Télénendaz: Fusion mit Téléveysonnaz geplant – Stabile Dividende

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Die Vebrdinungsbahn zwischen Nendaz und Siviez wird einem Neubau weichen. Quelle: Télénendaz SA
Die Verbindungsbahn zwischen Nendaz und Siviez wird einem Neubau weichen. Quelle: Télénendaz SA

Die Téléphériques de Nendaz SA (Télénendaz) leidet im Gleichschritt mit dem Gros der schweizerischen Bergbahnen unter rückläufigen Einnahmen im Stammgeschäft. So fielen die Einnahmen aus dem Bahngeschäft und den Restaurants im Berichtsjahr um 6.2% auf 19.1 Mio. CHF. Die Gesellschaft macht für den starken Rückgang vor allem den späten Start der Wintersaison 2014/15 infolge Schneemangels verantwortlich. Zusätzlich sind die Erträge aus dem Wintersportgeschäft, welches die Haupteinnahmequelle darstellt, seit Jahren rückläufig. Dieser Trend macht auch vor Télénendaz nicht Halt. Um sich diesem Trend zu widersetzen, setzt die Gesellschaft auf die Qualität der Angebote und investiert laufend in die Erneuerung der Anlagen. Allerdings sind hierbei insbesondere wegen der schwierigen rechtlichen Bedingungen enge Grenzen gesetzt. Firmenangaben zufolge werde die Wichtigkeit der Bahnbetriebe für die gesamte Destination verkannt.

Investitionen in Höhe von 70 Mio. CHF geplant

Télénendaz hat in den letzten zehn Jahren 55 Mio. CHF in den Betrieb der Anlagen investiert und plant weitere Investitionen in der Grössenordnung von 70 Mio. CHF in den nächsten Jahren. Zu den aktuellen Projekten gehört die Erneuerung des Restaurants Chotte und der Ausbau der maschinellen Beschneiung in den Bereichen Prarion und Siviez sowie die Erneuerung der Bahnen zwischen Prarion und Plan du Fou. An erster Stelle steht der Ausbau der Beschneiung, deren Realisierung für den Sommer 2016 geplant ist.

Hotelverkauf lässt Erträge anschwellen

Im Geschäftsjahr 2014/15 konnte die Télénendaz ausserordentliche Erträge in Höhe von knapp 4.4 Mio. CHF verbuchen. Diese stammen aus dem Verkauf des Hotels Siviez und aus dem Verkauf eines Grundstücks. Um das Hotel weiterbetreiben zu können, wären erhebliche Investitionen notwendig gewesen, weswegen sich die Gesellschaft entschied, das Objekt mit einem ansehnlichen Gewinn zu veräussern. Unter Einbezug dieser Einnahmen stiegen die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr um 5.1% auf 23.5 Mio. CHF an. Hingegen fielen die Einnahmen aus dem Verkehrsgeschäft, der Haupteinnahmequelle, im Vorjahresvergleich um 5.9% auf 14.9 Mio. CHF. Noch weitaus stärker gingen mit minus 13.8% auf 3.3 Mio. CHF die Restaurationserträge zurück, während die Nebenerträge um 29.1% auf 0.9 Mio. CHF anstiegen.

Abschreibungen um 30% auf 7.8 Mio. CHF gestiegen

Auf der Kostenseite gelang es, die Betriebsausgaben dank weiterer Rationalisierungsmassnahmen um 4.8% auf 13.2 Mio. CHF zu senken. Neben den um 2.6% auf 6.9 Mio. CHF gesunkenen Personalausgaben, dem grössten Kostenblock, gelangen markante Einsparungen bei den Wareneinkäufen und den allgemeinen Unterhaltsarbeiten. Trotz der Einsparungen musste die Gesellschaft einen Rückgang des Betriebsgewinns vor Abschreibungen (EBITDA) aus dem ordentlichen Geschäft, d.h. ohne die ausserordentlichen Erträge, von 9.2% auf 5.9 Mio. CHF verbuchen. Die hohen Sondererträge nutzte die Gesellschaft dazu, die Abschreibungen um gut 30% auf 7.8 Mio. CHF zu erhöhen, so dass sogar ein Betriebsverlust von 2.2 Mio. CHF nach einem Betriebsgewinn von 0.2 Mio. CHF im Vorjahr resultierte. Wegen der ausserordentlichen Erträge resultierte unter dem Strich bei einem nahezu unveränderten Steueraufwand von 0.4 Mio. CHF ein Gewinnplus gegenüber dem Vorjahr von 4.5% auf 0.8 Mio. CHF. Die Aktionäre erhalten eine gegenüber dem Vorjahr unveränderte Dividende in Höhe von 12.50 CHF pro Inhaberaktie im Nennwert von 250 CHF und von 25 CHF pro Inhaberaktie im Nennwert von 500 CHF.

