Alpar AG: Aktienkurs unter Druck

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Am 8. Januar 2013 konnte die Alpar AG, Betreiberin des Flughafens in Bern-Belp, noch jubeln. 2012 seien so viele Passagiere ab Bern geflogen wie noch nie zuvor. Gegenüber dem Vorjahr nutzten 271’111 Passagiere den Flughafen der Bundesstadt (plus 47%; siehe Grafik). Dass 2013 an das Rekordjahr nahtlos angeknüpft werden kann, erscheint hingegen unwahrscheinlich. Denn ein Hauptgrund für die rasante Passagierzunahme ist vor allen Dingen die Expansion der Fluggesellschaft Skywork, die seit etwas mehr als zwei Jahren preisgünstige Linienflüge in europäische Ziele ab Bern-Belp anbietet. Diese hat ihr Streckennetz auf 34 Destinationen ausgebaut. Doch die rasante Expansion der jungen Airline fordert nun ihren Preis. Skywork flog entgegen ihren ursprünglichen Plänen bisher nicht in die schwarzen Zahlen. Investor Daniel Borer zog sich daraufhin zurück. Nun versucht die Fluggesellschaft, durch Sparmassnahmen in diesem Jahr in die schwarzen Zahlen zu fliegen. Streichungen von Strecken sollen ebenso dazu beitragen wie Lohnanpassungen beim Flugpersonal, wie in den letzten Tagen in den Berner Medien „Bund“ und „Berner Zeitung“ berichtet wurde. Auch die Alpar AG wird wohl, nach Interventionen von Skywork und dem Versuch einer Investorengruppe um Borer, die Mehrheit an Alpar zu übernehmen, einen Beitrag zu der Sanierung der Airline in Form von niedrigeren Gebühren leisten müssen.

Quelle: eigene Darstellung, www.alpar.ch

Doch die jüngsten Turbulenzen um Skywork lassen auch Alpar-Aktionäre offenbar ein Grounding der jungen Airline befürchten. Die Alpar müsste dann nicht nur den Einnahmenausfall verkraften, sondern auch einen Forderungsverzicht hinnehmen. Diese Befürchtungen haben in den letzten Tagen offenbar dazu geführt, dass der Aktienkurs von Alpar um 19% eingebrochen ist. Eine weitere Erklärung für den Kurszerfall könnten auch Verkaufsaufträge aus dem Umfeld der Investorengruppe um Borer sein, die ihr Anliegen, die Mehrheit an der Alpar zu übernehmen, nun aufgegeben hat.

Die Zukunft der jungen Airline Skywork hängt derzeit an einem seidenen Faden. Ein Scheitern wäre fatal – nicht nur für die Investoren hinter Skywork und Flughafenbetreiber Alpar, sondern auch für die Region. Doch das Spiel ist Bern-Belp bereits gewohnt. Immer wieder gab es neue Carrier, die Bern-Belp anflogen, sich aber nach kurzer Zeit wieder zurückzogen. Unabhängig von der Entwicklung bei Skywork wäre es für den Alpar-Aktionär wünschenswert, wenn es zu Veränderungen im Verwaltungsrat kommen und sich so vielleicht neue Perspektiven für den Bundesstadt-Flughafen ergeben würden. Denn ein Scheitern von ehrgeizigen, aufstrebenden Airlines darf – trotz des harten Wettbewerbs im Luftfahrtgeschäft – in Bern-Belp nicht zum Naturgesetz werden. Bis sich der Nebel über dem Belpmoos bzgl. der Zukunft von Skywork gelichtet hat, sollten sich Investoren auch bei Kursen um die 60 CHF trotz des über 40%igen Discounts auf den Buchwert mit einem Engagement zurückhalten.

1 Kommentar

  1. Mittlerweile haben sich Alpar und Skywork geeinigt, wie sie gestern an einer Pressekonferenz (siehe Pressemitteilung) bekannt gaben. Der Verwaltungsrat wird verjüngt und auf 9 Personen verkleinert. Zudem haben sich die beiden Parteien auf gemeinsame Massnahmen verständigt, um die Attraktivität des Flughafens zu steigern. Die Finanzierung von Skywork soll zudem bis Ende 2014 gesichert sein.

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