Medibank: Hans-Rudolf Rahm bleibt im VR

1
1681

Mit pikanten Informationen eröffnete Adrian Leuenberger, seit November 2012 VR-Präsident der Zuger Medibank, die ausserordentliche Generalversammlung (GV) der Gesellschaft am 14. Januar. Einberufen wurde die GV von Minderheitsaktionär Bruno De Nicolò (33% der Stimmen) mit dem Ziel, Hauptaktionär Hans-Rudolf Rahm (49% der Stimmen) aus dem Verwaltungsrat abzuwählen. Dieser hatte im Herbst De Nicolò – den langjährigen Direktor und bisherigen VR-Präsidenten – in einer turbulenten a.o. GV aus dem Amt entfernen lassen. Aufgrund der Stimmenverteilung war von Anfang an klar, dass der 82jährige Rahm trotz seines nicht mehr statutenkonformen Alters im VR verbleiben würde.

Leuenberger berichtete den 24 anwesenden Aktionären von einer Sonderprüfung, welche der VR im November in Absprache mit der Finma beantragt hatte. Diese habe Schwächen bei der bisherigen Compliance und der Corporate Governance zu Tage gefördert. Ebenso soll sich der ehemalige VR-Präsident De Nicolò „übermässig bereichert“ haben. Details werde man an der ordentlichen GV präsentieren. Schwierig sei die Lage insbesondere gewesen, da die Bankenaufsicht Finma aufgrund der Mängel nach Angaben des neuen Verwaltungsratspräsidenten kurz davor gewesen sei, die Bank zu liquidieren. Heute ist die Medibank voll funktionsfähig und gut kapitalisiert. Jedoch verlangt die Finma ein klare Strategie und Nachbesserungen insbesondere in den Bereichen Corporate Governance und Compliance.

Für das Geschäftsjahr 2012 stellte Leuenberger, der früher für die Bank Clariden Leu als Europachef Private Banking tätig war, den Aktionären aufgrund der Vorkommnisse lediglich eine „schwarze Null“ in Aussicht. Die hohe Substanz der Bank sei jedoch nicht gefährdet.

Mit dem neuen CEO der Medibank Stephan Häberle, dem früheren CEO der Liechtensteiner Centrum Bank, möchte der Verwaltungsrat nun die Medibank weiter entwickeln. Häberle sagte am Rande der a.o. GV, dass die Bank mit rund 320 Mio. CHF verwaltetem Vermögen zu klein sei und daher wachsen müsse. Ein weiteres Problem der Bank, dass auch die Finma sehr genau beobachtet, sind die 80 bis 90% (so Häberle) „schwarzes deutsches Geld“.

Für den Aktionär dürfte erst die ordentliche Generalversammlung am 19. April (früher 19. März) Klarheit bringen, wie sich die Medibank weiter entwickeln wird. Bis dahin sind noch alle Szenarien denkbar: eine durch die Finma eingeleitete Liquidation, ein Verkauf der Bank oder das Fortbestehen mit neuer Strategie. Derzeit sieht es danach aus, dass der VR und die neue Geschäftsleitung alles für ein erfolgreiches Fortbestehen tun werden. Die Medibank ist somit ein Banken-Start-up mit Historie, kleiner Kundenbasis und einer hohen Substanz. Bis sich dieses Start-up entwickelt hat, dürften noch zwei bis drei Jahre vergehen. Unklar ist auch, ob Bruno De Nicolò die neue Strategie mitträgt. Obwohl der Aktienkurs für die Inhaberaktien mit CHF 950.- (G) deutlich unter dem Buchwert von CHF 1’816.- notiert, sollten nur sehr risikofreudige Investoren auf diesem Niveau in das Papier investieren.

TEILEN

1 KOMMENTAR

Kommentar verfassen