Lagerhäuser der Centralschweiz: Gewinn legt 2014/15 trotz geringerem Umsatz zu, Dividende unverändert – Vinkulierte Namenaktien statt Inhaberaktien geplant

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Die Logistikzentren sind einem starken Konkurrenzkampf ausgesetzt. Quelle: Lagerhäuser der Centralschweiz AG
Die Logistikzentren sind einem starken Konkurrenzkampf ausgesetzt. Quelle: Lagerhäuser der Centralschweiz AG

Die Lagerhäuser der Centralschweiz AG verzeichnete im Geschäftsjahr 2014/15, welches per 30. Juni 2015 endete, erstmals seit fünf Jahren einen Rückgang der Umsätze. Das Minus fiel mit 0.7% auf 2.064 Mrd. CHF indessen sehr klein aus. Im neuesten Geschäftsbericht wird das Berichtsjahr dementsprechend auch als Konsolidierungsjahr bezeichnet. Dank des sehr hohen Handelsvolumens im Brenn- und Treibstoffgeschäft sei das Umsatzminus trotz des starken Preisrückgangs nur klein ausgefallen. Insgesamt bezeichnet die Gesellschaft das Jahr als recht erfolgreich. Wegen der Euro-Turbulenzen waren vor allem die Weinkellereien Aarau und die Holzunternehmen der Tochterfirma Oel-Pool stark gefordert. So musste die Weinkellereien Aarau AG als Importeurin die Preise proaktiv senken, während die Holzfirmen als Im- und Exporteure von beiden Seiten unter sehr starken Druck gerieten. Die Holzfirmen haben Aufträge verloren, die nicht ersetzt werden konnten. Inwieweit sich dies auf die Zahlen der Gesellschaft niederschlug, wird nicht näher ausgeführt. Wie in den Vorjahren publiziert die Gesellschaft keine detaillierten Zahlen zu den einzelnen Unternehmen.

Lagerhäuser planen weitere Ausbauten

Bei den Lagerhäusern Aarau konnte die Auslastung im Logistikcenter Schafisheim weiter erhöht werden. Der Verlust kleinerer Kunden und Umlagerungen führten dazu, dass die Hallen drei und vier frei wurden. Diese konnte in ein Kühl- und Tiefkühlumschlagslager umgenutzt und langfristig an die Transportfirma Cavegn AG aus Landquart vermietet werden. Dank der Kooperation kann die Lagerhäuser AG die gesamte Dienstleistungspalette von der Kühlkette bis hin zu Kleinpaketen anbieten. Nicht gestoppt werden konnte der Abwärtstrend der Lagervolumen des Hauptkunden in Hunzenschwil. Mit einem weiteren grossen Kunden sind die Lagerhäuser in einer Ausschreibung, die nunmehr neun Monate andauert, und jetzt in die Schlussphase eingetreten ist. Im Transportgeschäft wurde nach der erneut schwachen Entwicklung per 1. Januar 2015 eine komplett neue Führungscrew eingesetzt, welche die Abteilung endlich zum Erfolg zurückführen soll. Allerdings hält das seit einigen Jahren bestehende irrationale Preisverhalten der Marktteilnehmer an und wird die Lagerhäuser auch in Zukunft aufs Höchste herausfordern. Auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr kann das Logistikcenter Spreitenbach zurückblicken. Hier wurden die Einnahmen in den Bereichen Lager und Handlung leicht gesteigert. Das Lager war konstant sehr hoch ausgelastet, was die Verwendung von Aussenlagern notwendig machte. Eine zusätzliche Flexibilität schaffen langfristig zugemietete Flächen in einer Nachbarliegenschaft. Zudem gelang es, die anspruchsvolle Erneuerung der Bediengeräte der Hochregallager und der Sprinkleranlage erfolgreich im ersten Quartal des Berichtsjahres durchzuführen. Derzeit laufen die Planungen für eine Erweiterung des Gebäudekomplexes.

