
Das warme Wetter im Sommer 2026 war aussergewöhnlich für die Schweiz. Mindestens vier Hitzewellen zogen über das Land, was zu Temperaturrekorden und extremer Trockenheit führte. Unter anderem waren die Grossstädte Basel, Bern und Zürich betroffen: Insgesamt verzeichneten sie im Jahr 2026 bislang mehr Tage mit Temperaturen von über 30 Grad als in den letzten 22 Jahren.
Infolge der Hitze erreichten Flüsse und Seen Rekordtemperaturen: Die Temperatur der Aare stieg teilweise auf bis zu 25 Grad, was zur Drosselung und anschliessenden Abschaltung des Atomkraftwerks Beznau führte. Noch alarmierender sind die Pegelstände sowie die Zu- und Abflüsse der Schweizer Gewässer. Besonders betroffen war der Rhein, der bei allen Schweizer Messstationen den tiefsten Wasserabfluss seit Beginn der Messungen verzeichnete.
Somit litt auch die Stromproduktion aus Wasserkraft, die mit rund 58,5% einen Grossteil des gesamten Schweizer Stroms ausmacht. Dazu gehören Laufkraftwerke an Flüssen und in den Bergen sowie Pumpspeicherkraftwerke.
Wallis und Berner Oberland weniger betroffen
Während die Schweizer Wasserkraftproduktion im Durchschnitt zwischen 18,0% und 25,0% unter dem langjährigen Mittel lag, zeigte sich auf geografischer Ebene ein differenziertes Bild. Alpine Speicherkraftwerke im Wallis waren dank der Schnee- und Gletscherschmelze weniger von der Trockenheit betroffen: Die in der Schweiz und in Deutschland tätige Naturenergie Gruppe meldete im 1. Halbjahr 2026 bei ihren sechs Werken im Wallis lediglich 6,5% weniger Stromproduktion, während bei den drei Flusswasserkraftwerken am Hochrhein ein zweistelliger Produktionsrückgang zu verzeichnen war. Dieser Trend zeigte sich auch beim Berner Energieunternehmen BKW, das im Wallis und im Berner Oberland keine grossen Beeinträchtigungen bei der Produktion verzeichnete.
Lago Bianco am Berninapass nur zu 50% gefüllt
Anders gestaltete sich die Lage in Graubünden. Der von Repower betriebene alpine Stausee Lago Bianco am Berninapass ist derzeit nur zu 50% gefüllt. Damit liegt der Füllstand 20 Prozentpunkte unter dem langjährigen Durchschnitt – der tiefste Stand zum aktuellen Zeitpunkt. Als Gründe nennt Repower im Vergleich zum Wallis und Berner Oberland primär die geringeren Niederschläge im Osten der Schweiz, insbesondere im Südosten, wo der Lago Bianco liegt. Das Wasser in den Speicherseen von Repower wird bewusst zurückgehalten, um gute Wasserreserven für die Wintermonate aufzubauen.
Weniger Stromproduktion an Hochrhein und Aare
Laufwasserkraftwerke, die mit der Strömung eines fliessenden Gewässers Strom produzieren, verzeichneten infolge der Hitze und Trockenheit deutlich höhere Produktionseinbussen. Bei CKW liege die Produktion in den Laufwasserkraftwerken rund 30% unter dem langjährigen Durchschnitt, so das Zentralschweizer Energieunternehmen. Besonders betroffen sei die Kleine Emme, da sie im Gegensatz zu Anlagen wie dem Kraftwerk Rathausen keinen See im Einzugsgebiet als Puffer besitze. «Ohne diese natürliche Regulierung schlagen Hitzeperioden dort unmittelbar auf die Abflussmengen und somit auf die Produktion durch», erklärt Christoph Hug von CKW auf Nachfrage von schweizeraktien.net.
Am Hochrhein war auch die Naturenergie AG von der Hitzewelle betroffen. Im ersten Halbjahr 2026 betrug der Rückgang der Laufwasserkraftproduktion 22,1%. Die Eniwa AG meldete hingegen einen etwas moderateren Rückgang für das Wasserkraftwerk Aarau, das mit dem Wasser der Aare Strom produziert: Ende Juli lag die Produktion 18% unter dem 10-jährigen Durchschnitt.
Andere Produktionsmethoden wirken ergänzend zur Wasserkraft
Die Solarenergie entwickelte sich im Sommer 2026 aufgrund der höheren Zahl an Sonnentagen besser als im langjährigen Durchschnitt. Die BKW meldete im ersten Halbjahr für das Segment Solar- und Windkraft einen Anstieg von 22,2%. Bei Repower hingegen betrug der Anstieg im Sommer lediglich knapp 5%. Auf qualitativer Ebene berichtete Lillian Yoo von der Naturenergie AG, dass Solarenergie ergänzend zur Wasserkraft wirke und in der künftigen Strategie ebenso wie die Wasserkraft an Bedeutung gewinne.
