
Für die Rigi Bahnen AG war 2025 ein weiteres Jubiläumsjahr. Die von Arth nach Rigi Kulm fahrende Zahnradbahn feierte ihr 150-jähriges Bestehen. Auch sonst lief es auf und an der «Königin der Berge» rund. Gemäss vorläufigen Zahlen, welche die Rigi Bahnen AG in einem Aktionärsbrief nannte, wird 2025 ebenfalls ein Rekordjahr werden. Im Gespräch mit schweizeraktien.net erklärt CEO Frédéric Füssenich, warum es auch 2025 wieder so gut lief. Ausserdem spricht er über Wachstumsmöglichkeiten und neue Projekte, die nicht zwingend zu höheren Gästezahlen führen müssen.
Das Jahr 2025 neigt sich langsam dem Ende zu. Wie ist das Geschäftsjahr 2025 für die Rigi Bahnen gelaufen?
Wir sind mit einem hervorragenden Winter ins Jahr gestartet. Einen wesentlichen Beitrag zu diesem Erfolg leisteten dann die Feierlichkeiten zum 150-Jahre-Jubiläum der Arth-Rigi-Bahn. Optimierte Anschlussverbindungen nach Zürich und Zug, ein grosses Bahnhofsfest mit Fahrzeugparade sowie das Freilichtspiel im August in der Schwingarena auf Rigi Staffel waren die Highlights der Festivitäten. Die Gästezahlen werden im Vergleich zum Vorjahr um 6% wachsen. Beim Umsatz erwarten wir ein Plus von 7%
Welches waren Ihre persönlichen Highlights?
Unser Ziel war es, die Frequenzen auf der Strecke Goldau – Rigi Kulm um 15 % zu erhöhen. Dank des grossartigen Einsatzes unseres Teams haben wir dieses ambitionierte Ziel nicht nur erreicht, sondern sogar übertroffen: +20 % mehr Fahrgäste auf dieser Verbindung! Mein persönliches Highlight war die Variantenabfahrt von Rigi Kulm bis nach Arth. Solche Schneeverhältnisse hat man nicht jedes Jahr, und ich durfte die Rigi aus einem schon fast «hochalpinen» Blickwinkel kennen lernen.
Finanziell wird 2025 wieder ein neues Rekordjahr werden. Der Nettoerlös von fast 40 Mio. CHF ist bereits zum vierten Mal in Folge auf Rekordniveau. Was waren die Treiber?
Es gibt eine Vielzahl von Faktoren, die diesen Erfolg möglich machen. Entscheidend ist wohl, dass wir unsere Vision «Qualität schafft Mehrwert» konsequent umsetzen. So haben wir beispielsweise die Anzahl wiederkehrender Gäste gesteigert. Die Anzahl Jahresabonnemente, der Anteil an Individualgästen und auch die Gastronomie mit einem zweistelligen Wachstum haben sich erfolgreich entwickelt. Ermöglicht wurde dies durch ein engagiertes Team mit dem Fokus auf Qualität in all unseren Dienstleistungen.
Die Rigi Bahnen AG steuert 2025 auf ein weiteres Rekordjahr zu. Abb: Aktionärsbrief Dezember 2025Haben Sie auch Veränderungen im Gästemix gesehen, die zu dem Wachstum beigetragen haben?
Wir konnten vor allem Marktanteile in der Schweiz gewinnen. Nach wie vor machen Schweizerinnen und Schweizer einen Anteil von 70% an unseren Gästen aus. 30% sind internationale Gäste, wobei auch bei uns in diesem Jahr die Anzahl Reisender aus den USA spürbar zugenommen hat.
«Schweizerinnen und Schweizer machen einen Anteil von 70% an unseren Gästen aus»
Das Betriebsergebnis auf Stufe EBITDA wird mit rund 12 Mio. CHF wieder einen neuen Bestwert erreichen. Ist diese Entwicklung nur auf den höheren Umsatz zurückzuführen oder haben Sie auch an der Effizienz gearbeitet?
Auf der Kostenseite zeigen sich gegensätzliche Entwicklungen. Die Energiekosten nahmen ab und werden auch 2026 weiter sinken. Anders sieht es bei den Löhnen aus: Wir haben ein neues Lohnsystem eingeführt, mit dem wir vor allem die mittleren und unteren Löhne angehoben haben. Das war wichtig und richtig. Klar zeigen sich beim Aufwand auch sonst die höheren Preise in der Beschaffung.
Vier Jahre hintereinander Rekorde. Kann das so weitergehen? Wo sehen Sie die Wachstumsgrenzen für die Rigi Bahnen?
