Swisstulle: Attraktive Ausschüttungsrendite trotz Margendruck

Weitere Umsatzanstiege geplant

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Swisstulle im thurgauischen Münchwilen. Bild: Imagefilm swisstulle.ch

Die Swisstulle AG ist ein wichtiger Nischenplayer im Bereich der Textilindustrie. Vom reinen Tüllhersteller für Stickereien hat sich das Unternehmen zu einem international wichtigen Anbieter von Textilstoffen gewandelt. So stellen die Stickereien und Perücken nur noch einen kleinen Teil der Gesamtproduktion dar. Swisstulle hat sich vor allem mit den technischen Textilien neue Wachstumsmärkte erschlossen. Bei den Produkten handelt es sich etwa um Netzstoffe und Netze für den Einsatz in Automobilen, aber auch um Beschattungsmaterialien wie etwa die Rolläden an den Zugfenstern. Ebenfalls zur Produktpalette gehören Textilien für Implantate und Netze für die Spitalbetten, womit Swisstulle auch in der Medizinaltechnikbranche vertreten ist. Aber auch im Hoch- und Tiefbau ist das Unternehmen mit Erosionsschutznetzen und Fugendichtungsbändern vertreten. Eine stetig steigende Bedeutung haben auch abschirmende Textilien zur Abhörsicherheit in Räumen für militärische Zwecke, aber auch Produkte für die Luftfahrtindustrie. Oft werden die Produkte in Zusammenarbeit mit den Kunden auf deren individuellen Bedürfnisse hin entwickelt und auch produziert. Dabei ist es wichtig, Produktionsstandorte in Kundennähe zu haben, weswegen Swisstulle eine Fabrik in China besitzt. Dabei stehen nicht die tieferen Kosten an vorderster Stelle, sondern die Nähe zu den Kunden.

Umsatzsteigerung ist notwendig

Netzstoffe und Netze z.B. für die Automobilindustrie. Bild: Hochhitzebeständiges Stahlgewirke bis > 1’000°C. swisstulle.ch

Wie Swisstulle im neuesten Geschäftsbericht mitteilt, ist es kein einfaches Unterfangen, den Umsatz stetig zu steigern, doch sei dies eine Notwendigkeit für die Firma. Durch das sehr breite Produktesortiment kommt es laufend zum Verlust von Kunden und zu Einbrüchen einzelner Produkte. Dies erfordere es, neue Kunden zu gewinnen und die Umsätze mit den bestehenden Kunden auszubauen. Möglich ist dies nur mit einem sehr hohen Aufwand. Die Marktverhältnisse sind von einer stetig sinkenden Toleranz bei den Kunden gekennzeichnet, was Swisstulle zwingt, die Qualität stetig zu steigern. Gleichzeitig ist das Unternehmen aber mit der optimierten Produktion und der Kostengestaltung „sehr nahe“ am Limit. Die Tochterbetriebe in England und in China geben der Swisstulle viel Rückhalt, was sich auch im Endergebnis auswirke.

Margen sinken

Das Geschäftsjahr 2017 war geprägt von einem konzernweiten Umsatzplus von 2.9% auf 20.3 Mio. CHF. Zulegen konnte das Unternehmen vor allem im Stammhaus in der Schweiz, während in England nur geringe Anstiege erreicht wurden. Dem Umsatzplus stehen die um 3.7% auf 10.1 Mio. CHF angestiegenen Personalkosten auf der Aufwandseite gegenüber. Der Materialaufwand stieg sogar um 13.5% auf 5.9 Mio. CHF an. Auch die Betriebs- und Verwaltungskosten stiegen leicht um 0.1 Mio. CHF auf 2.7 Mio. CHF an. In der Summe führte dies zu einem Minus des Betriebsgewinns vor Abschreibungen von 26.1% auf 1.2 Mio. CHF. Trotz der um 0.2 Mio. CHF auf 0.8 Mio. CHF gesenkten Sachabschreibungen resultierte ein Einbruch des EBIT um 37.3% auf 0.4 Mio. CHF.

