Dividendenstrategie 2026/II: Höhere Ausschüttungen stimulieren Aktienkursentwicklung

Steigende Dividenden auf breiter Front

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In der Schweiz werden 2025 nach Erhebungen von AWP 60 Mrd. CHF an Dividenden ausgeschüttet. Bild: stock.adobe.com

«Welche Aktie hat die höchste Dividendenrendite» und ähnliche Fragen sind zwar interessant, sagen aber wenig über die weitere Dividenden- und Kursentwicklung aus. 10 der 12 Aktien der schweizeraktien.net Dividendenstrategie hoben dieses Jahr die Ausschüttung an. Mal mehr, mal weniger. Die Kursentwicklung als zweite Renditekomponente fällt mit bis zu 88% Performance ebenfalls passabel aus.

Zuletzt war die «langweilige» Telekom-Aktie Sunrise auf die Liste der Dividendenstrategie aufgenommen worden. Der Kurs hat sich zwischenzeitlich auf 44.50 CHF gesteigert, immerhin ein Plus von 5,7%. Die Dividendenrendite beträgt auf aktuellem Kursniveau immer noch beachtliche 7,5%. Für das Geschäftjahr 2024 waren, wie angekündigt, 3.33 CHF je Aktie ausgeschüttet worden.

Resiliente Sunrise brilliert

Die erwarteten Steigerungsraten in dem saturierten Schweizer Telekommarkt sind zwar mässig, aber dafür relativ sicher. Der Handel der Papiere an der US-Börse wird eingestellt, damit ist die SIX der hauptsächliche Handelsplatz. Die Aktie kam 2024 als Spin-off von Liberty Global an den Markt. Inzwischen werden die defensiven Qualitäten der binnenorientierten Gesellschaft von der Anlegerschaft höher geschätzt. Von Zöllen, Devisenschwankungen, geopolitischen Risiken und anderen makro-ökonomischen Einflüssen ist die binnenorientierte Sunrise allenfalls marginal betroffen.

Galenica im Höhenflug

Das gilt auch für Galenica, die in wachsendem Ausmass als krisenresistentes Investment in unsicheren Zeiten am Markt wiederentdeckt wird. Die stetig wachsende Dividendenperle ist bereits seit 2018 in der Dividendenstrategie vertreten. Die Dividende ist seitdem von 1.65 CHF je Aktie auf zuletzt 2.30 CHF angehoben worden. Die aktuelle Dividendenrendite beträgt somit 2,6%. Dazu kommt die herausragende Performance von 88,8%. Damit weist die Aktie des Apotheken- und Healthcare-Unternehmens die höchste Wertsteigerung aller auf der Liste vertretenen Valoren auf. Galenica expandiert schrittweise und operiert aus einer Position der Stärke. Dazu zählen der Aufbau eigener Marken und jetzt auch der Labormarkt. Anfang Juli wurde die Übernahme der viertgrössten Schweizer Labor-Gruppe, Labor Team, bekannt gegeben. Der Umsatz lag letztes Jahr bei 114 Mio. CHF. Damit erschliesst sich Galenica den wachsenden Diagnostikmarkt, in dem Apotheken eine zunehmende Bedeutung gewinnen.

Der Kursverlauf der Galenica-Aktie tendiert gegen Norden. Chart: six-group.com

CFT-Aktie liefert Super-Return

Auch Dividendenaktien, die noch nicht so lang in der Dividendenstrategie vertreten sind, können eine überraschend schnelle Kursavance verzeichnen. Die Aktie des Interdealer-Brokers CFT ist weniger als ein Jahr auf der Liste – und liegt 49,3% vorne. Die Dividende für 2024 war von 6 CHF auf 6.75 CHF angehoben worden. Hohe Volatilitäten an den Finanz-, Rohstoff- und Energiemärkten beflügeln das Geschäft von CFT. Die Aussichten bleiben angesichts der breiten Palette an Risiken weiterhin gut.