Weinkellereien Aarau halten Umsätze trotz schwierigen Bedingungen

Die Weinkellereien Aarau konnten im Berichtsjahr nicht an die Umsatzerhöhung des Vorjahres anknüpfen. Allerdings gelang es trotz des schwierigen Umfeldes, die Vorjahreswerte zu halten. Ein belastender Faktor ist der weitere Rückgang des Weinkonsums in der Schweiz. So wurden im 2014 noch 35 Liter pro Kopf getrunken, was einem Minus von 3.1 Litern gegenüber dem Vorjahr entspricht. Während die traditionellen Absatzkanäle Getränke- und Fachhandel sowie Restaurants weiter rückläufige Verkaufszahlen ausweisen, stehen die Zeichen bei den Convenienceshops auf Wachstum. Hier verfügen die Weinkellereien Aarau eigenen Angaben zufolge als Marktführer über eine sehr gute Stellung. Einen erheblichen Effekt auf den Geschäftsgang hatte die Aufhebung der Euro-Unterstützung von der Schweizerischen Nationalbank SNB im Januar 2015. Die tieferen Einkaufspreise mussten umgehend auf der Verkaufsseite an die Kunden weitergegeben werden. Zudem wurden Abschreibungen auf die zu einem früheren Zeitpunkt gekauften Waren notwendig. Es gelang allerdings, die Betriebskosten zu senken, so dass unter dem Strich ein Ergebnis in Vorjahreshöhe resultiert. Die Weinkellereien Aarau setzen auch weiterhin auf Expansion. So werden in den nächsten zwei Jahren bedeutende Investitionen durchgeführt. Diese beinhalten die Modernisierung der Tanklager inklusive einer neuen Halle.

Holzgeschäft verhagelt das Ergebnis bei der Oel-Pool

Die Oel-Pool sah sich mit einer sehr schwierigen Situation konfrontiert. Sowohl der starke Preiszerfall des Rohöls als auch die Abwertung des Euros und des Dollars prägten das Berichtsjahr massgeblich. Der starke Franken traf alle Bereiche gleichermassen, während der Ölpreiszerfall vor allem die Ölsparte betraf. Nur dank der konsequenten Absicherung der Lagerbestände und der vorsichtigen Lagerbewertung konnten übermässige Abschreibungen vermieden werden, teilte die Gesellschaft ihren Aktionären mit. Zum 1. Januar 2015 wurde die Beteiligung an der Firmengruppe Halter in Wil auf 50% erhöht. Die Firmengruppe ist ein in der Ostschweiz tätiges Unternehmen der Erdölbranche, welches die Kunden mit Brenn- und Treibstoffen sowie Schmiermitteln aller Art beliefert. Positiv auf den Geschäftsgang im Handel wirkten sich die Schliessung der Tamoil-Raffinerie und Unterhaltsarbeiten an Raffinerien in Cressier und Karlsruhe aus. Diese erlaubten vor allem im letzten Quartal gute Geschäfte. Im Detailhandelsgeschäft konnte die Gesellschaft weitere Marktanteilsgewinne verzeichnen. Diese dürfen allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass vor allem der Heizölmarkt stark rückläufig ist. Im Treibstoffgeschäft sind die Umsätze ebenfalls pro Tankstelle leicht rückläufig gewesen, weswegen gezielt einzelne Tankstellen geschlossen wurden. Im ebenfalls zur Oel-Pool gehörenden Holzgeschäft waren die Zahlen stark geprägt durch die Abwertung der grossen Warenlager wegen der Eurokursentwicklung im Januar 2015. Nur durch massive Wertberichtigungen gelang es den beiden Handelsbetrieben in Sugiez und Walkringen, die preissensitive Kundschaft zu halten. Noch härter traf es die Produktionsbetriebe, bei denen die bereits vor der Wechselkursänderung geringen Margen vollständig vernichtet wurden.

