Medibank AG: Verkauf gescheitert – Grossaktionär treibt die Bank ins Finma-Enforcement

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Die Tage der Zuger MediBank sind gezählt. Bild: schweizeraktien.net
Die Tage der Zuger MediBank sind gezählt. Bild: schweizeraktien.net

Schon Ende letzten Jahres sollten die Aktionäre der Zuger Vermögensverwaltungsbank MediBank AG über den Verkauf ihrer Bank oder die freiwillige Liquidation entscheiden. Doch die angesetzten ausserordentlichen Generalversammlungen der Bank, die unter dem Streit der beiden Hauptaktionäre Hans-Rudolf Rahm (49%) und Bruno de Nicolo (33%) sowie der schweren Last an unversteuerten deutschen Vermögenswerten zu leiden hatte, wurden immer wieder verschoben. Schliesslich stand an der ordentlichen Generalversammlung (GV) am 28.Februar der umtriebige Amerikaner Michael Gale auf, der bekannt gab, dass er für Investoren, Bin Aweidha al Rajhi Holdings Co.LLC aus Abu Dhabi, die Bank kaufen wolle (siehe Blog-Beitrag vom 28.02.14). Kurz vor der GV hatte auch Bruno de Nicolo mit einer Absichtserklärung dem Verkauf zugestimmt, und es sah endlich nach einer Lösung der schwierigen Situation aus. Doch daraus wird jetzt wohl nichts. Denn Rahm sei zwischenzeitlich vom Kaufvertrag zurückgetreten, da der Käufer vertragliche Pflichten nicht erfüllt habe, berichtete Verwaltungsratspräsident Dr. Richard Baumgartner an der heutigen (31.10.) Generalversammlung. Konkret ging es wohl um die Zahlung einer ersten Tranche des Kaufpreises an Rahm, die bisher nicht erfolgte. Zudem habe die Finanzmarktaufsicht Finma der Bank mitgeteilt, dass sie die Bank nicht für verkäuflich halte, erklärte Baumgartner den Aktionären weiter. Schlussendlich teilt die Finma wenige Tage vor der a.o. GV mit, dass der potenzielle Käufer offenbar die notwendige Gewährspflicht nicht erfüllen würde. Kurzum: Die Verkaufspläne scheinen gescheitert zu sein.

Um das Unternehmen vor einer langwierigen und kostenintensiven Liquidation durch die Finma zu bewahren – diese hatte die MediBank bereits Mitte Oktober ins Enforcement und damit einer besonderen Überwachung überstellt – suchte der Verwaltungsrat nach einer für alle Aktionäre vorteilhaften Lösung. Daher sollten die Aktionäre an der a.o. GV über die Rückgabe der Banklizenz und die Umwandlung in eine reine Vermögensverwaltungsgesellschaft befinden. In diesem Fall wären die Kundendepots an zwei Banken übertragen worden, die sich im Vorfeld und nach eingehender Prüfung zur Übernahme der Depotführung bereit erklärt hatten. Ein grosser Teil der rund 30 Mio. CHF Eigenkapital, entsprechend etwa 1500 CHF je Inhaberaktie à 100 CHF nominal, hätte anschliessend an die Aktionäre zurückgeführt werden können. Als Alternative zu diesem Schritt stand nur noch die freiwillige Liquidation im Raum, da eine Weiterführung der Bank angesichts der hohen Investitionen und der unsichereren Erfolgsaussichten nicht mehr verfolgt wurde. Vom Verwaltungsrat wurde eine durch die Finma angeordnete Liquidation als die teuerste und langwierigste Lösung bezeichnet. Denn der Liquidationsertrag würde in diesem Falle nur zwischen 16 und 19 Mio. CHF liegen, und der Prozess würde bis zu zwei Jahre dauern, während die Aktionäre bei der Rückgabe der Banklizenz mit Rückflüssen von 22 bis 25 Mio. CHF binnen zwölf Monaten hätten rechnen können. Doch an der Generalversammlung entschied nicht die Vernunft. Sowohl die Rückgabe der Banklizenz als auch die freiwillige Liquidation, die beide vom Verwaltungsrat vorgeschlagen wurden, fanden nicht bei allen Aktionären Gefallen und scheiterten an der notwendigen Zweidrittelmehrheit der Stimmen. Für die Rückgabe der Banklinzenz sprachen sich 63.5% der Stimmen, für die freiwillige Liquidation 62.1% der Stimmen aus. Da die Abstimmung nicht offen erfolgte, ist nur zu vermuten, dass der ebenfalls anwesende frühere VRP Bruno de Nicolò die Vorhaben mit seinem 33%igen Stimmenanteil blockierte.