Immobilieneinnahmen bremsen Gewinnminus

Swisstulle generiert neben den Erträgen des ordentlichen Geschäfts zusätzliche Einkünfte aus den firmeneigenen Immobilien. Der Nettoerfolg aus den Liegenschaften, d.h. die Einnahmen abzüglich der Aufwendungen, lag im 2017 bei 0.3 Mio. CHF, was gegenüber dem Vorjahr einem Plus von 33.9% entspricht. Während der Ertrag auf dem Vorjahreswert von 0.6 Mio. CHF verharrte, gingen die Immobiliaraufwendungen deutlich zurück. Belastend auf das Ergebnis wirkten sich die um 0.2 Mio. CHF auf 1.9 Mio. CHF angestiegenen ausserordentlichen Aufwendungen aus. Der auf 0.2 Mio. CHF verdoppelte Steueraufwand trug ebenfalls zum tieferen Gewinn bei. Unter dem Strich musste Swisstulle einen Gewinnrückgang um 19.1% auf 0.5 Mio. CHF verbuchen. Die Aktionäre erhalten dennoch eine um 100 CHF auf 250 CHF pro Aktie erhöhte Dividende.

Weitere Umsatzsteigerungen geplant

Für das laufende Jahr erwartet Swisstulle weitere Umsatzsteigerungen. Am Firmensitz in Münchwilen sieht sich das Unternehmen auf Kurs. Mit neuen Winkelmaschinen setzt Swisstulle auf die Erschliessung weiterer Absatzmärkte. Wie üblich ist der Start in China ins neue Jahr im Vorfeld des chinesischen Neujahres im Februar verhalten verlaufen. Das laufende Jahr wird der weiteren Prozessoptimierung gewidmet. Zwischenzeitlich läuft es in China gut, und es muss möglicherweise eine neue Maschine zur Bewältigung der Auftragseingänge angeschafft werden. In England ist es das Ziel, die Verkaufsmenge zu erhöhen, was mit mehr Personal und weniger Fehlerquoten „bewerkstelligt werden muss“.

Die Geschäftszahlen von Swisstulle für 2017 fallen durchwachsen aus. Das Unternehmen litt unter deutlich höheren Materialkosten, aber auch einem angestiegenen Personalaufwand. Im Geschäftsbericht wird denn auch eingeräumt, dass die Frage der Mitarbeiter in der Produktion, im Innendienst und im Verkauf die Firma „für längere Zeit beschäftigen wird“. Das Marktumfeld, in dem sich das Unternehmen bewegt, wird auch weiterhin anspruchsvoll bis schwierig bleiben. Der allgemeine Margendruck besonders im Bereich der Automobilindustrie dürfte anhalten und eine Margenverbesserung sehr erschweren.

Leider liefert das Unternehmen keine detaillierten Informationen zu den Margen der einzelnen Betriebsstätten. Angesichts der Zahlen des Einzelabschlusses der Swisstulle AG drängt sich jedoch die Vermutung auf, dass die Kennzahlen in England und in China deutlich unterdurchschnittlich ausfallen. Es kann keinesfalls ausgeschlossen werden, dass zumindest unter dem Strich rote Zahlen resultieren. Gut möglich ist es aber auch, dass die Abschreibungen und Betriebskosten zulasten des Erfolgsausweises wegen steuerlichen Optimierungen höher ausfallen als betriebsnotwendig. Einen hohen Anteil von über 60% am Reingewinn steuern die Immobilien bei, deren Bilanzwert inklusive der Sachanlagen bei knapp 25 Mio. CHF liegt. Der wahre Wert dürfte indessen deutlich höher liegen. Verlässliche Schätzmöglichkeiten bestehen jedoch nicht.

Als solide angesehen werden können die Bilanzkennzahlen des Unternehmens mit einer ausgewiesenen Eigenmittelquote von 55% der Bilanzsumme. Der Grossteil der Verbindlichkeiten besteht aus Hypotheken, die mutmasslich vor allem die nicht betrieblichen Immobilien betreffen.

Die Aktien der Gesellschaft werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 5’185 CHF weisen die Titel eine nicht nur im aktuellen Tiefzinsumfeld attraktive Dividendenrendite von 4.8% für 2017 auf. Dank der soliden Bilanz mit hohen liquiden Mitteln erscheint es als sehr wahrscheinlich, dass die Ausschüttungen auch zukünftig auf diesem Niveau bleiben werden, zumal die Anhebung der Dividende trotz einer deutlichen Gewinnabschwächung erfolgt. Auch auf der Basis des Kurs-Buchwert-Verhältnisses erscheinen die Papiere mit einem Discount von über 50% zum ausgewiesenen Buchwert von gut 11’100 CHF als günstig. Als eher teuer angesehen werden muss hingegen das KGV von gut 19 für 2017 auf der Basis des Reingewinns. Für allfällige Investitionen in die Aktie keinesfalls unberücksichtigt bleiben darf auch die tiefe Handelsliquidität, die sowohl den Kauf als auch einen späteren Verkauf zu einem langwierigen Unterfangen machen kann. Aktuell werden beispielsweise keine Briefkurse gestellt.

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