Lenzerheide Bergbahnen: Zweites erfreuliches Geschäftsjahr in Folge

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Die Urdenbahn gewährleistet die Verbindung der Lenzerheide mit Arosa. Quelle: Arosa Tourismus

Die Lenzerheide Bergbahnen AG (LBB) konnten im Geschäftsjahr 2018/19 an die guten Zahlen des Vorjahres anknüpfen und diese weiter verbessern. So profitierte die LBB dem neuesten Geschäftsbericht zufolge im Berichtsjahr von «einem sehr schönen und guten Sommer». Auch durfte die Gesellschaft «einen Winter erleben, der sehr schneereich war» und viel schönes Wetter während der Sportferien und an den Wochenenden brachte.

Zum Start des Berichtsjahres übernahm die LBB das Zepter beim Bergrestaurant Piz Scalottas. Dieser aus der Not heraus entstandene Schritt brachte viele positive Reaktionen. Allerdings sind noch Anpassungen geplant, um die Zahlen verbessern zu können. Stark kritisiert wurde der Wiedereinstieg in den Topcard Pool, ein gemeinsamer Skipass der Regionen Lenzerheide-Arosa, Davos-Klosters und Flims-Laax. Obwohl die Preise nicht erhöht wurden, hagelte es nach Darstellungen des CEO Peter Englers negative Kritik von vielen Stammgästen. Diesen negativen Aussagen steht der «äusserst gute» Start der Vorverkäufe und die Umsatzsteigerung von 16% bei den gemeinsamen Jahreskarten mit Arosa entgegen.

Viel Naturschnee erlaubt frühen Stopp der Beschneiung

Im letzten Winter konnte die Geschäftsleitung bereits per Anfang Januar die Einstellung des Einsatzes der technischen Beschneiungsanlagen verkünden. Auch kein Thema mehr war im Winter 2018/19 der in den Vorwintern oftmals belastende geringe Wasservorrat. So konnten die Notfallpläne, die nach dem sehr trockenen Sommer 2018 ausgearbeitet wurden, wieder verstaut werden. Allerdings führten die anhaltenden Schneefälle im Januar zu einigen Umsatzausfällen. Den eingesparten Kosten der technischen Beschneiung standen denn auch ein «äusserst hoher» Aufwand für die Sicherung der gesamten Region gegenüber. Bis zum Start der Sportferien im Februar wurden alle Pisten angeboten und bis auf zwei auch alle offengehalten. Bereits Ende März wurden so die Vorjahreswerte erreicht. Dank der grossen Schneemengen konnten die Anlagen bis zum Ostermontag betrieben werden, was zu einem zusätzlichen Einnahmeschub führte.

Rekordwerte der goldenen Jahre erreicht

Die LBB steigerte im Berichtsjahr die Gesamteinnahmen um 9,5% auf 32.4 Mio. CHF. Mit einem Anteil von 85% sind die Verkehrserträge die dominierende Einnahmequelle des Unternehmens. Diese legten im letzten Jahr um 11,1% auf 27.5 Mio. CHF zu. Trotz eines fast 33%igen Umsatzanstiegs auf 2.2 Mio. CHF spielen die Einkünfte aus dem Sommergeschäft nur eine geringe Rolle für das Unternehmen. Der LBB gelang es im Gegensatz zu den Davos Klosters Bergbahnen, die höheren Gästefrequenzen zu Mehreinnahmen zu nutzen. Dabei fiel das Einnahmenplus sogar grösser aus als der Anstieg der Ersteintritte um 24% auf 187’667. Ein Teil des Anstiegs dürfte auch auf das Konto der in Lenzerheide ausgetragenen Mountainbike-Weltmeisterschaft gehen.

Ebenfalls sehr erfreulich entwickelte sich das Wintergeschäft mit einem Plus der Verkehrseinnahmen um 9,6% auf 25.3 Mio. CHF. Die idealen Wetterverhältnisse und die ausgezeichneten Schnee- und Pistenverhältnisse liessen die Zahlen der Ersteintritte um 7,4% auf 850’000 anschwellen. Dabei wurde sogar wieder die Bestmarke aus den Jahren 2005 bis 2011 erreicht, berichtet die Gesellschaft.

Das Einnahmenplus geht vor allem auf das Konto der Mehrtageskarten mit plus 22% und der Topcard mit plus 30%. Ebenfalls erfolgreich hat sich das neue dynamische Preismodell entwickelt. Die über diese Plattform gebuchten Verkäufe, die hauptsächlich Tages- und Mehrtageskarten betrafen, legten um 75% auf 9.45 Mio. CHF zu. Gleichzeitig sanken die Verkäufe von Karten durch die Hotels vor Ort um 0.9 Mio. CHF.