Chart CFT Jul 25 Schnelle Kursavance bei der Compagnie Financière Tradtition (CFT) Chart: six-group.com

Wachstumsbeschleunigung für Belimo

Zweitbester Performer mit 82,1% ist Belimo. Die Aktie ist seit zwei Jahren Bestandteil der Dividendenstrategie. Für 2024 wurde die Ausschüttung um 1 CHF auf 9.50 CHF angehoben. Die Dividendenrendite ist durch die starke Kursentwicklung auf 1,1% gesunken, was aber wohl kaum einen Anleger zu Protesten motivieren wird. Der Kursschub im laufenden Jahr kommt von der starken Beschleunigung des Wachstums. Ein wesentlicher Grund sind die zahlreichen Rechen- und Datenzentren, die überall auf der Welt gebaut und geplant werden. Die sind enorm energieintensiv und werden schon bald 5% des weltweiten Energiebedarfs ausmachen. Die Sensoren, Ventile und Klappen von Belimo sind essenziell für die Optimierung der Energienutzung. Das Schlüsselwort ist Kühlung. Trotz hoher Bewertung ist ein Abflachen des Wachstums nicht in Sicht.

Dividenden-Statistik

Von den 12 Titeln der Dividendenstrategie haben 10 die Ausschüttung für das letzte abgeschlossene Geschäftsjahr angehoben. Sunrise zahlte zum ersten Mal Dividende seit der Rückkehr an die Börse. Bei Phönix Mecano wurde die reguläre Dividende um 1 CHF auf 19 CHF erhöht. Im letzten Jahr war die Gesamtausschüttung durch eine einmalige Sonderdividende von 12 CHF allerdings mit 30 CHF höher ausgefallen. Echte Kürzungen gab es unter den 12 Titeln nicht. Und mit HBM Healthcare hat lediglich eines der 12 Unternehmen die Ausschüttung unverändert belassen. Während jedoch im Vorjahr die reguläre Dividende bei 7.50 CHF je Aktie lag, wurden dieses Jahr 4.90 CHF ausgeschüttet und zusätzlich 2.60 CHF als Nennwertrückzahlung. Die Dividendenrendite beträgt somit akzeptable 4,6%. Die Aktie ist die einzige der 12 Dividendentitel, die eine negative Performance aufweist. Stand 30. Juni beträgt der NAV der Beteiligungen pro Aktie 216.35 CHF, der Kurs ist jedoch auf 162 CHF gesunken. Der Discount liegt somit bei 25%, was sich am unteren Ende der historischen Bandbreite bewegt.

Schwieriges Klima für Life Sciences

Die Aktien der Life Sciences Industrie bewegen sich in einem schwierigen Umfeld, das von Kürzungen der Gesundheitsleistungen in den USA sowie möglichen Importzöllen von bis zu 200% geprägt ist. Die Politik des Geundheitsministers Robert Kennedy Jr. ist bestenfalls als kontrovers zu bezeichnen und sorgt für fortgesetzte Unsicherheiten. Das spüren nicht nur Big Pharma Unternehmen, sondern insbesondere auch forschungsintensive junge innovative Unternehmen, deren Finanzierungsbedingungen sich verschlechtert haben. Das schlägt auf die Bewertungen sowohl der börsenkotierten Beteiligungen von HBM Healthcare durch, wie auch auf die der privat gehaltenen Unternehmen. Werden bei neuen Finanzierungsrunden tiefere Unternehmensbewertungen akzeptiert, müssen die Eigentümer Wertberichtigungen vornehmen, ebenso wie bei Rückschlägen auf dem Weg zur Kommerzialisierung, beispielsweise durch schlechte Studienergebnisse. Das ist der Grund hinter dem bei HBM sinkenden NAV.

Deviseneffekte für Forschungsgigant Roche

Die schwierige Marktlage trifft auch die Global Player Novartis und Roche. Doch während Novartis zumindest nahe dem Hoch bleibt, stürzte Roche nach der letzten Erholungsbewegung abermals ab. Die Performance von Roche schrumpft dadurch auf 6,5% in sieben Jahren. Die Dividende wurde auch für 2024 erhöht, wenn auch nur um 10 Rappen auf 9.70 CHF je Inhaberaktie und Genussschein. Die Dividendenrendite der Aktie liegt aktuell bei 3,5%. Ein Grund für den jüngsten Kursrutsch ist die anhaltende Schwäche des US-Dollar. Nach Analysteneinschätzungen könnte der Jahresgewinn 2025 um bis zu 8% schwächer ausfallen. Fast die Hälfte des Jahresumsatzes erzielt Roche in den USA. Die Nachrichtenlage ist durchwachsen. Unter den vielen Medikamentenkandidaten finden sich zahlreiche mit positivem News-Flow, aber zwangsläufig auch solche mit negativem. Nach einer Untersuchung von EY ist Roche mit Abstand das forschungsstärkste Unternehmen der Schweiz. 16.1 Mrd. Euro flossen in die Erforschung neuer Wirkstoffe und Diagnostika. Roche ist damit unter den globalen Top 10! Während Trump und Kennedy schon aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters in absehbarer Zeit wieder gehen werden, wird Roche mit Sicherheit noch sehr viel länger bleiben und Innovationen hervorbringen.

