Stadtcasino Baden-Gruppe: wagt erste Schritte im Ausland

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Die fetten Jahre für die Schweizer Casinos sind definitiv vorbei. Der Markt stagniert, und neue Wettbewerber drängen in Zürich und Neuenburg in den Markt. Die Stadtcasino Baden-Gruppe hat auf diese neuen Herausforderungen mit einer Vorwärtsstrategie reagiert: im vergangenen Jahr wurde das Grand Casino für 7 Mio. CHF zum „House of Entertainment“ umgebaut. Ziel dieses Konzeptes ist es, vermehrt Umsätze im Veranstaltungsbereich und damit spielbankenunabhängige Erträge generieren zu können. Dazu zählt auch der Ausbau des Trafo Kongress- und Kulturzentrums. Ab 2015 rechnet die Gesellschaft in diesem Geschäftsbereich mit einer Verdoppelung der Besucherzahlen und des Umsatzes. Zur Vorwärtsstrategie gehören auch die Mehrheitsbeteiligung am Casino in Davos sowie die ersten Wachstumsschritte im Ausland. In diesem Zusammenhang ist die Stadtcasino Baden AG eine Kooperation mit der deutschen Gauselmann-Gruppe (u.a. Merkur-Spielotheken) eingegangen, die sich mit 10% am Kapital der Stadtcasino Baden AG beteiligt hat. Gemeinsam betreiben die beiden Partner erste Casinoprojekte in Vaduz, Sachsen-Anhalt und Wien. Die im Glücksspiel- und Unterhaltungsbereich tätige Gauselmann-Gruppe beschäftigt über 8’000 Mitarbeiter und setzte 2011 mehr als 1 Mrd. EUR um.

Dass diese Vorwärtsstrategie eine notwendige Antwort auf die Veränderungen im Schweizer Casinomarkt ist, zeigt der Jahresabschluss 2012. Der Brutto-Spieletrag im Grand Casino Baden ging um über 10% auf 92.2 Mio. CHF zurück. Trotz des Rückgangs ist das Grand Casino Baden nach wie vor die grösste Spielbank in der Schweiz. Der konsolidierte Betriebsertrag der Stadtcasino Baden-Gruppe erreichte 54.7 Mio. CHF (minus 14.8%). Unter dem Strich verblieb ein Betriebsertrag (EBIT) von 9.1. Mio. CHF (minus 18.3%). Der Gruppengewinn lag bei 6.2 Mio. CHF (Vorjahr: 7.3 Mio. CHF). Während sich in der Gruppenrechnung bereits die ersten Folgen der Veränderungen in der Casinolandschaft zeigen, konnte die Muttergesellschaft Stadtcasino Baden AG, deren Aktien ausserbörslich gehandelt werden, in 2012 noch vom guten Vorjahr profitieren. Der Reingewinn stieg auf 12.6 Mio. CHF (Vorjahr: 10.3 Mio. CHF), und die Eigenkapitalquote erreichte 70.2%. Der Generalversammlung am 19. Juni soll die Ausschüttung einer gleich bleibenden Dividende von 25 CHF je Aktie beantragt werden. Für das laufende Geschäftsjahr 2013 rechnet die Casinogruppe insbesondere aufgrund der neuen Konkurrenz mit weiterhin rückläufigen Erträgen von rund 30%. Detlef Brose, CEO der Gruppe, kündigte jedoch eine „hoch bleibende Profitabilität“ an, da das Unternehmen aufgrund des erwarteten Rückgangs der Erträge die Kosten entsprechend reduziert habe.

Baden ist und bleibt nicht nur das grösste Casino der Schweiz. Es mausert sich immer mehr zu einem Vorreiter in Sachen Strategie. Statt die – mehr oder weniger – staatlich zugesicherten Ertragsquellen zu verteidigen, setzt das Unternehmen mutig auf neue Ertragsquellen und eine Expansion ins Ausland. Insbesondere der zweite Schritt birgt auch Risiken. Da die Stadtcasino Baden-Gruppe diesen Schritt jedoch gemeinsam mit einem starken Partner tätigt, dürften die Risiken begrenzt sein. Bis sich diese mutigen Wachstumsschritte positiv in der Erfolgsrechnung niederschlagen, wird es allerdings noch etwas dauern. Bis dahin bleiben die (rückläufigen) Erträge in der Schweiz, welche dank frühzeitig eingeleiteter Kostenmassnahmen weiterhin den Ausweis von Gewinnen möglich machen sollen und Spielraum für Dividendenzahlungen lassen. Selbst wenn die Dividende aufgrund notwendiger Investitionen einmal reduziert werden sollte, dürfte die Rendite attraktiv bleiben. Auf dem Niveau des heutigen Aktienkurses von 450 CHF rentiert der Titel mit 5.5%. Zudem liegt der Kurs um fast 40% unter dem ausgewiesenen Buchwert von mehr als 700 CHF je Aktie. Obwohl es derzeit noch unsicher ist, ob die Vorwärtsstrategie gelingt und die Gruppe zu neuem Wachstum finden kann, dürften die Risiken in den niedrigen Kursen enthalten sein.

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