Medibank AG: weist für 2013 einen Verlust von 3.5 Mio. CHF aus

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Das zurückliegende Geschäftsjahr 2013 wird nicht als besonders erfolgreiches Jahr in die Geschichte der Zuger Medibank AG eingehen, doch hat sich die OTC-gelistete Gesellschaft angesichts der – zu einem guten Teil allerdings auch hausgemachten – widrigen Umstände einigermassen achtbar geschlagen. Es hätte angesichts der äusseren Umstände wohl noch deutlich schlimmer kommen können, doch war die Gesellschaft von einem „guten“ Leistungsausweis ebenfalls weit entfernt.

Der diesmal sehr früh vorgelegte Geschäftsbericht 2013 zeigt, dass unter dem Strich ein Jahresverlust von knapp 3.5 Mio. CHF resultierte, entsprechend einem Minus um 173 CHF/Inhaberaktie bzw. 43 CHF/Namenaktie. In dem vom 24. Januar 2014 datierten Vorwort des Verwaltungsrats fällt auf, dass jegliche Aussagen zur weiteren Zukunft der Bank vermieden werden – und damit auch dazu, ob die Bank nun verkauft wird oder doch, wie man beim Blick auf Top 5 der Einladung zur 34. Ordentlichen GV am 28. Februar 2014 in Zug vermuten könnte, in die geordnete Liquidation übergeht. Bis zu einer klaren Aussage der Gesellschaft zur weiteren Zukunft der Bank erscheinen bis zur GV beide Szenarien – Verkauf oder Liquidation – denkbar. Die Liquidation scheint zum heutigen Zeitpunkt noch keine beschlossene Sache, sondern eine Option für den Fall, dass der Verkauf bis Ende Februar 2014 nicht gelingt.

Erneut musste die Medibank 2013 einen grossen Aderlass bei den Kundengeldern verkraften. Das „Netto-Neugeld“ war abermals negativ und lag bei einem Netto-Geldabfluss von 66.6 Mio. CHF bei den Kundenvermögen. Dagegen war das stichtagsbezogene Kundenvermögen „nur“ um 15% oder 49.7 Mio. CHF auf 275.5 Mio. CHF im Vergleich zum Vorjahr rückläufig, liegt damit insgesamt zumindest oberhalb unserer eigenen Erwartungen nach den für Aussenstehende (und Aktionäre) nicht immer leicht nachvollziehbaren Entwicklungen der zurückliegenden 18 Monate.

Aus Sicht der Bank erfreulich ist, dass nach Angaben im Geschäftsbericht viele ausländische Kunden, die ihre Bankverbindung im Verhältnis zu ihren jeweiligen Behörden im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten auf eine neue Grundlage gestellt haben, der Bank die Treue gehalten haben, mitunter allerdings auf tieferem Niveau. Diese tiefere Vermögensbasis führte gleichwohl zu einem markanten Ertragsrückgang. Obwohl der totale Geschäftsaufwand gegenüber dem Vorjahr 2012 um moderate 2.8% auf 5.1 Mio. CHF reduziert werden konnte, muss dieser in absoluten Beträgen nicht zuletzt aufgrund der „subkritischen“ Grösse der Bank in Relation zu den rückläufigen Erträgen der Gesellschaft noch immer als (deutlich) zu hoch angesehen werden. Per Ende 2013 lag der Geschäftsaufwand bei knapp 2% des verbliebenen Kundenvermögens, während der betriebliche Erfolg unter dieser Marke gelegen hatte.

Aus dem Kommissions-, Dienstleistungs- und Zinsengeschäft – den eigentlichen Kerngeschäftsfeldern der Bank entsprechend, da der Beitrag der Handelsaktivitäten zuletzt nur noch eher gering war – resultierte ein Erfolg von zusammen 3.3 Mio. CHF. Dies ist nicht ausreichend, um den Geschäftsbetrieb zumindest ausgeglichen betreiben zu können, solange die Kosten des Geschäftsaufwands auf dem 2013er-Niveau von 5.1 Mio. CHF verharren.

Der Personalaufwand war gegenüber 2012 trotz einer leicht höheren Stellenzahl (15 MA statt 14 MA) paradoxerweise um fast 28% von 3.1 Mio. CHF auf etwa 2.2 Mio. CHF rückläufig. Der Rückgang der Gehälter innerhalb dieser Bilanzposition lag – leider ohne weitere Erläuterungen – bei ca. 29% oder 775’000 CHF. Ein grosser Teil dieser „Einsparungen“ beim Personal dürfte nach unserer Interpretation des Geschäftsberichts auf frühere Verwaltungsratsmandate entfallen, die im Vorjahr 2012 noch mit 964’000 CHF abgegolten wurden,  sich 2013 jedoch auf 287’000 CHF reduzierten (Veränderung: -677’018 CHF; Quelle: Geschäftsbericht S. 12).

