
Seit der Eskalation des Konflikts im Nahen Osten Ende Februar 2026 sind die Golf-Drehkreuze Dubai und Doha eingeschränkt. Der Ramadan endete am 20. März, damit beginnt die arabische Buchungssaison. Für Schweizer Bergbahnen mit hohem Anteil asiatischer Gäste kommt beides zur falschen Zeit.
Golf-Drehkreuze gesperrt, arabische Buchungssaison beginnt
Das EDA rät seit dem 1. März von touristischen Reisen in die Golfstaaten ab. Swiss hat ihre Flüge nach Dubai bis mindestens 31. Mai gestrichen. Wer aus Indien, Südostasien oder dem Nahen Osten in die Schweiz reist, ist häufig auf diese Drehkreuze angewiesen. SRF-Wirtschaftsredaktor Manuel Rentsch hält fest: Je länger der Konflikt dauert, desto grösser werden die wirtschaftlichen Auswirkungen.
Jungfraubahnen: Breiter Gästemix puffert, Aktien verlieren
Kathrin Naegeli, Leiterin Corporate Communications der Jungfraubahn Holding AG, sieht ihr Haus gut aufgestellt: «Die Jungfraubahnen können sich beim Jungfraujoch wie auch bei den Erlebnisbergen auf einen breiten Gäste-Mix stützen. Die Reiseveranstalter sind zudem krisenresistent und weichen auf alternative Flugverbindungen aus.» Konkret betroffen seien vor allem Gäste aus Südostasien und Indien, deren Flüge über gesperrte Lufträume führen. Für den mittelfristigen Ausblick sieht Naegeli auch eine Chance: «Es kann gut sein, dass, wenn der Konflikt länger dauert, Gäste aus Europa dieses Jahr eher innerhalb Europas reisen und so vermehrt auch die Schweiz besuchen.»
Die Aktien der Jungfraubahn sind seit dem Beginn des Iran-Krieges unter Druck geraten. Chart: six-group.comDie Jungfraubahn-Aktie ist seit Ausbruch des Konflikts von 311 CHF auf zuletzt 277 CHF gefallen, ein Minus von über 10%. Damit hat der Titel mehr verloren als der SPI Extra, der Schweizer Aktienindex ohne SMI-Werte. Die Jahreszahlen 2025 werden am 31. März 2026 publiziert.
Titlisbahnen: Gondel-Unfall und Kriegsbelastung gleichzeitig
Am 18. März 2026 stürzte eine Gondel der Titlis Xpress-Bahn am Fusse des Titlis ab. Eine 61-jährige Frau, die sich in der Kabine aufhielt, kam ums Leben. Die Aktie fiel unmittelbar nach der Unfallmeldung von 52 auf 47.30 CHF, ein Minus von 9%, bevor sie sich bis Handelsschluss auf rund 50 CHF erholte. Der Unfall und der Krieg im Nahen Osten belasten das Unternehmen auf zwei verschiedenen Ebenen: der Unfall kurzfristig über den Aktienkurs und das Vertrauen, der Konflikt mittelfristig über die Buchungslage.
Der Aktienkurs der Titlisbahn wurde gleich durch zwei Ereignisse belastet: den Gondelunfall und die gepolitische Lage. Chart: six-group.comZum Iran-Konflikt äussert sich Fabian Appenzeller, Verantwortlicher Kommunikation: «Wir beobachten bereits punktuelle Veränderungen bei Buchungen und Stornierungen, insbesondere in Märkten, die stark von Flugverbindungen über die Golf-Drehkreuze abhängig sind. Gleichzeitig zeigt sich, dass andere Gästesegmente stabil bleiben oder Reisen planmässig durchführen können.» Eine verlässliche Prognose sei schwierig und hänge stark von der weiteren Entwicklung ab. «Kurzfristig gehen wir davon aus, dass sich die Auswirkungen in einem gewissen Rahmen halten könnten. Sollte die Situation jedoch länger anhalten, ist mit einer deutlicheren Zurückhaltung bei Fernreisen und entsprechend spürbaren Effekten auf die Gästezahlen am Titlis zu rechnen.»
