Luftseilbahn Corviglia-Piz Nair: Engadiner „Niarchos-Bahn“ kehrt im Geschäftsjahr 2014/15 in die Gewinnzone zurück

0
2607
Die Luftseilbahn verzeichnete 2014/15 eine Frequenzzunahme. Bild: www.piznair.ch
Die Luftseilbahn verzeichnete 2014/15 eine Frequenzzunahme. Bild: www.piznair.ch

Die nur sehr sporadisch im OTC-X-Handel der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelte AG Luftseilbahn Corviglia-Piz Nair („Piznair-Bahn“) blickt ungeachtet widriger Umstände auf der Makro-Ebene auf ein erfolgreiches Jahr 2014/2015 zurück. Trotz des massiv höheren CHF-Kurses im Sog der „historischen“ SNB-Entscheidung vom Januar 2015 und – damit eng einhergehend – spezifischen Problemen im Engadin aufgrund der historisch gewachsenen Gästestruktur (Deutschland/Italien/Schweiz) ist es der Gesellschaft bemerkenswerterweise gelungen, das Geschäftsjahr 2014/2015 nach längerer Zeit wieder mit einem kleinen Gewinn abzuschliessen.

Gegen den Engadiner Trend mehr Frequenzen am Piz Nair

Die AG Luftseilbahn Corviglia-Piz Nair, deren Geschichte bis ins Jahr 1952 zurückreicht, betreibt im Skigebiet Corviglia-Marguns-Piz Nair eine Luftseilbahn und – im Winter – eine Sesselbahn. Daneben gehören das Panorama-Restaurant Piz Nair sowie das Restaurant Lej de la Pesch zum Unternehmen. Ausweislich des jüngst veröffentlichten Geschäftsberichts 2014/2015 hat die Gesellschaft im Winterbetrieb mit der Luftseilbahn an 135 Betriebstagen (Vj. 119) rund 178’000 Berg- und Talfahrten absolviert, ein Zuwachs um knapp 4%. Die Sesselbahn, die nur im Winter in Betrieb ist, konnte bei den Frequenzen im Vergleich zum Vorjahr 2013/2014 sogar um etwa 10% auf fast 512’000 zulegen. Erstaunlicherweise erhöhten sich die kumulierten Frequenzen von Luftseilbahn und Sesselbahn so auf etwas über 750’000 – den höchsten Stand seit der Saison 2010/2011! Und das in einer Zeit, in der andere Bergbahnbetreiber in Graubünden – nicht zuletzt aufgrund der bereits skizzierten CHF-Aufwertung und der Gäste-Abwanderung in benachbarte Auslandsdestinationen – über hohe Rückgänge bei den Frequenzen berichteten.

Betriebsertrag steigt um 9% auf 3.6 Mio. CHF

Der Umsatz der Transportanlagen erhöhte sich 2014/2015 um 6.1% auf 2.4 Mio. CHF. Davon entfielen 2.1 Mio. CHF oder 89% auf den Winterbetrieb. Der Ertrag der Gastronomiebetriebe blieb konstant um 1 Mio. CHF, die Nebenbetriebe konnten von 70’000 CHF auf 200’000 CHF gesteigert werden. Insgesamt verbesserte sich der Betriebsertrag in der Erfolgsrechnung von 3.3 Mio. CHF um 9% auf 3.6 Mio. CHF, während das Engadin – und auch die Engadiner Bergbahnen an sich – mit einem strukturellen Umsatz- und Ergebnisrückgang konfrontiert waren. Gerade vor dem Hintergrund der strukturellen Probleme des Engadiner Mikromarkts ist das von der AG Luftseilbahn Corviglia-Piz Nair erwirtschaftete 2014/2015-Ergebnis sehr respektabel.

Das EBITDA erhöhte sich – bei einem weitgehend konstanten Betriebsaufwand um 2.5 Mio. CHF – von 772’000 CHF (2013/2014) um 31% auf 1’015’000 CHF oder 28.1% des Gesamtertrags. Branchenüblich hohe Abschreibungen – etwa 15% des Ertrags – von 523’000 CHF und ein Finanzaufwand um 241’000 CHF mündeten – in Verbindung mit weiteren Aufwendungen – in einem Cashflow von 560’000 CHF (15.5% des Gesamtertrags) nach 391’000 CHF im Vorjahr (+43%). Das EBIT lag per 31. Oktober 2015 bei 492’000 (+107%) und der ausgewiesene Jahresgewinn konnte – nach einem Verlust von gut 143’000 CHF im Vorjahr – auf +37’564 CHF verbessert werden. Zum Geschäftsjahresende per Oktober 2015 verfügte die Gesellschaft über Flüssige Mittel von mehr als 1 Mio. CHF, das bilanzielle Eigenkapital lag stabil um 5.8 Mio. CHF bei einer soliden Eigenkapitalquote von 45.5% (Vj. 44.3%).

