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Bobst Group: Geschäftsgang bleibt 2024 trotz Attentismus solide

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Elektronikkomponenten von Bobst als Grundlage für komplexe und effiziente Systeme. Bild: bobst.com

Die Umsatz- und Gewinnentwicklung der Bobst Group im Geschäftsjahr 2024 entspricht den Markterwartungen. Obwohl die Investitionsneigung der Kunden weiterhin verhalten bleibt, gab der Umsatz nur geringfügig nach. Die EBIT-Marge erhöhte sich sogar auf 8,2%. Und die Dividende bleibt, obwohl nur knapp verdient, bei 5 CHF je Aktie.

Das Geschäftsmodell von Bobst zeigt seine Stärken gerade im derzeit schwierigen konjunkturellen Umfeld. Die Kunden des Verpackungs- und Etikettierunternehmens halten sich mit Bestellungen weiterhin zurück. Im Segment Printing & Converting ging der Auftragseingang 2024 um weitere 13% zurück. Der Auftragsbestand des Segments hat sich dadurch um 35% vermindert. Der Segment-Umsatz fiel um 7,2% auf 1.22 Mrd. CHF.

Stabiler Umsatz

Im Segment Service & Performance dagegen stieg der Auftragseingang um 4%, und auch der Umsatz erhöhte sich um 4,1% auf 670 Mio. CHF. Auf Konzernbasis erreichte der Jahresumsatz 1.89 Mrd. CHF, 3,5% weniger als im Vorjahr. Währungsbereinigt lag das Minus allerdings bei nur 0,8%. Ebenfalls zu berücksichtigen ist, dass der Konsolidierungskreis marginale Änderungen erfahren hat. Gruppenweit ging der Auftragseingang um 6% zurück.

Beste EBIT-Marge der letzten 5 Jahre

Das EBIT erhöhte sich dennoch von 147 Mio. CHF auf 155.6 Mio. CHF. Die EBIT-Marge stieg dadurch von 7,5% auf 8,2%. Damit ist die Marge wieder in der langfristigen Zielzone von mindestens 8% angelangt. Allerdings haben dazu nicht wiederkehrende einmalige Versicherungsleistungen in Höhe von 17 Mio. CHF nicht unwesentlich beigetragen. Die Schäden waren 2023 aufgetreten, und die Leistungen wurden 2024 ausgezahlt. Davon entfallen 12 Mio. CHF auf Printing & Converting und 5 Mio. CHF auf Service & Performance.  Obwohl letzteres Segment nur einen Drittel der Umsätze beisteuert, liegt der EBIT-Beitrag mit 106 Mio. CHF bei zwei Dritteln. Ein weiterer Faktor sind die um 7.5 Mio. CHF auf 45.5 Mio. CHF erhöhten Investititionen in Sachanlagen.

Gewinn und Ausschüttung

Der Nettogewinn fiel 2024 auf 95.8 Mio. CHF von 119.3 Mio. CHF im Vorjahr zurück. Umgerechnet je Aktie beträgt der Gewinn 5.80 CHF. Im ersten Geschäftshalbjahr lag der Gewinn je Aktie wegen Sondereffekten wie die Aufwendungen für die im Drei-Jahres-Rhythmus stattfindende drupa-Messe noch bei 0.47 CHF. Im Vorjahr waren 7.19 CHF je Aktie verdient worden. An der GV am 3. April soll eine konstante Ausschüttung von 5 CHF je Aktie vorgeschlagen werden. Auf dem aktuellen Kurs von 67.25 CHF errechnet sich somit eine Dividendenrendite von 7,4%. Als Dividendensumme werden unverändert zum Vorjahr 82.6 Mio. CHF an die Aktionäre ausgeschüttet. Die Pay-out Ratio ist mit 82,6% zwar hoch, doch andererseits wird das Kapital gegenwärtig vom Unternehmen nicht für Investitionen benötigt.

Digitalisierungsschub lässt auf sich warten

Das sollte sich ändern, denn die Digitalisierung des Verpackungs- und Etikettierwesens bei den Kunden ist noch nicht sehr weit fortgeschritten. Neue Maschinen von Bobst sind grundsätzlich für die Konnektivität konzipiert, doch die Kunden halten sich mit Bestellungen unverändert zurück. Der bestehende Maschinenpark kommt immer mehr in die Jahre, viele Maschinen sind älter als 30 Jahre.

Resilienz und Risiken

Die relativ stabile Ergebnisentwicklung der letzten Jahre zeigt, dass das Geschäftsmodell mit den stetig steigenden und mit höheren Margen versehenen Service-Aktivitäten äusserst resilient ist. Allerdings sind auch Risiken am Horizont erkennbar, die noch an Gewicht gewinnen können. Die Rohstoffkosten steigen, was in der Konsequenz an die Kunden weitergegeben werden muss, soll die Profitabilität nicht leiden. Auch die Lieferkettenproblematik wird von Bobst genau im Auge behalten, um flexibel auf neue Herausforderungen reagieren zu können. Ein weiteres Risiko stellen Zinsveränderungen dar. Trotz der um drei Prozentpunkte gesteigerten Eigenkapitalquote von 28,8% bleibt Bobst exponiert. Die Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROCE) ging von 24,9% auf 22% zurück.

Ausblick

Für das Geschäftsjahr 2025 erwartet Bobst, dass der Umsatz und das EBIT unter den Werten von 2024 liegen werden. Die langfristigen Finanzziele sollen dennoch erreicht werden: eine EBIT-Marge von 8% sowie eine Rendite auf das eingesetzte Kapital von mindestens 20%. Trotz der gedämpften Stimmung von Konsumenten und Industrie erwartet Bobst, dass umweltbewusste Verbraucher sowie Regulierungmassnahmen zu einer wachsenden Nachfrage für nachhaltige Verpackungen führen werden.

Fazit

In der Betrachtung nach Regionen zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. In Amerika nahm der Umsatz um immerhin 1% auf 616 Mio. CHF zu, in Asien-Pazifik sogar um 14% auf 389.1 Mio. CHF. In Europa dagegen ging der Umsatz um 12,1% auf 824.8 Mio. CHF zurück. Damit entfällt mehr als die Hälfte des Jahresumsatzes auf Asien und Amerika, beide Regionen wachsend. In Europa sollte sich der Investitionsstau früher oder später auflösen. Allerdings lassen sich bislang noch keine Signale für eine Belebung der Nachfrage in Europa ausmachen, daher die verhaltene Prognose von Bobst für das laufende Geschäftsjahr. Die Bewertung der Aktie erscheint angemessen. Das KGV beträgt 11.6. Die Marktbewertung liegt bei 1.1 Mrd. CHF und damit deutlich unter dem Umsatzvolumen. Neue Kursperspektiven werden wohl erst durch anziehende Bestellungen für neue Maschinen entstehen.

Chart Bobst Mar 25
Kursverlauf der Bobst-Aktie im letzten Jahr. Chart: otc-x.ch

Die Aktie von Bobst wird auf OTC-X gehandelt. Der letztbezahlte Kurs liegt bei 67.25 CHF.

Schweizer Aktien Favoriten 2025: Erfreuliche und weniger erfreuliche Überraschungen im Februar

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Der Frühling naht – das Leben erwacht. Bild: stock.adobe.com

Was für ein Monat! Zwar erreichten die Aktien-Indizes neue Rekordstände, doch massive Gewinnmitnahmen, Trendwenden und auch unerwartete negative Nachrichten führten zu hoher Volatilität. Das Zinsniveau an den Anleihemärkten war rückläufig, doch die geopolitische Zuspitzung sorgte für neue Verunsicherung.

Ins Auge sticht sofort, dass sich bei den von Schweizer Unternehmen vorgelegten Jahresabschlüssen eine Kluft aufgetan hat. Während beispielsweise Sulzer, Swiss Re und Belimo Rekordergebnisse meldeten und substanzielle Dividendenerhöhungen ankündigen, lief es bei Meier Tobler, Bossard und Orior weniger gut. Die Gründe sind unterschiedlich, aber meist läuft es auf Veränderungen der Nachfrage hinaus. Überflutungen und sonstige Naturkatastrophen verlangen bei den Erstversicherern nach mehr Rückversichung, trotz steigender Prämien. Meier Tobler prosperierte in den Vorjahren, weil Wärmepumpen während der Gas-Krise stark nachgefragt waren, doch 2024 sackte die Nachfrage in ganz Europa markant ab.

