Opernhaus Zürich: Sponsoren und Subventionen sichern finanziellen Erfolg

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Die Direktion präsentierte den Aktionären den Geschäftsbericht 2014/15. Auf dem Podium vertreten sind: von links Marc Meyer (Protokollführer), Markus Notter, Andreas Homoki, Christian Berner. Quelle: Holger Geissler (Protokollführer),
Die Direktion präsentierte den Aktionären den Geschäftsbericht 2014/15. Auf dem Podium vertreten sind – von links – Marc Meyer (Protokollführer), Markus Notter, Andreas Homoki, Christian Berner. Bild: Holger Geissler, schweizeraktien.net

Die Opernhaus Zürich AG bietet interessierten Anlegern die Möglichkeit, sich an dem weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Opernhaus zu beteiligen. Ohne die Unterstützung des Hauses durch die öffentliche Hand und Sponsoren wäre der Betrieb allerdings nicht möglich. Das Opernhaus hat denn auch einen Leistungsauftrag vom Kanton Zürich, in welchem die Bedingungen, die das Haus erfüllen muss, detailliert aufgelistet sind. Neben der Kulturförderung gehört hierzu auch die Sicherstellung eines Eigenwirtschaftlichkeitsgrads (eigene Einnahmen in Prozent der Gesamtkosten) in der Grössenordnung zwischen 30 und 35%. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2014/15, welches per 31. Juli 2015 abschloss, erreichte die Gesellschaft trotz eines gegenüber dem Vorjahr gesunkenen Werts von 38.6% (nach 39.7% im Jahr 2013/14) die Vorgaben der Selbstfinanzierung des Kantons deutlich. Wie die Aktionäre an der Generalversammlung (GV) im Opernhaus am 18. Januar erfahren durften, befindet sich die Gesellschaft damit im Vergleich zu anderen Häusern in Europa auf einem sehr guten Kurs. Nach der nunmehr dritten Saison, die der Intendant Andreas Homoki im Opernhaus verbrachte, wurde sein Vertrag für fünf Jahre, d.h. bis zum Ende der Spielsaison 2020/21 verlängert. Analog wurden die übrigen Verantwortlichen des Spielbetriebs für die gleiche Zeitdauer verpflichtet.

Höhere Auslastung erlaubt Mehreinnahmen

Im Geschäftsjahr 2014/15 konnte die Gesellschaft die durchschnittliche Auslastung aller Veranstaltungen von 83.8% im Vorjahr auf 84.3% erhöhen. Gleichzeitig stieg die Gesamtanzahl der Vorstellungen um 3 auf 248 an. Während in den Bereichen Oper mit 83.7% (nach 84.1% im Vorjahr) und Ballett mit 87.3% (nach 87.6% im Vorjahr) leicht tiefer ausfielen, entwickelte sich die neu lancierte Kinderoper sehr erfreulich. Von den 15 Aufführungen (plus eine) wurde eine Rekordauslastung von 96.6% (nach 81.4% im Vorjahr) erreicht. Wie Homoki gegenüber den Aktionären betonte, konnte die Gesellschaft hier mit dem Stück Robin Hood einen Publikumsmagneten aufführen. Deutlich zuzulegen vermochten auch die Liederabende mit einer Erhöhung der Auslastung von 49.4% auf 64.9%. Hier spiele allerdings oftmals die Auswahl der Stücke und die Besetzung eine sehr grosse Rolle, ergänzte der Intendant. Die höhere Auslastung schlug sich in einem Anstieg der Vorstellungseinnahmen um 160’000 CHF auf 26.1 Mio. CHF nieder. Ebenfalls höher fielen die öffentlichen Beiträge (plus 310’000 CHF) und die Sponsorenbeiträge (plus 550’000 CHF) aus. Insgesamt stiegen die Einkünfte des ordentlichen Geschäfts um 0.5 Mio. CHF auf 121.1 Mio. CHF an. Der Wegfall des Gewinns aus dem Verkauf der alten Probebühne in Höhe von knapp 4.8 Mio. CHF liess die übrigen, d.h. nicht betrieblichen, Erträge um den gleichen Betrag auf 6.8 Mio. CHF fallen. Zu beachten ist, dass in den betriebsfremden Erträgen die Einkünfte aus dem Gastronomiegeschäft und der Vermietung des Bernhard-Theaters, das ebenfalls dem Opernhaus gehört, enthalten sind. Analog präsentiert sich die Situation bei den betriebsfremden Aufwendungen, die ihrerseits die Kosten des Gastrobetriebs beinhalten.

Personalkosten um 3.3 Mio. CHF gesenkt

Auf der Ausgabenseite gelang es, die Personalkosten, die mit 73% der Gesamtkosten die grösste Kostenbelastung darstellen, gegenüber dem Vorjahr um 3.3 Mio. CHF auf 93.6 Mio. CHF zu senken. Wie VR-Präsident Markus Notter den Aktionären erläuterte, sei dies durch interne Optimierungen möglich geworden. Es wurde nicht beim Personal gespart. Beim Sachaufwand ist ein deutliches Plus von 4.2 Mio. CHF auf 21.4 Mio. CHF zu verzeichnen. Hierbei zu beachten sei allerdings, wie der kaufmännische Direktor Christian Berner ergänzte, dass in den Aufwendungen die Bildung von Reserven enthalten ist. Bereinigt um diese Kosten sank der Aufwand im Vorjahresvergleich um 2 Mio. CHF. Insgesamt wurden die Reserven im Berichtsjahr um 6 Mio. CHF aufgestockt, wie Berner mitteilte. Deutlich tiefer fielen mit 6.2 Mio. CHF nach 11.3 Mio. CHF im Vorjahr die Sachabschreibungen aus, was auf die ausserordentlichen Abschreibungen in Höhe von 5.2 Mio. CHF für die neue Probebühne im Vorjahr zurückgeht. Insgesamt hoben sich die verschiedenen ausserordentlichen Positionen des Berichts- und des Vorjahrs grossmehrheitlich auf. Unter dem Strich resultierte dank der Effizienzsteigerung ein Anstieg des Reingewinns von markanten 39.4% respektive plus 115’000 CHF auf 407’000 CHF.