Eugen Perger, Energieanalyst bei Research Partners, stimmt zu, dass Photovoltaik in solchen Extremsommern eine wichtige kompensatorische Rolle einnimmt. Perger merkt an, dass für die Solarstromernte nicht die Temperatur, sondern primär die Anzahl der Sonnenstunden entscheidend ist. Tatsächlich können extrem hohe Temperaturen die Effizienz der Solarzellen sogar mindern, da deren Wirkungsgrad bei grosser Hitze sinkt.
Im Bereich der Windenergie sahen die Unternehmen ein gemischtes Bild. Auf der einen Seite meldete CKW, dass das Windkraftwerk Lutersarni im Juni eine «deutlich» höhere Stromproduktion als im langjährigen Durchschnitt aufwies; im Juli lag sie nur leicht darüber. Auf der anderen Seite meldete die BKW einen «Windmangel» im 1. Halbjahr. Wegen der geografischen Verteilung der Windkraftparks lässt sich nicht generell einordnen, wie sich die Windverhältnisse entwickeln. In längeren Hitzeperioden könnte es geringere Luftdruckunterschiede geben, was sich negativ auf die Windverhältnisse auswirken würde.
Wenig Einfluss der Hitzewelle auf die Aktienkurse
Aus Makrosicht haben sich die Aktienkurse der Schweizer Energieversorger bisher nicht in grossem Ausmass verändert, so Eugen Perger zu den Auswirkungen des Hitzesommers. Die BKW war mit einem Kursrückgang von rund 2,4% bei Bekanntgabe der Halbjahreszahlen eine Ausnahme am Aktienmarkt. Der Fokus in der Branche lag im 1. Halbjahr 2026 stärker auf dem Nahost-Konflikt, aufgrund dessen volatile Strompreise zu tieferen Erträgen im Stromhandelsgeschäft führten.
Die Energieproduktion in der Schweiz konnte insgesamt dank der Diversifizierung gut abgefedert werden. Auch der Ausblick für das Jahresresultat von BKW und Naturenergie hat sich aufgrund des Hitzesommers und des Nahost-Konflikts nicht verändert.
Eugen Perger hält es für gut möglich, dass die Resultate für das 3. Quartal wegen einer besseren Planbarkeit im Nahen Osten positive Impulse im Handelsgeschäft bringen und für positive Überraschungen bei den Investoren sorgen könnten. Zusätzlich werden Niederschläge, die sich bereits bemerkbar gemacht haben, die Pegelstände insbesondere der Speicherseen erhöhen.
Risiken und Chancen bei Energieversorgern
Wenn Anleger langfristig in Energieversorger investieren möchten, sind mehrere Risikofaktoren zu beachten. Die Diversifikation wird dabei entscheidend sein. Denn ein Klumpenrisiko entsteht, wenn Unternehmen ausschliesslich mit Wasserkraft Energie erzeugen oder nur an einem geografischen Standort über Produktionskapazitäten verfügen.
Künftig dürfte Flusswasserkraft risikoreicher werden. Einige Regentage haben für Flüsse nicht den gleichen Effekt wie für Speicherseen. Flüsse sind damit anfälliger für Trockenheit. Für eine Erhöhung der Pegelstände in Flüssen wie dem Rhein und der Rhone werde es noch Zeit brauchen, so Eugen Perger. Perger weist auch darauf hin, dass infolge häufigerer Unwetter das im Fluss mitgeführte Geröll sowie Starkniederschläge und hohe Wassermengen die Infrastruktur beschädigen könnten. Eine moderne Ausstattung der Anlagen sei entscheidend, um die Infrastruktur vor Naturgewalten zu schützen und überschüssiges Wasser bei Unwettern sicher abzuleiten.
Für die nicht kotierten Energieversorger, die auf OTC-X gehandelt werden, sind die Risiken für Anleger geringer. Trotz des geografischen Risikos ist die dezentrale Energieerzeugung ein Trend, der sich positiv auf kleinere Unternehmen auswirken könnte.
Ausblick: Kann die Schweiz künftig Energie produzieren?
Die kurze Antwort auf diese Frage lautet: «Ja». Es ist nicht das erste Jahr, in dem Trockenheit und warmes Wetter die Wasserkraft belasten: Die Jahre 2018 und 2022 waren ebenfalls anspruchsvoll, allerdings nicht so ausgeprägt wie das Jahr 2026.
Die Schweiz befindet sich mit ihrer Hochgebirgsgeografie und ihren Gletschern, die als Wasserspeicher ein Sicherheitspolster für die Wasserkraftproduktion darstellen, in einer einzigartigen Position. Alpiq rechnet damit, dass der Zufluss in den gletscherreichen Einzugsgebieten in den nächsten 20 bis 30 Jahren weiter ansteigt, bevor er anschliessend abnehmen wird.
