Torrent-Bahnen Leukerbad-Albinen AG: Nachlassstundung – Investoren und Zukunftslösung gesucht

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Bild: www.torrent.ch

Einmal mehr sind dunkle Wolken über Leukerbad aufgezogen – diesmal über dem Ski- und Wandergebiet am Torrenthorn. Die Kennzahlen der nur sehr sporadisch und mit Kleinstumsätzen im OTC-X-Handel der Berner Kantonalbank gehandelten Torrent-Bahnen Leukerbad-Albinen AG im Kanton Wallis waren in einer strukturell angespannten Situation im lokalen Wintersporttourismus schon länger unbefriedigend.

Von einem Zwischenhoch im Geschäftsjahren 2008/2009 ging der Ertrag der Bahnen bis 2013/14 um knapp 27% auf nur noch 4.4 Mio. CHF zurück (Quelle: Geschäftsbericht 2013/2014). Der Ertrag aus dem für die Bahn besonders wichtigen „Personenverkehr Winter“ zeigt seit 2008/2009 in der Tendenz besonders steil nach unten und ist nunmehr im 6. Geschäftsjahr in Folge ohne erkennbare Gegenbewegung deutlich rückläufig. Bis Ende Mai 2014 gab es dabei einen weiteren Rückgang um 30%. Das EBITDA hatte sich in der gleichen Periode sogar um 60% reduziert. Bei diesen Rückgängen im operativen Geschäft ist die Gewinnentwicklung des Unternehmens nicht verwunderlich. So schrieb die Bahn in den letzten fünf Geschäftsjahren stets rote Zahlen. Auslöser waren nicht nur schleppende Geschäfte und Beförderungszahlen, sondern auch hohe Abschreibungen auf die Sachanlagen, die per Ende Mai 2014 noch mit 20.6 Mio. CHF bilanziert waren. Gut 15 Mio. CHF des Anlagenbuchwertes (Anschaffungskosten: 25.5 Mio. CHF) entfallen dabei auf die Gondelbahn Flaschen-Torrentalp-Rinderhütte und die Sesselbahn Rinderhütte-Schwalbennest. Die Schulden der Torrentbahnen liegen nach SRF-Informationen aktuell bei 14 Mio. CHF. Grösste Kreditgeber sind der Kanton Wallis, der Bund und verschiedene Banken.

Quelle: Torrent-Bahnen Leukerbad-Albinen AG, Geschäftsbericht 2013/2014, S. 18.

Die schon länger „schwierige“ Finanzlage von Leukerbad spiegelt sich in diesen Zahlen wider. Das Unternehmen leidet seit längerem im Sog der Euro-Schwäche unter einer rückläufigen nationalen wie internationalen touristischen Bedeutung seiner Destination Leuk-Leukerbad wobei sich das Ferien- und Konsumverhaltens auch einheimischer Gäste verändert hat. Zusätzlich belasten die Klimaänderungen, die eine künstliche und teure Beschneiung des Torrent-Skigebiets notwendig machen.

Ein erneut schlechter Winterbeginn nach bereits zwei schlechten Wintern – und zusätzlich der Einbruch des Euro zum CHF durch den aktuellen SNB-Entscheid – waren nach der jahrelangen Talfahrt jetzt auch zu viel für das Unternehmen und zwangen die Verantwortlichen zum schnellen Handeln. Wie der Walliser Bote in seiner Online-Ausgabe vom 27. Januar 2014 unter Verweis auf Informationen der Gesellschaft berichtete, sei der Umsatz in der aktuellen Wintersaison nochmals um 15% zurückgegangen. Von historisch bereits tiefem Niveau aus wirkte das wohl wie ein kurzfristiger „Genickbruch“ für die Gesellschaft.

Gesuch auf Nachlassstundung

Der Verwaltungsrat der Torrent-Bahnen AG hatte deshalb jüngst beim Bezirksgericht Leuk und Westlich Raron ein Gesuch um „provisorische Nachlassstundung“ eingereicht. Ein „Weiter so“ hätte mutmasslich fatalere Folgen für Gläubiger und Aktionäre gehabt: Ohne eine solche Nachlassstundung wäre ein kurzfristiger Konkurs bereits zum Saisonende wohl notwendig geworden, so Direktor Jossen gegenüber dem SRF. [Video-Link: SRF „Walliser Skigebiet in Geldnöten“ aus Schweiz Aktuell vom 27.01.2015; 3:24 Min.]

