Stoosbahnen: Probleme und Verzögerungen beim Bau der neuen Stoos-Bahn – Streit mit Implenia AG um Geologie

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Illustration der neuen Stoos-Standseilbahn. Bild: www.stoos.ch

Seit unserem letzten Blog-Beitrag zu der auf OTC-X gehandelten Stoosbahnen AG sind mittlerweile fast 2 Jahre vergangen. Damals wurde bekannt, dass sich die Stoosbahnen AG als bisher grösster Betreiber von Transportanlagen mit der bisherigen Besitzerfamilie Koch – zugleich Hauptaktionärin der bei der OTC-X gelisteten SAE Immobilien AG (vormals Spinnereien Ägeri AG) – „im Grundsatz“ auf eine Übernahme der von Morschach aus auf den Stoos führenden Luftseilbahn Morschach-Stoos AG (nicht ausserbörslich gelistet) geeinigt habe. Noch ist der Geschäftsbericht 2014/2015 (GJ-Ende 30. April 2015) nicht veröffentlicht, doch gehen wir davon aus, dass die Übernahme mittlerweile – da es im Frühjahr zu verschiedenen Mutationen im Handelsregister gekommen ist – zum Ende des Geschäftsjahres 2014/2015 vollzogen wurde. Noch ist die Luftseilbahn Morschach-Stoos AG jedoch eine eigenständige Gesellschaft mit freien Aktionären. Ob diese aussenstehenden Aktien künftig ebenfalls von der Stoosbahnen AG übernommen werden sollen oder ob es gar zu einer Fusion mit der Stoosbahnen AG und der Bündelung aller Stoos-Transportaktivitäten unter einem einheitlichen Namen kommt, ist zum heutigen Zeitpunkt offen. Wir rechnen damit, dass den Aktionären der Luftseilbahn Morschach-Stoos AG zumindest mittelfristig ein freiwilliges Umtauschangebot in Aktien der Stoosbahnen AG unterbreitet wird, doch dürfte diese Pendenz intern – da es, um im Bild zu bleiben, deutlich grössere „Baustellen“ gibt – aktuell nicht die höchste Priorität geniessen.

Wir schrieben im September 2013 an dieser Stelle: „Für die Stoosbahnen AG macht die Erschliessung des Stoos über das verkehrstechnisch deutlich günstiger gelegenere Morschach oberhalb von Brunnen in der Nähe der Autobahn A4 / N4 einerseits Sinn. Andererseits erscheint vordergründig auch nicht ausgeschlossen, dass es zu einer internen Konkurrenzierung der neuen Standseilbahn Stoos kommen könnte, die Ende 2015 mit stark vergrösserten Kapazitäten (max. 1500 Gäste pro Stunde) in Betrieb gehen soll und zum Zeitpunkt ihrer Inbetriebnahme voraussichtlich die steilste Standseilbahn der Welt sein wird, über die auch schon ausländische Medien berichteten. Die Baukosten sollen um CHF 52 Mio. betragen, und hierfür sucht der Verwaltungsrat weitere Aktionäre, die sich via Kapitalerhöhung an der nach Angaben von der GV ansonsten gesicherten Finanzierung (vgl. auch NLZ vom 21. Juni 2013) beteiligen möchten. Nach einem Bericht der NLZ vom 27. September 2013 fehlen nach Auskunft des Verwaltungsratspräsidenten noch CHF 2.8 Mio. Insofern bleibt abzuwarten, welche Strategie der Stoosbahnen-Verwaltungsrat künftig mit der LSB Morschach Stoos verfolgen wird, wenn die prestigeträchtige neue – und auch teure – Standseilbahn Ende 2015 erst in Betrieb gegangen ist. Denkbar ist neben einer Entlastungsfunktion in Stoo(s)szeiten langfristig genauso eine Stilllegung von Kapazitäten nach einem Ablaufen der LSB-Konzession mit einer betrieblichen Konzentration auf die Standbeilbahn, doch sind alle Szenarien heute – ohne weitere Informationen – letztlich Zukunftsmusik und Spekulation.“

