Next Generation Finance Invest AG: kommt zurück an den OTC-Markt

1
2814
Das Gründungsteam der NextGFI: Marc Bernegger, Robert Lempka und Thomas Winkler. Bild: zvg
Das Gründungsteam der NextGFI: Marc Bernegger, Robert Lempka und Thomas Winkler. Bild: zvg

Die an der BX Berne Exchange kotierte Next Generation Finance Invest AG (NGFI) aus Zug unterscheidet sich von anderen Beteiligungsgesellschaften in vielerlei Hinsicht und hat ein ganz eigenständiges Profil. Während andere Unternehmen wie die Basler Welinvest AG etwa in ein diversifiziertes Portfolio aus Immobilien, kotierten Wertschriften und Edelmetallen investieren und über ihre „Realwerte“ damit an eine eher „klassische“ Beteiligungsgesellschaft erinnern, investiert die NGFI ihr Kapital – der Name lässt es erahnen – in „Finanzdienstleistungen der nächsten Generation„. Dazu gehören überwiegend digitale Geschäftsmodelle, die sich fundamental von klassischen Beteiligungskonzepten oder Investitionen in „Betongold“ unterscheiden.

Im Erfolgsfall steckt in diesem innovativen Ansatz jedoch auch ein entsprechender Hebel. Kern des Konzepts ist, dass längerfristig gerade innovative Technologien zu hohen Effizienzsteigerungen (Kosten, Service, Verfügbarkeit etc.) im Finanzsektor beitragen und diesen letztlich auch revolutionieren. „Klassisches Banking und Finance“ droht in unserer immer stärker digitalisierten Welt zunehmend zu einem Auslaufmodell zu werden, da sich immer mehr Aktivitäten auch im Finanzsektor – nicht zuletzt aufgrund der hohen Skalierbarkeit – in digitale und vernetzte Welten verlagern. Von diesem globalen Megatrend „Finance 2.0“ und „Banking 2.0“, der Digitalisierung von Ideen, Produkten und auch persönlichen Verbindungen, versucht die NGFI durch entsprechende Beteiligungen zu profitieren. Im Oktober 2013 war die Gesellschaft einer der „Kompentenzpartner“ der Finance 2.0-Konferenz in Zürich. Das Beteiligungsportfolio der NFGI umfasst heute Beteiligungen an ayondo, OANDA, Gekko Global Markets (via SYCAP Group (UK) Ltd), 2iQ, yavalu und StockPulse. Alle Beteiligungen haben somit Venture Capital-Charakter und werden auch nicht ausserbörslich gehandelt.

OANDA, ayondo und StockPulse gehören dabei sicherlich zu den bekannteren Beteiligungen im Portfolio der NGFI: ayondo ist ein Online-Marktplatz für Real Time-Tradingsignale und verbindet Signalgeber und Signalnehmer. So ist es möglich, bestimmten „Toptradern“ zu folgen oder mit entsprechenden Handelserfolgen selbst zum „Toptrader“ zu werden. OANDA ist eine der führenden globalen Online-Trading Plattformen im Bereich des Devisenhandels (FX) und bietet zusätzliche Serviceleistungen wie z.B. Zahlungsdienste und historische FX-Daten an. Die Kölner Stockpulse GmbH analysiert Handelssignale aus Social Media-Kanälen wie etwa wallstreet:online oder Twitter und bereitet diese entscheidungsunterstützend, z.B. im Rahmen eines „Sentiment Trading“, für die Kapitalanlage auf.

Wie es sich für eine Beteiligungsgesellschaft der „nächsten Generation“ gehört, kommuniziert die Gesellschaft mit ihren Stakeholdern schon heute auch über soziale Medien, so etwa in einem Blog, über Twitter oder über Facebook. Gegründet wurde die Gesellschaft Anfang 2009 von zwei erfahrenen Bankmanagern aus dem Hause der ABN Amro, nur wenige Monate nach dem Fall von Lehman Brothers, in den dunkelsten Stunden der „Finanzkrise 1. Teil“. „Lehman“ sollte die gesamte Branche nachhaltig verändern – und letztlich basiert auch ein guter Teil des digitalen, offenen Geschäftsmodells von NGFI auf diesen von den diversen „Finanzkrisen“ hervorgerufenen Veränderungen.

