Kursaal Bern: Aktionäre müssen auf Dividende verzichten

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Der Schweizer Casinomarkt befindet sich im Umbruch. Die Reaktion auf die stagnierenden Erträge und den stärkeren Wettbewerb fällt bei den Casinobetreibern unterschiedlich aus. Während Branchenleader Stadtcasino Baden die Expansion im Ausland forciert, setzt die Kongress+Kursaal Bern AG weiterhin auf den heimischen Markt. Auch in Bern stehen die Zeichen auf Expansion: Ende August letzten Jahres nahm die Unternehmung nach einer zweijährigen Umbauphase das neue Kongresszentrum sowie das vergrösserte Grand Casino in Betrieb. Im November erfolgte dann die Eröffnung des Casinos im westschweizerischen Neuenburg, das zu 98% im Besitz der Kongress+Kursaal Bern AG ist. Mit diesen zwei Expansionsschritten möchte sich die Kursaal-Gruppe langfristig für eine erfolgreiche Geschäftstätigkeit aufstellen. Kurzfristig müssen die Aktionäre allerdings die kräftigen Investitionen mitfinanzieren. An der Generalversammlung am 24. Juni beantragt der Verwaltungsrat den Verzicht auf eine Dividende für das Geschäftsjahr 2012.

Dass der Verwaltungsrat den Dividendenverzicht beantragt hat, liegt nicht ausschliesslich an der Geschäftsentwicklung in 2012 (siehe Geschäftsbericht). Denn der konsolidierte Gesamtertrag der Kursaal Bern-Gruppe stieg gegenüber dem Vorjahr um 4.2% auf 70 Mio. CHF an. Hier machte sich bemerkbar, dass nach der Eröffnung des neuen Kongresszentrums im 4. Quartal die Umsätze wieder deutlich anzogen. Ebenso konnte das Casino Neuchâtel mit 1.7 Mio. CHF einen ersten Umsatzbeitrag leisten. Und schliesslich war auch der Rückgang des Bruttospielertrages des Grand Casinos mit 1.5% im Vergleich zu anderen Casinos (siehe Tabelle) moderat. Auf der Kostenseite belastete die Expansion hingegen durch höhere Personalkosten (plus 10%) und einen um einen Viertel auf 19 Mio. CHF gestiegenen Betriebsaufwand die Erfolgsrechnung. Auf konsolidierter Basis resultierte ein Verlust von 2.8 Mio. CHF. Doch das negative Ergebnis allein wäre noch kein Grund gewesen, einen Dividendenverzicht zu beantragen. Denn die Gewinnreserven der Gruppe betragen mehr als 40 Mio. CHF. Doch durch die massiven Investitionen hat sich der Fremdkapitalanteil gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt und beträgt 101 Mio. CHF. Mit 40% liegt auch die Eigenkapitalquote am unteren Ende der Bandbreite bei den ausserbörslich gehandelten Casinogesellschaften. Die Stadtcasino Baden AG erreicht komfortable 60%. Das Geschäftsjahr 2013 ist erfolgreich angelaufen, auch wenn das neue Casino in Neuchâtel noch nicht ganz so läuft wie erwartet, wie von der Unternehmensleitung zu erfahren war. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet die Unternehmung damit, die Gewinnzone zu erreichen. Dann dürfte auch die Dividendenzahlung wieder aufgenommen werden.

Für die Aktionäre ist der Dividendenverzicht der Kongress+Kursaal Bern AG eine unerfreuliche Nebenwirkung des kräftigen Expansionskurses ihrer Unternehmung. Ein Blick in die Bilanz zeigt allerdings, dass dieser Entscheid betriebswirtschaftlich richtig und notwendig war, um die Liquidität zu schonen und das Eigenkapital zu stärken. Mittelfristig dürfte sich die Expansion für die Aktionäre jedoch auszahlen. Denn bereits in 2013 fallen Sonderkosten in Millionenhöhe nicht mehr an. Zudem dürfte der Umsatz, bedingt durch den ganzjährigen Betrieb des Kongresszentrums und die Erträge aus dem Casino Neuchâtel, kräftig zulegen. Derzeit notieren die Aktien mit 430 CHF unter dem Buchwert. Allerdings ist die Dividende, sofern die Zahlung für 2013 wie in den Vorjahren wieder 12.50 CHF pro Aktie beträgt, mit einer Rendite von knapp 3% im Branchenvergleich nicht sehr üppig. Aktionäre der Kongress+Kursaal Bern AG profitieren daher am meisten von einem Investment, wenn sie auch die Naturaldividende in Form der Generalversammlung mit einem grosszügigen Nachtessen und hervorragenden Networkingmöglichkeiten nutzen.

Casino- und Kursaal-Aktien im Vergleich
Kurs (11.06.) BSE*2012 Veränd. VJ Dividende Rendite
Name in CHF in Mio. CHF
2012 2012
Stadtcasino Baden AG

475

92.2

-11.1%

25

5.3%

Kursaal-Casino AG, Luzern (N)

265

44.9

-6.9%

12

4.5%

Kongress- und Kursaal AG, Bern

430

57.1

-1.5%

0

0.0%

Congress Centre Kursaal Interlaken AG

181

12.1

-0.3%

0

0.0%

Casino de Montreux SA (CHF 100)

1’850

84.6

-9.5%

110*

5.9%*

* Bruttospielertrag   * + 43 CHF aus Kapitaleinlagereserven   * Gesamtrendite: 8.27%

Quelle: Geschäftsberichte 2012

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1 KOMMENTAR

  1. Zuerst einmal herzliche Gratulation zu Deinen Berichten und Einschätzungen im Nebenwerte-Blog. Sie sind fundiert und sachlich was ich zu schätzen weiss. Beim Bericht über die Kongress + Kursaal Bern AG hat sich in der Aufstellung der Casinogesellschaften ein kleiner Fehler eingeschlichen. Der Dividendenbetrag der Casino de Montreux SA beträgt insgesamt CHF 153, eingeteilt in CHF 110 ordentliche Dividende und eine Zahlung von CHF 43 aus Kapitaleinlagereserven. Somit beträgt die Rendite beachtliche 8.27%!

    • Danke für diesen wichtigen Hinweis. Wir haben uns bei der Angabe der Rendite ausschliesslich auf die Dividendenzahlung gestützt. Zusammen mit der Zahlung aus Kapitaleinlagereserven beträgt die Ausschüttungsrendite für 2012 wirklich die hohen 8.27%.

  2. An der Generalversammlung der Kongress+Kursaal Bern AG vom 24. Juni wurde der Dividendenverzicht kritiklos von den Aktionären angenommen. Viel wichtiger war den 725 anwesenden Aktionären, dass das ausgiebige Nachtessen an der GV nicht gestrichen wird. Dies hatte gemäss VR-Präsident Daniel Frei im Vorfeld der GV zu zahlreichen Anrufen verunsicherter Aktionäre geführt. Die Naturaldividende ist ihnen offenbar wichtiger, als die Bardividende. Aber auch die Bardividende soll für das Geschäftsjahr 2013 wieder fliessen. Nach Aussagen von Frei sei 2012 ein Übergangsjahr gewesen. Die Umsatzzahlen in den ersten Monaten des Geschäftsjahres 2013 zeigten bereits wieder nach oben; auch die Buchungen für den Kursaal in 2014 seien sehr erfreulich. Er kündigte die Wiederaufnahme einer Dividendenzahlung und eine Kontinuität bei der künftigen Dividendenpolitik an.

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