Wolfgang Bliem, Roman Baselgia, Kursaal-Casino AG Luzern: «Wir befinden uns wieder im Aufwind»

Führende Position im Schweizer Markt für Online-Gaming soll ausgebaut werden

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Wolfgang Bliem, CEO, und Roman Baselgia, CFO, auf dem Dach des Grand Casino Luzern, das mit einer PV-Anlage ausgestattet wurde. Bild: zvg

Die Kursaal-Casino AG Luzern betreibt ein Grand Casino am Ufer des Vierwaldstättersees sowie das Online-Casino mycasino. Im Geschäftsjahr 2025 spürte das Unternehmen den rauen Wind in der Branche. Der Ertrag aus dem Spielbankengeschäft ging um rund 3,3% auf 120.6 Mio. CHF zurück, die übrigen Erträge aus Gastronomie und Events blieben mit 7.6 Mio. CHF stabil. Mit 95.4 Mio. CHF (-3,1%) steuerte das Onlinegeschäft den grössten Anteil zum Umsatz der Gruppe bei. Unter dem Strich verblieb ein Konzernergebnis von 409’000 CHF. Die Aktionäre sollen an der GV vom 2. Juni 2026 einer Dividende von 12 CHF je Aktie zustimmen.

Um die Rentabilität zu verbessern, hat die Casino Luzern Gruppe ein Effizienzprogramm gestartet. Im Gespräch mit schweizeraktien.net berichten CEO Wolfgang Bliem und CFO Roman Baselgia, dass sich die Ertragssituation seit Jahresbeginn verbessert hat. Zudem nehmen sie Stellung zum Effizienzprogramm und zu den Projekten des Unternehmens.

Der terrestrische Casinomarkt ist letztes Jahr schweizweit um 3,9% zurückgegangen. Das Grand Casino Luzern verlor 4,0%. Wie beurteilen Sie die Marktsituation und die Entwicklung in Ihrem Casino?

Wolfgang Bliem: Die Marktentwicklung verläuft in Wellen. Im letzten Jahr verzeichneten wir im ersten Halbjahr eine rückläufige Tendenz, konnten aber im vierten Quartal deutliche Zuwächse erzielen. Dieses Jahr entwickeln sich sowohl die Besucherzahlen als auch der Bruttospielertrag (BSE) deutlich besser – sowohl im landbasierten als auch im Online-Bereich. Wir befinden uns wieder im Aufwind. Ob das eine generelle Trendwende in der Branche ist, lässt sich schwer sagen. Für das Grand Casino Luzern und unser Online-Casino sind wir jedoch optimistisch.

Wo sehen Sie die Hauptgründe für die positive Entwicklung?

Wir haben gezielt in neue Spielautomaten und einen attraktiveren Spielemix investiert. Im Vorjahr haben wir den Poker Circle eröffnet – einen neuen Bereich für Pokerspielende im Grand Casino Luzern. Darüber hinaus veranstalten wir regelmässig die grössten Pokerturniere der Schweiz. Zudem haben wir neue Eventformate lanciert, um ein breiteres Publikum anzusprechen. Wir durften 2025 mehr Gäste begrüssen, jedoch spielen viele Eventgäste weniger und gleichzeitig ist die Anzahl aktiver High Roller rückläufig. Dadurch reduziert sich der durchschnittliche Spielertrag pro Besucher.

«Wir haben gezielt in neue Spielautomaten und einen attraktiveren Spielemix investiert»

Wie verändert sich das Automatenangebot?

Die klassischen Walzengeräte verschwinden zunehmend. Heute dominieren Geräte mit grossen Bildschirmen, Multi-Level-Jackpots und einem intensiveren Spielerlebnis. Ein starker Trend ist die Multi-Game-Funktionalität auf einem einzelnen Gerät.

Spüren Sie eine Angleichung zwischen Online- und terrestrischem Angebot?

Nicht wirklich. Während Online-Casinos häufig auf lizenzierte Spiele setzen, bleiben im landbasierten Bereich klassische Titel wie «Book of Ra» besonders gefragt. Das Spiel ist seit vielen Jahren sowohl offline als auch online äusserst erfolgreich – auf mycasino ist es jedoch nur eines von über 4’000 verfügbaren Spielen.

Der Wettbewerb im Online-Segment ist hart. Welche Auswirkungen hatte das Ausscheiden zweier Online-Casinos zuletzt auf Ihren Online-Ertrag?