Über die Jahre braute sich am idyllischen Torrenthorn ein für ein kleines Bahnunternehmen „toxischer Cocktail“ vieler bestandsgefährdender Mikro- und Makrorisiken zusammen, der sich in der vergangenen Woche in der „provisorischen Nachlassstundung“ entlud und sowohl Öffentlichkeit wie auch Geldgeber auf die existenzgefährdete Situation aufmerksam machte. Mit dem Antrag auf „Nachlassstundung“ sendeten die Verantwortlichen zugleich ein deutliches Notrufsignal an Gläubiger und Aktionäre – aber auch in die Tourismus-Destination Leuk-Leukerbad. Steht damit doch immerhin das grösste lokale Skigebiet „auf der Kippe“.

Sachwalter eingesetzt

Mit Verfügung vom 23. Januar 2015 hat das Bezirksgericht Leuk und Westlich Raron der Gesellschaft nun eine „provisorische Nachlassstundung“ für die Dauer von vier Monaten gewährt. Damit hat das Unternehmen Zeit gewonnen, um die finanziellen Probleme selbst beziehungsweise mit Hilfe eines eingesetzten Sachwalters zu lösen. Das Gericht setzte dafür die auf solche Fälle spezialisierte Firma Transliq AG aus Bern ein, die ihrerseits über branchenübergreifende Sanierungs- und Sachwalter-Kompetenzen verfügt. Mit der Mandatsleitung beauftragt wurde Philipp Possa, der bereits als Sachwalter bei der ebenfalls angeschlagenen Bergbahnen Meiringen-Hasliberg wirkte und dort einen Sanierungsplan unter Einbeziehung von Gläubigern und Aktionären erarbeitete. Während der Nachlassstundung kann die Torrent-Bahnen Leukerbad-Albinen AG ohne Mitwirkung der provisorischen Sachwalterin nicht mehr rechtsgültig über ihr Vermögen verfügen. Für die Gesellschaft kann dieser Schritt aber im besten Fall zum „Befreiungsschlag“ vom Ballast der Vergangenheit werden.

Seit vielen Jahren kämpfen die Torrent-Bahnen mit finanziellen Problemen und gegen die Geister der Vergangenheit, die eng mit dem früheren Schuldendebakel von Leukerbad verknüpft sind. Notwendige Ersatz- und Erweiterungs-Investitionen konnten nicht getätigt werden, weil es der Bahn an Kapital mangelt. Leukerbad selbst kann nicht investieren, da der Gemeinde die Hände gebunden sind. Nach Informationen des SRF darf die Gemeide jährlich insgesamt nur 900’000 CHF investieren, der Rest ihrer erwirtschafteten Mittel geht in die Schuldentilgung. Obwohl der Hauptaktionär, die Standortgemeinde Albinen (265 Einwohner), die Bahnen schon heute unter anderem über Aktionärsdarlehen unterstützt, wird es der „kleine Hauptaktionär“ ohne weitere Partner kaum alleine schaffen, die Torrentbahnen „stellvertretend für die Region“ zu sanieren. Dafür wäre einer Kraftanstrengung der ganzen Region von Nöten. Das Aktienkapital von 7.4 Mio. CHF ist in 74’000 Inhaberaktien zu je 100 CHF Nominalwert eingeteilt. Die Bürgergemeinde Albinen hält ca. 72%. Knapp 21’000 Aktien sind im Streubesitz. Bei einem letzten OTC-X-Kurs von 3 CHF (29.01.2015) ergibt sich eine winzige Marktkapitalisierung von nur rund 220´000 CHF, die den wirtschaftlichen Totalausfall weitgehend vorweggenommen hat.

Nach Aussagen im Geschäftsbericht 2013/2014 sollten in den beiden kommenden Jahren „eigentlich“ die Kabinen der Pendelbahn Leukerbad – Rinderhütte revidiert werden und bei den beiden Sektionen der Gondelbahn Flaschen – Torrentalp – Rinderhütte stehen die Verlängerung der Konzession und Betriebsbewilligungen auf der Agenda. Auch Investitionen in Beschneiungsanlagen waren wiederholt Thema einer „Zukunftsstrategie“ der Bahn. Inwieweit sich mit der beantragten „provisorischen Nachlassstundung“ nun die Prioritäten und auch der Zeitplan verschieben, lässt sich schwer beurteilen. Wir gehen davon aus, dass viele Projekte mit der neuen Situation zumindest intensiv überprüft und situativ auch redimensioniert oder zeitlich gestreckt werden.