Chart Roche Jul25 Da Roche fast die Hälfte des Jahresumsatzes in den USA erzielt, macht sich die anhaltende Schwäche des US-Dollar im Kurs bemerkbar. Chart: six-group.com

Novartis erhöht Guidance erneut

Bei Novartis ist das Bild ähnlich. Der US-Umsatz macht rund 40% aus. Die Medikamenten-Pipeline liefert wie bei Roche Fortschritte und Enttäuschungen. Im ersten Quartal nahm der Umsatz um 12% zu. Novartis hob die Guidance erneut an. Das in USD rapportierende Unternehmen erwartet für das Gesamtjahr ein Umsatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich, das EBITDA soll zweistellig zulegen. Für 2024 hatte Novartis die Dividende um 20 Rappen auf 3.50 CHF angehoben. Die Dividendenrendite beträgt aktuell 3,6%.

Wachstumsdelle bei SIG Group

Die Aktie der SIG Group verliert und liegt nur noch knapp über dem Niveau von 2018. Gegenüber dem Hoch im Sommer 2021 hat sich der Kurs fast halbiert. Dabei bleibt die SIG Group weiterhin auf Wachstumskurs. Für 2024 wurde die Dividende um 1 Rappen auf 49 Rappen angehoben. Die aktuelle Dividendenrendite beträgt somit 3,5%. Während das Wachstum in der Pandemie-Periode beschleunigt wurde, ist es zwischenzeitlich etwas abgeflacht. Das Umsatzwachstum wird zwischen 3% und 5% erwartet, die EBITDA-Marge um die 25%.

ABB und Sulzer performen

Besser läuft es mit Blick auf die Kursentwicklung bei den Industrietiteln Sulzer und ABB. Beide Aktien wurden im November 2021 auf die Liste gesetzt und liegen aktuell jeweils mit 57,4% im Plus. Die Höchstkurse lagen jeweils nochmals 10% bis 15% höher. Die Dividenden wurden jeweils erhöht, bei Sulzer kräftiger als bei ABB. Die Dividendenrendite beträgt 3% bei Sulzer und 1,9% bei ABB. Die meisten Nachrichten zu ABB betreffen neue Aufträge aus der ganzen Welt, bei Sulzer ist es ähnlich. Beide haben hohe Auftragsbestände, wachsen organisch und durch Übernahmen, vor allem aber bieten sie Lösungen für die komplexen Herausforderungen unserer Zeit.

Chart Sulzer Jul25 Der Kursverlauf der Sulzer-Aktie profitiert vom guten Geschäftsgang. Chart: six-group.com

Schatten der USD-Schwäche bei Swiss Re Dividende

Swiss Re ist bei der Dividende ein Einzelfall. Die Ausschüttung wird seit 2023 in USD vorgenommen. Für 2024 wurden 7.35 USD je Aktie gezahlt, nach 6.80 USD im Vorjahr. Durch die Schwäche des US-Dollar macht sich die Erhöhung in CHF nicht bemerkbar. Aber auch nach der Umrechnung liegt die aktuelle Dividendenrendite von Swiss Re bei 4,2%. Der Ausblick bleibt positiv, wenn auch das Prämienwachstum weniger kräftig ausfällt.

Markterwartungen

In der Schweiz werden 2025 nach Erhebungen von AWP 60 Mrd. CHF an Dividenden ausgeschüttet. Davon steuern die drei Mega-Caps 23 Mrd. CHF bei. Für das Folgejahr liegen die Konsenserwartungen bei einer Zunahme der Dividendensumme um rund 5%. Zum Vergleich: Die 40 DAX-Konzerne schütten 2025 rund 54 Mrd. Euro aus, 0,2% weniger als im Vorjahr. Der Ausblick lässt eine stagnierende Entwicklung erwarten.

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