Eröffnungstermin Ende 2015 lässt sich wohl nicht mehr halten

Diese neue, 52 Mio. CHF teure Standseilbahn auf den Stoos entwickelt sich nach aktuellen Medienberichten zunehmend zum Sorgenkind am Stoos und bereitet den Verantwortlichen einige Kopfschmerzen und Extraschichten auf allen Ebenen. Klar ist: Der Termin „Ende 2015“ für die vorgesehene Eröffnung der prestigeträchtigen Bahn lässt sich aufgrund verschiedener eingetretener Verzögerungen beim Projekt nicht mehr halten, und auch die Baukosten sind teurer als budgetiert. Hinsichtlich der Verantwortlichkeiten für Pannen, Verzögerungen und höhere Kosten ist nun ein Streit zwischen der Bahngesellschaft einerseits und der ausführenden Baugesellschaft Implenia AG andererseits entbrannt, auch wenn sich die Beteiligten öffentlich um Schadensbegrenzung bemühen.

In ihrer Ausgabe vom 8. Juli 2015 berichtete die Neue Luzerner Zeitung (NLZ) unter der Überschrift „Streit um Stoos-Bahn-Tunnel„, dass der Bau bereits „eineinhalb Jahre in Verzug“ sei. Das Projekt wird „teurer und teurer„, wobei die Höhe der Zusatzkosten aktuell unklar erscheinen. Bruno Lifart, Delegierter des Verwaltungsrats der Stoosbahnen AG, erkennt gegenüber der NLZ das Hauptproblem darin, dass das sogenannte Raise-Drill-Verfahren „nicht so laufe, wie es die ausführende Baufirma Implenia versprochen habe“. Auch könne Implenia, so Lifart im NLZ-Gespräch weiter, „nicht die Versprechen einhalten, die sie bei der Auftragserteilung gemacht habe und weswegen sie den Zuschlag erhalten habe“. Bei diesen Arbeiten brach offenbar kurz vor Weihnachten der Bohrer ab und blieb stecken. Ein zweiter Versuch, den Tunnel ins steile Gelände zu fräsen, scheiterte nach NLZ-Informationen im April/Mai 2015. Es läuft aktuell der dritte Versuch. „Seit neun Monaten“ werde seitens Implenia „erfolglos“ (NLZ v. 8. Juli 2015) an diesem Tunnel gearbeitet, und dem Bauherrn sei schriftlich dargelegt worden, dass es „keinen Stillstand bei geologischen Schwierigkeiten gebe„. Überhaupt die Geologie…

Die komplexe Geologie am Berg ist ein Hauptstreitpunkt zwischen den Beteiligten – und dürfte auch eine zentrale Ursache für die bisher eingetretenen Verzögerungen und Kostensteigerungen sein. Implenia argumentiert, dass die geologischen Prognosen deutlich später als erwartet vorlagen und hier bereits eine nicht von Implenia zu vertretende Verzögerung eingetreten sei. Erschwerend sei auch noch hinzugekommen, dass die prognostizierte geologische Situation am Berg – basierend auf einem von der Stoosbahnen AG in Auftrag gegebenen Gutachten – von der tatsächlich vorgefundenen geologischen Situation am Berg abweicht (NLZ vom 8. / 9. Juli 2015). Diese Sichtweise wird vom Bauherrn nicht geteilt, der seinerseits die geologischen Prognosen als „hervorragend“ (NLZ vom 8. Juli 2015) bezeichnet.

Bauunternehmung Implenia versucht einzulenken

Zwischen den Stoosbahnen und Implenia laufen nun Verhandlungen, wie mit dem Projekt weiter zu verfahren ist. Es werden bilateral verschiedene Varianten diskutiert. Gerüchten, wonach sich Implenia von der Stoos-Baustelle zurückziehen würde, widerspricht Implenia selbst in einer ergänzenden Stellungnahme am 9. Juli 2015 gegenüber der NLZ. Implenia gibt sich versöhnlich und bemüht, die Situation nicht weiter eskalieren zu lassen: Man sei bemüht, die Arbeiten ungeachtet aller Differenzen „so schnell wie möglich“ voranzutreiben. Angestrebt würden ein „schnellstmöglicher, erfolgreicher Abschluss“ und eine weitere „gute Zusammenarbeit“ mit dem Bauherrn Stoosbahnen AG. Auch weist Implenia gegenüber der NLZ darauf hin, dass man „seit letztem Herbst im Interesse des Baufortschritts auf eigene Kosten“ weiterarbeiten würde.

