AG für die NZZ: neuer VRP bittet um Geduld

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Die Generalversammlung der AG für die Neue Zürcher Zeitung am letzten Samstag (13.4.) verlief fast so friedlich wie in früheren Zeiten. Nur bei der Wahl von Etienne Jornod zum Nachfolger für den scheidenden VR-Präsidenten Franz Steinegger gab es einen Aktionär, der aufgrund des ungewöhnlichen Doppelmandats von Jornod und dessen üppigen Vergütungen bei dem Berner Pharma-Grossisten Galenica den Antrag stellte, die Wahl von Jornod zu verschieben. Jornod amtet bei Galenica als „Exekutiver Verwaltungsrat“. Doch die Aktionäre stimmten mehrheitlich für Jornod, der vom Verwaltungsrat anschliessend auch zum neuen Präsidenten gewählt wurde. Ebenso mehrheitlich gewählt wurden der Werber Dominique von Matt und die ehemalige IBM-Schweiz-Chefin Isabelle Welton. Handzahm geworden sind auch die sonst kritischen „Freunde der NZZ„. Diese hatten im Vorfeld auf eine ausserordentliche GV hingearbeitet, einigten sich aber hinter verschlossenen Türen mit dem Verwaltungsrat. Franz Steinegger als Noch-Präsident sicherte der Gruppe denn auch zu, ihre Ideen in Bezug auf ein Aktionärsvorzugsprogramm aufzunehmen. Steinegger verteidigte hingegen die bestehenden Vinkulierungsbestimmungen.

Das Jahresergebnis für 2012, das CEO Albert Stäheli präsentierte, konnte sich mit einem Reingewinn auf Gruppenstufe von 30.9 Mio. CHF (minus 16.3%) angesichts des schwierigen Marktumfelds sehen lassen. Weniger erfreulich ist allerdings die Tatsache, dass trotz Zukäufen und steigenden Erträgen aus dem Bereich der elektronischen Medien der Gesamtumsatz der Gruppe mit 518.9 Mio. CHF unter dem Vorjahresniveau lag und seit Jahren stagniert. Die NZZ-Mediengruppe generiert kein Wachstum mehr. Genau hier will der neu gewählte VRP Etienne Jornod ansetzen. Er betonte, dass die Mediengruppe angesichts der soliden Bilanz – per Ende 2012 lag die Eigenkapitalquote bei 70.4%, und der Netto-Cashbestand erreichte 182 Mio. CHF – in der Lage sei, kalkulierte Risiken einzugehen. Bereits im letzten Jahr hatte das Unternehmen begonnen, in neue Geschäftsfelder wie Konferenzen, digitale Angebote und Bildung zu investieren. Diese neuen Geschäftsfelder stellen die „dritte Säule“ in der Strategie des Unternehmens dar. Die anderen Säulen sind die „NZZ“ (NZZ, NZZ am Sonntag) und die „Freie Presse Holding“ (St. Galler Tagblatt, LZ Medien). Um neues Wachstum erzielen zu können, benötige die NZZ-Mediengruppe nun Ruhe, Konstanz in der Führung und konkrete Massnahmen, die es zu erarbeiten gelte. Jornod bat die Aktionäre auch darum, dem Verwaltungsrat für diesen Prozess die notwendige Zeit zu geben. Sein Ziel sei es, „ein Umfeld zu schaffen, in dem der Verwaltungsrat, die Unternehmensleitung und die Redaktion ihr Bestes geben“.

Es ist zu hoffen, dass es dem Verwaltungsrat nun gelingt, das von Jornod beschriebene Klima in der NZZ-Mediengruppe zu schaffen. Angesichts des schwierigen Umfelds in der Medienindustrie wird dies sicherlich keine einfache Aufgabe sein. Eine entscheidende Rolle dürfte dabei die Neubesetzung des CEO-Postens spielen, die spätestens bis Ende 2014 erfolgen muss. Dann scheidet der jetzige CEO altershalber aus. Ob das Unternehmen jedoch wieder zu neuem Wachstum finden wird, dürfte vor allen Dingen vom erfolgreichen Aufbau der Aktivitäten in den neuen Geschäftsfeldern abhängen. Da es einige Zeit dauern wird, bis sich hier Erfolge einstellen, sind trotz der tiefen Bewertung keine grossen Kurssprünge zu erwarten. Bei Kursen um die 5’550 CHF ist die NZZ-Aktie mit einem moderaten KGV von 9.5 bewertet. Der Kurs liegt zudem fast 40% unter dem ausgewiesenen Buchwert. Angesichts der soliden Bilanz dürfte die Dividende auch für 2013 gesichert sein, selbst wenn das Jahresergebnis in 2013 nochmals zurückgeht. Die Rendite liegt dann bei 3.6%. Wer eine NZZ-Aktie kauft, sollte dies jedoch nicht nur aus Renditegründen tun. Denn an oberster Stelle steht für die Aktionäre die Herausgabe der Neuen Zürcher Zeitung, die mit ihrer liberalen Gesinnung und der hochstehenden Publizistik weit über die Landesgrenzen hinaus einen hervorragenden Ruf geniesst.

Transparenzhinweis: der Autor ist Aktionär der AG für die NZZ und war bis Ende 2012 für das Unternehmen tätig.

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