Dies ist aus Aktionärssicht einerseits zwar vordergründig zu begrüssen, da sich Honorare im Umfang von fast 1 Mio. CHF für den Verwaltungsrat einer Bank in der (geschrumpften) Grösse der Medibank nicht vernünftig begründen lassen. Auf der anderen Seite wurden die Einsparungen beim Personalaufwand im Umfang von ca. 0.9 Mio. CHF, die wir grossteils beim gestutzten Verwaltungsratshonorar orten, durch eine beinahe analoge, entgegengerichtete Bilanzposition mit einer Ausweitung des „Übrigen Geschäftsaufwands“ um 710’000 CHF zumindest teilweise wieder aufgefangen und „kompensiert“. In der Steigerung des „Übrigen Sachaufwands“ um 64% auf zuletzt 1.8 Mio. CHF waren nach Angaben im Geschäftsbericht „Kosten im Zusammenhang mit der durch die FINMA angeordneten Sonderprüfung sowie zusätzliche Kosten bezüglich Führung der Bank und der Bearbeitung von aufsichtsrechtlichen Themen“ enthalten. Für den Geschäftsbericht-Leser ist dabei vorläufig noch nicht erkennbar, wie sich diese Kosten im Detail aufschlüsseln und ob hier nicht Teile des zunächst rückläufigen Personalaufwands indirekt wieder aufgefangen werden und in etwas anderem Kleid erscheinen, weil sie z.B. für „Führungsaufgaben“ in der Bank ausserhalb von Anstellungs-/Organverträgen, etwa auf freier Beraterebene, in grösserem Umfang angefallen sind. Damit wäre für die Aktionäre nicht viel gewonnen.

Auch der Aufwand für Räumlichkeiten, EDV, Mobiliar, Fahrzeuge und sonstige Einrichtungen ist mit weiterhin über 1 Mio. CHF p.a. für eine Bank in der Grösse der Medibank AG aus heutiger Sicht (viel) zu hoch und trägt einen Teil dazu bei, bei gegebener Asset-Basis ein besseres bzw. zumindest ausgeglichenes Ergebnis zu erschweren.

Das ausgewiesene bilanzielle Eigenkapital der Medibank AG liegt per Ende 2013 bei 1’575 CHF je Inhaberaktie, dem ein zuletzt bezahlter OTC-Kurs von 800 CHF gegenübersteht – auf den ersten Blick eine attraktive Ratio. Das bilanzielle Eigenkapital ist mit 31.5 Mio. CHF unverändert überdurchschnittlich hoch, gemessen an den erforderlichen Eigenmitteln gemäss Eigenmittelverordnung (3.1 Mio. CHF). Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2013 hat die Bank erneut eigene Beteiligungstitel im Umfang von knapp 20’000 CHF nominal zurückgekauft, entsprechend gut 50 Inhaberaktien. Der Kapital- und Stimmrechtsanteil der beiden Hauptaktionäre Dr. Rahm (49% Stimmen, 43% Kapital) und de Nicolo (33% Stimmen, 27% Kapital) blieb unverändert.

Der ausgewiesene bilanzielle Jahresverlust von 3.5 Mio. CHF ist – neben den erwähnten Defiziten im operativen Geschäft – stark negativ beeinflusst von einer neuen Rückstellung für „geschätzte Kosten“ im Zusammenhang mit dem US-Steuerstreit im Volumen von optisch hohen 2.25 Mio. CHF (112.50 CHF je Inhaber-Aktie). Die Medibank AG hatte sich aussagegemäss prophylaktisch für Kategorie 2 gemeldet, mit der Möglichkeit zur Umklassierung in Kategorie 3. Inwieweit und ob diese Bilanzposition, die den Gewinn 2013 stark schmälerte, realistisch ist oder nur eine „politische (Steuerungs-)Grösse“, muss die Zeit zeigen. Eine etwaige Auflösung dieser Position in den Folgejahren könnte das Ergebnis, wenn die Rückstellung in dieser Höhe nicht länger benötigt wird, dann positiv beeinflussen und als „Gewinn-Katalysator“ wirken. Umgekehrt könnte das Ergebnis negativ belastet werden, wenn sich zeigt, dass die jetzt gebildeten 2.25 Mio. CHF nicht ausreichen, um den Steuerstreit mit den USA aus der Welt zu räumen.

Angesichts der neuen und alten Unwägbarkeiten rund um die Medibank AG sowie vieler Unsicherheiten – etwa auch steuerlicher Natur im Fall einer Liquidation – möchten wir auf eine konkrete Handlungsempfehlung an Aktionäre hier jedoch verzichten. Jedes Anleger-Risikoprofil ist anders. Neben Chancen auf Kursgewinne auf dem mittlerweile gedrückten Kursniveau hält der Titel selbst bei 800 CHF immer noch auch erhebliche Risiken bereit. Dies gilt insbesondere für den Liquidations-Fall, wenn sich der Geldabfluss nochmals aufgrund externer und interner Ereignisse forciert, gleichzeitig die Kosten des Geschäftsbetriebs z.B. aufgrund lang laufender Verträge oder sonstiger Vereinbarungen nicht entsprechend schnell nach unten angepasst werden und/oder die Situation mit ausländischen Steuerbehörden nochmals eine neue Eskalationsstufe erreicht.

Aktionäre sind gut beraten, die kommende ordentliche Generalversammlung am 28. Februar 2014 in Zug zu besuchen und ihre Aktionärsrechte entsprechend einzusetzen. Danach sollte man dann auch sehr viel klarer sehen, wohin die Reise der Medibank AG geht und wo der „faire Wert“ der Gesellschaft liegt.

Transparenzhinweis: Der Autor ist Aktionär der Gesellschaft.

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