Zur Rose AG: ringt mit Negativ-Kampagne

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Die in Frauenfeld ansässige Zur Rose-Gruppe ist das Kämpfen gewohnt. Schliesslich besteht seit der Gründung der Versandapotheke vor 20 Jahren eines ihrer Ziele darin, das Apotheker-Monopol zu brechen. Kein Wunder also, dass die Apotheker-Lobby immer wieder nach Möglichkeiten sucht, um die forsche Zur Rose-Gruppe in ein schlechtes Licht zu rücken. So wurden jüngst der rasante Expansionskurs mit der Übernahme von DocMorris in Deutschland sowie die – zugegebenermassen – mit wenig Erfolg durchgeführten bisherigen Expansionsschritte ins Ausland (u.a. Versandapotheke VfG) kritisch durchleuchtet. In der Handelszeitung erschien vor knapp zwei Wochen ein Beitrag, der den Erfolg der Auslandaktivitäten von Zur Rose komplett in Frage stellte. Dies kurz nachdem im Boulevardblatt „Blick am Abend“ der Vorwurf des Apothekerverbandes Pharma-Suisse verbreitet wurde, dass die Ärzte bei Zur Rose durch eine Erfassungsentschädigung und eine Logistikpauschale „doppelt“ kassieren würden.

Bei den Aktionären des Medikamentenhändlers können diese kritischen Medienberichte rasch für Verunsicherung sorgen. Letzte Woche konterten Verwaltungsrat und Geschäftsleitung der Zur Rose-Gruppe mit einem Brief an die Aktionäre. Darin beschreibt das Unternehmen die strategischen Eckpfeiler und erwähnt im Ausblick, dass der Umsatzzuwachs im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2013 aufgrund der Konsolidierung von DocMorris bei 79% gelegen habe. Wichtig ist dem Management der Hinweis, dass Zur Rose trotz aller Wachstumsinitiativen profitabel bleiben soll. Walter Oberhänsli, CEO des Unternehmens, bestätigte auf Anfrage nochmals, dass, trotz der enormen Herausforderungen, denen sich Zur Rose stellen muss, in 2013 schwarze Zahlen zu erwarten seien. Allerdings räumte er auch ein, dass 2013 ein „Transformationsjahr“ würde und sich die erwarteten Synergien aus den Zukäufen erst 2014 in den Zahlen widerspiegeln dürften. Diese sollen nach früheren Aussagen mindestens 3 Mio. CHF betragen (siehe auch Blog-Beitrag vom 21.5.). Das grösste Synergiepotenzial wird im gemeinsamen Einkauf und in der Logistik liegen.

Der Aktienkurs von Zur Rose ist in den Wochen nach der Generalversammlung wieder etwas zurückgekommen und liegt derzeit bei 23.50 CHF. Angesichts der Frage, ob die Zur Rose-Gruppe die zahlreichen Wachstumsinitiativen erfolgreich bewältigen kann, ist der Discount auf den Buchwert von 11% sicherlich gerechtfertigt. Ein Kauf der Papiere ist daher nur sehr risikofreudigen Investoren zu empfehlen. Andere Anleger sollten den Geschäftsverlauf aufmerksam beobachten. Gelingt die Integration und schafft es die Zur Rose-Gruppe, das im Online-Medikamentenhandel liegende Potenzial im deutschsprachigen Raum zu nutzen, dürfte sich dies sehr rasch positiv auf die Bewertung und damit auf den Aktienkurs niederschlagen.

1 Kommentar

  1. Moneycab.com hat in diesen Tagen ein ausführliches Interview mit Zur Rose-CEO Walter Oberhänsli zur Strategie und den künftigen Herausforderungen für das Unternehmen veröffentlicht:

    http://www.moneycab.com/mcc/2013/08/12/walter-oberhaensli-ceo-zur-rose-ag/
    (12. August 2013)

    CEO Oberhänsli weist dabei auch auf den hohen Preisdruck und den daraus resultierenden wachsenden Margendruck in seiner Branche hin, der durch eine weitere Optimierung der Kostenstruktur, eine effizientere Logistik oder Einkaufssynergien aufgefangen werden soll.

    Zur Rose geht dabei auch davon aus, dass sie sich auch „in Zukunft mit juristischen Themen auseinandersetzen müssen, die an der bestehenden Struktur rütteln“.

    Nach Einschätzung der Zur Rose AG geht es dabei „nie wirklich um die Klärung von Rechtsfragen, sondern stets nur darum, den Versandhandel mit rechtlichen Mitteln einzuschränken, um damit die Ladenapotheken zu schützen.“

    So oder so dürfte der Gegenwind gegenüber dem Versandapotheken-Modell anhalten. In Deutschland war es dem vormaligen DocMorris-Eigentümer Celesio (www.celesio.com) nie gelungen, das Geschäftsmodell der Versandapotheke gegen die „Apotheker-Lobby“ zu etablieren. Pikanterweise war Celesio allerdings auch noch klassischer Pharma-Grosshändler und Lieferant der Apotheken, die Celesio wegen DocMorris vielfach den Rücken zukehrten. Es kam hier für Celesio zu einigen unerwünschten Risiken und Nebenwirkungen, die so nicht auf dem Beipackzettel standen. In der Struktur liegt sicherlich ein Unterschied zur Zur Rose AG.