Fusion mit Téléveysonnaz wird vorangetrieben

Wie die Aktionäre an der Generalversammlung in Haute-Nendaz am 4. Dezember 2015 erfuhren, wird die Fusion mit der Téléveysonnaz SA vorangetrieben. Hierbei handelt es sich nicht um eine unfreundliche Übernahme, sondern um ein Projekt, das von beiden Gesellschaften unterstützt wird. Um ein möglichst faires Umtauschverhältnis der Aktien der beiden Gesellschaften zu erhalten, wurde eine Fairness Opinion von einem unabhängigen Beratungshaus erstellt. Diese wird aktuell noch durch einen zweiten Schätzer überprüft, und anschliessend werden die Ergebnisse von den Verantwortlichen der beiden Gesellschaften diskutiert und ein Plan zur Durchführung der Fusion erstellt. Sobald die Details feststehen, werden die Aktionäre zu einer ausserordentlichen Generalversammlung eingeladen, um über den Zusammenschluss abzustimmen. Sofern jeweils mindestens zwei Drittel der Anteilseigner der beiden Firmen ihre Zustimmung zum Zusammenschluss erteilen, wird dieser aufgegleist. Über finanzielle Details können derzeit noch keine Auskünfte erteilt werden.

Investitionsprogramm angepasst

Die Geschäftsleitung der Télénendaz rechnet zumindest für das laufende Geschäftsjahr mit weiter rückläufigen Erträgen. Sorgen bereite vor allem die Währungssituation infolge der Aufgabe der Eurounterstützung der Schweizerischen Nationalbank. Die Télénendaz setzt darauf, die Qualität der Dienstleistungen auf einem Top-Niveau zu bewahren, um die Gäste weiterhin halten zu können. Aus Vorsichtsgründen werden allerdings die Investitionspläne angepasst. So sollen jährlich noch rund 5 Mio. CHF in die Sachanlagen investiert werden. Die Geschäftsleitung rechnet damit, diesen Betrag aus dem Cashflow, der das ordentliche Geschäft abwirft, finanzieren zu können. Dank der guten finanziellen Situation verfüge die Gesellschaft bereits heute über die Mittel, die vorerwähnten Investitionen in die Beschneiung und die geplanten Bahnanlagen finanzieren zu können.

Die Geschäftszahlen der Télénendaz fallen zumindest auf den zweiten Blick gut aus. Zwar kann sich die Gesellschaft dem allgemein rückläufigen Trend bei den Einnahmen nicht entziehen, weist aber dennoch gute Ertragsmargen aus. Nicht übersehen werden dürfen insbesondere die sehr hohen Sachabschreibungen, welche die Gesellschaft durchführt. Obwohl der Grossteil der Transportanlagen in den letzten fünf Jahren entweder neu gebaut oder aufwendig saniert wurde, stehen die Anlagen bei einem Gesamtinvestitionsvolumen von gut 163 Mio. CHF nur mit einem Wert von 29.8 Mio. CHF in der Bilanz. Auch die Gesellschaft selbst erwähnt den tiefen Buchwert der Anlagen als Asset, was die Vermutung untermauert, dass hier nicht unerhebliche stille Reserven gebildet werden. Der tatsächliche betriebswirtschaftlich angezeigte Abschreibungsbedarf dürfte maximal 5 Mio. CHF betragen und damit keinesfalls höher als das jährliche Budget für Investitionen ausfallen. Dieser Investitionsbetrag reicht zwar bei einem Gesamtinvestitionsvolumen der Sachanlagen von 163 Mio. CHF nicht aus, um alle Installationen bis zum Ende der üblichen Betriebsdauer von rund 30 Jahren zu erneuern. Hierbei ist aber zu beachten, dass die Anlagen grossteils erneuert sind und nicht rasch ersetzt werden müssen. Die Gesellschaft erwirtschaftete zudem in der Vergangenheit einen ansehnlichen Cashflow, der eine Finanzierung der Erneuerung der Anlagen innert der ordentlichen Nutzungsdauer problemlos erlaubt. Als solide angesehen werden können auch die Bilanzkennzahlen mit einer ausgewiesenen Eigenmittelquote von 41% der Bilanzsumme.

Die Gesellschaft verfügt über zwei Aktienkategorien, die beide auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt werden. Während die kleineren Titel mit einem Nennwert von 250 CHF seit längerem nicht mehr gehandelt wurden, wurden die Papiere im Nennwert von 500 CHF letztmalig im November zu Kursen von 400 CHF gehandelt. Aktuell werden die Papiere zu Geldkursen von 251 CHF gesucht, ohne dass Verkaufsangebote bestehen. Der Buchwert der Papiere liegt zum Bilanzstichtag bei rund 625 CHF, woraus sich auf der Basis des letztbezahlten Kurses ein Discount von 36% ermitteln lässt. Die Papiere verfügen zudem über eine attraktive Ausschüttungsrendite von über 6% unter der Annahme einer gleichbleibenden Dividende. Eine Kürzung erscheint angesichts der soliden Finanzierung nicht wahrscheinlich. Ändern könnte sich dies mit der Fusion, über deren Auswirkungen derzeit keine Aussagen möglich sind. Dies ist aktuell auch der grösste Unsicherheitsfaktor, der den Papieren, neben der allgemeinen schwachen Situation der Tourismusbranche, zugerechnet werden muss. Angesichts der hohen stillen Reserven im Anlagevermögen erscheinen die Aktien auf dem Niveau der letztbezahlten Kurse zumindest aus Valueaspekten nicht überteuert.

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