Als Marktführer im Online-Segment hat uns dies einen positiven Schub gegeben. Der zusätzliche Marktanteil – vielleicht 10 bis 15 Mio. CHF – wurde auf die verbleibenden Anbieter verteilt. Es ist jedoch nicht davon auszugehen, dass kurzfristig weitere Anbieter schliessen werden, da der Markt wieder wächst. Neue Konkurrenten wie Casineo von der Stadtcasino Baden Gruppe oder Admiral des Casino Mendrisio erhöhen den Wettbewerbsdruck erneut.

Sie haben letztes Jahr ein Effizienzprogramm gestartet, nachdem die Spielerträge rückläufig waren. Welche Massnahmen haben Sie konkret ergriffen und wann werden diese ihre volle Wirkung entfalten?

Roman Baselgia: Das Effizienzprogramm wurde bereits Ende 2024 gestartet. Dabei haben wir Strukturen und Abläufe überprüft sowie Personalkosten reduziert. Insbesondere in der Verwaltung setzen wir auf Automatisierung und KI-Unterstützung. Trotz gesunkenem Nettoumsatz blieb das Konzernergebnis dadurch nahezu stabil. Den vollen Effekt unseres Effizienzprogramms werden wir im Jahr 2026 sehen.

«Den vollen Effekt unseres Effizienzprogramms werden wir im Jahr 2026 sehen»

Berücksichtigen muss man zudem, dass wir mit mycasino als grösstem Online-Casino der Schweiz sehr hohe Spielbankenabgaben zahlen. Diese sind progressiv ausgestaltet, und der Grenzsteuersatz liegt bei rund 60%. Vom online erzielten Bruttospielertrag bleibt deshalb nur wenig übrig, zumal auch die Marketingaufwendungen sehr hoch sind.

Die Lizenzaufwendungen sind mit 17.7 Mio. CHF hingegen sogar leicht gestiegen, obwohl die Umsätze rückläufig waren. Was sind die Gründe dafür?

Die steigende Kostenposition «Kommissionen (Lizenzgebühren) und Gebühren» umfasst auch Zahlungsverkehrsgebühren, Spielekosten und Gebühren für die Online-Plattform. Zum Zahlungsverkehr gehören insbesondere Kredit- und Debitkartengebühren, die bei jeder Einzahlung anfallen.

Wie sehen Ihre strategischen Prioritäten und geplanten Investitionen in den kommenden Jahren aus?

Wolfgang Bliem: Wir wollen unsere führende Position im Online-Bereich weiter ausbauen. Das landbasierte Casino steht zudem vor einer Modernisierung. Es wird allerdings eher ein hochwertiges Facelifting als ein kompletter Umbau, wie ihn andere Casinos planen. Wir rechnen mit Investitionen im niedrigen einstelligen Millionenbereich und setzen die Projekte etappenweise um.

«Ziel ist es, die Attraktivität für die nächsten 20 Jahre zu sichern»

Ziel ist es, die Attraktivität für die nächsten 20 Jahre zu sichern. Im F&B-Bereich setzen wir auf Optimierungen beim Wareneinsatz, beim Personal sowie auf eine intensivere Vermarktung mit einem neuen Team. Potenzial sehen wir auch im Kongress- und Veranstaltungsgeschäft, dem MICE-Bereich, wo wir uns ebenfalls personell verstärkt haben.

Sie haben sich um eine Konzession für ein Casino in Sion beworben, sind aber am Ende nicht zum Zug gekommen. Wie sehen Sie weitere Expansionsmöglichkeiten ausserhalb des Casinos in Luzern?

Wir haben die Chancen im Online-Gaming genutzt, als die Konzessionen vergeben wurden – mit Erfolg. Heute führen wir das grösste Schweizer Online-Casino. Anschliessend haben wir auch die Neuvergabe der Konzessionen genutzt – leider mit weniger Erfolg. Nach dem gescheiterten Projekt in Sion beobachten wir den Markt weiterhin und prüfen Opportunitäten. Unser Fokus liegt aktuell jedoch auf Optimierungen in Luzern und rentablem Wachstum.

Der Kurs für die Namenaktien der Kursaal-Casino AG Luzern bewegt sich zwischen 380 und 420 CHF. Chart: otc-x.ch

Die Aktien und Genussscheine (GS) der Kursaal-Casino AG Luzern werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Zuletzt wurden 399 CHF für eine Namenaktie und 390 CHF für einen Genussschein gezahlt. Bei einer Ausschüttung von 12 CHF je Titel rentiert dieser mit 3,0%.

Transparenzhinweis: Die schweizeraktien.net ag erbringt Dienstleistungen für den Emittenten.

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