Wenn Sie die Zahlen der letzten vier Jahre anschauen, sind wir beim Umsatz stärker gewachsen als bei den Gästezahlen. Wir müssen also nicht mehr Gäste transportieren, um uns weiterhin positiv zu entwickeln. Wir haben den Durchschnittspreis pro Gast gesteigert. Unser Ziel bleibt klar: das Gästeerlebnis weiter verbessern. Nach den umfassenden Investitionen auf dem Gipfel – in das Wegnetz, den Mythos-Rigi-Rundweg sowie das Bistro und das Dienstleistungszentrum – folgt ab Frühling 2026 ein weiteres Highlight: eine Ausstellung, die die erste Bergbahn Europas erlebbar macht. Die historische Lok 7 (Baujahr 1873), die bereits 1959 zu den ersten Exponaten des neu gegründeten Verkehrshauses der Schweiz gehörte, wird ab Frühling 2026 auf Rigi Kulm zu sehen sein.
«Unser Ziel bleibt klar: Das Gästeerlebnis weiter verbessern»
Wo sehen Sie denn ausserdem Wachstumsmöglichkeiten?
Der Verwaltungsrat hat die Strategie bis 2030 verabschiedet. Besonders in den Wintermonaten sehen wir noch Wachstumspotenzial. Die Rigi ist auch im Winter eine Reise wert.
Welche Pläne haben Sie für das Eventzelt?
Das Zelt wird abgebrochen. An seiner Stelle werden wir bis 2028/29 Raum für ein neues gastronomisches Angebot schaffen. Die Details stehen noch nicht fest. Wir streben ein Gastronomiekonzept an, dass unserer Vision «Qualität schafft Mehrwert» gerecht wird und bei verschiedenen Betriebslagen mit optimalem Personaleinsatz betrieben werden kann. Auch ist es nicht ausgeschlossen, dass wir Ferienwohnungen bauen, die wir selbst vermieten. Es gibt auch hier Möglichkeiten für die Rigi Bahnen AG zu wachsen, ohne dass wir mehr Gäste auf den Berg transportieren müssen.
«Es nicht ausgeschlossen, dass wir Ferienwohnungen bauen, die wir selbst vermieten»
Welche Rolle spielen die Pläne für die Arealentwicklung in Arth-Goldau?
Die Teilzonen- und Teilnutzungsplanänderungen für «Bahnhof Süd» sowie das Rodungsgesuch für die Erschliessungsstrasse «Schuttweg/Campus» wurden vom Regierungsrat gutgeheissen. 2026 ist eine Urnenabstimmung durch die Gemeindebevölkerung Arth geplant. Wann die Genehmigungen vorliegen, um einen Architekturwettbewerb für ein neues Depot mit Hotel und Wohnungen auf unserem Grundstück zu starten, ist schwer abschätzbar. Wir gehen von einer Realisierung in der Strategieperiode ab 2030 aus.
Ein wichtiges Projekt in naher Zukunft ist der Ersatz für die Luftseilbahn von Weggis nach Rigi-Kaltbad. Was ist der Stand im Bewilligungsverfahren?
Aufgrund der behördlichen Stellungnahmen vom Bund und Kanton sind wir überzeugt, dass wir die Gondelbahn bauen dürfen. Es stellt sich aber die Frage, wann. Wie wir in unserem Aktionärsbrief geschrieben haben, rechnen wir mit der Plangenehmigungsverfügung des Bundesamtes für Verkehr (BAV) im Frühjahr 2026.
Kürzlich haben Sie bekannt gegeben, dass die Rigi Bahnen vier neue Gelenktriebwagen beschaffen werden. Wie hoch sind die Gesamtinvestitionen, und wie werden Sie diese finanzieren?
Wir konnten von einer vorverhandelten Kaufoption aus dem Jahr 2019 bei Stadler Rail für vier zusätzliche Gelenktriebwagen für 22 Mio. CHF profitieren. Die Fahrzeuge werden allerdings erst 2030 ihren Betrieb aufnehmen. Das gibt uns Zeit, um die Stationen behindertengerecht umzubauen. Weitere Investitionen sind die Gondelbahn als auch die Gastronomie im Gebiet Staffel. Total rechnen wir bis 2030 mit einem Kapitalbedarf von etwa 100 Mio. CHF. Mit einem jährlichen Cashflow von rund 12 Mio. CHF und einer Eigenkapitalquote von 65% sind wir gut aufgestellt, um die Projekte solide zu finanzieren. Eine Kapitalerhöhung oder andere ähnliche Massnahmen sind daher nicht nötig. Unser Grundsatz lautet, erst wenn die Finanzierung gesichert ist, werden Investitionen getätigt.
Die Aktionäre durften in den vergangenen Jahren zwischen einer Bardividende und einer Naturaldividende wählen. Werden Sie an dieser Politik festhalten?
Unser Ziel ist es nach wie vor, den Aktionären eine Bardividende als Alternative zur Sachdividende auszuschütten. An der Politik, Sachdividenden in Form von Rigi-Billetten abzugeben, werden wir festhalten. Denn wir schätzen unsere Aktionäre auch als Kunden. Und zufriedene Kunden sind die besten Botschafter für die Rigi.
Der Aktienkurs der Rigi Bahnen AG hat in diesem Jahr um über 25% zugelegt. Chart: otc-x.chDie Aktien der Rigi Bahnen AG werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Zuletzt wurden 13 CHF für eine Aktie bezahlt. Zwischenzeitlich stieg der Kurs sogar auf 14 CHF.





