Zur Rose AG: mit DocMorris zum Umsatzmilliardär

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Eigentlich hätte die im Medikamentenhandel tätige Zur Rose-Gruppe in diesem Jahr einen Grund zum Feiern gehabt. Denn vor 20 Jahren gründete der Rechtsanwalt (und heutige CEO) Walter Oberhänsli gemeinsam mit 20 Ärzten das Unternehmen als eine Art „Selbsthilfeorganisation“, welche es sich zum Ziel gesetzt hatte, Patienten den direkten und kostengünstigen Zugang zu Medikamenten zu verschaffen. Aus dem Start-up ist mittlerweile ein Unternehmen herangewachsen, das im deutschsprachigen Raum führend im Online-Versandhandel von Medikamenten ist und 2012 erstmals die Umsatzgrenze von 500 Mio. CHF knacken konnte. Dass das 20-Jahr-Jubiläum nicht gefeiert wird, begründete Verwaltungsratspräsident Stefan Feuerstein an der Generalversammlung (GV) vom 16. Mai mit dem hohen Arbeitspensum, das Management und Mitarbeiter nach der Übernahme der in Deutschland tätigen Versandapotheke DocMorris sowie neuen Vertriebskooperationen mit der Drogeriemarktkette „dm“ zu bewältigen haben. Dank dieser Aktivitäten will das Unternehmen, das mit seinen Angeboten auf die Trends „demografische Entwicklung“, „e-Commerce“, „Liberalisierung im Apothekenmarkt“ sowie den zunehmenden Kostendruck im Gesundheitswesen setzt, in den kommenden Jahren weiter wachsen. Bereits 2014 soll die 1 Mrd.-CHF-Umsatzgrenze erreicht werden. Feuerstein versprach den Aktionären denn auch, in fünf Jahren das 25-Jahr-Jubiläum gebührend zu feiern.

Neben der Akquisition der Internetapotheke DocMorris, die Ende 2012 vom deutschen Pharmagrossisten Celesio gekauft wurde, und der Anfang 2013 gestarteten Kooperation mit „dm“ konnte zur Rose im letzten Jahr auch im Schweizer Markt punkten. Hier gewann das Unternehmen im Kanton Zürich einen grossen Marktanteil in der direkten Medikamentenabgabe durch Ärzte („Selbstdispensation“), die seit September 2011 in der Region wieder möglich ist. Insgesamt erzielte die Zur Rose-Gruppe 2012 einen Umsatz von 523 Mio. CHF. Eine Aufwertung von DocMorris, der Kaufpreis lag deutlich unter dem Eigenkapital der Firma, führte zusätzlich zu einem ausserordentlichen Ertrag in Höhe von 16.6 Mio. CHF. Dank der Akquisition und der damit verbundenen Effekte kletterte bei Zur Rose das Betriebsergebnis (EBIT) auf 7.5 Mio. CHF (plus 50%). Steuerliche Einmaleffekte, die noch im Vorjahr angefallen waren und im Geschäftsjahr 2012 nicht mehr zum Tragen kamen, hatten einen Rückgang des Unternehmensergebnisses auf 6.2 Mio. CHF (minus 28%) zur Folge. An der Generalversammlung stimmten die Aktionäre einer Dividendenzahlung aus Kapitaleinlagen in Höhe von 0.50 CHF je Aktie zu. Das laufende Geschäftsjahr steht im Zeichen der Integration von DocMorris und des Ausbaus des Geschäfts. Insgesamt erwartet die Gesellschaft für 2013 einen Umsatz von über 900 Mio. CHF, davon 310 Mio. CHF im Geschäft mit den Ärzten, 100 Mio. CHF im Schweizer Versandgeschäft und 520 Mio. CHF im Versandgeschäft in Deutschland und Österreich. Trotz der Integrationsaufwendungen will das Unternehmen 2013 schwarze Zahlen schreiben. Dank Synergieeffekten aus der Integration von DocMorris, die nach Auskunft der Gesellschaft mindestens 3 Mio. CHF betragen sollen, wird mittelfristige mit einer Verbesserung der Marge gerechnet. Die EBIT-Marge liegt derzeit bei 1.4%.

Die Zur Rose-Gruppe hat mit der Akquisition von DocMorris zu einem Befreiungsschlag ausgeholt. CEO Walter Oberhänsli sprach an der GV daher auch von der „Neuen Zur Rose“. Im Schweizer Kerngeschäft, der Selbstdispensation über Ärzte, hätte das Unternehmen in den kommenden Jahren nur noch gering wachsen können. Der eigene Versandhandel im Ausland entwickelte sich zudem nicht wie erwartet. Nach der Übernahme des deutschen Marktführers DocMorris ist Zur Rose nun gut aufgestellt und wurde quasi über Nacht zur führenden Versandapotheke im deutschsprachigen Europa. Jetzt gilt es, die Akquisition erfolgreich zu verdauen und das Wachstumspotenzial auszuschöpfen. Zu einer Verbesserung der Profitabilität dürften die Synergien sowie das starke Wachstum – der Umsatz von DocMorris wächst mit Raten im zweistelligen Bereich – beitragen. Gelingen diese Schritte, sollte sich dies auch markant auf die Bewertung der Zur Rose-Aktie auswirken. Bei Aktienkursen um die 23.50 CHF wird der Titel um rund 11% unter dem Buchwert von 26.30 je Aktie gehandelt. Angesichts der guten Wachstumsaussichten ist auch das KGV von 12 (Geschäftsjahr 2012) als moderat zu bezeichnen. Lediglich die Eigenkapitalquote von 32% ist nicht unbedingt komfortabel, dürfte aber bei einer positiven Geschäftsentwicklung relativ rasch wieder auf ein Niveau von über 40% steigen. Für Anleger, die sich der mit der starken Expansion verbundenen Risiken bewusst sind, ist die Aktie bei Kursen unter dem Buchwert attraktiv.

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