Neue Zugpferde braucht der Markt

Die Börsen haben scheinbar einen Wendepunkt erreicht. Die marktbeherrschenden Trends der Vorjahre sind gebrochen. 2023 und 2024 waren die «Magnificent Seven» die Zugpferde der Hausse an der Wall Street. Doch für den Moment scheint das Geschichte zu sein. In den vergangenen Monaten verloren die meisten Titel deutlich. Nvidia liegt 20% unter den vor wenigen Wochen verzeichneten Höchstständen und Tesla sogar 40% tiefer. Die repräsentativen Indizes in den USA bleiben auf ihrem hohen Niveau, allerdings sind auch die Renditen der Staatsanleihen deutlich auf 4,2% bei den 10-jährigen Bonds zurückgegangen, was den Aktienmarkt stützt. Die europäischen Aktienindizes konnten im laufenden Jahr bisher die US-Indizes deutlich outperformen.

Hausse bei europäischen Verteidigungs-Titeln

Vor dem Hintergrund der für Europa historischen «Zeitenwende» bilden sich an den europäischen Börsen neue Trends. Das zeigt sich insbesondere im Sektor Verteidigung. Nach der Münchener Sicherheitskonferenz zogen Rheinmetall, BAE Systems, Thales und weitere Aktien kräftig an. ThyssenKrupp kündigte den Börsengang der U-Boot-Sparte an, und auch der breit in der Militärtechnik aktive Konzern KNDS will noch dieses Jahr an die Börse gehen.

Was steckt hinter dem Kurssturz bei SIG Group?

SIG Group veröffentlichte den Jahresabschluss 2024. Die Zahlen waren nicht unbedingt berauschend, aber doch zufriedenstellend im Rahmen der Guidance und der Erwartungen. Währungsbereinigt nahm der Umsatz um 4,3% auf 3.3 Mrd. Euro zu, die bereinigte EBITDA-Marge ging leicht auf 24,6% zurück, der bereinigte Nettogewinn fiel um 10.1 Mio. Euro auf 308.1 Mio. Euro. Der Gewinn je Aktie nahm um 2 Eurocents auf 0.81 Euro ab. Die Dividende wird dennoch um 1 Rappen auf 0.49 CHF angehoben. Die Aktie stieg von 18 CHF Anfang Jahr bis zum Tag der Veröffentlichung auf über 20 CHF an, stürzte dann jedoch um 12% ab. Der Grund sind wohl nicht die Zahlen, sondern eine juristische Auseinandersetzung mit dem indirekten 10%-Aktionär und Verwaltungsratsmitglied Laurens Last. Der soll nun an der kommenden GV nicht zur Wiederwahl vorgeschlagen werden. Das Kuriose ist, dass die doch substanzielle Meldung im Jahresabschluss respektive der 12-seitigen Medienmitteilung gesucht werden muss. Im Grunde geht es um Forderungen, da die von der SIG Group übernommene Scholle in den USA die Meilensteine bei der betrieblichen Performance nicht erreicht haben soll. Es bleibt abzuwarten, wie der Konflikt gelöst wird und ob er überhaupt berechtigt ist. Nach dem Kurssturz scheint sich die Aktie auf dem ermässigten Niveau zu berappeln. Erste Analysteneinschätzungen gehen weit auseinander.

Chart SIG Group Mar 25 Der Kurs der Aktie der SIG Group liegt aktuell in etwa auf dem Niveau vom Jahresanfang. Chart: six-group.com

Kursgewinne und -korrekturen

Geberit erfüllte die Erwartungen. Der Umsatz stagnierte 2024 zwar bei 3.1 Mrd. CHF, legte jedoch währungsbereinigt um 2% zu. Die Aktie machte Boden gut, wohl weil sich allmählich ein Wiederanziehen der Baukonjunktur und des Lageraufbaus abzeichnet. Ebenfalls angezogen haben die Aktien von VAT, Ypsomed und Galderma, fielen jedoch im Monatsverlauf wieder zurück. Immerhin bewegen sich Galderma und Ypsomed weiterhin im positiven Bereich. Nachdem Barry Callebaut zunächst bis unter 950 CHF abgetaucht war, erholte sich die Aktie im Monatsverlauf. Ob dies nur das Spiegelbild des in den letzten vier Wochen um 21%  rückläufigen Kakaopreises ist oder ein Zeichen des Turnarounds, bleibt noch offen.

Dividendenerhöhung für Aktionäre von Espace Real Estate

Das Immobilienunternehmen blieb auch 2024 auf profitablem Wachstumskurs. Die Mieterlöse erhöhten sich um 1.2 Mio. CHF auf 39.1 Mio. CHF. Der operative Gewinn stieg um 2,7% auf 19.9 Mio. CHF. Das ist die Messlatte, die das Unternehmen für den Unternehmenserfolg definiert hat. Inklusive Neubewertungen und Immobilienverkäufen resultierte ein Jahresgewinn von 22.1 Mio. CHF, eine Steigerung um 12,9%. Der Dividendenvorschlag sieht eine Erhöhung der Ausschüttung um 25 Rappen auf 6.25 CHF je Aktie vor. Auf OTC-X konnte die Aktie auf 185 CHF leicht vorrücken.

Chart Espace Real Estate AG Mar 25 Die Entwicklung des Aktienkurses von Espace Real Estate AG im letzten Jahr. Chart: otc-x.ch

Weleda – die Spannung wächst

Während sich die Kursveränderungen bei den ausserbörslich gehandelten Aktien in engen Grenzen halten, brilliert der Welda-PS mit einer deutlichen Avance auf 4750 CHF. Allerdings sind nur zwei Titel auf diesem Niveau gehandelt worden. Seit Anfang Jahr wurden in 18 Transaktionen lediglich 37 Titel umgesetzt. Das ist nach zwei Monaten wenig im Vergleich zu den Vorjahresumsätzen, die sich jeweils auf über 200 Transaktionen beliefen. Der Ausblick und die seltenen Kommentare zum Geschäftsverlauf 2024 begründen Erwartungen eines deutlichen Wachstums und gesteigerter Profitabilität.

Implenia: Zeigt die erhöhte Volatilität der Aktie eine Trendwende an?

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Die im Bauf befindliche doppelspurige Tangenvika-Eisenbahn-Brücke in Norwegen. Bild: ©Implenia/Norconsult.

Das Geschäftsjahr 2024 lief gut für den grössten Schweizer Baukonzern Implenia. Die EBIT-Marge erhöhte sich, die Dividende soll um 50% auf 90 Rappen angehoben werden. Durch die Spezialisierung auf die «Hot-Spots» Infrastruktur, Arealentwicklung, Tunnelprojekte und Datenzentren trifft Implenia auf wachsende Nachfrage. Die Perspektiven für weitere Gewinnsteigerungen verbessern sich.

Die Bauwirtschaft ist eine Welt für sich. In weiten Teilen ist das Geschäft extrem zyklisch – wie im Haus- und Wohnungsbau. Zinsniveau und Investitionsneigung sind hier die wichtigsten Faktoren. In anderen Bereichen sind öffentliche Körperschaften die grössten Auftraggeber. Ein Beispiel sind grosse Tunnelprojekte in Europa wie der zweite Gotthard-Strassentunnel, der Brenner-Basistunnel und das Projekt Rogfast in Norwegen. Im Tunnelbau wie bei den genannten Grossprojekten ist Implenia in ganz Europa Marktführer, konzentriert sich jedoch bei den sonstigen Aktivitäten wie Arealentwicklung sowie Hoch- und Tiefbau auf die Kernmärkte Schweiz und Deutschland.

Finanzkennzahlen verbessert

Gerade wurde der Jahresabschluss 2024 publiziert. Wenn auch der Umsatz in CHF um 1% auf 3.56 Mrd. CHF fiel und währungsbereinigt um 0,1% stieg, so zeigen doch die meisten relevanten Kennzahlen einen klaren Trend nach oben. Das operative Ergebnis legte um 6,4% auf 130.5 Mio. CHF zu. Die EBIT-Marge kletterte dadurch von 3,4% auf 3,7%. Die Eigenkapitalquote verbesserte sich von 19,8% auf 21,2%. Wegen diversen Sondereffekten hatte der Reingewinn im Vorjahr die Rekordhöhe von 141.8 Mio. CHF erreicht. 2024 ging der ausgewiesene Gewinn jedoch auf 93.4 Mio. CHF zurück. Der Dividendenvorschlag sieht dennoch eine Erhöhung um 30 Rappen auf 90 Rappen vor. Und trotzdem bleibt die Ausschüttungsquote mit 17,9% noch vergleichsweise gering. Der Gewinn je Aktie beträgt 5.04 CHF.