Bereits wenige Monate nach der Gründung wurde die NGFI-Aktie in den OTC-X-Handel der Berner Kantonalbank (BEKB) einbezogen. In einem 1. Schritt lag das Aktienkapital nach einer Kapitalerhöhung im April 2009 bei 2.6 Mio. CHF und war eingeteilt in lediglich 52’000 Aktien. Die Aktien zur OTC-X-Einführung wurden 2009 einst zu 50 CHF emittiert. Der Schlusskurs Ende 2009 lag bei 56 CHF. In den Folgejahren nach 2009 folgten diverse Kapitalerhöhungen zur Finanzierung des Wachstums und des Portfolioaufbaus. Bis zum 30. März 2010 wurde die Aktie auf der OTC-Plattform der BEKB gehandelt, ehe der Titel mit der Ausweitung des Aktionariats und dem höheren Kapital an die Berner Börse (Berne eXchange) wechselte.

Heute ist das Aktienkapital nach letzten Informationen von der Homepage (Stand: 23.01.2014) in 239’941 Aktien eingeteilt, so dass sich bei einem Aktienkurs von 82.00 CHF eine Marktkapitalisierung von knapp 20 Mio. CHF ergibt. Der Net Asset Value (NAV) wird seitens der Gesellschaft mit 84.31 CHF zum 30. September 2013 angegeben, so dass die Gesellschaft sehr nahe an ihrem NAV notiert. Am 21. Januar 2014 teilte die NGFI mit, dass Luminor Capital, ein institutioneller Investor aus Singapur, 5.5 Mio. CHF in NGFI zur Finanzierung des weiteren Wachstums investieren möchte. Gleichzeitig meldete NGFI auch, dass eine Dekotierung von der BX Berne eXchange beabsichtigt sei. Im Rahmen dieses Neuinvestments und der beabsichtigten Dekotierung möchte sich NGFI auch von einer Investmentgesellschaft in eine operative Holding wandeln. In der Aktionärsmitteilung vom 22. Januar 2014 führt NGFI auch die Gründe auf, die sie zu einem Rückzug von der BX Berne eXchange an die OTC-X-Plattform der BEKB bewogen haben. Nach unserer Einschätzung wird NGFI sich mit dieser Wandlung in eine operative Holding auf eine weitere qualitative Stärkung – finanziell, kapazitativ und organisatorisch – sowie die inhaltliche Weiterentwicklung wichtiger Kernbeteiligungen z.B. auf der Produkt- und Vertriebsseite konzentrieren. Namentlich sehen wir hier nach der Kapitalinjektion aus Singapur insbesondere die Kernbeteiligungen an ayondo (Beteiligungshöhe: 28.18% zum 30.06.2013) und Gekko Global Markets (Beteiligungshöhe: 49.51% zum 30.06.2013), die schon seit Anfang 2013 im Rahmen eines Joint Venture kooperieren und bei denen NGFI bereits heute Managementkapazitäten stellt, als prädestiniert für eine weitere Stärkung und operative Zusammenführung, um das Thema „Social Trading“ so künftig noch gezielter zu adressieren und weiterentwickeln zu können.

Der letzte Handelstag der NGFI-Titel an der BX eXchange findet voraussichtlich am 30. April 2014 statt und ab dem 1. Mai 2014 wechseln diese auf die OTC-X-Plattform. Damit endet nach gut 4 Jahren das Intermezzo der NGFI an der BX Berne Exchange und das Unternehmen kehrt quasi zurück zu den Wurzeln.

Für den (potenziellen) Investor in NGFI-Aktien gilt es, die weiteren Schritte auf Unternehmensseite genau zu beobachten. Einerseits verfügt das Unternehmen mit seinem Geschäftsmodell in der Nische über Alleinstellungsmerkmale. Auch ist das Konzept von NGFI innovativ und spannend von den Technologien der Beteiligungen. Die Fähigkeit zur Kapitalaufnahme zwecks Finanzierung des künftigen Wachstums über die letzten Jahre ist für das Gefäss einer Beteiligungsgesellschaft durchaus beeindruckend, wenn man an die Anzahl der Kapitalerhöhungen denkt. Andererseits steht der „Lackmus-Test“ – die Frage, ob „Finance / Banking 2.0“ und die Portfoliounternehmen über die Schlagworte von „New Finance“ hinaus auch echten, nachhaltigen und ökonomischen Mehrwert für NGFI-Aktionäre schaffen – dem Unternehmen erst noch bevor. Seit gut zwei Jahren notiert die Aktie an der BX Berne eXchange in einem – gerade auch für technologiegetriebene „Internet 2.0“-Geschäftsmodelle – ansonsten sehr freundlichen Markt in einem sehr engen Band um 80 – 82 CHF. Inwieweit auch der ausgewiesene NAV heute tatsächlich „belastbar“ ist, lässt sich von aussen mit den vorliegenden Daten schwerlich beurteilen.