Reingewinn steigt um 11.2% auf 10.7 Mio. CHF

Die Zahlen des Geschäftsjahres 2014/15 zeigen auf Stufe Umsatz gegenüber dem Vorjahr ein leichtes Minus um 0.7% auf 2.064 Mrd. CHF auf. Gleichzeitig fielen die Aufwendungen für Lieferungen und Leistungen um 1.4% auf 1.921 Mrd. CHF, woraus ein Plus des Bruttogewinns von 9.4% auf 143.8 Mio. CHF resultierte. Allerdings stieg der Betriebsaufwand um 5.1% auf 92.8 Mio. CHF an. Verantwortlich für den Anstieg waren vor allem die Lohn- und Raumkosten sowie die Ausgaben für Reparaturen und allgemeine Unterhaltsarbeiten. Dennoch resultierte ein Anstieg des Betriebsgewinns vor Abschreibungen (EBITDA) um 18.4% auf 51 Mio. CHF. Trotz der investitionsbedingt um 3 Mio. CHF auf 21.1 Mio. CHF gestiegenen Sachabschreibungen resultierte ein Plus des Betriebsgewinns um 19.9% auf 29.9 Mio. CHF. Negativ auf den Reingewinn wirkten sich die um 1.2 Mio. CHF auf 2.1 Mio. CHF angestiegenen Finanzaufwendungen sowie der ausserordentliche Aufwand von 6.05 Mio. CHF nach 1.8 Mio. CHF im Vorjahr aus. Positive Auswirkung hatten hingegen die um 1.3 Mio. CHF auf 3.5 Mio. CHF angestiegenen ausserordentlichen Erträge. Insgesamt erwirtschaftete die Gesellschaft einen um 11.2% auf 10.7 Mio. CHF gesteigerten Reingewinn.

Die Jahreszahlen der Lagerhäuser der Centralschweiz fallen nicht nur angesichts des schwierigen Umfelds sehr gut aus. Allerdings reflektieren die vorgelegten Jahreszahlen die Ertragskraft nur teilweise. Zwar publiziert das Unternehmen einen konsolidierten Jahresabschluss. Dieser wird aber nach OR erstellt, wodurch der Gesellschaft Gestaltungsmöglichkeiten bei der Publikation der Zahlen bleiben. Dies darf keinesfalls dahingehend gedeutet werden, dass die Zahlen schlechter ausfallen als kommuniziert. Es kann davon ausgegangen werden, dass die effektiven Margen deutlich höher liegen als diejenigen, welche die Gesellschaft ausweist. Trotz der vermutlich noch deutlich höheren effektiven Gewinne sind die Aktien selbst auf der Basis der Kennzahlen des Geschäftsberichts moderat bewertet.

Die auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelten Papiere wurden letztmalig zu Kursen von 20’000 CHF gehandelt. Auf dieser Basis weisen die Papiere einen Abschlag von knapp 50% zum ausgewiesenen Buchwert per 30. Juni 2015 inklusive Minderheiten aus. Nach Abzug der Minderheitsanteile resultiert ein Abschlag von rund 33%. Das KGV auf der Basis des ausgewiesenen Reingewinns liegt bei knapp 10. Als sehr tief angesehen werden muss die Dividendenrendite von knapp 1%. Der im Vergleich zum Buchwert tiefe Kurs lässt sich mit der geringen Liquidität der Titel und den für viele Anleger abschreckend hohen Kursen erklären. Zusätzlich wird die Gesellschaft von der Familie Meyer und nahestehenden Personen dominiert. Dies ist grundsätzlich nicht schlecht, jedoch wird es für die Privatinvestoren sehr schwierig, vom guten Geschäftsgang des Unternehmens zu profitieren. Meyer betonte in der Vergangenheit zudem wiederholt, den Handel mit den Aktien am liebsten einstellen zu wollen. Mit der für die GV traktandierten Einführung der vinkulierten Namenaktie anstelle der bisherigen Inhaberaktien dürfte die Handelbarkeit der Aktien noch weiter eingeschränkt werden. Eine sehr restriktive Eintragungspolitik neuer Aktionäre würde keinesfalls überraschen. Anstelle der Eintragung neuer Aktionäre nach dem Erwerb von Aktien könnten die Erwerber eine Barabfindung zu einem von der Gesellschaft bestimmten fairen Preis erhalten. Allerdings dürfte es schwierig werden, alle Aktien zum Umtausch zu erhalten. Die bisherige Präsenz von jeweils gut 80% des Kapitals an der Generalversammlung lässt den Schluss zu, dass einige Aktien an nicht von der Gesellschaft ermittelbaren Standorten liegen. Hieran wird auch der Verlust der Vermögensrechte infolge der Nichtregistrierung wenig ändern. Ebenfalls nicht zu erwarten ist ein attraktives Übernahmeangebot, so dass sich die Papiere nur für Anleger mit einem Faible für Substanzwerte und einem engen Bezug zu der Gesellschaft als Investment eignen. Die Ausschüttungsrendite fällt bescheiden aus, und eine Erhöhung ist nicht zu erwarten.

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