Alpar: fliegt weiterhin in der Gewinnzone

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Die Zeiten, in denen der Berner Flughafenbetreiber Alpar immer knapp am Rande der Gewinnzone operieren musste, sind seit zwei Jahren vorbei. Grund dafür ist das stark gestiegene Passagieraufkommen, das mit der Aufnahme neuer Destinationen durch die Fluggesellschaften Skywork Airlines und Helvetic Airways kräftig zugenommen hat. Seit 2010 konnte sich das Passagieraufkommen auf 271’111 Passagiere mehr als verdoppeln. Dies ist einerseits erfreulich für den Flughafenbetreiber. Andererseits bleibt die Alpar AG nach wie vor abhängig vom Erfolg ganz weniger Fluggesellschaften, wie dies auch die Turbulenzen um die Fluggesellschaft Skywork Anfang dieses Jahres zeigten. Weil Skywork hohe Defizite einflog, wollten der damalige Eigentümer Daniel Borer und einige Investoren Einfluss auf den Flughafen gewinnen mit dem Ziel, dort die Gebühren zu senken und so die Kosten für Skywork zu reduzieren. Zwischenzeitlich haben sich die Parteien geeinigt und verfolgen nun gemeinsame Ziele. „Der Flughafen Bern-Belp unterstützt alle Airlines bei der Einführung von neuen Strecken. Sie kommen ab einer bestimmten Anzahl Bewegungen/Passagiere in den Genuss von Unterstützungen“, so lautet das offizielle Statement dazu. Skywork wird in diesem Jahr wohl alles daran setzen, den Verlust einzudämmen und ein ausgeglichenes Ergebnis zu erreichen. Ohne den Erfolg von Skywork würde sich auch die Erfolgsrechnung der Alpar AG wieder eintrüben.

Und diese entwickelte sich im vergangen Jahr recht gut. Im Geschäftsjahr 2012 erzielte die Alpar AG einen Gesamtumsatz von 14.8 Mio. CHF, wie dem jüngst veröffentlichten Geschäftsbericht zu entnehmen ist. 13.5 Mio. CHF (plus 20%) davon stammen vom Betrieb des Flugplatzes und aus übrigen Erträgen. Die Vermietung der Hangars und Abstellgebühren für Flugzeuge steuerten Liegenschaftserträge in Höhe von 1.3 Mio. CHF bei. Der starke Umsatzanstieg im Flugplatzbetrieb ist vor allen Dingen auf die massive Expansion von Skywork zurückzuführen. Schätzungsweise 4 bis 5 Mio.CHF oder knapp 30% dürfte der sogenannte „Home Base Carrier“ zum Gesamtumsatz der Alpar AG beitragen. Dass die Expansion von Skywork auch massive Investitionen bei Alpar zur Folge hatte, zeigt die Entwicklung der Aufwendungen. Insbesondere der Personalaufwand stieg um fast 30% auf 8.5 Mio. CHF. Alpar-Finanzchef Martin Leibundgut begründet den starken Anstieg der Personalkosten mit der Zunahme der Bewegungen und Passagiere im Linien- und Charterverkehr sowie zusätzlichem Personal für die Erfüllung der Safety- und Security Auflagen.
Auch der sonstige Betriebsaufwand erhöhte sich um 15% auf 2.2 Mio. CHF, was vor allen Dingen auf eine Verdoppelung des Werbeaufwands zurückzuführen ist. Mit 0.5 Mio. CHF lag das Betriebsergebnis (EBIT) um fast 50% über dem Vorjahreswert. Auch der Reingewinn konnte um 27% auf 385’000 CHF gesteigert werden. Für das laufende Jahr rechnet Alpar mit einem Anstieg der Passagierzahlen auf 300’000. Allerdings werden in 2013 nur noch 35 Destinationen angeflogen. 2012 waren es 40. Bis Ende Mai sei der Flughafenbetreiber auf Budgetkurs, so der Finanzchef.

Obwohl die Alpar-Führung stets dementierte, dass die Alpar und die Skywork Airlines „siamesische Zwillinge“ seien, so zeigt der Jahresabschluss 2012 deutlich, wie der Erfolg der Alpar mit der Expansion der jungen Berner Airline zusammenhängt (siehe Grafik). Doch gerade wegen dieser gegenseitigen Abhängigkeit war es wichtig, dass sich der Flughafenbetreiber nicht zu stark an die dynamische Fluggesellschaft bindet. Denn ein Scheitern von Skywork hätte zwangsläufig auch die Existenz des Flughafens gefährdet. Der jetzige Kompromiss, enger zusammenzuarbeiten und dennoch wirtschaftlich eigenständig zu bleiben, scheint daher folgerichtig und klug. Angesichts der deutlich ausgeweiteten Geschäftsaufwendungen bleiben die Risiken für Alpar im Falle eines „Groundings“ von Skywork immer noch recht hoch. Daher wird es wohl für den Verwaltungsrat, der an der GV am 13. Juni verkleinert und verjüngt werden soll, eine vordringliche Aufgabe sein, die Partnerschaften mit den bestehenden Fluggesellschaften zu festigen. Ebenso muss er neue Partnerschaften aufbauen, damit die seit Jahren bestehende Abhängigkeit von wenigen Airlines endlich reduziert werden kann. Erst dann dürften auch die Aktien der Alpar AG, die derzeit bei Kursen um die 52 CHF mit einem Discount von rund 50% auf den Buchwert gehandelt werden, wieder attraktiv werden. Denn nur eine nachhaltige Profitabilität mit der Aussicht auf eine regelmässige Dividendenzahlung dürfte dem Aktienkurs wieder Auftrieb geben.


Quelle: eig. Darstellung, Geschäftsberichte Alpar AG

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