BVZ Holding: Gutes Ergebnis für 2016, weltweit erstes Bahnleitsystem in einer Cloud – Dividende wird auf 12 CHF erhöht

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Der Blick aufs Matterhorn wirkt als Besuchsmagnet für den Gornergrat. Quelle: BVZ Holding AG

Die BVZ Holding AG konnte die positive Entwicklung des ersten Semesters 2016 im Jahresverlauf fortsetzen. So stiegen die Erträge einschliesslich der von der öffentlichen Hand gezahlten Abgeltungen um 2.3% auf 143 Mio. CHF an. Die Gesellschaft konnte in allen operativen Geschäftssparten Zuwächse verbuchen. Lediglich bei den Beteiligungserträgen, die in den Finanzerträgen enthalten sind, wirkte sich die tiefere Ausschüttung der Zermatter Bergbahnen AG (ZBAG) negativ auf die Einnahmen der BVZ aus. Die BVZ hält eine Beteiligung von 22% an der ZBAG. Weiter vorangetrieben wurde die Digitalisierung des Angebots. So erlaubt es die neue Homepage, Tickets online zu kaufen und im Glacier Express die gewünschten Plätze direkt zu reservieren. In diesem Bereich sieht die BVZ denn auch weiteres Potenzial. Wie die Finanzchefin Alice Kalbermatter an der Medienkonferenz in Brig berichtete, liegt der Anteil an Onlinebuchungen aktuell noch bei unter 10%. Allerdings bestehe ein Potenzial in der Grössenordnung zwischen 30% und 40% bis ins Jahr 2020. Eine Weltneuheit stellte die BVZ bei der Bahntechnik vor: So wurde das Bahnleitsystem in eine Cloud ausgegliedert, die seit Januar 2017 im Regelbetrieb läuft. Wie Fernando Lehner, CEO, erklärte, biete das System zahlreiche Vorteile. Die BVZ müsse nicht mehr in Betonbauten investieren, um einen sicheren Betriebsablauf zu gewährleisten. Auch beim Personal seien deutliche Einsparungen möglich. Bei allfälligen Problemen des Systems werden diese direkt durch den Partner Siemens vor Ort repariert. Die BVZ kann den gesamten Betrieb von Zermatt aus steuern, ohne auf eigene physische Systeme angewiesen zu sein. Schliesslich mussten für die Inbetriebnahme des neuen Systems keine grossen Anfangsinvestitionen getätigt werden, da das System über eine Lizenzvereinbarung mit kontinuierlichen Zahlungen finanziert wird.

Gornergrat weiterhin auf Erfolgskurs

Einen weiteren deutlichen Ertragszuwachs um 4.8% auf 26.2 Mio. CHF verzeichnete die BVZ im Geschäftsfeld Gornergrat. Noch deutlich stärker stieg indessen der Spartengewinn mit einem Plus von 15.4% auf 7 Mio. CHF an. Trotz eines vergleichsweise tiefen Umsatzanteils von weniger als 20% der Gesamteinnahmen inklusive Abgeltungen betrug der Anteil am Firmengewinn stolze 80%. Weiterhin erfolgreich entwickelte sich auch der Glacier Express, der bei einem Umsatzplus von 1.2% auf 10.1 Mio. CHF eine Vervierfachung des Gewinns auf 267’000 CHF verbuchte. Haupteinnahmequelle stellt indessen weiterhin das Geschäftsfeld Mobilität, das den Betrieb des Regionalverkehrs und den Autoverlad am Furka beinhaltet, dar. Auch hier konnte die BVZ ein Umsatzplus von 2.1% auf 55.7 Mio. CHF erzielen. Massgeblich waren die höheren Einnahmen aus den Autotransporten, die um 10.8% auf 6.1 Mio. CHF anstiegen. Allerdings musste die BVZ bei den Abgeltungen der öffentlichen Hand ein Minus von 0.7 Mio. CHF auf 31.2 Mio. CHF hinnehmen. Dieser Rückgang war denn auch ursächlich für weiterhin rote Zahlen der Sparte Mobilität, die allerdings das Minus von 318’000 CHF im Vorjahr auf 128’000 CHF reduzieren konnte. Nicht operativ war hingegen der Rückgang des Gewinns der Immobiliensparte um 30.8% auf 0.8 Mio. CHF trotz eines Anstiegs der Einkünfte um 1.5% auf 4.7 Mio. CHF. Das Gewinnminus geht auf eine Korrektur eines Fehlers aus dem Jahr 2014 zurück, während der operative Erfolg verbessert werden konnte, erklärte Kalbermatten. Insgesamt stieg der Reingewinn um 11.5% auf 8.7 Mio. CHF an. Getragen wurde das Plus nahezu vollumfänglich vom Geschäftsfeld Gornergrat. Die Aktionäre sollen eine gegenüber dem Vorjahr um 1 CHF auf 12 CHF erhöhte Dividende pro Aktie erhalten. Die Ausschüttung wird wiederum in der für Schweizer Privatanleger steuerfreien Form aus Kapitaleinlagereserven erfolgen.