Ein Grund für das Verhalten von de Nicolò könnte die gegen ihn angestrebte Klage der Gesellschaft sein, die von ihm die Rückzahlung von ungerechtfertigten Bezügen in Höhe von 3 Mio. CHF verlangt. An der GV wurde bekannt, dass er von 2003 bis 2012 Beratungshonorare in Höhe von 6 Mio. CHF bezogen, ohne dass er dem Verwaltungsrat Rechenschaft über die Leistungen abgelegt habe. Weitere Honorare in Höhe von 7 Mio. CHF sollen zwischen 2003 und 2012 bezogen worden sein. Auch nach seinem Rücktritt als VR im Oktober 2012 bezog de Nicolo nochmals Entschädigungen in Höhe von 335’000 CHF. Bekannt geworden sind die Zahlungen durch eine Sonderprüfung, welche der neu zusammengesetzte Verwaltungsrat Ende 2012 in Auftrag gegeben hatte. Mit der Klage will der neue VR erreichen, dass de Nicolò einerseits Rechenschaft über die Art der erbrachten Leistungen ablegt und andererseits einen Teil der bezogenen Beträge zurückzahlt. Das Verfahren ist noch am Laufen. Ob ein Rückzug der Klage das Abstimmungsverhalten de Nicolòs geändert hätte, darüber kann nur spekuliert werden. Aus Kreisen des Verwaltungsrates der MediBank hört man, dass es verschiedene Versuche gegeben haben soll, ihn zum Einlenken zu bewegen. Offenbar jedoch vergeblich, wie das Abstimmungsresultat zeigt.

Wie es nun weiter geht, ist offen. Allerdings ist man bei der MediBank auch vor Überraschungen und unerwarteten, auch kurzfristigen Richtungswechseln nicht gefeit, wie die Entwicklungen der vergangenen Jahre zeigen. Wenn sich der aktuelle Verwaltungsrat der MediBank entscheiden sollte, zurückzutreten, dürfte wohl die Finma endgültig das Zepter übernehmen, falls es kurzfristig keine Finma-fähige Alternative gibt. Doch auch ohne den Rücktritt ist damit zu rechnen, dass die Finanzaufseher aus Bern nun die Liquidation der Medibank anordnen werden, sofern aus Sicht der Aktionäre nicht noch „ein Wunder“ passiert. Die Assetbasis ist zwischenzeitlich auf 250 Mio. CHF zusammengeschmolzen. Zwar sind die vorhandenen Vermögen mittlerweile grösstenteils deklariert. Allerdings reichen sie nicht für eine Weiterführung des Geschäfts aus. Allein bis Ende September 2014 haben sich die Verluste der MediBank durch die Geschäftstätigkeit auf 415’000 CHF kumuliert. Dies sind zwar deutlich weniger Verluste als im Vorjahr. Dennoch reichen die Erträge nicht aus, um das Geschäft profitabel weiterführen zu können. Zudem zweifelt die Finma schon heute daran, dass das derzeitige Geschäftsmodell ausreicht, um den Geschäftsbetrieb nachhaltig sicherzustellen. Es dürfte daher nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die Liquidation angeordnet wird. Zu lange haben die Aufseher auf ein positives Zeichnen aus Zug gewartet. Auf ein Märchen aus „Tausendundeinernacht“ werden sie sich wohl nicht mehr einlassen.