Pure Play

Die in diesem Schritt zum Ausdruck kommende Zuversicht ist gut begründet. So erfreulich zwar die positiven Steuereffekte aus der Aktivierung von Verlustvorträgen in den letzten Jahresabschlüssen waren, für die weiteren Aussichten auf Kursgewinne mit der Aktie ist die operative Entwicklung entscheidend. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist die weitere Entflechtung zwischen Implenia und dem ebenfalls börsenkotierten Implenia Spin-off Ina Invest zu begrüssen. schweizeraktien.net hatte 2020 über die Transaktion berichtet. Am 28. Februar wurde nun der Fusionsvertrag von den Verwaltungsräten von Cham Group und Ina Invest unterzeichnet. Nach Zustimmung der Aktionäre an den beiden Generalversammlungen am 31. März wird dann der Handel von Cham Swiss Properties voraussichtlich am 9. April an der SIX aufgenommen. (She. auch Beitrag von schweizeraktien.net vom 2.3.25.)

Entflechtung schafft Transparenz

Im Rahmen der Fusion von Ina Invest mit der Cham Group, deren Aktien bislang ausserbörslich auf OTC-X gehandelt werden, wird Implenia zukünftig mit ca. 15% am Aktienkapital von Cham Swiss Properties beteiligt sein. Deren Market Cap dürfte bei 1.6 Mrd. CHF liegen. Der bisherige, etwas unübliche Outsourcing-Vertrag zwischen Implenia und Ina Invest wurde aufgelöst. Als Kompensation erhielt Implenia 2024 eine Einmalzahlung von 16.4 Mio. CHF. Implenia erbringt zukünftig Services, die branchenüblich abgerechnet werden. Die somit deutlich verbesserte Transparenz wird dem Interesse der Investoren an Implenia bestimmt nicht schaden. Das sehr vorteilhafte Profil des Bau-Unternehmens gewinnt jedenfalls deutlich an Konturen.

Strategisch gute Positionierung

Mit dem Blick nach vorne erscheint Implenia klar fokussiert auf Marktsegmente und Regionen, in denen eine starke Wettbewerbsposition eingenommen wird. Angesichts des Auftragsbestandes von 6.8 Mrd. CHF kann Implenia wählerisch bleiben. Im Segment Tunnelbau sind vor allem bei Grossprojekten nur beschränkt Wettbewerber auszumachen, die Margen sind daher überdurchschnittlich. Zu den Spezialitäten zählen aber auch Daten- und Rechenzentren der neuesten Generation. Die Anforderungen in dieser hoch-energetischen Umgebung sind insbesondere mit Blick auf die Sicherheit von Gebäude und Betrieb hoch.

Wachstumstreiber Elektrifizierung

Implenia hat sich erfolgreich im Nexus der Mega-Trends Urbanisierung, Energiewende und Investitionen in Elektrifizierung sowie neue Verkehrs- und Energieinfrastrukturen positioniert. Der Elektrizitätsbedarf in Europa wird jährlich um mindestens 4% wachsen, wahrscheinlich höher. Denn die neu entstehenden Daten- und Rechenzentren verbrauchen Unmengen an Strom.

Mehr Kraftwerke

Für die KI-gestützte Datenwirtschaft und die breite Elektrifizierung braucht es daher auch neue Kraftwerke. Deren Bau ist oft komplex und findet nicht selten an herausfordernden Orten und unter schwierigen Bedingungen statt. Kraftwerksbau ist eine weitere Spezialität von Implenia. Die über 100-jährige Expertise im Tunnelbau kommt dem Unternehmen dabei zugute.

Lean Management

Zur Verschlankung der Organisation und Schärfung der Geschäftsstrategie werden ab 1. April 2025 die bestehenden vier Divisionen auf drei verkleinert. Das Executive Committee wird dadurch um ein Mitglied auf sieben verringert. Ebenfalls zum 1. April wird Jens Vollmar CEO der Implenia Gruppe. Er hat bislang die Division Buildings geleitet. Die formulierten Finanz-Ziele sind ambitioniert, aber sehr realistisch. Geplant ist die mittelfristige Steigerung der EBIT-Marge auf 4,5% sowie eine weitere Stärkung der Bilanz. Die Eigenkapitalquote soll auf 25% angehoben werden. Für 2025 ist das Ziel für das EBIT 140 Mio. CHF.

Chart Implenia Mar 25 Kursentwicklung der Aktie von Implenia seit Handelsbeginn. Chart: six-group.com

Aktienkursverlauf und Bewertung

Die Aktie ist nach langer Seitwärtsbewegung auf tiefem Niveau seit Mitte Januar vom Tief bei 29 CHF auf in der Spitze fast 39 CHF angestiegen. Der Jahresabschluss wurde erst am 26. Februar veröffentlicht. Danach verlor der Kurs auf 36.50 CHF. Das KGV 2024 liegt somit bei 7.2, was die Aktie vergleichsweise günstig erscheinen lässt – sowohl in Relation zum Gesamtmarkt und dessen Perspektiven für die weitere Entwicklung der Unternehmensgewinne als auch in Relation zu anderen Branchenvertretern. Die Dividendenrendite liegt bei 2,4% – und erscheint steigerungsfähig auf mittlere Sicht.

Fazit

Die Market Cap von Implenia ist auf 678 Mio. CHF angestiegen. Daraus errechnet sich ein KUV von lediglich 0.19! Die bevorstehende Kurs-Marke von 40 CHF hat die Implenia-Aktie erstmals Anfang 2013 überwunden. 2018 fiel der Kurs wieder unter 40 CHF und oszilliert seitdem zwischen 18 CHF und kurzzeitig 47 CHF Mitte 2023. Der Zeitraum ab 2018 war tatsächlich von widrigen Marktbedingungen gekennzeichnet. Konjunkturschwächen, die Pandemie, der Krieg in der Ukraine und im Nahen Osten, zeitweilig hohe Inflation und ein höheres Zinsniveau. Dazu kommt, dass die verständliche Unsicherheit der Akteure einerseits und die hohe Verschuldung der Staaten andererseits kein Marktwachstum erlaubten.

Doch jetzt scheint sich die Erkenntnis in Europa durchzusetzen, dass nur entschlossene Investitionen in Industrie, Elektrifizierung, Energie, Infrastruktur, Verteidigung und innovative Technologien die europäische Wirtschaft wieder nach vorne bringen können. Das geht nicht ohne massive Investitionen in genau den Bereichen, für die Implenia nicht nur eine lange und eindrucksvolle Referenzliste vorweisen kann, sondern in denen auch oft eine starke Wettbewerbsposition eingenommen wird. Die ermöglicht sowohl «Cherry-Picking» als auch nachhaltig komfortable Margen. Unter dem starken Druck von Wählern und Wirtschaft ist mit einer neuen Investitionsinitiative staatlicher Körperschaften zu rechnen. Bau-Aktien könnten vor diesem Hintergrund bestenfalls vor einer Neubewertung an der Börse stehen. Die Potenziale könnten sich als enorm erweisen, nicht zuletzt, weil Bau-Titel lange Zeit ein Schattendasein an der Börse gespielt haben. Das könnte sich nun ändern, und Implenia ist die Qualitätsaktie, die langfristig orientierten Anlegern ins Auge stechen muss.

 

Cham Group und Ina Invest: Fusionsvertrag unterzeichnet

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Die Cham Group ist in Cham am Zugersee domiziliert. Bild: chamgroup.ch

Die Verwaltungsräte der Cham Group und der Ina Invest haben einen Fusionsvertrag unterzeichnet und beantragen ihren Aktionärinnen und Aktionären, diesen an den jeweiligen Generalversammlungen zu genehmigen. Dies teilt die Cham Group mit.

