Jonas Scharf, CEO Kursaal Bern: «Bern muss bei den Entscheidern `Top of Mind´ sein»

Umsatzanstieg im 1. Halbjahr 2026 um 1,4% auf 35.9 Mio. CHF

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Jonas Scharf ist seit April 2026 CEO der Kursaal Bern AG. Zuvor war der 58-Jährige während 22 Jahren für die Basler MCH Gruppe tätig, zuletzt als COO. Bild: zvg

Die Kursaal Bern AG ist gut in das laufende Geschäftsjahr 2026 gestartet. Wie das Unternehmen in seinem Halbjahresabschluss bekannt gab, kletterte der konsolidierte Umsatz um 1,4% auf 35.9 Mio. CHF. Während das Geschäft in den Casinos in Bern, Neuenburg sowie vor allem im Online Casino 7melons.ch gut um 4,4% zulegen konnte, stagnierten die Erträge im Kongresszentrum sowie im Swissôtel Kursaal Bern. Unter dem Strich resultierte ein Gewinn von 1.5 Mio. CHF – nach 0.6 Mio. CHF im Vorjahr mehr als doppelt soviel.

Im Gespräch mit schweizeraktien.net erklärt der neue CEO Jonas Scharf, wie er die Kursaal-Bern-Gruppe künftig positionieren möchte und welche Chancen der Basler auch für den Kongressstandort Bern sieht.

Herr Scharf, Sie sind am 1. April 2026 als CEO der Kursaal Bern AG gestartet und somit seit rund einem halben Jahr im Amt. Welches erstes Fazit ziehen Sie?

Ich kann nach einem halben Jahr sagen: Der Kursaal Bern ist als «Business Resort» mit seiner Kombination aus vorhandenen Kapazitäten und persönlichem Hotelstandard wirklich einmalig. Wir legen hier sehr viel Wert auf individuelle Gästebetreuung; der Hotelstandard ist auf höchstem Niveau. Wir sind «gross und persönlich» – diese Kombi gibt es in der Schweiz und auch europaweit nur selten.

Klar, es gibt auch Optimierungspotenzial. Im Kleinen, wie wir bestehende Räume nutzen. Ein Beispiel ist hier unser «Rooftop»-Angebot, das wir angepasst haben. Auch in der internationalen Vermarktung müssen wir präsenter werden. Im Grossen gibt es ebenfalls Projekte bei unserer Infrastruktur, an denen wir arbeiten.

Vor Ihrem Wechsel nach Bern waren Sie während mehr als 20 Jahren für die Basler MCH Group tätig. In dieser Zeit musste das Unternehmen nicht nur die Corona-Pandemie bewältigen, sondern sich auch aufgrund des Verlusts wichtiger Messen strategisch neu ausrichten. Welche Erfahrungen aus dieser Zeit können Sie nun beim Kursaal Bern einbringen?

Die Zeit in Basel, besonders durch den Wandel von Messen und Kongressen und die Herausforderungen der Pandemie, hat mir eins gezeigt: Du musst dein Geschäftsmodell ständig weiterentwickeln. Früher waren Kongresse Nebenprodukte, sogar «ungeliebte Kinder» einer Messe. Das hat sich mit dem Aufkommen von Confex-Formaten, also der Kombination von Conferences und Exhibitions, geändert.

«Du musst dein Geschäftsmodell ständig weiterentwickeln»

Da ich aus dem Destinationsmarketing komme und viele Jahrzehnte Erfahrung in diesem Bereich mitbringe – man kennt mich in der relativ überschaubaren Branche – setzte ich dieses Know-how und mein Netzwerk jetzt ein, um den Kursaal Bern als Business Hub weiterzuentwickeln.

Im Halbjahresbericht schreiben Sie, dass Sie an einer stärkeren nationalen und internationalen Marktpräsenz arbeiten. Welche konkreten Massnahmen setzen Sie aktuell um, um dieses Ziel zu erreichen?