Rigi Bahnen: 70% Inlandgäste als Fundament
Frédéric Füssenich, CEO der Rigi Bahnen, verweist auf den starken Inlandanteil: «70% unserer Gäste stammen aus dem Inland, und dieser hohe Anteil macht den Heimmarkt zu unserem klaren Fundament, gerade in geopolitisch unruhigen Zeiten.» Bisher seien nur sehr wenige Annulationen eingegangen. Der wichtigste internationale Markt, die USA, zeige eine stabile Buchungslage. «Erfahrungsgemäss erholen sich touristische Märkte nach geopolitischen Ereignissen relativ rasch, sobald wieder Planungssicherheit besteht», so Füssenich. Für den Fall einer längeren Konfliktdauer erwartet auch er spürbare Auswirkungen bei Gästen mit komplexen Flugrouten. Die Aktie der Rigi Bahnen AG wird ausserbörslich auf OTC-X der BEKB gehandelt.
Der Aktienkurs der Rigi Bahnen zeigt seit 3 Jahren einen Aufwärtskurs. Chart: otc-x.chPilatus-Bahnen: Diversifikation schützt, Indien im Fokus
Die Pilatus-Bahnen sehen sich durch ihre Diversifikation geschützt: «Für die Pilatus-Bahnen sind die Märkte in Asien und dem Nahen Osten wichtig, jedoch nicht existenziell. Rund 50% unserer Gäste sind Schweizer, 20% aus den USA, 15% aus Europa und 15% aus Asien», sagt Sandra Bütler, CEO der Pilatus Bahnen, auf Anfrage von schweizeraktien.net. Bisherige Stornierungen hätten einen reisetechnischen Hintergrund: gesperrte Flugrouten, nicht Angst oder Verunsicherung. Die Aufmerksamkeit gilt der beginnenden Reisesaison aus Indien, einem Markt, dessen Gäste häufig über Golf-Hubs anreisen. «Diese Diversifikationsstrategie bewährt sich weiterhin.»
Die Pilatus-Bahnen-Aktie bewegt sich seit Jahren stabil seitwärts. Chart: otc-x.chDie Aktie der Pilatus-Bahnen AG wird ausserbörslich auf OTC-X der BEKB gehandelt. Zuletzt wurden 2’720 CHF für eine Aktie bezahlt. Die Krise im Nahen Osten hatte bisher keine Auswirkungen auf den Kurs.
Zermatt Bergbahnen: Energiepreise grösseres Risiko als der Krieg direkt
Martin Hug, CEO der Zermatt Bergbahnen AG, ergänzt die Perspektive aus dem Premiumsegment. In Märkten, welche aktuell über keine stabilen Flugverbindungen in die Schweiz verfügen, ist eine gewisse Stagnation bei den Buchungen in der Destination spürbar. Aktuell verzeichnet Zermatt vereinzelte Stornierungen, vor allem bei Individualreisenden, weniger bei Reiseveranstaltern. Beim Ausblick auf Frühling und Sommer ist aktuell eine Zurückhaltung bei der Anzahl Buchungen erkennbar. Dies betreffe beispielsweise den indischen Markt, welcher typischerweise im April und Mai Hauptreisezeiten habe. Der Markt USA zeige aktuell eine gewisse Verunsicherung, und Asien reagiere uneinheitlich je nach Land, so Hug. Besonders auffällig sei China, wo der Aufruf kursiere, Ferien im eigenen Land zu verbringen.