Die Zustimmung der Generalversammlungen vorausgesetzt, erhalten bisherige Cham-Group-Aktionäre pro Titel 41.5 Aktien von Ina Invest. Die Aktien der Cham Group werden auf OTC-X gehandelt, die der Ina Invest sind an der SIX kotiert.

Fusioniertes Unternehmen gehört zu den Top 10 der kotierten Immo-Gesellschaften

Durch die Fusion der Ina Invest AG und der Cham Group AG würde eine der führenden Immobiliengesellschaften der Schweiz mit einem qualitativ hochwertigen und nachhaltigen Portfolio an erstklassigen Standorten in den wirtschaftsstärksten Metropolregionen der Schweiz entstehen, teilt die Cham Group weiter mit. Die kombinierte Portfoliogrösse betrage rund 1.6 Mrd. CHF, womit das fusionierte Unternehmen zu den Top 10 der kotierten Immobiliengesellschaften der Schweiz zählen wird.

Die 10 grössten Immobilienunternehmen der Schweiz. Die blauen Kästchen geben den Eigenfinanzierungsgrad an. Quelle: chamgroup.ch

Eigenkapitalquote von 57%

Das Immobilienportfolio wird nach der Fusion einen Wohnanteil von rund 60% erreichen. Zudem wird die kombinierte Gesellschaft eine Eigenkapitalquote von rund 57% erreichen und kann gestützt darauf ihr Entwicklungsportfolio voraussichtlich ohne Kapitalerhöhungen aus eigener Kraft realisieren.

Unter der Voraussetzung, dass die jeweiligen Generalversammlungen der Ina Invest AG sowie der Cham Group AG der geplanten Fusion zustimmen, beantragt der Verwaltungsrat der Ina Invest AG die Schaffung neuer Aktien mittels Erhöhung des Aktienkapitals um 927’525 CHF auf CHF 1.424 Mio. CHF durch die Ausgabe von 30’917’500 voll zu liberierende Namenaktien mit einem Nennwert von je 0.03 CHF. Die ordentliche Kapitalerhöhung erfolgt unter Ausschluss des Bezugsrechts der bisherigen Aktionäre der Ina Invest AG. Die neuen Ina-Invest-Aktien werden zum Umtausch der bisherigen Aktien der Cham Group AG verwendet. Das Umtauschverhältnis beträgt 41.5 Aktien der Ina Invest AG pro bisherige Aktie der Cham Group AG.

Neue Zusammensetzung des Verwaltungsrats und der operativen Führung

Nach Vollzug der Fusion soll sich der Verwaltungsrat der fusionierten Cham Swiss Properties AG folgendermassen zusammensetzen: Stefan Mächler (Präsident), Philipp Buhofer, Christoph Caviezel, Annelies Häcki Buhofer, Hans Ulrich Meister und Felix Thöni. Thomas Aebischer als CEO und Daniel Grab als CFO werden zusammen mit der bestehenden Cham Group-Geschäftsleitung (Lukas Fehr, Roland Regli, William White) die neue Cham Swiss Properties AG operativ führen. Marc Pointet, CEO der Ina Invest AG, unterstütze das Führungsteam während der Übergangsphase als Chief Integration Officer, schreibt die Cham Group.

Erster Handelstag an der SIX am 9. April

Die neu auszugebenden Namenaktien der Ina Invest AG sollen an der SIX Swiss Exchange gemäss dem Standard für Immobiliengesellschaften kotiert werden und sind erstmals für das am 31. Dezember 2025 endende Geschäftsjahr dividendenberichtigt. Der ausserbörsliche Handel der Aktien der Cham Group AG auf Handelsplattformen der Bank Lienhardt & Partner sowie auf OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) wird mit Vollzug der Fusion eingestellt. Letzter Handelstag der Aktien der Cham Group im ausserbörslichen Handel soll der 8. April 2025 sein, wenn die Fusion dann auch rechtlich vollzogen sein wird. Am Tag darauf wird die Aktie dann zum ersten Mal an der SIX Swiss Exchange gehandelt.

Gutes Jahresergebnis der Cham Group

Zeitgleich mit Bekanntgabe der Fusionsdetails veröffentlichte die Cham Group auch ihr Jahresergebnis 2024. Das Unternehmen verbuchte einen gegenüber dem Jahr 2023 um 9.8% gesteigerten Mietertrag von 8.1 Mio. CHF (Vorjahr 7.4 Mio. CHF) und ein betriebliches Ergebnis vor Neubewertung von 6.7 Mio. CHF (Vorjahr 21.2 Mio.). Im Geschäftsjahr 2024 wurden 74.0 Mio. CHF in das Immobilienportfolio investiert.

Die grossen Fortschritte in der planerischen und baulichen Entwicklung des Quartiers, die hohe Nachfrage nach den entstehenden Flächen und das damit markant gestiegene Ertragspotenzial sowie das vorteilhafte Zinsumfeld führten zu einer substanziellen Wertsteigerung von 184.7 Mio. CHF. Somit stieg der Gesamtwert des Immobilienportfolios auf 703.2 Mio. CHF. Insbesondere aufgrund der Neubewertung des Portfolios resultierte ein Konzerngewinn von 168.2 Mio CHF. Die Bilanz der Cham Group ist mit einer Eigenkapitalquote von 73,5% äusserst robust und gibt der Gesellschaft viel Spielraum für weiteres Wachstum.

Der Verwaltungsrat wird der Generalversammlung eine unveränderte Dividende von CHF 12.00 pro Aktie vorschlagen.

Ausblick

Vorbehältlich der Zustimmung der Generalversammlung zur Fusion wird die Umsetzung des Zusammenschlusses als eigentliche strategische Weichenstellung ein Schwerpunkt des Jahres 2025 sein. Darüber hinaus liege der Fokus weiterhin auf der effizienten Planung der Entwicklungsetappen, auf der sicheren Realisierung der Bauvorhaben und auf der Vermarktung und mieterorientierten Bewirtschaftung des Quartiers, teilt die Cham Group mit.

Fazit

Durch die Fusion der zwei Immobiliengesellschaften Cham Group und Ina Invest zur Cham Swiss Properties entsteht eine neue, die fünftgrösster Schweizer Immobiliengesellschaft. Das Eigenkapital der neuen Cham Swiss Properties beträgt 926.438 Mio. CHF, was bei 47‘478‘954 Namenaktien nach der vollzogenen Fusion einem NAV von 19.52 CHF je Aktie der fusionierten Gesellschaft entspricht. Bei einem Umtauschverhältnis von 41.5 liegt der NAV dann bei knapp 810 CHF je alter Cham-Group-Aktie.

Die Aktien der Cham Group haben sich seit der Bekanntgabe der Fusionsabsichten dem Wert von 810 CHF schrittweise angenähert und wurden auf OTC-X zuletzt sogar bei 850 CHF gehandelt. Die Titel der Ina Invest gingen an der SIX zu 21.40 CHF aus dem Handel. Beide Kurse signalisieren, dass Investoren angesichts des umfangreichen Entwicklungsportfolios der neuen Cham Swiss Properties offenbar bereit sind, ein Agio auf den inneren Wert per Ende 2024 zu zahlen.

Die Aktie der Cham Group wird (noch) auf OTC-X gehandelt. Zur Zeit kostet die Aktie 832 CHF. Quelle: otc-x.ch

Hinweis in eigener Sache: Am 1. April 2025 führt schweizeraktien.net gemeinsam mit der Cham Group den 1. Branchentalk Immobilien durch. 

Kursaal Bern: Direktor des Grand Casinos tritt per Ende Oktober in den Ruhestand

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Der Direktor der Grand Casino Kursaal Bern AG, Ludwig Nehls, scheidet per 31.10.2025 aus dem Unternehmen aus. Bild: grandcasino-bern.ch

Der Verwaltungsrat der Kursaal Bern AG schreibt in einer Pressemitteilung, dass Ludwig Nehls, Direktor der Tochtergesellschaft Grand Casino Kursaal Bern AG, am 31. Oktober 2025 aus der Grand Casino Kursaal Bern AG austreten wird. Nehls werde nach einer erfolgreichen Tätigkeit in den verdienten Ruhestand treten.