Mittelfristig bleibt die Schweiz somit «Europas Wasserschloss» und kann sich auch künftig auf die Wasserkraft stützen. Dies bestätigt auch Lillian Yoo von der Naturenergie AG. Das Unternehmen geht davon aus, dass die Wasserkraftproduktion bis 2050 nur um wenige Prozentpunkte abnehmen wird. Dazu tragen unter anderem die immer häufigeren Regentage in den Wintermonaten bei, die sich positiv auf Speicher- und Laufkraftwerke auswirken. Somit bleibt Wasserkraft zumindest mittelfristig relevant und strategisch äusserst wichtig für die Schweiz.
Vor diesem Hintergrund ändern die Schweizer Energieversorger ihre Investitionspläne grundsätzlich nicht. Alle befragten Unternehmen werden ihre Wasserkraftstrategie nicht ändern, da die Investitionspläne solche klimatischen Extremszenarien bereits langfristig antizipieren. Dazu gehört unter anderem die Diversifikation der Energieproduktion. Die Sommersaison 2026 zeigte, dass Solarenergie ergänzend zu den tieferen Produktionsmengen bei der Wasserkraft wirkt und diese abfedern kann. Zur Diversifikation trägt zudem die geografische Verteilung der Produktionsstandorte bei, um die Abhängigkeit von einzelnen Regionen und die Folgen von Extremwetterereignissen zu reduzieren.
Energiespeicher werden immer wichtiger
Auch Energiespeicher sind für viele Unternehmen zunehmend wichtig geworden. Dazu zählen die Grossbatterie in Mühlenberg (400 MW) der BKW oder die Multiflex-Batterie in Robbia von Repower. Sie fungieren als Puffer der Energiewende und ermöglichen es, Strom dann zu liefern, wenn die Nachfrage hoch ist – unabhängig von der aktuellen Wetterlage. Während Laufwasserkraftwerke stetig produzieren müssen, bieten die Speicherseen der Schweiz die einzigartige Möglichkeit, Energie auf Abruf bereitzustellen und so die Abhängigkeit von kurzfristigen Witterungseinflüssen massiv zu senken.
Ein weiterer Faktor, der die Einschätzung der Verlässlichkeit der Schweizer Energiebranche zusätzlich erschwert, sind KI-Rechenzentren. Im Rahmen ihrer Strategie «Digitale Schweiz» setzt der Bund auf digitale Souveränität, was den Bau von KI-Rechenzentren beschleunigt. Mit derzeit 120 dieser Rechenzentren weist die Schweiz eine der weltweit höchsten Dichten pro Kopf auf. Diese Anlagen benötigen nicht nur enorme Mengen Strom – sie machen bereits geschätzt 6% bis 8% des nationalen Verbrauchs aus –, sondern haben auch einen massiven Kühlungsbedarf. Während kleinere Zentren das lokale Netz nutzen, müssen grosse «Hyperscale»-Anlagen aufgrund ihres Bedarfs oft direkt an Flüssen oder Seen platziert werden. Da jedoch kaum offizielle Daten zur Wassernutzung vorliegen, bleibt es derzeit schwierig, die langfristigen Auswirkungen auf die Wasserressourcen exakt zu prognostizieren.
Ausgewählte Energieaktien |
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| (in CHF, Stand: 25.8.26) | ||||||
| Unternehmen | Handel | Kurs | KGV | KBV | Div.-Rendite | Performance 2026 |
| BKW | SIX | 124.2 | 18 | 1.2 | 3.1% | -26,3% |
| Naturenergie | SIX | 30.5 | 5.7 | 0.8 | 3.0% | -5,9% |
| Romande Energie | SIX | 51.8 | 16.7 | 0.6 | 2.8% | +12,2% |
| Repower | OTC-X | 140 | 10.3 | 0.8 | 3.9% | -7,4% |
| CKW | OTC-X | 384 | 11.6 | 1 | 7.0% | -4,9% |
| Eniwa | OTC-X | 631 | 12.8 | 0.5 | 3.2% | -1,0% |
| * CKW: inkl. 17 CHF Sonderdividende; reg. Div. 10 CHF, Quelle: otc-x.ch, six-group.com, Geschäftsberichte | ||||||
Gute Infos, was hier fehlt ist die dringende Diversifikation der erneuerbaren Energie-produktion, es fehlt eindeutig die Windkraft für den wichtigen Winterstrom. wie die Aktie der Romane Energie zeigt – sie betreibt schon einige Windparks. Daher wird sich der Ausbau der Windenergie auch bei anderen EVU’s positiv auswirken. Wird höchste Zeit, die langen Planungsverfahren und wegen unnötigen Einsprachen unsere kostengünstige dezentrale Energieproduktion zu forcieren. Hier fehlt nach wie vor das Nachdenken zum ‚dezentralen Energie-Mix‘, aus Sonne, Wind und Wasser – die zudem spürbar viele Auslands-Investitionen in die ‚Fossilen‘ verringern werden.