Das Ziel ist klar: Bern muss bei den Entscheidern „Top of Mind“ sein. Dafür arbeiten wir intensiv im Congress Hub Bern mit Partnern wie Bernexpo und Bern Welcome zusammen. Unser Fokus liegt auf Veranstaltungen mit 50 bis 1500 Personen, wo wir individuell punkten können.

In unserem Betrieb haben wir auch erste Massnahmen zur Optimierung umgesetzt. Ein Beispiel: Die ehemalige «Panoramaebene Meridiano» wurde in «Rooftop» umgebrandet – jetzt ist es eine exklusive Eventlocation. Wir sind modular geworden, bieten dort Tavolatas und Koch-Workshops mit individueller Betreuung der Küchenchefs. Das kommt gut an. Gleichzeitig starten wir Joint Ventures, wie in der Patisserie, um die Qualität laufend zu verbessern.

Die Bernexpo AG hat kürzlich ein Optimierungs- und Effizienzprogramm gestartet. Das Geschäft mit Messen, Kongressen und Veranstaltungen scheint auch in Bern von einem intensiven Wettbewerb geprägt zu sein. Wie beurteilen Sie das aktuelle Wettbewerbsumfeld?

Der Wettbewerb ist intensiv – klar. Mit der neuen Festhalle sind die Kapazitäten gestiegen, aber: «Kannibalisierung» sehe ich keine. Der Kursaal Bern tickt anders – wir sind Business Resort und bieten alles aus einer Hand. Die Zusammenarbeit in der Region wird aber entscheidend sein, das sage ich offen. Gemeinsam sind wir international sichtbar, aber jeder hat seine Nische.

«Wir sind Business Resort und bieten alles aus einer Hand»

Der «Congress Hub Bern» wird seit Jahren gemeinsam vermarktet. Wie funktioniert die Zusammenarbeit innerhalb des Congress Hub konkret?

Die Kooperation im Congress Hub ist für mich nicht nur «gute Absicht», sondern muss gelebte Praxis werden. Wir arbeiten an weiteren internationalen Formaten und verteilen die Rollen strategisch. Wie ich schon sagte: «Wir müssen Top of Mind werden!» Bern muss auf die Shortlist, wenn Entscheiderinnen und Entscheider einen Standort für ihren Event suchen. Das klappt nur, wenn alle am selben Strang ziehen.

Die heute publizierten Halbjahreszahlen sind erfreulich ausgefallen. Einen wesentlichen Beitrag zum Umsatzanstieg von 1,4% leistete das Casinogeschäft. Trotz eines leicht rückläufigen Marktes stieg der Betriebsertrag der Casinos auf 19.8 Mio. CHF. Welche Faktoren waren dafür ausschlaggebend, und gibt es im Casinogeschäft eine Trendwende?

Das Casinogeschäft bleibt volatil, aber wir sind seit einem Jahr klar auf dem aufsteigenden Ast. Wir haben in Bern jetzt mit frischem Wind und Know-how die Profitzone erreicht, besonders durch Digitalisierung und Angebotsverbesserungen. Ausserdem läuft unser Online-Geschäft richtig gut. Der Markt ist weiterhin herausfordernd, aber insgesamt bin ich optimistisch.

«Das Casinogeschäft bleibt volatil, aber wir (…) sind auf dem aufsteigenden Ast»

Im Hotel- und Gastronomiebereich waren die Umsätze hingegen rückläufig. Wie hoch war die Zimmerauslastung des Swissôtel Kursaal Bern im ersten Halbjahr? Und wo wollen Sie hin?

Im 1. Halbjahr lag die Zimmerauslastung bei 63%. Unser Ziel liegt über das ganze Jahr klar bei über 70% Auslastung. Wir wollen dauerhaft dorthin. Im Sommer profitieren wir vom Tourismus, in den ersten zwei Monaten haben alle im Städtetourismus ein Loch.