Aus einer Aussenperspektive lässt sich schwerlich beurteilen, wo die Probleme tatsächlich liegen und wer hier – auch juristisch – verantwortlich zeichnet für die aufgetretenen Schwierigkeiten und wirtschaftlichen Rückschläge. Gerade im Bereich der Geologie steht Aussage gegen Aussage. Fakt ist, dass verschiedene Verzögerungen und auch Pannen eingetreten sind, die zu höheren Projektkosten führten. Wer diese Kostensteigerungen letztlich zu tragen hat, ist heute noch – da die Verhandlungen zwischen den Beteiligten laufen – offen. Bruno Lifart als VR-Delegierter erwähnt gegenüber der NLZ, dass der Rechtsweg – „wenn immer möglich“ – nicht beschritten werden soll und man versuche, mit der Implenia „im Gespräch“ einen „gemeinsamen Nenner zu finden„. Für Lifart steht jedenfalls fest, dass die Finanzierung der Bahn – unabhängig von den aktuellen Schwierigkeiten – gesichert sei und das Projekt „allen Unkenrufen zum Trotz“ (NLZ v. 8./9. Juli 2015) fertig gebaut wird.

Ob es der Stoosbahnen AG gelingen wird, im Gespräch mit der Implenia AG als ausführender Bauunternehmung auf einen „gemeinsamen Nenner“ bei der rechtlichen und wirtschaftlichen Aufarbeitung der Schwierigkeiten am Berg beim Tunnelprojekt für die neue Stoos-Standseilbahn zu kommen, bleibt vorläufig noch offen. Anlässlich der kommenden Generalversammlung, die voraussichtlich im September/Oktober 2015 stattfinden wird, dürfte sich die Verwaltung auch zu diesem Themenkomplex der Verantwortlichkeiten äussern. Mit einem zuletzt bezahlten Kurs von 4.60 CHF (7. Juli 2015) notiert die Aktie weit unterhalb ihres Nominalwertes (25 CHF), der zugleich der Ausgabebetrag einer der Finanzierung der neuen Standseilbahn dienenden, bereits seit 2014 laufenden Kapitalerhöhung ist. Vor knapp 2 Jahren hatten wir in unserem Blog-Beitrag darauf hingewiesen, dass nicht zuletzt die hohen Finanzierungsaufwendungen und die nicht triviale Bilanz „das Geschäft der Stoosbahnen AG anfällig machen für äussere Einflüsse„. Verzögerungen und Kostensteigerungen beim Bau der neuen Standseilbahn auf den Stoos hatten wir damals noch nicht auf der Rechnung, auch wenn die Verantwortlichkeiten heute noch ungeklärt sind. Obwohl wir die unveröffentlichten Zahlen des Geschäftsjahres 2014/2015 noch nicht kennen, gilt die seinerzeitige Einschätzung in der neuen Situation auch heute noch.

Als Ganzjahresdestination im Herzen der Zentralschweiz ist das autofreie Hochplateau für Gäste attraktiv und vielseitig – insbesondere auch im Sommer. Die vergleichsweise selten und nur in kleinen Stückzahlen gehandelte Aktie der Stoosbahnen AG eignet sich – genauso wie die Teilnahme an der Kapitalerhöhung – aber praktisch nur für Anleger aus der Region mit einem Faible für Lokalwerte, die von der branchenüblichen Naturaldividende sowie weiterer Ermässigungen und Event-Teilnahmen – gestaffelt nach Aktienbesitz (Emissionsprospekt, Seite 5) – profitieren können.

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