Medibank: Liquidation der Privatbank traktandiert

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Die Aktionäre der Zuger Privatbank Medibank wurden gestern zu einer ausserordentlichen Generalversammlung (a.o. GV) am 26. November 2013 in das Hotel Ochsen in Zug eingeladen. Nachdem seit Ende Mai offen war, wie die Zukunft der kleinen Privatbank mit rund 300 Mio. CHF Kundengeldern aussieht, werden an der a.o. GV nun offenbar die Weichen gestellt. Laut Einladung zu der Versammlung wird es neben den Informationen zum Geschäftsgang (Traktandum 1) unter Traktandum 2 eine „Information über den Stand der Verkaufsverhandlungen“ geben. Unter Traktandum 3 will die Gesellschaft über die Liquidation für den Fall des Scheiterns eines Verkaufs informieren. Konkret heisst es in der Einladung: „Der Verwaltungsrat stellt den Antrag, die ordentliche Liquidation der Gesellschaft zu beschliessen, falls bis zum Datum der ausserordentlichen Generalversammlung kein Kaufvertrag mit einem Drittkäufer betreffend Kauf einer Kontrollmehrheit unterzeichnet ist.“ Findet sich also bis zum 26. November kein Käufer, so müssen die Aktionäre über eine Liquidation entscheiden. Offen ist allerdings auch hier, ob die beiden Mehrheitsaktionäre – Hans Rudolf Rahm und Bruno de Nicolò –zustimmen werden. Denn sie verfügen zusammen über die entscheidende Zweidrittelmehrheit. Allerdings sind sie seit rund einem Jahr zerstritten (siehe Blog-Beitrag vom 15.1.).

Dass in den nächsten Wochen noch ein Käufer gefunden wird, scheint laut Bankdirektor Stephan Häberle nach wie vor „realistisch“. Der Verwaltungsrat habe in den letzten Monaten zahlreiche Gespräche geführt, aber wegen des hohen Eigenkapitals der Gesellschaft viele Absagen erhalten, so Häberle. Zudem handelt es sich bei den Kundenvermögen immer noch um einen grossen Anteil Gelder, die aus Deutschland stammen und teilweise unversteuert sind. Häberle betont, dass, selbst wenn an der a.o. GV die Liquidation beschlossen würde, auch anschliessend einem Verkauf nichts im Wege stünde. Denn eine Liquidation sei ein langwieriger Prozess, der viele Monate dauern könne. Die Bank sei verpflichtet, den Betrieb aufrecht zu erhalten, bis der letzte Kunde sein Konto aufgelöst habe. Angesichts der guten Eigenkapitalausstattung der Bank – diese betrug per Ende 2012 noch 36 Mio. CHF oder 1’750 CHF pro Inhaberaktie – werde dies auch kein Problem darstellen. Über die genauen Kosten einer ordentlichen Liquidation und die Folgen für die Aktionäre will das Unternehmen erst am 26. November genauer informieren. In der Einladung war zudem zu lesen, dass die Bank ab dem 27. November die Medibank-Aktien, die sich im Eigenbestand befinden, verkaufen will. Auch dazu soll es erst an der Versammlung weitere Informationen geben.

So wie es derzeit aussieht, schliesst sich bald das letzte Kapitel in der über 30-jährigen Geschichte der Medibank. Was dem Aktionär am Ende noch bleibt, ist derzeit nicht genau abzuschätzen. Offenbar scheint es aber dringend notwendig, dass die Aktivitäten der Bank entweder verkauft werden oder die Bank liquidiert wird, da mit dem aktuellen Aktionariat die für eine Fortsetzung des Betriebs gesetzlich geforderteGewähr für eine einwandfreie Geschäftstätigkeit“ nach dem Streit zwischen den beiden Hauptaktionären nicht mehr gegeben ist. Denn zu den „Gewährsträgern“ gehören nicht nur Verwaltungsrat und Geschäftsleitung einer Bank, sondern auch natürliche oder juristische Personen, die eine „qualifizierte Beteiligung“ an einer Bank halten (siehe http://www.finma.ch/d/faq/beaufsichtigte/seiten/faq-gewaehr.aspx). Derzeit werden die Inhaberaktien zu Preisen um die 520 CHF je Titel gehandelt. Wer zum jetzigen Zeitpunkt die Aktien erwirbt, sollte sich bewusst sein, dass eine Liquidation sehr zeit- und kostenaufwendig ist. Zwar ist davon auszugehen, dass ein Teil der Substanz erhalten bleibt. Offen ist allerdings, wie gross dieser sein könnte. Wahrscheinlich bringt erst die a.o. GV am 26. November etwas mehr Klarheit.

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1 KOMMENTAR

  1. Die Vorgänge rund um die Medibank AG sind leider schon seit geraumer Zeit nicht sehr transparent und werfen in den Details auch einige Fragen auf. Dazu gehört auch die erneute Einberufung einer ao. GV, deren Absage und die erneute Ansetzung für den 13.12.2013. Der Wortlaut der Einladung an die Aktionäre indiziert, dass die Gesellschaft in „Verkaufsverhandlungen“ steckt – mit noch immer ungewissem Ausgang.

    Die (neuen) Verantwortlichen der Medibank AG zeigen für die Zukunft praktisch nur zwei Wege für die Gesellschaft auf:

    1.) einen Verkauf der Medibank AG an Dritte und
    2.) bei einem Scheitern von 1.) die Liquidation.

    Die grundsätzliche Frage, die sich ein Aktionär heute stellen muss, ist, ob es neben diesen beiden „Extremszenarien“ Verkauf (weiss) oder Liquidation (schwarz) nicht noch – bei einem etwaigen Scheitern des Verkaufs – einen 3. Weg im Bereich der Grautöne geben kann, der die Interessen der Aktionäre angesichts des vergleichsweise hohen bilanziellen Eigenkapitals besser reflektiert als eine mutmasslich sehr teure Liquidation der Bank.

    Was würde z.B. konkret dagegensprechen, „nur“ die Banklizenz zurückzugeben und die Medibank AG unter neuem Namen als Beteiligungsgesellschaft fortzuführen, die lediglich ihr eigenes, weit oberhalb der OTC-Kurse liegendes Vermögen verwaltet und mit Augenmass und Sachverstand langfristig im Interesse der Aktionäre zu mehren versucht?

  2. Auch die morgige Generalversammlung am 13. Dezember 2013 findet nicht statt!

    Die Gesellschaft teilt heute mit, dass „aufgrund der fortgeschrittenen Verkaufsverhandlungen sowie nach Rücksprache mit den beiden Hauptaktionären“ der Verwaltungsrat entschieden hat, die 3. ao. Generalversammlung vom 13. Dezember 2013 abzusagen.

    Sobald weitere Informationen vorliegen, werden diese auf schweizeraktien.net veröffentlicht.

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