Ausbau des Lagers und Asbestsanierung geplant

Das Opernhaus besitzt neben dem Stammhaus noch eine Aussenstelle in Oerlikon, welche als Lager genutzt wird. Dieses Gebäude konnte im Jahr 2001 zu sehr günstigen Konditionen erworben werden. Allerdings ist das Haus mit Asbest belastet, was beim Kauf bekannt war. Die Belastung stellt, wie kontinuierliche Messungen der zuständigen Behörden bestätigen, keine Gefährdung für den ordentlichen Betrieb dar und ist deswegen nicht dringlich. Allerdings benötigt das Opernhaus zusätzliche Lagerkapazitäten für die Requisiten. Um diesen schaffen zu können, bietet sich der Ausbau des Gebäudes in Oerlikon an, wobei allerdings gleichzeitig die Sanierung vorgenommen werden soll. Bis zum Ende der laufenden Spielsaison im Frühjahr 2016 hofft das Opernhaus die Kosten für diese Massnahme beziffern zu können. Zumindest ein Teil der Ausgaben wird auch vom Opernhaus getragen werden müssen. Zudem muss das Opernhaus ab dem 1 .Januar 2016 eine Kürzung der Kantonsbeiträge im Umfang von 1.6 Mio. CHF verkraften. Der Kanton steht nach wie vor zum Opernhaus, weswegen der Beitrag des Opernhauses an die Sparmassnahmen des Kantons Notter zufolge vertretbar ausfalle. Wie Homoki ergänzt, erfolgten die Kürzungen des Kantons mit Augenmass, und die Gesellschaft werde diese respektieren und versuchen, diese ohne Abstriche bei der künstlerischen Darstellung und beim Personal umzusetzen. Im laufenden Jahr ist das Opernhaus noch zusätzlich gefordert: Es müsse zudem noch ein ausserordentlicher Beitrag von 1.5 Mio. CHF für die Pensionskasse aufgewendet werden. Sofern es sich bei der Kürzung der Unterstützung um einen einmaligen Beitrag handelt, ist dieser umsetzbar, ist Notter überzeugt.

Die Kennzahlen des Opernhauses Zürich können nur beschränkt nach den üblichen Kriterien bewertet werden. So erhält das Haus Subventionen von der öffentlichen Hand, ohne die ein rentabler Betrieb nicht möglich wäre. Eine ähnliche Lage kennzeichnet auch verschiedene Transportunternehmen, die einen Leistungsauftrag der öffentlichen Hand erfüllen und dafür eine Abgeltung erhalten. Eine weitere Besonderheit ist auch, dass die Aktionäre des Opernhauses keine Dividendenausschüttung erwarten können. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren können die Geschäftszahlen des Opernhauses als gut angesehen werden. Nur auf den ersten Blick schwach präsentieren sich die Bilanzkennzahlen. Während die offen ausgewiesenen Eigenmittel nur 14.8 Mio. CHF respektive gut 22% der Bilanzsumme betragen, besitzt die Gesellschaft hohe Rückstellungen von 20.9 Mio. CHF. Diese weisen nahezu vollständig Eigenmittelcharakter auf, so dass die rechnerische Eigenmittelausstattung bei 54% liegt. Allerdings wird zumindest ein Teil dieser Rückstellungen für die geplanten Sanierungs- und Erweiterungsarbeiten in Oerlikon eingesetzt werden. Wie hoch dieser Anteil ausfällt, ist vollkommen offen. Sehr positiv zu bewerten ist zudem der hohe Bestand an liquiden Mitteln von über 25 Mio. CHF, welche die Finanzierung auch grösserer Investitionen ohne Fremdmittelaufnahme erlaubt.

Das Aktienkapital der Gesellschaft ist in zwei verschiedene Kategorien unterteilt. Hierbei nicht handelbar sind die 836 Stimmrechtsnamensaktien mit einem Nennwert von 300 CHF. Auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gelistet sind die 9’508 Namenaktien mit einem Nennwert von 900 CHF. Die nur selten gehandelten Titel wurden letztmalig im August 2015 zum Kurs von 850 CHF gehandelt. Aktuell werden die Papiere zum Geldkurs von 600 CHF gesucht und zum Briefkurs von 835 CHF offeriert. Auf dieser Basis notieren die Titel mit einem Discount von rund 44% gegenüber dem ausgewiesenen Buchwert. Unter Berücksichtigung der Rückstellungen beträgt der Discount sogar sehr hohe 75%. Trotz dieser sehr hohen Abschläge eignen sich die Titel nur bedingt zur Anlage. Die Aktionäre dürfen weder eine Realisierung des sehr hohen Substanzwerts noch eine Barausschüttung erwarten. Neben der Verbundenheit mit dem Opernhaus kann allenfalls noch die musikalische Darbietung, welche den Aktionären im Anschluss an die GV geboten wird, sowie der nach der GV offerierte Apéro dienen. Hier dürfen die Aktionäre eine Begleitperson mitnehmen.

 

 

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