Die Aktien der AG Luftseilbahn Corviglia-Piz Nair sind vergleichsweise sehr illiquide. Zuletzt wurden die Aktien im März 2015 – also vor mehr als einem Jahr – zu 70 CHF (6.3.2015) in kleinsten Stückzahlen auf OTC-X gehandelt. Seit 2012 (!) lag der Gesamtumsatz auf OTC-X bei nicht einmal 13’000 CHF. Das Aktienkapital von 4’471’000 CHF ist eingeteilt in lediglich 8’942 vinkulierte Namenaktien zu 500 CHF, wobei die überwiegende Mehrheit der Aktien von der ursprünglich aus Griechenland stammenden, bekannten Reeder-Familie Niarchos gehalten wird. Auf Basis der zuletzt bezahlten Preise ergibt sich eine Marktkapitalisierung von lediglich etwas mehr als 600’000 CHF bei einem bilanziell ausgewiesenen Eigenkapital von gut 5.8 Mio. CHF oder etwa 655 CHF je Aktie à 500 CHF nominal. Das Kurs/Cashflow-Verhältnis auf Basis der 2014/2015-Zahlen beträgt nicht einmal 2. Der Titel wird zu 8.00 CHF gesucht und zu 100 CHF angeboten – sehr weit entfernt vom ausgewiesenen Buchwert. Daneben dürfte die Gesellschaft in ihren Sachanlagen über erhebliche stille Reserven verfügen, etwa bei den Restaurants, der Infrastruktur oder der Personalwohnung. Von der Papierform gehört die kleine und vergleichsweise wenig bekannte AG Luftseilbahn Corviglia-Piz Nair heute zu den günstig bewerteten Bergbahngesellschaften, und es war für die Gesellschaft bisher auch kein Fehler, nicht in der 2007 aus verschiedenen Gesellschaften fusionierten und seit dem Start zumindest für ihre Aktionäre wenig glücklich agierenden ENGADIN ST. MORITZ MOUNTAINS AG (siehe auch Kursverlauf auf OTC-X) dabei gewesen zu sein.

Die Familie Niarchos wird im Verwaltungsrat der AG Luftseilbahn Corviglia-Piz Nair von den Herren Alois Jurt und Christoph Klemm vertreten. Alois Jurt steht bereits seit 1952 (!) im Dienste der Familie Niarchos und zählte zu den engsten Vertrauten des griechischen Grossreeders Stavros S. Niarchos (1909-1996). Niarchos hatte zeitlebens eine besondere Beziehung zum Engadin aufgebaut, die seine Erben bis heute pflegen. Die enge Beziehung zu den Engadiner Bergbahnen am Piz Nair und am Corvatsch sowie weiterer Hotellerie-Betriebe sind ein Zeugnis davon.

An der letztjährigen Generalversammlung vom 24. April 2015 waren lediglich 31 Aktionäre mit 7’901 Aktienstimmen anwesend, entsprechend einer Präsenz von knapp 89%. Für eine „öffentliche“ Bergbahngesellschaft ist eine solche Aktionärsstruktur mit der Konzentration auf vergleichsweise wenige Köpfe eher sehr untypisch.

Die diesjährige Generalversammlung findet am 29. April 2016 um 10.00 Uhr in der Mittelstation Murtèl der Corvatsch AG in Silvaplana/Surlej statt. Die auch auf OTC-X gelistete Corvatsch AG gehört – wie die AG Luftseilbahn Corviglia-Piz Nair – mehrheitlich ebenfalls zum Beteiligungsimperium der Familie Niarchos und übernimmt für die Piznair-Bahn auch die Verwaltung.

Die Corviglia-Piznair-Aktien eignen sich aufgrund der speziellen Struktur und fehlenden Bardividenden – bei einer branchenüblichen Naturaldividende – ungeachtet ihrer sehr günstigen Bewertung insbesondere für Anleger mit Bezug zum Engadin und zum Kanton Graubünden.

Transparenzhinweis: Dem Autor nahestehende Personen sind Aktionäre der Gesellschaft.

Kommentar verfassen