Globale Unsicherheiten, ob geopolitisch oder wirtschaftlich, führen tendenziell zu mehr kurzfristigen Entscheidungen und höherer Volatilität. Darauf muss sich die Branche einstellen, etwa mit flexibleren Angeboten und einer noch stärkeren Marktbearbeitung. Im Sommer 2026 werden daher die Nahmärkte und der Schweizer Markt wichtig, welche aktuell auch eine leichte Zunahme an Buchungen verzeichnen. Martin Hug, CEO ZBAG, benennt das grössere Risiko klar: «Nicht der Krieg direkt, sondern die daraus resultierende Entwicklung der Energiepreise und deren Folgewirkungen auf den Reise- und Flugverkehr haben grossen Einfluss auf den Tourismus. Wird das globale Wirtschaftswachstum weiter gehemmt, hat dies zwangsläufig in allen Märkten einen Einfluss auf unser Geschäft.»
Mittelfristig bleibt die Schweiz begünstigt: Die Nachfrage nach sicheren, politisch stabilen Reisedestinationen bleibt hoch, und die Schweiz profitiert klar von ihrem Image als verlässliche Premiumdestination. Gleichzeitig zeigt sich eine höhere Volatilität im Buchungsverhalten und ein intensiverer Wettbewerb zwischen Destinationen, insbesondere im Premiumsegment. Daher wird es für Orte wie Zermatt entscheidend sein, weiterhin konsequent in Qualität, Infrastruktur und Erlebnis zu investieren.
Der Einfluss auf den Kurs der Zermatt-Bergbahnen-Aktie ist gering. Chart: otc-x.chDie Aktie der Zermatt Bergbahnen AG notiert auf OTC-X der BEKB aktuell bei 520.50 CHF und hat seit Kriegsausbruch nicht reagiert. Die Handelsliquidität ist gering: Die Mehrheit der Aktien liegt bei der Burgergemeinde Zermatt (23,6%), der BVZ Holding (22,0%) und der Einwohnergemeinde Zermatt (18,3%). Für Aussenstehende sind nur kleinere Pakete erwerbbar.
Fazit: Schweiz als sichere Destination, Energiepreise als Hauptrisiko
Fünf Bergbahnen, ein gemeinsames Muster: Kurzfristig begrenzte Effekte dank Inlandgästen und Diversifikation, mittelfristig hängt alles von der Konfliktdauer ab. Rigi mit 70% und Pilatus mit 50% Schweizer Gästen sind weniger exponiert als Titlis, Jungfrau und Zermatt, die stärker von Fernmärkten abhängen. Mehrere Häuser sehen europäische Gäste als möglichen Gegeneffekt: Wer wegen der Lage im Nahen Osten nicht fernreist, bleibt möglicherweise in der Schweiz. Eine Ausnahme beim US-Markt: Während Rigi, Pilatus und Jungfrau dort keine Veränderung melden, berichtet Zermatt von einer gewissen Verunsicherung. Zermatt sieht sogar die Möglichkeit, dass Gäste aus der Golfregion länger in Europa bleiben und dabei die Schweiz besuchen.
Das eigentliche Risiko benennt Zermatt-CEO Hug klar: Nicht die direkte Nachfrageverschiebung, sondern die Entwicklung der Energiepreise. Hält der Anstieg an, bremst das das globale Wirtschaftswachstum und damit die Reiselust in allen Märkten gleichzeitig. An der Börse zeigt sich ein differenziertes Bild. Am stärksten hat die Jungfraubahnen-Aktie (JFN) verloren: minus 10% von 311 auf 277 CHF, mehr als der SPI Extra. Die Titlisbahnen wurden doppelt getroffen: durch den Gondel-Unfall vom 18. März und durch den Konflikt. Pilatus-Bahnen und Zermatt Bergbahnen sind ausserbörslich auf OTC-X gehandelt und haben kaum reagiert. Einzig die BVZ Holding legte zu, was mit dem Antrag eines Aktionärs auf eine höhere Dividende zusammenhängt.






[…] Aber für Schweizer Bergbahnen mit hohem Anteil asiatischer Gäste kommt alles zur falschen Zeit. >> MEHR ERFAHREN […]