Als zentrales Element einer Sanierung erscheint uns neben einem integrierten Massnahmenplan auf der Angebotsseite auch eine neue Kapitalstruktur. Dabei dürfte es ohne einen umfangreichen Verzicht von Gläubiger- und Eigenkapitalseite kaum möglich sein, das Unternehmen auf eine solide finanzielle Grundlage zu stellen. Neben einem denkbaren Schuldenschnitt dürfte auch das Aktienkapital im Rahmen eines integrierten Sanierungsplanes herabgesetzt werden. Wir halten es für plausibel, dass der vom Sachwalter in der Vergangenheit umgesetzte Sanierungsplan für die Bergbahnen Meiringen Hasliberg AG als Blaupause dienen könnte. Das könnte zusätzlich die Hereinnahme eines externen Investors mit sich bringen.

Die völlig illiquide Aktie – im Gesamtjahr 2014 lag das Handelsvolumen auf OTC-X lediglich bei rund 8´500 CHF – ist hochspekulativ und birgt das Risiko des Totalverlust. Für Anleger mit Bezug zur Region könnte eine Teilnahme an einer möglichen späteren Sanierungskapitalerhöhung je nach Ausgestaltung jedoch eine Option sein. Für die Tourismus-Region Leukerbad wäre das Ende der Torrentbahnen auf jeden Fall ein Verlust, der die touristische Attraktivität der Destination weiter schmälern würde. Aber solange die Torrentbahnen ein privates Wirtschaftsunternehmen sind, müssen sich die Bahnen nicht nur emotional, sondern auch wirtschaftlich rechnen – für Gläubiger genauso wie für die Aktionäre. Über die Kapitalsanierung hinaus bedarf es für eine langfristig erfolgreiche Entwicklung in jedem Fall weiterer Anstrengungen. Aus den letzten Geschäftsberichten lässt sich herauslesen, dass dies auch der Verwaltungsrat erkannt hat.  

3 Kommentare

  1. Die ordentliche Generalversammlung der Torrent-Bahnen Leukerbad-Albinen AG zum Geschäftsjahr 2014/2015 soll am Freitag, 25. September 2015 um 17.00 Uhr im Restaurant Rinderhütte (http://www.torrent.ch/restaurants/rinderhuette.php) stattfinden.

    Im Rahmen von Traktandum 4 wird der eingesetzte Sachwalter Transliq AG (siehe unseren Beitrag v. 2.2.2015) auch zum aktuellen Stand der Nachlassstundung berichten.

  2. Leukerbad hat aus dem Finanzdebakel nichts gelernt:
    Wie war es damals, als die Emmissionszentrale der Gemeinden massiv Geld für Leukerbad einschiessen musste? Damals äusserten sich die Einwohner von Leukerbad, dass diese Zentrale genau deshalb vorhanden sei. Es wurde nicht überlegt, weshalb es überhaupt so weit kommen konnte. Und heute ist es nicht anders. Müssten allenfalls andere Personen ans Ruder? Wir als aussenstehende Gäste fühlen uns nicht ernst genommen*, wenn wir an der Haltestelle Flaschen warten und der Angestellte dort erklärt, dass nur die drei Gondeln fahren und wir (es warteten ca. 30 Personen) entweder auf die nächsten Gondeln (alle halbe Stunden fahren sie) warten oder zu Fuss gehen sollten. Gleichzeitig wird die Kurtaxe massiv erhöht und uns weisgemacht, dass wir die hier Ferien machen können, dies gefälligst tragen sollen. Ist es ein Zufall, dass sich die Gemeinde Leukerbad mit den neusten Fahrzeugen für den Unterhalt ausgerüstet hat. Auch wenn dies nicht zusammenhängt, so sendet es Zeichen, welche wir wahrnehmen.
    Wen wundert es, dass immer weniger Gäste kommen? Müsste nicht einmal etwas für die Gäste unter-nommen werden. Leukerbad hätte das Potential, nutzt es einfach nicht nach dem Motto; die Gäste müssen froh sein, dass sie kommen dürfen.
    Nun sollen alle Wohnungsbesitzenden usw. in die Torrentbahn investieren. Und was antworten die Einwohner auf die Fragen was passiert, wenn die Sanierung nicht zustande kommt: Das ist dann Pech, bei Aktien kann man verlieren. Und genau so war es bei den 100.00 Franken Aktien bei der Alpentherme; viele Gäste haben ihr ganzes Geld verloren und kommen aus Enttäuschung nie mehr. Wir können uns nicht vorstellen, dass mit dieser Einstellung und dieser Führung eine Änderung stattfindet. Deshalb besser in soziale Einrichtungen investieren, dann hat man noch etwas Gutes getan.
    Ich wünsche den Bahnen ein Umdenken und vielleicht eine neue Führung, nur so haben Investoren auch Interesse am Weiterbestand der Bahnen, welche für die Region von grosser Bedeutung ist.
    *redaktionell geändert

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