    Letztlich scheiterte Celesio aber an der Macht der Apotheken und deren (politischer) Einfluss wurde vielfach unterschätzt. Am Ende stand für Celesio im Herbst 2012 ein Verkauf an die Zur Rose AG mit hohem Verlust als „Notlösung“, um die Stammklientel der Apotheker bei Laune zu halten. Für Celesio war DocMorris ein Millionengrab: In der Summe soll der Verlust bei Celesio bei 200 Mio. Euro gelegen haben, ehe Zur Rose für 25 Mio. Euro zum Zuge kam.

    http://www.wiwo.de/unternehmen/handel/celesio-der-krampf-mit-docmorris-ist-zu-ende/7302674.html

    Insofern bleibt abzuwarten, ob der „kleinen“ Zur Rose aus der Schweiz mit der Integration von DocMorris gelingt, was dem um ein Vielfaches grösseren Vorbesitzer aus Deutschland nie gelungen ist – die Versandapotheke diesseits und jenseits des Rheins gegen den Widerstand der Apotheken dauerhaft zu etablieren und dazu rentabel zu machen. Der Vorteil für Zur Rose liegt sicherlich darin, dass der Kaufpreis aufgrund der „traumatischen“ Erfahrungen des Vorbesitzers Celesio vergleichsweise günstig gewesen ist, so dass die Basis eine andere ist.

    Nun liegt es an Zur Rose, diesen „günstigen Kaufpreis“ und die schon heute hohen Umsätze in künftige Erträge umzumünzen.

    Persönlich neige ich – da ich die Schritte von Celesio und anderer Anbieter in Deutschland über längere Zeit verfolgt habe – weiterhin zur Skepsis, lasse mich aber gerne positiv überraschen. In jedem Fall zeigt Zur Rose Mut.

    Angesichts des zunehmenden Kostendrucks auch im Gesundheitswesen ist das Geschäftsmodell von Versandapotheken im Kern m.E. interessant, doch darf man gerade auch als Anleger den Gegenwind und die Risiken nicht unterschätzen. Es handelt sich hier nicht um „Brot-und-Butter-Geschäft“, sondern um ein sehr komplexes Geschäftsmodell mit vielen Unbekannten. Hohen Chancen stehen entsprechende Risiken gegenüber.

    Noch spielt der Wettbewerb in diesem Segment nur ungenügend und es gibt viele geschützte Bereiche. Das Geschäftsmodell bleibt deshalb anfällig für Störungen, nicht nur im juristischen Bereich. Das gilt für Deutschland genauso wie für die Schweiz, zwei Kernmärkte der Zur Rose AG.

    Thorsten Grimm, Grisonia Consult GmbH, 13.08.2013

    • Danke für die kritische Einschätzung. Ein Investment in „Zur Rose“ birgt in der Tat auch sehr hohe Risiken. Grundsätzlich befindet sich aber der gesamte Detailhandel (und dazu zähle ich auch das Apothekengeschäft) in einem Transformationsprozess hin zum Onlinehandel (Amazon, Ebay, Zalando usw. lassen grüssen). In einem ähnlichen Prozess des Strukturwandels hin zu digitalen Geschäftsmodellen befinden sich auch Finanz- und Medienindustrie. Angesichts des Kostendrucks im Gesundheitswesen dürften die Regulatoren diesen Prozess nicht allzu stark behindern. Hinzu kommt der demografische Wandel, der auch kostengünstige Lösungen für die Medikamentenversorgung für älter werdende (und weniger gut betuchte) Menschen hervorbringen wird. Die grössten Risiken für „Zur Rose“ bleiben meines Erachtens nach das Managen des starken Wachstums. Und die Frage, ob die Zeit jetzt schon reif ist für diesen Wandel oder es ob (auch aufgrund der starken Apothekerlobby) länger braucht als erwartet, um ein solches Geschäftsmodell erfolgreich zu etablieren. Dann würde einer der „First Mover“ wie „Zur Rose“ vielleicht auf der Strecke bleiben. Am 22. August bringt Zur Rose die Semesterzahlen. Sicherlich werden sie dann etwas zum Ausblick für das laufende Geschäftsjahr sagen.

      • Ein lesenswerter Artikel zur Situation bei den deutschen Apotheken findet sich beim HAMBURGER ABENDBLATT vom 6.8.2013 (mit Statistiken zur Entwicklung der Apothekenzahl in D):

        http://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article118757264/Wenn-der-Apotheker-ploetzlich-Pflanzenschutz-verkauft.html

        Thematisiert wird u.a. das Apothekensterben in ländlichen Regionen Deutschlands. Dort zieht ein Ärztemangel auf dem Land oft eine „Apothekenkrise“ nach sich und führt dazu, dass sich der einst so stolze Berufsstand der Apotheker ganz neu erfinden muss. Der hoch qualifizierte Apotheker mit seinem Universitätsstudium und einem breiten Wissensschatz in vielen Disziplinen wird in der täglichen Praxis v.a. zum Logistiker. Dazu ist er aus wirtschaftlichen Gründen zunehmend gezwungen, auch neue Einnahmequellen zu erschliessen, z.B. den Verkauf von Pflanzenschutzmitteln oder die teilweise Übernahme von Sanitätshausfunktionen.