Der Verwaltungsrat der Grand Casino Kursaal Bern AG dankt Ludwig Nehls für die sehr gute Zusammenarbeit sowie sein grosses Engagement und wünscht ihm für die Zukunft alles Gute. Der Rekrutierungsprozess sei in die Wege geleitet worden, über eine Nachfolge werde der Verwaltungsrat zu einem späteren Zeitpunkt informieren. Nehls bleibe ja noch für 8 Monate im Amt, so Ueli Winzenried, Verwaltungsrat der Kursaal Bern AG, gegenüber schweizeraktien.net.

Ludwig Nehls war seit 2018 als Direktor des Grand Casino Kursaal Bern tätig und hat das
Unternehmen massgeblich geprägt. In seine Zeit fallen der Aufbau des Onlinecasinos
7melons.ch, der strategische Ausbau des Gastro- und Eventbereichs und der Fokus auf
Digitalisierung in den Geschäftsprozessen.

Die Aktien der Kursaal Bern AG sind an der BX Swiss kotiert. Zuletzt wurden 351.25 CHF für eine Aktie bezahlt.

Kursverlauf der auf BX Swiss gehandelten Aktie der Kursaal Bern AG in den letzten zwölf Monaten. Quelle: bxswiss.com

 

One Swiss Bank: Ein definitiver Abschied in Raten

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Im Frühjahr 2023 bezog die One Swiss Bank ihren neuern Hauptsitz an der Rue de Lausanne 78 in Genf. Bild: One Swiss Bank
Im Frühjahr 2023 bezog die One Swiss Bank ihren neuern Hauptsitz an der Rue de Lausanne 78 in Genf. Bild: One Swiss Bank

Das Konstrukt One Swiss Bank blickt auf eine kurze «Aktienkarriere» zurück, welche die Aktionäre nicht zu begeistern vermochte. Hinter dem Institut steckt aber viel Tradition. Die ursprünglich in Lugano domizilierte Bank fusionierte im Sommer 2021 mit der in Genf ansässigen Banque Profil de Gestion, was eine Kotierung an der SIX mit sich brachte. Neben dem Hauptsitz in Genf verfügt das Institut über Niederlassungen in Zürich, Lugano und Dubai.

Die ursprüngliche One Swiss Bank entstand 2004 aus der Fusion der von Robert Pennone und Bénédict Hentsch gegründeten GS Banque (Geneva Swiss Bank, damals noch unter dem Namen Banque Bénédict Hentsch & Cie) mit der 1984 von Giovanni Giacomo Schräemli und Paolo del Bue gegründeten Banca Arner. Die Familie Hentsch gehört zu den ältesten und renommiertesten Bankiers der Schweiz und gründete 1798 die Lombard Odier Darier Hentsch & Cie.

Enttäuschende Kursentwicklung und Handelsvolumina

An der ausserordentlichen Generalversammlung (GV) im November 2023 wird die Dekotierung beschlossen. Die GV war auf Betreiben des Hauptaktionärs HPF Holding de Participations de Famille (HPF) einberufen worden. Die Kursentwicklung der Aktie hatte schon länger Unzufriedenheit ausgelöst. Die Underperformance war nach Ansicht der Geschäftsführung unter anderem eine Folge der fehlenden Handelsaktivität.

Aus dem Geschäftsverlauf 2023 fiel eine Dividende in Höhe von 0.15 CHF an, die ausserordentliche GV beschloss dazu, eine Sonderdividende in Höhe von 0.23 CHF aus den Reserven zu zahlen. Damit ergab sich eine einmalige «Abschiedsrendite» von 10%. Anfangs März 2024 wurde die Dekotierung von der SIX dann umgesetzt. Seither werden die Titel ausserbörslich auf der OTC-X-Plattform der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt.

Verkauf als Fusion verkleidet

Damals hiess es noch, die Dekotierung sei «nicht als Schritt Richtung Verkauf anzusehen», da sich das Kernaktionariat nicht ändere. Die Familie Pennone und die Familien, die zuvor die Banca Arner und Profil de Gestion besassen, kontrollieren 66% der Aktien. Doch diese Aussage hatte nicht lange Gültigkeit. Ende November 2024 verkündete das Institut eine Fusion mit Gonet. Was jedoch eher auf eine Übernahme durch Gonet hinauslaufen wird.

Von der Schweizer Börse verabschiedete sich One Swiss Bank mit soliden Zahlen – nachdem im Vorjahr (2022) ein Verlust ausgewiesen wurde. Für das Geschäftsjahr 2023 wies One Swiss Bank einen Betriebsgewinn (EBITDA) von 16.5 Mio. CHF und einen Reingewinn von 12.0 Mio. CHF aus. Der Gewinn pro Aktie (EPS) erhöhte sich auf 0.77 CHF (Vorjahr 0.04 CHF). Das regulatorische Kapital nahm um 10.4 Mio. auf 46.2 Mio. CHF zu, was einer komfortablen globalen Kapitalquote von 26,7% entsprach, gegenüber 18,5% im Jahr 2022.

Geschäftsdynamik nimmt ab

Die letzten verfügbaren Geschäftszahlen sind jene zum ersten Halbjahr 2024. In dieser Periode brachen sowohl der Betriebs- als auch der Reingewinn im Vergleich zum Vorjahr um 3% respektive 12% ein. Das ist insbesondere auf ein sinkendes Zinsergebnis und steigende Kosten im operativen Bereich zurückzuführen.

Gonet ist seit November 2022 im Besitz der jordanischen Arab Bank Switzerland. Diese will mit der Übernahme durch One Swiss Bank ihre ehrgeizige Wachstumsstrategie fortsetzen. Nach Abschluss der Transaktion wird die ABS-Gruppe ein verwaltetes Vermögen von 20 Mrd. CHF Franken erreichen. Das fusionierte Unternehmen wird unter der Marke Gonet tätig sein und vom aktuellen Gonet-CEO Jean-René Lepezel geleitet.

Bedingungen bleiben vertraulich

Nach dem Wechsel in den ausserbörslichen Handel entwickelte sich der Aktienkurs von One Swiss Bank kontinuierlich, aber unspektakulär nach oben. Die letzte Transaktion (der Handel mit einer Aktie) kam mit einer Notierung von 3.65 CHF zustande. Das entspricht seit Handelsaufnahme einem Plus von 15%. In den vergangenen Tagen kam es jedoch zu Abschlüssen mit hohen Stückzahlen zu Kursen von deutlich über 4 CHF, eine Transaktion schloss sogar über 5.50 CHF ab.

Chart One Swiss Bank Feb25 Aktienkursentwicklung der One Swiss Bank im letzten Jahr. Chart: otc-x.ch

Die Aktien von One Swiss Bank werden nach der Fusion nicht mehr gehandelt. Dies bestätigt die Bank Gonet. Bei der Transaktion werde die erworbene Gesellschaft mit dem Käufer «verschmolzen». Die Bedingungen der Übernahme seien vertraulich. Mehr Informationen zur Fusion gibt es gemäss Gonet erst, wenn die Aufsichtsbehörde grünes Licht gibt – das wird gegen Ende Juni erwartet. Das Zusammengehen von One Swiss Bank und Gonet wird in Etappen durchgeführt. In der Zwischenzeit behält jede Bank ihre Identität und Unternehmensführung bei.

Auch die Bank Gonet & Cie ist ein Produkt der Bankenkonsolidierung. Das heutige Institut entstand im Sommer 2018 durch das Zusammengehen der beiden über 150 Jahre alten Privatbanken Gonet & Cie und Mourgue d’Algue & Cie. Wobei Gonet rund vier Fünftel der verwalteten Vermögen einbrachte.

Orascom: Erfolgreiche Nachfrist

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Byoum in Ägypten ist eine der Destinationen der Orascom Development. Bild: orascomdh.com

Und dann ging es auf einmal doch noch schnell. Am Mittwoch, 26. Februar, teilte die LPSO Holding mit, dass ihre Beteiligung – inklusive jener von mit ihr in Absprache handelnder Personen – Ende der Nachfrist, also per 25. Februar, 97,5% betrage.

Damit dürfte die Holding, eine Offshore-Gesellschaft der Familie Sawiris, in der Lage sein, den Immobilienentwickler und Hotelbetreiber Orascom Development Holding (ODH) ganz zu übernehmen und von der Schweizer Börse SIX dekotieren zu lassen. Das Angebot wird voraussichtlich am 11. März 2025 vollzogen.