Für die Kleinaktionäre der MediBank ist die Situation sehr ärgerlich und unbefriedigend. Sie verlieren durch den Streit der zwei Grossaktionäre, der die Bank seit langer Zeit lähmt und in ihrer Handlungsfähigkeit und den Entwicklungsperspektiven beschränkt, einen Teil ihres Vermögens. Angenommen, die Liquidation wird durch die Finma angeordnet und überwacht, so dürften sie nach Schätzung des derzeitigen Verwaltungsrates noch rund 16 bis 19 Mio. CHF an Liquidationsertrag erwarten. Dies entspricht 800 bis 950 CHF je Inhaber- und 200 bis 237 CHF je Namenaktie. Die Kurse für beide auf OTC-X gehandelte Aktienkategorien liegen in diesem Bereich. In der für die Aktionäre in den Simulationen des Verwaltungsrats deutlich vorteilhafteren Variante „Rückgabe der Banklizenz und Umwandlung in eine Vermögensverwaltungsgesellschaft“, wie an der heutigen GV (31.10.14) traktandiert und wegen des notwendigen 2/3-Quorums aber abgelehnt, hätte der Erlös in der Rechnung des Verwaltungsrats zwischen 22 und 25 Mio. CHF (1100 bis 1250 CHF je Inhaber- und 275 bis 312,50 CHF je Namenaktie) liegen sollen. Aktienkurse von über 3000 CHF (Inhaber) bzw. 800 CHF (Namen) wie in Spitzenzeiten werden jedoch nie wieder erreicht werden. Es ist bedauerlich, dass die beiden Hauptaktionäre und auch (ehemaligen) Verwaltungsräte nicht schon früher auf die sich abzeichnenden Entwicklungen im Offshore-Banking reagiert und auch ihre Lösung der Nachfolge nicht rechtzeitig an die Hand genommen haben. Stattdessen verstrickten sie sich in einen aus der Aussenperspektive emotionalen, persönlichen Streit, der die Gesellschaft nun voraussichtlich in eine von Amts wegen angeordnete Liquidation treibt und alle Aktionäre schädigt. In diesem gesamten Prozess wurde bisher sehr viel an Wert und Vertrauenskapital zerstört. Sehr bedauerlich ist auch, dass sich der zweite Grossaktionär Bruno de Nicolò heute – da selbst anwesend – nicht zu seinen Motiven geäussert oder gar ein eigenes Konzept und Alternativen für die Zukunft präsentiert hat. Dies auch, weil er sich sinngemäss und ohne weitere Erläuterungen nur dahingehend äusserte, mit den Vorschlägen der Verwaltung „nicht einverstanden“ zu sein.

Zudem stimmen die erst heute in ihren Details bekannt gewordenen, grosszügigen Honorarzahlungen an den ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten nachdenklich. Denn sie sind Wasser auf die Mühlen derer, die nicht nur bei den Grossbanken, sondern auch bei den kleineren Banken Masslosigkeit anprangern. Und am Ende des Tages auch zu mehr Regulierung führen. Die früher – übrigens auch von mir – als kleine und feine Bank bezeichnete MediBank hat damit auch ihrer Berufsgattung einen Bärendienst erwiesen.

3 KOMMENTARE

  1. Wir hatten bis gestern einen Leser-Kommentar auf unserer Website freigeschaltet, der sich insbesondere mit Michael Gale und seinen bisherigen Geschäftsaktivitäten auseinandersetzte. Nach unseren Recherchen in den letzten Monaten haben wir bezüglich des Hintergrunds von Michael Gale zwar Unstimmigkeiten festgestellt, die teilweise auch in unserem Blog dokumentiert sind. Allerdings gibt es keine ausreichenden Hinweise dafür, dass es sich hier um betrügerische Aktivitäten handelt. Daher haben wir uns entschlossen, den Kommentar – übrigens nach der Intervention von Michael Gale persönlich – vom Netz zu nehmen. Dies insbesondere, da wir nicht über die Aktivitäten Dritter im Fall MediBank involvierter Parteien urteilen wollen. Unser Augenmerk liegt vor allen Dingen auf einer Lösung, welche die Interessen ALLER MediBank-Aktionäre berücksichtigt. Hier werden wir auch künftig die Arbeit von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung kritisch begleiten. Auch bleiben wir bei unserer Einschätzung, dass bei den Verkaufsverhandlungen mit Gramercy Group/Bin Aweidha von den Hauptaktionären und dem Verwaltungsrat nicht mit der notwendigen Sorgfalt vorgegangen bzw. rechtzeitig Alternativen evaluiert wurden. Allerdings waren und sind die Umstände für die handelnden Personen auch nicht einfach. Es bleibt weiterhin zu hoffen, dass es noch zu einer guten Lösung für alle Aktionäre der MediBank kommt.

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