        Im Artikel heisst es u.a.:

        „Aber egal, ob auf dem Land in Marlow oder in der Berliner Innenstadt: Die Apotheker haben sich immer weiter entfernt von ihrer ursprünglichen Aufgabe. „Sie haben sehr viel Wissen angehäuft, davon wird aber nur ein Bruchteil abgefordert“, kritisiert Verbandsvize Arnold. „Viele hoch qualifizierte Apotheker werden bisher nur als Logistiker genutzt.“

        So ähnlich sieht es in Marlow auch aus. Die Versorgung der Patienten ist eine tägliche logistische Tüftelaufgabe, Müllers Mitarbeiter sammeln die Rezepte aus den Sammelbriefkästen auf den Dörfern ein, bringen die Medikamente und andere Bestellungen an die Haustür – und zwischendurch schickt Müller von der Apotheke aus telefonische Beratung hinterher. Im Nacken immer die Konkurrenz von der Versandapotheke im Internet. Dass er an seine Grenzen gekommen ist, weiß Müller. „Wir müssen uns neu erfinden“, sagt er.“

        Diese „Neuerfindung“ ist die aktuelle Herausforderung des Berufsstands der Apotheker, ob auf dem Land oder andernorts. Für viele steht dabei nicht weniger als die Existenz auf dem Spiel. Mit entsprechend harten Bandagen dürfte hier in den nächsten Monaten und Jahren an vielen Fronten gekämpft werden.

        Die eigene Zukunft sieht der deutsche Apothekerverband in einer auf „mehrere Jahre angelegten Großreform“, bei der den Apotheken eine verstärkte Beraterfunktion und das „Medikationsmanagement“ zufällt – auf Honorarbasis. Ob dieses Modell erfolgreich sein wird, wird die Zeit zeigen,

        Für Unternehmen wie die Zur Rose AG mit ihrem Versandmodell ist diese Situation Chance und Risiko zugleich:

        Chance, weil die viel zitierte „Versandapotheke im Internet“ in die Lücke springen kann, die eine geschlossene Apotheke im ländlichen Raum, aber auch in der Stadt, hinterlassen kann. Risiko, weil der Kampf um die „Kuchenverteilung“ in den nächsten Jahren mit entsprechender Härte geführt werden dürfte und entsprechende juristische Risiken bestehen.

        Die gesetzlichen Krankenkassen sowie das Bundesgesundheitsministerium in Deutschland sehen die Lage weniger dramatisch als die Apothekenverbände:

        „Die gesetzlichen Krankenkassen und das Bundesgesundheitsministerium sehen die Lage weniger sorgenvoll. Nach fetten Jahren sei nun die Zeit für Wettbewerb und Spardruck, heißt es.“ (Hamburger Abendblatt vom 6.8.2013)

        Thorsten Grimm, Grisonia Consult GmbH, 21.08.2013
        info@grisonia.ch

  2. Die „Deutsche Apotheker Zeitung“ (www.deutsche-apotheker-zeitung.de) berichtet in ihrer aktuellen Ausgabe vom 5. September 2013 (DAZ 36) in einem redaktionellen Beitrag nun auch über den Streit der Zur Rose AG mit dem Apothekerverband Pharma-Suisse zum Arzneimittelversand, über den Björn Zern hier bereits am 18. Juni 2013 berichtet hatte.

    Das Thema dürfte auch für deutsche Leser interessant sein, da den Apothekern noch das Doc Morris-gespenst in den Knochen sitzt, das nun nach dem Verkauf durch den deutschen Pharmagrosshändler Celesio AG neu unter dem Gewand der Zur Rose AG auf Schweizer Umwegen zurückgekehrt ist…

    http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-ausgabe.html?tx_crondaz_pi%5Bview%5D=ausgabesingle&tx_crondaz_pi%5Bausgabe%5D=1508&cHash=56f34821e2cf694b5a842be022efa60e –> Rubrik „DAZ aktuell“

    bzw.

    http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/spektrum/news/2013/08/28/apothekerverband-und-zur-rose-im-clinch/10868.html

    Die wöchentlich erscheinende Deutsche Apotheker Zeitung hat ihre historischen Wurzeln im Pharmaceutische Wochenblatt aus dem Jahr 1861 und gilt als führender verbandsunabhängiger Apothekertitel in Deutschland. Kein anderer Fachtitel hat nach den auf der Homepage der DAZ hinterlegten Mediadaten mehr persönlich zahlende Abonnenten.

    Thorsten Grimm, Grisonia Consult GmbH, 07.09.2013

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