die Gewinnzone. Der Aktienkurs hat die positive Geschäftsentwicklung bereits seit 2020 antizipiert und den vorherigen mehrjährigen Abwärtstrend der Aktie umgekehrt. Doch seit einem Jahr läuft der Kurs bei etwas über 200 CHF für die auf OTC-X gehandelte A-Aktie seitwärts. Bei 11.85 CHF Gewinn je A-Aktie in 2021 errechnet sich aktuell ein KGV von 17,9. Die Ankündigung der Komax-Transaktion sorgte nur kurzzeitig für ein Kursfeuerwerk, das mit Beginn der Ukraine-Invasion schnell abgeklungen ist. Die Umsatzanteile in Russland, Belarus und Ukraine liegen bei unter 1%, doch die stärkere Bedrohung geht von einem global verschlechterten Investitionsklima und einer erwarteten Abschwächung der Wachstumsraten aus. Für die allgemeinen Risiken ist Metall Zug mit einer unverändert starken Bilanz gut gerüstet. Die von den Tochter- und Beteiligungsgesellschaften bearbeiteten Geschäftsfelder weisen weiterhin gute Nachfragetrends auf, sodass sich der Ausblick trotz zahlreicher Wolken durchaus positiv darstellt.

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