Vor einigen Wochen sah es noch weniger rosig aus für die Privatisierungspläne der Familie Sawiris. In der regulären Angebotsfrist, in der LPSO offerierte, 13.2 Mio. Aktien zu einem Kurs von 5.60 CHF zu erwerben, wurde dieses Angebot nur zu 43,9% genutzt. Der Anteil der Familie Sawiris am Aktienkapital erhöhte sich von 78 auf 87,6%. Mit diesem Resultat wäre auch eine sogenannte Abfindungsfusion mit Barentschädigung nicht anwendbar gewesen. Für ein Squeeze-Out-Verfahren wäre ein Aktienbesitz von 98% erforderlich.

Einige Minderheitsaktionäre verweigern die Andienung und wollen insbesondere ein Squeeze-Out verhindern. Nach ihrer Meinung ist das Angebot über 5.60 CHF zu tief. In dieser Bewertung seien die hohen Landreserven von ODH nicht berücksichtigt, die das Unternehmen in zahlreichen Investorenpräsentationen und Jahresabschlüssen jeweils angeführt habe. Zudem stehe das Unternehmen nach einer langen Aufbauzeit, die von den Aktionären mitgetragen wurde, vor der «Erntezeit».

Doch auch diese «oppositionellen» Investoren glauben nicht mehr daran, langfristig ein Squeeze-Out verhindern zu können. Nun sieht es so aus, als ob das Kapitel Orascom an der Schweizer Börse SIX bald zu einem Ende käme. Für die Minderheitsaktionäre war es eine jahrelange Enttäuschung.

Basel III: Geänderte Eigenkapitalvorschriften – Fluch oder Segen für das Bankgeschäft?

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Das Regelwerk Basel III führt nicht bei allen Krediten automatisch zu höheren Eigenkapitalanforderungen. Bild: stock.adobe.com
Das Regelwerk Basel III führt nicht bei allen Krediten automatisch zu höheren Eigenkapitalanforderungen. Bild: stock.adobe.com

Seit dem Jahreswechsel 2024/2025 gilt für Schweizer Banken das Regelwerk «Basel III». Im Folgenden wollen wir der Frage nachgehen, um was es sich bei «Basel III» eigentlich handelt, welche Banken davon betroffen sind und welche nur geringfügig bzw. gar nicht. Um diese Frage zu beantworten, müssen wir zuerst einmal einige Jahre zurückblenden. Basel III ist das letzte Puzzle-Teil in der regulatorischen Antwort auf die globale Finanzkrise 2007 und 2008, deren Hauptursache viel zu tiefe Eigenkapitalausstattungen der Banken und das Eingehen zu hoher Geschäftsrisiken waren. In der Kombination führte das in der Folge fast zum Meltdown des globalen Finanzsystems.

Um was geht es bei Basel III?

Im Mittelpunkt der Umsetzung der Basel III Final Standards – so der gängige Begriff – in der Schweiz steht, dass Geschäftsbereiche von Banken, die mit erhöhten Risiken behaftet sind, mit höheren Eigenmitteln beziehungsweise diejenigen Geschäftsbereiche mit tieferen Risiken mit weniger Eigenmitteln unterlegt werden müssen. Zu diesem Zweck wurde Ende 2023 vom Bundesrat eine entsprechende Änderung der Eigenmittelverordnung (ERV) für Banken angenommen und in Schweizer Recht überführt. Bei Basel III handelt es sich um ein umfassendes Reformpaket des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht (BCBS), mit dem besonders die Solvenz und Liquidität im Bankensektor gestärkt werden sollen.

 Basel I – 14 Jahre Vorlaufzeit

In Anbetracht der Tatsache, dass das Finanzsystem hohe Risiken birgt und deswegen aus behördlicher wie auch wirtschaftlicher Sicht die Gefahr einer Bankenkrise gering zu halten ist, müssen Bankinsolvenzen vermieden werden. Als Folge von Bankenkonkursen in den 70er und 80er Jahren beschloss der in der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) eingebettete Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS=Basel Commitee on Banking Supervision) Richtlinien für die Banken der G10 Länder, die allerdings erst 1988, 14 Jahre nach den ersten Treffen (1974), in Kraft traten.

Zentraler Punkt von Basel I stellte die Mindestkapitalausstattung von 8% dar und damit risikoreiche Bankkredite abzusichern. Zur Berechnung wurden vier verschiedene Risikoklassen unterschieden:

  • 0% Gewichtung für Kredite an staatliche Schuldner;
  • 20% für Kredite an Banken;
  • 50% für grundpfandrechtlich gesicherte Realkredite;
  • 100% für Kredite an alle anderen Risikoaktiva

Allerdings reifte mit der Zeit die Erkenntnis, dass die Berechnungsmethode unzureichend war und die Banken nicht genügend gegen hohe Verluste abgesichert waren. Aus dieser Erkenntnis kam es 1999 zu neuen Verhandlungen, die fünf Jahre andauerten.

Basel II – Nur noch 5 Jahre bis zur Einigung

Im Jahre 2004 einigten sich die Vorstände der Zentralen Notenbanken und die Aufsichtsbehörden der führenden Industrieländer und verabschiedeten die verbindlichen Richtlinien, die mit dem Jahreswechsel 2006/2007 in Kraft traten. Neben der Eigenkapitalquote stand bei Basel II das Risiko bei Kreditgeschäften, d.h. das Risiko eines Zahlungsausfalles im Brennpunkt. Es entstanden daraufhin drei sich ergänzende Säulen, welche ein sicheres Finanzsystem garantieren sollten:

  • Mindesteigenkapitalanforderung
  • Bankaufsichtliche Überprüfung
  • Erweiterte Offenlegung und Marktdisziplin der Banken

Basel III Final – Auswirkungen bis auf Kundenebene spürbar

Hierbei handelt es sich um ein umfassendes Reformpaket des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht (BCBS) mit dem Ziel, insbesondere die Solvenz und Liquidität der Banken zu stärken. Der BCBS hatte das finalisierte Rahmenwerk zu Basel III bereits im Dezember 2017 verabschiedet und im Februar 2019 mit einem überarbeiteten Mindeststandard für Marktrisiken vervollständigt. Zu bemerken ist, dass die Umsetzung der Basel III Final Standards in der Schweiz geraume Zeit vor der Notübernahme der Credit Suisse durch die UBS im März 2023 angegangen wurde. Die Notwendigkeit dieser im Nachgang heftig umstrittenen Übernahme wurde  durch diese Krise zusätzlich unterstrichen.

USA sagen Nein – Schweiz prescht in der Umsetzung einmal mehr vor

Interessant an dieser Stelle anzumerken ist, dass der i.d.R. grösste Reformtreiber, die Vereinigten Staaten von Amerika (USA), die Einführung von Basel III Final sistiert haben, was in der derzeitigen politischen Konstellation nicht weiter verwundert. Demgegenüber prescht die Schweiz auch bei Basel III Final vor und spielt auch hier den Musterknaben, ähnlich wie schon im Steuerstreit mit den USA, der Einführung von Mindestgewinnsteuern auf OECD-Ebene etc. Unbesehen dieser politischen Lage werden die Regeln für Schweizer Banken jetzt verschärft, während die US-Rivalen im Begriff sind, die Bremsen zu lockern.

Die eingangs erwähnte Anpassung der Eigenmittelverordnung (ERV) ist der letzte Baustein des umfassenden Reformwerks Basel III, das darauf abzielt, nicht nur einzelne Banken, sondern das Bankensystem per se widerstandsfähiger zu machen und bei der Berechnung von erforderlichen Eigenmitteln mehr Transparenz zu erreichen. Basel III Final Standards beinhalten bedeutende Neuerungen insbesondere im Bereich operationeller Risiken.

Übergeordnetes Ziel von Basel III bleibt die Stabilität des Finanzsystems

Basel III  folgt den durch die globale Finanzkrise 2007 aufgedeckten Missständen im Kreditgeschäft. Diese führten dazu, dass damals einige Banken mit staatlichen Mitteln gerettet werden mussten, da sie sich mit riskanten Kreditgeschäften verspekuliert hatten. Um dem entgegenzuwirken, sieht Basel III eine Verschärfung der Eigenkapitalquote und des Kernkapitals von 4% auf 6% vor. Hinzu kommt ein sogenannter Kapitalerhaltungspuffer zur Abfederung von Problemkrediten. Ziel war es, die Banken so gut mit Eigenkapital auszustatten, dass sie künftige (Finanz)Krisen aus eigener Kraft abfedern können und keine staatlichen Rettungsaktionen nötig werden.