Einkünfte legen zu

Wegen der erstmaligen Führung des Restaurants Piz Scalottas in Eigenregie für das gesamte Geschäftsjahr schwollen die Gastronomieerträge um über 125% auf 0.7 Mio. CHF an. Auch die Pachterträge der Gastronomie legten um gut 10% auf 1.4 Mio. CHF zu. Diese Steigerungen konnten die deutlich tieferen Eigenleistungen, die zugunsten der Erfolgsrechnung verbucht wurden, und die geringeren anderen betrieblichen Erträge kompensieren. Per saldo stiegen die Nebeneinkünfte sogar leicht um 1,2% auf 4.9 Mio. CHF an.

Die grossen Naturschneemengen und das höhere Gästeaufkommen belasteten die Kostenseite. So stiegen die Personalaufwendungen um 9,8% auf 9.7 Mio. CHF an. Als kostentreibend erwies die neu geschaffene Verkaufs- und Vertriebsabteilung und der ganzjährige Betrieb des Restaurants. Letzterer war auch verantwortlich für der deutlich höhere Warenaufwand von 0.2 Mio. CHF nach 70’000 CHF im Vorjahr. Erheblich fiel der Anstieg bei den Sachausgaben mit plus 6,2% auf 11.3 Mio. CHF aus. In der Summe resultierte ein Anstieg des Betriebsgewinns vor Abschreibungen (EBITDA) um 11,5% auf 11.2 Mio. CHF. Die Sachabschreibungen stiegen um 0.9 Mio. CHF auf 9.4 Mio. CHF an, was im Ergebnis zu einem Anstieg des EBIT von 19,1% auf 1.7 Mio. CHF führte. Bei nur unwesentlich veränderten Finanzkosten und Steuern stieg der Reingewinn um 174% auf 0.5 Mio. CHF an. Die Aktionäre erhalten weiterhin keine Dividende.

Fazit

Die Geschäftszahlen der LBB fallen auch dieses Jahr nochmals deutlich besser als im Vorjahr aus. Als Hauptgrund sind wiederum die grossen Naturschneemengen und die idealen Witterungsbedingungen auszumachen. Ebenfalls weiter angestiegen sind aber auch die Kosten. Ein Teil davon geht auf die aufwendige Bearbeitung und Sicherung der Pisten während auch der Aufbau einer neuen Vertriebsabteilung negativ zu Buche schlug. Aber auch der Vollbetrieb des Restaurants Piz Scalottas liess die Ausgaben anwachsen. Wie bereits im Vorjahr sind die Sachkosten im Verhältnis zu den Einnahmen hoch. Wenig Anlass zur Freude bereiten die Bilanzkennzahlen, auch wenn sie sich mit einer leicht verbesserten Eigenmittelquote von 34,1% nach 33% im Vorjahr präsentieren.

Weiterhin im Auge behalten sollten die Investoren auch die langfristige Zukunft der Gesellschaft. So fiel der betriebliche Cashflow im Berichtsjahr mit 9.4 Mio. CHF deutlich tiefer aus als der Vorjahreswert von 11.8 Mio. CHF. Dieser Wert genügt auch nicht, die Finanzierung der notwendigen Erneuerung der Sachanlagen im üblichen Zeitrahmen zwischen 25 und 30 Jahren zu sichern. Bei einem Gesamtinvestitionsvolumen von 316 Mio. CHF könnte der Ersatz der Anlagen rechnerisch erst in 34 Jahren aus den Eigenmitteln finanziert werden. Der Aussage im Geschäftsbericht, wonach die Finanzierung der Erneuerung der Bahnanlagen aus eigener Kraft möglich ist, kann nur bedingt zugestimmt werden. Keinesfalls unzutreffend ist hingegen die Darstellung, wonach der Ausbau des Geschäfts auf zusätzliche Ertragsquellen wie etwa den Hotelbetrieb nicht aus eigenen Mitteln finanziert werden kann. Für die Aktionäre ist zumindest bis auf Weiteres nicht mit der Wiederaufnahme von Dividendenzahlungen zu rechnen. So bieten die Papiere auch weiterhin nur wenig Anreize für ein Investment.

Die Aktien der LBB werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 17 CHF werden die Titel mit einem Abschlag von knapp 20% zum Buchwert per 30. April 2019 bewertet. Für Interessenten an den Titeln bleibt lediglich die Naturaldividende: So erhalten die GV-Besucher einen guten Apéro. Um in den Genuss einer Vergünstigung für Tickets zu kommen, müssen die Anleger mindestens 50 Aktien besitzen. Für Aktionäre mit 50 bis 99 Aktien wird ein Gutschein für den Bezug einer Tageskarte mit 50% Rabatt ausgegeben, Aktionäre mit mindestens 100 Aktien erhalten zwei Gutscheine zum Bezug von Tageskarten mit einem Rabatt von 50%.

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