Bank Coop: Die unterschätzte Cash-Maschine

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Der Hauptsitz der Bank Coop in Basel. Bild: Bank Coop
Nicht viel los bei der Aktie von Bank Coop. Seit Anfang 2014 läuft der Kurs der Bank nur in einer engen Handelsspanne zwischen 40 und 45 CHF. Obendrein notiert der Titel sogar noch rund 50% unter seinem Allzeithoch aus 2006 bei 88.50 CHF. Wirklich verstehen kann man die Kursentwicklung eigentlich nicht. Grosse operative Sprünge suchen Anleger beim Geldhaus aus Basel zwar vergebens. Doch dafür liefert die Bank seit Jahren solide Zahlen mit einem stabilen Trend nach oben.

Ein paar Fakten: Seit 2005 steigerte Bank Coop die Kundenausleihungen Jahr für Jahr, selbst während der Finanzmarkt- oder Euro-Schuldenkrise gab es keine Einbrüche. Das ausgereichte Kreditvolumen stieg in dem Zeitraum um 53.8% und kletterte dabei von 9.3 auf 14.3 Mrd. CHF im 2014 entsprechend einem jährlichen Zuwachs von durchschnittlich 4.9%. Der Anteil der Hypothekarforderungen an den gesamten Ausleihungen blieb dabei im Zeitraum fast konstant und lag im vergangenen Jahr bei 95.8%. Zuwächse verzeichnete Bank Coop im letzten Jahrzehnt auch bei den Kundengeldern. Seit 2005 stiegen diese von 7.4 auf 11.6 Mrd. CHF und mit +56.8% oder 5.1% im Jahr sogar noch etwas schneller als die Ausleihungen. Der Refinanzierungsgrad I – Kundengelder im Verhältnis zu den Ausleihungen – stieg dadurch von 79.6 auf 81.5%.

Margen fallen, Abschreibungen gehen zurück

Im Vergleich zu 2005 fiel der Erfolg aus dem Zinsgeschäft insgesamt trotz der deutlich höheren Volumina allerdings wegen der derzeit ungünstigen Zinsmargen im allgemeinen Niedrigzinsumfeld um 5.3% auf 160.4 Mio. CHF und wegen der geringen Zinsmarge verzeichnete Bank Coop in dem Zeitraum beim Betriebsertrag sogar einen leichten Rückgang von 246.8 auf 244.0 Mio. CHF. Der Anstieg des Geschäftsaufwands von 140.8 auf 152.5 Mio. CHF brachte zwar seit 2005 einen Rückgang beim Bruttogewinn von 106.0 auf 91.5 Mio. CHF, doch die seit Jahren vergleichsweise tiefen Abschreibungen, Wertberichtigungen und Rückstellungen führten dennoch seit 2005 zu einem Anstieg im Betriebsergebnis von 76.0 auf 84.2 Mio. CHF. Immerhin lagen die Abschreibungen in den Jahren vor der Finanzmarktkrise jährlich noch im Bereich von 25 bis 30 Mio. CHF, im 2013 und 2014 waren es dagegen nur noch 10.1 und 7.3 Mio. CHF.

Insgesamt kletterte der Gewinn des Geldhauses damit seit 2005 von 59.3 auf 80.5 Mio. CHF. Das Ergebnis je Aktie stieg dadurch von 3.51 CHF auf 4.77 CHF. Betrachtet man den Zeitraum von 2007 – einem sehr starken Jahr noch vor der Finanzmarktkrise mit Konjunkturboom – bis 2014, so ist zwar lediglich eine Stagnation beim Ergebnis zu verzeichnen, doch dafür erwies sich Bank Coop sogar in Krisenjahren wie 2009 bei stabilen Gewinnen meist im Bereich von 4.0 bis 4.50 CHF je Aktie als unverwüstliche Cash-Maschine.

Neue Strategie als unabhängige Beraterbank

Im vergangenen Jahr verzeichnete Bank Coop wegen des Volumenanstiegs im Zinsdifferenzgeschäft von 5.2% – das war ein Zuwachs um rund 700 Mio. CHF – im Vergleich zu 2013 sogar einen Anstieg im Erfolg dieser Sparte von 2.5%.

Nun hat sich Bank Coop aber vor zwei Jahren eine neue Geschäftsstrategie verordnet und will zur unabhängigen Beraterbank werden. Dabei bietet die Bank ein bedürfnisgerechtes Leistungspaket im Anlagegeschäft. Diesen Sommer soll das Beratungsangebot zusätzlich mit der Eröffnung eines grossen Beratungscenters verbessert werden. Im 2014 verbuchte das Geldhaus aber noch wegen der Weitergabe der von Dritten erhaltenen Retrozessionen einen Rückgang im Kommission- und Dienstleistungsgeschäft von 8.2% auf 64.7 Mio. CHF. Doch in den nächsten Jahren dürfte Bank Coop diesen Rückgang durch eine steigende Zahl an verkauften Leistungspaketen mehr als ausgleichen.

Ausbau der Vertriebsaktivitäten und verstärkte Kooperation mit der BKB

Dabei konzentriert sich die Bank Coop nicht nur stärker auf Vertriebsaktivitäten, sondern setzt auch auf Synergien mit der Konzernmutter Basler Kantonalbank BKB. So wurde jetzt Ende April die Zusammenlegung der Rechtsabteilungen mit der BKB, die 57.6% der Aktien hält, bekanntgegeben. Gleichzeitig wurde die Marketingfunktion, die bisher zentral im Konzern für BKB und Bank Coop ausgeübt wurde, dezentralisiert und liegt nun für das eigene Geschäft im Verantwortungsbereich von Bank Coop. Weitere Kooperationen zwischen Bank Coop und BKB mit organisatorischen Anpassungen im Konzern sind zu erwarten.

Der langfristige Vergleich zeigt – Bank Coop ist krisenfest und konnte über einen Zeitraum von rund zehn Jahren immer hochprofitabel mit ziemlich stabilen Ergebnissen im Bereich von 4.0 bis 4.50 CHF je Aktie arbeiten. Die Aktionäre erhalten daraus seit 2006 Jahr für Jahr eine Dividende von 1.80 CHF je Aktie – Rendite 4.4%. Da der Grossaktionär BKB weiterhin an hohen Ausschüttungen interessiert sein dürfte, ist bei Bank Coop auch in den nächsten Jahren mit Dividenden in ähnlicher Höhe zu rechnen.

Die kontinuierlichen Jahresüberschüsse brachten seit 2005 zudem einen kräftigen Anstieg im Buchwert je Aktie von 43.37 CHF im 2005 auf 63.97 CHF im vergangenen Jahr. Nach dem Kursverfall der letzten Jahre ist Bank Coop mit einem KBV von 0.6, einem erwarteten 8er-KGV auf Basis 2015 und der hohen nachhaltigen Dividende von 4.4% klar unterbewertet. Zwar sind selbst bei erfolgreicher Umsetzung der neuen Strategie keine Gewinnschübe und exorbitanten Kurssprünge zu erwarten. Doch die Aktie besitzt wegen der günstigen Bewertung und des hohen Buchwerts nicht nur mittelfristiges Kurspotenzial wieder bis in den Bereich des Buchwerts – und das sogar bei geringen Kursrisiken, sondern bietet obendrein auch kurzfristige Chancen. Denn aktuell notiert Bank Coop wieder auf der Unterstützung bei rund 40 CHF. Von dort aus startete die Aktie in den letzten zwölf Monaten schon mehrfach einen schnellen Rebound mit Kurssteigerungen von jeweils rund 10% innert weniger Wochen.

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