Der beste Mix sind für uns Seminare und Kongresse, da ist das Hotel am besten ausgelastet und bringt Wertschöpfung. Unsere Benchmarks stimmen, die Zielgruppe bleibt klar: Business-Gäste, nationale und internationale Kongress- und Seminargruppen. In diesem Jahr haben wir auch wegen des Kriegs im Nahen Osten vor den Sommermonaten etwas gezittert, was aber nicht nötig war. Wir hatten sehr viele kurzfristige Buchungen und sind nun mit dem Sommer zufrieden.

Trotz leicht höherer Umsätze konnte der Betriebsaufwand im ersten Halbjahr um knapp 800’000 CHF reduziert werden. Worauf ist diese Entwicklung zurückzuführen? Und sehen Sie darüber hinaus weiteres Effizienz- und Optimierungspotenzial?

Digitalisierung und Flexibilisierung sind die Stichworte. Wir haben Prozesse automatisiert, offene Stellen bewusst nicht ersetzt und Outsourcing, wie bei unserer neuen Patisserie mit unserem Joint Venture, genutzt. Das Modell behalten wir bei: Alles, was sich flexibel und effizienter auslagern lässt, wird geprüft.

Welche Investitionen stehen in den kommenden Jahren an, und mit welchem finanziellen Aufwand rechnen Sie?

Bis 2030 investieren wir zwischen 20 und 30 Mio. CHF – Sanierungen und Investitionen in die Nachhaltigkeit sind dabei grosse Themen. Ein wichtiges Projekt wird dabei die Erneuerung des Dachs unserer Kursaal Arena sein, bei dem wir das Thema Nachhaltigkeit mit einer interessanten Architektur verbinden. Auch energetische Sanierungen stehen an. Im Hotel werden wir einige Suiten erneuern. Mehr kann ich heute noch nicht dazu sagen.

«Bis 2030 investieren wir zwischen 20 und 30 Mio. CHF»

Wo sehen Sie die Kursaal Bern AG Ende 2026? Und welche Ziele haben Sie sich als CEO für die nächsten fünf Jahre gesetzt?

Meine Ziele sind eine klare Positionierung für den Kursaal Bern als Business Resort, die Entwicklung von Bern als Kongressstadt und dass die Leistungsfähigkeit und die hohe Qualität der Kursaal-Bern-Equipe noch sichtbarer wird. Das Kongressgeschäft steht klar im Mittelpunkt. Dabei setze ich auf Innovationskultur, nachhaltiges Wachstum und auch darauf, dass Aktionäre eine Dividende erwarten können. Dies war und ist auch das Versprechen unseres Verwaltungsratspräsidenten Daniel Buser. Denn unsere Aktie ist ein Dividendenpapier, kein Spekulationsobjekt. Mir ist wichtig: Wir sind gross, persönlich und bereit, mit Bern zu zeigen, was international geht.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Aktien der Kursaal Bern AG sind seit Jahresbeginn gestiegen, bewegten sich jedoch in den letzten Wochen zwischen 390 und 400 CHF. Chart: bxplus.ch

Die Aktien der Kursaal Bern AG sind an der BX Swiss kotiert. Der Aktienkurs bewegt sich um die 390 bis 400 CHF. In den letzten zwei Jahren wurde eine Dividende von 22 CHF je Aktie bezahlt, was bei einer gleichbleibenden Dividende einer Rendite von etwa 5,5% entsprechende würde. Der Buchwert lag Ende Juni 2026 bei 675 CHF je Aktie.

Hinweis in eigener Sache: Am 29./30. Oktober findet in Engelberg der Branchentalk Tourismus statt. Am Investors Meeting vom 30. Oktober werden Jonas Scharf und Lorenz Perren die Kursaal Bern AG präsentieren. Mehr Infos unter: www.schweizeraktien.net/branchentalk-tourismus-29-oktober-2026-2/

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