Auto AG Holding: muss einen Gang zurückschalten

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Die im luzernischen Rothenburg ansässige Auto AG Holding hat sich während der letzten fünf Jahre in einem schwierigen Umfeld gut entwickelt. Obwohl der schwache Euro im Nutzfahrzeughandel die Preise und damit auch die Umsätze drückte, gelang es der Gesellschaft, das Betriebsergebnis (EBIT) Jahr für Jahr auf fast 5 Mio. CHF im 2012 zu steigern. Der Nutzfahrzeughandel mit Fahrzeugen der Marken Fiat und Iveco trug mehr als 50% zum Gesamtumsatz der Gruppe von 97 Mio. CHF bei. Im Geschäftsbereich öffentlicher Verkehr, in dem die Gesellschaft die Buslinien im Raum Luzern-Rothenburg betreibt, wurden 17 Mio. CHF Umsatz erwirtschaftet. Neben dem Nutzfahrzeughandel und dem Betrieb der Buslinien ist die Auto AG Group auch im Servicebereich mit eigenen Werkstätten und einem Ersatzteilhandel tätig. Am Hauptsitz in Rothenburg konnte im April 2013 ein neues Nutzfahrzeugcenter direkt an der A2 eröffnet werden, in dessen Neubau rund 34 Mio. CHF investiert wurden. Neben dem Hauptsitz in Rothenburg ist die Gesellschaft an sechs Standorten im Tessin, im Raum Bern, der Region Solothurn und in Zürich tätig.

Im laufenden Geschäftsjahr 2013 verlief die Entwicklung bisher stabil, wie die Gesellschaft in einem Aktionärsbrief mitteilte. Per Ende Juni habe man einen Umsatz erzielt, der leicht über dem Vorjahr liege, so der Vorsitzende der Geschäftsleitung, Robert Meyer, auf Nachfrage. Während sich das Geschäft im Bereich öffentlicher Verkehr stabil entwickelt und die Gesellschaft im Servicebereich (Werkstatt/Ersatzteile) sogar ein Ergebnis erreichen konnte, das klar über den Vorjahreswerten liegt, muss das Unternehmen im Nutzfahrzeughandel mit temporären Schwierigkeiten kämpfen. Grund dafür ist das Geschäft mit den schweren Nutzfahrzeugen, die ab 2014 der Abgasnorm Euro 6 entsprechen müssen. „Mehrheitlich verlangen unsere Kunden nur noch Fahrzeuge mit der Abgasnorm Euro 6“, erläutert Robert Meyer die Situation. Allerdings gebe es für diese Fahrzeuge Lieferengpässe, so dass ein grosser Teil der bestellten Fahrzeuge erst 2014 ausgeliefert werden könnte. Bis Ende Juni seien daher auch weniger Fahrzeuge verkauft worden, so Meyer. Er hofft darauf, dass viele Lieferungen noch im 2. Halbjahr erfolgen können. Sollte dies jedoch nicht der Fall sein, würden sich die Umsätze in das Jahr 2014 verschieben. Damit im Falle einer Verschiebung der Umsätze die Auswirkungen auf die Erfolgsrechnung nicht zu gross sind, hat die Unternehmensleitung in Bereichen wie Administration und Marketing bereits die Kosten gesenkt. „Wir setzen alles daran, den Aktionären auch 2013 ein gutes Resultat präsentieren und eine attraktive Ausschüttung bieten zu können“, ergänzt Finanzchef Walter Odermatt.

Die Verzögerungen bei der Auslieferung der schweren Nutzfahrzeuge dürften sich negativ auf die Umsatz- und Ergebnisentwicklung im laufenden Geschäftsjahr auswirken. Da kostensenkende Massnahmen bereits eingeleitet wurden, sollte die unerfreuliche Situation nicht voll auf den Betriebsgewinn durchschlagen. Bei Kursen von 375 CHF sind die Aktien gemessen am Ergebnis des Geschäftsjahrs 2012 mit einem moderaten Kurs-/Gewinnverhältnis von 9 bewertet. Selbst wenn der Reingewinn in 2013 um ein Drittel auf rund 2.5 Mio. CHF (oder 31 CHF je Aktie) zurückgehen würde, wäre die Aktie mit einem KGV von knapp 12 nicht zu hoch bewertet. Denn die Situation dürfte sich in 2014 beruhigen, so dass der Gewinn dann wieder überproportional ansteigt. Hinzu kommt, dass die Aktie derzeit mehr als 30% unter dem Buchwert von 550 CHF notiert. Auch die Dividendenrendite ist mit 2.7% attraktiv. Obwohl es nicht auszuschliessen ist, dass der Titel aufgrund der schwierigen Entwicklung im Geschäft mit den schweren Nutzfahrzeugen kurzfristig unter Druck kommt, bleiben die Aktien für Investoren mit einem langfristigen Anlagehorizont und einem Faible für Substanzwerte interessant.

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