Wieso braucht es Basel III?

Die bisherige Bankenregulierung wies immer noch Defizite auf, die Basel III wenn nicht ganz beheben, so doch zumindest richtig adressieren kann. So beispielsweise im Bereich der Ermittlung der Beleihungswerte und der Ermittlung der individuellen Tragbarkeitskriterien bei Hypothekarkrediten. Banken werden wohl vorsichtiger bei der Vergabe sein und weniger Ausnahmen von ihrer Kreditpolitik zulassen. Damit verbunden wären höhere Anforderungen an das Eigenkapital. Ebenso könnte eine genauere Prüfung ihrer Kreditwürdigkeit verlangt werden. Wurde anfangs noch ein Anstieg der Hypothekarzinsen befürchtet, relativierte sich diese Befürchtung angesichts des deutlichen Rückgangs der Leitzinsen.

Die neuen gesetzlichen Vorgaben figurieren unter dem Begriff Fundamental Review of the Trading Book (FRTB). Sie beschränken die Möglichkeit von Banken, eigene Risikomodelle für die Berechnung der risikogewichteten Vermögen anzuwenden. Ein wichtiges Ziel von Basel III Final stellt die Erhöhung der Risikosensitivität der Eigenkapitalunterlegung sowie eine bessere Systemstabilität dar

Basel III wurde als Resultat der Defizite der bisherigen Bankenregulierung konzipiert, welche durch die globale Finanzkrise 2008 sichtbar wurden.

Risikoreiches Investmentbanking betroffen

Die neuen Basel III Richtlinien, die in der Schweiz zu Beginn 2025 in Kraft getreten sind, bringen vor allem auch für künftige oder bestehende Immobilienbesitzer Änderungen mit sich. Hierzu zählen strengere Kreditvergabekriterien und potenziell höhere (Zins)Kosten aufgrund veränderter Risikoeinschätzungen.

Allerdings zeigen erste Auswertungen und Stimmen, dass vor allem im risikoreicheren Investment Banking tätige Finanzinstitute mit höheren Eigenkapitalunterlegungen konfrontiert sind. Prominentestes Beispiel ist die UBS, die vehement gegen die erhöhten Anforderungen kämpft. Dagegen wird es für hauptsächlich im Inland- und Hypothekargeschäft tätige Privat-, Kantonal- und Regonalbanken, wenn überhaupt, nur marginal teurer bzw. z.T. sogar billiger. Diese Erkenntnis sollte deren Börsenbewertung eigentlich unterstützen.

Unternehmensauskünften und einer Analyse der ZKB zufolge variieren die Auswirkungen unter Basel III auf die CET1-Quote mit einer Spannbreite von-2.25% (Julius Bär) bis zu +1% (BCV). Hierin sind auch Vontobel, Cembra, EFGI, SGKB und LLB enthalten. Die Auswirkungen der Änderungen der Risikogewichtung für diejenigen Banken, die den sogenannten Standardansatz verwenden, zeigen mehrheitlich sowohl für selbstgenutztes Wohneigentum in der Schweiz wie auch im Ausland sowie für andere Wohnimmobilien im In- und Ausland in Richtung tieferer Risikogewichtung.

Somit alles halb so schlimm?

Auf den ersten Blick ja. Jedoch muss die Praxis weisen, dass die ermittelten Einflüsse wirklich so tief sind. Sichtlich härter dürfte es die Immobilieninvestoren treffen, da sie zuerst die Auswirkungen der restriktiven Kreditpolitik der Banken besonders bei Entwicklungs- und Renditeliegenschaften zu spüren bekommen.

Lienhardt & Partner: Steigerung der Erträge in allen Bereichen

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Der Sitz von Lienhardt & Partner an der Rämistrasse in Zürich. Bild: Lienhardt & Partner
Der Sitz von Lienhardt & Partner an der Rämistrasse in Zürich. Bild: Lienhardt & Partner

Die Zürcher Privatbank Lienhardt & Partner erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2024 ein überzeugendes und über alle Geschäftsbereiche breit abgestütztes Resultat, wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung darlegt.

Der Gesamtertrag ist auf 52.86 Mio. CHF gestiegen (+15,6%). Auch der Geschäftsaufwand ist mit 30.30 Mio. CHF höher ausgefallen (+10,2%). Der Geschäftserfolg verbesserte sich auf 20.35 Mio. CHF (+23,8%). Das Kreditvolumen konnte um 11,9% gesteigert werden, und ein höheres Zinsniveau hat allgemein zum Anstieg des Brutto-Zinserfolges beigetragen. Die Zinsaufwendungen haben sich im Gegenzug aber ebenfalls deutlich erhöht.

Die Ausgestaltung der pauschalen Wertberichtigungen zeige wie immer eine sehr vorsichtige Risikopolitik. Einzelwertberichtigungen gab es keine. Im Dienstleistungs- und Kommissionsgeschäft haben die Erträge aufgrund der überaus positiven Entwicklung der Kundenvermögen in den Bereichen Private Banking und Vorsorge zugenommen. Zusammen mit den zusätzlichen Erträgen aus dem Immobilienbereich ergab dies einen Anstieg von insgesamt 7,8%. Das Handelsgeschäft verzeichnete eine Zunahme von 55%. Auch der übrige ordentliche Erfolg fällt wegen einer Korrektur im Vorjahr äusserst positiv aus.

Geschäftsaufwand steigt an

Der fortlaufende Ausbau der Aktivitäten von Lienhardt & Partner ist mit einem Anstieg sowohl des Personalaufwands (+10,9%) als auch des Sachaufwands (+8,2%) verbunden. Insgesamt seien die Erträge aber klar stärker als die Aufwendungen gestiegen, teilt das Unternehmen weiter mit.

Dadurch verbessere sich auch die Cost-Income-Ratio auf 57,3%. Der operative Geschäftserfolg ist auf 20.35 Mio. CHF (+23,8%) und der Gewinn auf 11.84 Mio. CHF (+18,7%) gestiegen.

In den kommenden Jahren seien erhebliche Investitionen in Personal, IT-Infrastruktur und die Sanierung von Immobilien geplant, gibt Lienhardt & Partner zu bedenken.

Die Substanz der Bank hätte im vergangenen Jahr weiter gestärkt werden können. Die Bank weist eine Leverage Ratio von 12,7% und eine Gesamtkapitalquote von 25,9% aus. Der Verwaltungsrat empfiehlt der Generalversammlung vom 18. März 2025, die Dividende von bisher 46 CHF auf neu 50 CHF je Namenaktie zu erhöhen.

Die Aktie von Lienhardt & Partner wird auf OTC-X und bei der Bank selbst gehandelt und kostete zuletzt 3’275 CHF.

Kursverlauf der Aktie der Lienhardt & Partner Privatbank Zürich im letzten Jahr. Quelle:otc-x.ch

Birgitte Olsen, Bellevue Asset Management: «Agil bleiben und diversifizieren»

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Der Bellevue Entrepreneur Swiss Small&Mid Fonds investiert in börsenkotierte, eigentümergeführte Unternehmen in der Schweiz, welche von einem Unternehmer oder einer Unternehmerfamilie mit mindestens 20% der Stimmrechtsanteile kontrolliert und massgeblich beeinflusst werden. Das Management-Team der Bellevue Asset Management identifiziert mittels eines fundamentalen Bottom-up-Ansatzes die attraktivsten eigentümergeführten Unternehmen mit kleiner, mittlerer als auch grosser Marktkapitalisierung und konstruiert aus 40 bis 50 Titeln ein über Sektoren diversifiziertes Portfolio.

Frau Olsen, die Situation an den Finanzmärkten kann man getrost als labil bezeichnen. Kommen von den USA initiierte Zölle oder nicht? Wird der Protektionismus weitere Blüten treiben, auch über die USA hinaus? Wenn ja, was bedeutet das für die kleinen und mittleren, stark auf den Export angewiesenen Unternehmen in der Schweiz?