Nach dem „Kapitalwachstum“ der zurückliegenden Jahre sollte von Unternehmensseite der Fokus nun wieder vermehrt auf „Ertragswachstum“ im Portfolio gerichtet werden, da verwässernde Kapitalerhöhungen an sich auf Dauer kein Selbstzweck sein können. Im Kern verfügt NGFI über interessante Potenziale, die es seitens der Verantwortlichen in den nächsten Jahren auch für die Aktionäre freizulegen gilt. Der Verwaltungsaufwand in Relation zum Eigenkapital war mit über 3% zum 30. Juni 2013 noch relativ hoch, was auch eine implizite Folge der Grösse ist. Die ausgeweitete Kapitalbasis sollte hier künftig entlasten. Auf Aktionärsseite sind die Management Fee von 2% p.a. sowie die Performance Fee von 25% (High Watermark) ins Kalkül zu ziehen, die im Erfolgsfall sehr viel leichter zu verschmerzen sind. In der Summe wird die OTC-X-Plattform mit der Rückkehr der Next Generation Finance Invest AG um ein interessantes Unternehmen bereichert. Es könnte sich längerfristig lohnen, die weitere (Portfolio-)Entwicklung dieser Gesellschaft – und ihrer wichtigsten Beteiligungen – im Blick zu behalten.


1 Kommentar

  1. Die ausserordentliche Generalversammlung der Next Generation Finance Invest AG vom 18. März 2014 hatte u.a. die Umbenennung der Gesellschaft in ayondo Holding AG beschlossen.

    Die Namensänderung wurde noch am gleichen Tag ins Handelsregister eingetragen und am 21. März 2014 im Schweizerischen Handelsamtsblatt publiziert. An der Berner Börse werden die Titel schon unter „ayondo Holding AG“ gehandelt.

    Die Generalversammlung wählte mit Fatt Kah Foo auch einen Vertreter des Investors Luminor Capital aus Singapur neu in den Verwaltungsrat (vgl. Bericht v. 27.01.2014, oben).

    Ferner beschloss die Generalversammlung eine ordentliche Kapitalerhöhung um höchstens CHF 11‘502‘950 durch Ausgabe von höchstens 230‘059 Namenaktien im Nennwert von je CHF 50.

    Im Rahmen einer beabsichtigten Sacheinlage möchte die jetzige ayondo Holding AG weitere Stammanteile der ayondo GmbH, Frankfurt am Main, sowie Aktien der SYCAP Group UK Ltd (Gekko Global Markets), London, gegen Gewährung von neu zu schaffenden ayondo Holding AG-Aktien zu einem rechnerischen Ausgabebetrag von CHF 83 je Namenaktie übernehmen.

    Damit würde sich in Abhängigkeit der Umtauschquote der jetzigen ayondo GmbH-Gesellschafter/Sycap-Aktionäre das Aktienkapital – und damit die Anzahl ausstehender Aktien – maximal verdoppeln.

    Mit diesem Schritt macht die ehemalige NGFI einen weiteren Schritt in der operativen Neuausrichtung und signalisiert auch gegenüber dem Kapitalmarkt, dass die bisherigen ayondo-Aktivitäten – ergänzt um Gekko Global Markets – in den operativen Fokus rücken, wie wir dies bereits in unserem Beitrag vom 27. Januar 2014 prognostiziert hatten.

    Für die Töchter ayondo und Gekko Global Markets hatten die langjährigen NGFI-Manager und Gründer Thomas Winkler und Robert Lembka zunehmend auch die operative Verantwortung übernommen.

    Nun gilt es, diese Gesellschaften auch operativ unter dem Dach der neuen ayondo Holding AG zusammenzuführen und auf der Produkt- und Vertriebsseite die sich daraus ergebenden Synergiepotentiale zum Vorteil der Aktionäre zu nutzen.

Kommentar verfassen