Positiver Auftakt ins Jahr 2017

Der Start ins neue Geschäftsjahr 2017 ist erfreulich ausgefallen. Positiv auf den Geschäftsgang wirkt sich die gegenüber dem Vorjahr deutlich bessere Situation für den Wintersport aus. Dank der tiefen Temperaturen war eine maschinelle Beschneiung der Pisten im Gegensatz zum Vorjahr problemlos möglich. Für den Sommer 2017 steht mit dem Stück „Romeo und Julia am Gornergrat“ ein weiteres Highlight auf dem Programm. Das wiederum von den Freilichtspielen Zermatt aufgeführte Stück soll weitere zusätzliche Frequenzen am Gornergrat generieren. Nicht abschätzbar ist hingegen die geopolitische Situation und deren Auswirkungen auf die Geschäftszahlen der BVZ. Um dieser Unsicherheit zu begegnen, setzt die BVZ auf die Erschliessung neuer Märkte, die das Risiko von Einbussen in einzelnen Märkten deutlich abfedern sollen. Zudem wird auch sehr stark auf die inländischen Besucher, die einen Anteil von über 50% an den Gästen haben, geachtet. Diese Massnahmen lassen für 2017 ein Ergebnis in der Höhe des Vorjahreswerts erwarten.

Die Geschäftszahlen der BVZ für das Gesamtjahr 2016 bestätigen den positiven Trend des ersten Semesters. Es gelang der Gesellschaft, der allgemein negativen Entwicklung der Tourismusbranche erfolgreich zu trotzen, wie die Entwicklung am Gornergrat deutlich vor Augen führt. Die breite Aufstellung der BVZ ermöglicht es dem Unternehmen, zahlreiche Synergien zu nutzen und so im Bereich des Ausflugsverkehrs hoch profitabel zu sein. Die Aktien der BVZ sind an der SIX Swiss Exchange kotiert. Der Kurs der Papiere stieg in den letzten Wochen nach einem Rücksetzer von rund 8% wiederum in die Nähe des Höchstkurses von 580 CHF an, der per Jahresende 2015 erreicht wurde. Die letztbezahlten Kurse lagen bei 570 CHF. Auf diesem Niveau werden die Papiere mit einem Abschlag von gut 20% zum Buchwert gehandelt. Dank der Erhöhung der Dividende auf 12 CHF weisen die Aktien eine zumindest im aktuellen Tiefzinsumfeld durchschnittliche bis gute Rendite von 2.1% auf. Auch wenn die Papiere nun wieder in die Nähe der Höchstkurse avancierten, zeigen die Kursrücksetzer gegen Jahresende 2016, dass die Luft für weitere Kurszuwächse dünn geworden ist. Ein Manko stellt auch die tiefe Liquidität dar, die es sehr schwierig macht, grössere Positionen auf- bzw. abzubauen. Für Privatanleger, die mit der geringen handelbaren Stückzahl leben können, eignen sich die Titel auf dem aktuellen Niveau zumindest als Obligationenersatz mit einer zufriedenstellenden Rendite zur Anlage.

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