Die politische und geopolitische Lage ist sicherlich herausfordernd, aber die Aktienmärkte in der Schweiz und in Europa haben sich stark entwickelt. Seit Jahresbeginn haben sie um 8% bzw. 10% zugelegt. Für mich liegt die Erklärung in der starken Konzentration des US-Marktes, was zu einer erhöhten Volatilität führt. Die Magnificent 7 machen heute ein Drittel des S&P 500 aus und US-Aktien 74% des MSCI World aus (die Schweiz 2.2%), jedoch nur 25% des weltweiten BIP. Seit DeepSeek und Trump 2.0 ist US-exceptionalism keine Einbahnstrasse mehr. Das Risiko hedgen Anleger mit Diversifikation, und da gehören internationalen Aktien in der Schweiz wie auch in Europa dazu, auch Nebenwerte. Wir hatten im Januar lauf Bank of America den zweitstärksten Inflow in europäische Aktien seit 25 Jahren.

Zu den Zöllen. Europäische Unternehmen erzielen 26% ihres Umsatzes in den USA. Davon werden 11% vor Ort «local for local» produziert. Letztendlich sind theoretisch weniger als 7% von Exportzöllen betroffen. Grundsätzlich gilt: Stärke ist die beste Verteidigung, und Unternehmen mit hohen Marktanteilen, guten Margen und Preissetzungsmacht sind agiler. Schweizer Unternehmen sind als innovative Nischen-Champions sehr gut positioniert, aber man muss genau hinschauen, und das Stockpicking gewinnt an Bedeutung.

Kommen wir zu Ihrem Fonds. Deutlich ausgebaut haben Sie die Position Sandoz, die mittlerweile die grösste in Ihrem Portfolio darstellt. Welche Erwartungen haben Sie an das Pharmaunternehmen?

Wie Sie wissen, ist der SPIEX kein echter SMID-Index, sondern beinhaltet alle Aktien, die nicht teil des SMIs sind, darunter viele Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von über 15 Mrd. CHF. Dazu gehören Sandoz, aber auch Straumann, Schindler, Lindt, SGS oder sogar Roche. Entscheidend für den relativen Erfolg des Fonds ist nicht die absolute Grösse einer Position, sondern ihre Gewichtung relativ zur Benchmark. Zu unseren grössten Überzeugungen gehören beispielsweise Burckhardt, Kardex oder Huber + Suhner, nicht aber Sandoz. Sandoz ist nur in den Top 10, weil die Gewichtung am BM 5,5% beträgt.

Unter den Top 3 ist Ihre Position Swissquote. Das Engagement in diese Bank macht Anlegerinnen und Anlegern in den letzten Jahren viel Freude, alleine in den letzten zwölf Monaten legte die Aktie fast 90% zu. Wie sehen Sie die weitere Entwicklung von Swissquote?

Swissquote hatte am 17. Januar starke Jahresendzahlen pre-indiziert. Vorsteuergewinn von 345 Mio. CHF, Kundenvermögen von 76 Mrd. CHF, über 30% Wachstum mit Netto-Neugeldern von über 8 Mrd. CHF. Egal, welche Kennzahl, das Wachstum ist beeindruckend, und die starken Neukundengelder sind eine sehr gute Basis für weiteres Wachstum in diesem Jahr. KGV 12m liegt bei 19x, höher als historisch, jedoch gerechtfertigt, skandinavische Wettbewerber wie Avanza oder Nordnet liegen bei einem KGV von knapp 23x mit weniger Wachstumsmomentum. Swissquote lockt immer mehr junge Anleger oder on-line-affine-Anleger sowie enttäuschte Grossbankkunden an, das könnte so weitergehen. Am 20. März kommen die Jahreszahlen, dann werden wir mehr erfahren.

Sie haben die Position Barry Callebaut geschlossen, auch unter dem Eindruck des stark steigenden Kakaopreises. Gleichzeitig bleibt Lindt & Sprüngli eine Ihrer grössten Investments. Wie geht das zusammen?

Wir haben Barry Callebaut aufgrund der zunehmenden Unsicherheit hinsichtlich der Cash-Generierung vor dem Hintergrund steigender Kakaopreise verkauft. Im Jahr 2024 haben sich die Kakaopreise verdreifacht, was zu einer Explosion des Working Capitals führte. Im Hinblick auf die Verschuldung des Unternehmens ist dies nicht wünschenswert. Die Hedging-Politik schützt die operative Marge, hat aber sehr hohe Liquiditätskosten, die sehr schwer zu modellieren sind.

Erstens ist bei Lindt das Kakao-Exposure mit 10% des Umsatzes viel geringer als bei Barry Callebaut, zweitens sollte sich die Premium-Positionierung in puncto Preisgestaltung niederschlagen, und drittens ist die Marge dreimal höher als die bei Barry Callebaut, was es dem Unternehmen ermöglichen sollte, einen eventuellen punktuellen Cashflow-Bedarf leichter zu finanzieren.

Als wir das letzte Mal im April 2023 miteinander sprachen, waren Sie noch voller Zuversicht, was die Swatch Aktie – damals die grösste Position in Ihrem Fonds –  anbelangt. Seither hat sich der Kurs der Aktie fast halbiert. Wie sind Sie mit diesem Investment seit 2023 umgegangen, und wie sehen Sie die Chancen auf einen Rebound?

Seit April 2023 ist viel Wasser die Limmat hinunter geflossen. Swatch gehört schon lange nicht mehr zu unseren Top Picks, d.h. die schlechte Performance im Jahr 2024 hat uns nicht tangiert. Nach der heftigen Gewinnwarnung von Ende Januar haben Analysten ihre Gewinnerwartungen um ca. -15% bis -25% herabgesetzt, jedoch hat der Titel kaum reagiert, was zeigt, dass die Erwartungen und die Bewertung am Boden sind. Das Umfeld für Luxusgüter ist seit letztem Jahr herausfordernd, und auch andere Unternehmen wie z.B. Kering haben ebenfalls Schwierigkeiten, während andere wie Moncler oder Richemont trotz der schwachen Nachfrage aus China viel besser dastehen. Es ist schwierig zu sagen… ja, die Marken der Swatch Group sind definitiv mehr wert als die aktuelle Marktkapitalisierung, aber der Case ist kompliziert und deswegen als Investment schwierig. Ein China Rebound wäre grundsätzlich positiv, aber daran scheiden sich die Geister.

Welche weiteren Positionen in Ihrem Fonds möchten Sie positiv oder negativ herausstellen?

Wie Sie sicherlich gesehen haben, konnten unsere Schweizer Nebenwertefonds Bellevue Entrepreneur Small & Mid (lux) und Bellevue Entrepreneur Switzerland mit +8,4% seit Jahresbeginn den BM SPIEX übertreffen. Top Performer waren Swissquote (+15%), Medmix (+53%) und Also (+22%). Bei der Titelauswahl mögen wir aktuell Huber+Suhner, Burckhardt Compression und mittelfristig auch Montana Aerospace.

Huber+Suhner wird in der Sparte Kommunikation von seiner optischen Switches-Technologie profitieren können. Huber+Suhner hatte 2016 den amerikanischen Hersteller Polatis (optische Switches) übernommen, dessen Produkte und Technologie in Data Centers zur Energieeinsparung und Effizienzverbesserung erfolgreich eingesetzt werden können.

Burckhardt Compression wird  im Zuge von Trumps Motto «Drill baby drill»  im LNG-Bereich profitieren können. Nach dem explosivem Wachstum der Kompressoren-Nachfrage im Jahr 2023 dürften in den nächsten zwei Jahren die Bereiche Systems und das hochprofitable Servicegeschäft mehr im Einklang wachsen, was die Durchschnittsmarge stützen wird.

Montana Aerospace mit einer Marktkapitalisierung von 1 Mrd. CHF ist ein Zulieferer der Luftfahrtindustrie mit zwei Grosskunden Airbus & Boeing. Trotz der Produktionsschwierigkeiten von Boeing im vergangenen Jahr konnte ein Umsatzwachstum von 18% und ein EBITDA-Wachstum von +40% erzielt werden. Die Guidance für 2025 beinhaltet weiteres Profitabilitätswachstum mit einer Normalisierung der Flugzeugproduktion im zweiten Halbjahr. Die Aktie ist attraktiv bewertet.

Ihr Motto in dieser für Anleger diffusen Zeit?

Agil bleiben. Diversifizieren und Small & Mid Caps in die Allokation einbeziehen – in der Schweiz wie auch in Europa.

Frau Olsen, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

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