Hochalpines Institut Ftan: Traditionsreiche Schule vor dem Aus – a.o. GV Ende August soll Auflösung beschliessen

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Hochalpines Institut Ftan AG, Quelle: www.hif.ch
Hochalpines Institut Ftan AG, Quelle: www.hif.ch

Die Geschichte des nur sehr selten auf OTC-X gehandelten Hochalpinen Instituts Ftan AG (HIF) lässt sich bis ins Jahr 1793 zurückverfolgen, als der Unterengadiner Pfarrerssohn Andrea Rosius à Porta das Institut à Porta – nach eigenen Angaben gleichzeitig die älteste Engadiner Privatschule – in Ftan gründete.

Zu wenig Schüler – zu wenig liquide Mittel

Diese mehr als 200-jährige Schultradition steht jetzt vor einem plötzlichen Ende aus wirtschaftlichen Gründen, da der Betrieb nicht länger rentabel geführt kann und auch die Löhne nicht mehr bezahlt werden können. Die Gründe für die Einstellung des Betriebs sind, wie die Südostschweiz vom 21. Juli 2015 unter Bezugnahme auf die Gesellschaft berichtete, „zu wenig Schüler, zu wenig finanzielle Mittel und keine Aussicht auf Besserung„. In einem Interview mit der Südostschweiz (Online-Ausgabe vom 21. Juli 2015) äussert sich der erst seit Januar 2015 amtierende, neue Verwaltungsratspräsident Dr. Johannes Flury zu den Hintergründen des – trotz bekannter Schwierigkeiten – für viele Beteiligten zu diesem Zeitpunkt offenbar sehr überraschenden, „schockierenden und unfassbaren“ Schritts.

Im Gespräch erwähnt Flury, dass alle Reserven jetzt aufgebraucht seien und dass „wir laufend in ein Liquiditätsproblem hineinlaufen„. Alles Geld der Schule stecke im Schulgebäude, während die Ertragslage aufgrund ständig sinkender Schülerzahlen rückläufig sei und die Kosten des Betriebs nicht mehr decke. Und weiter: „Wir können per Ende Oktober die Löhne nicht mehr bezahlen.“

Eine schulische Zukunft für das HIF sieht VRP Flury nur noch, wenn jemand mit acht bis zehn Millionen Franken kommen würde und das Haus von Grund auf anders aufbauen würde.“ Der Verwaltungsrat sieht indes auf der aktuellen wirtschaftlichen Basis keine Zukunft mehr für das Hochalpine Institut Ftan AG, weshalb einer ausserordentlichen Generalversammlung am Montag, 31. August 2015 (SHAB v. 28. Juli 2015), die Auflösung der Gesellschaft infolge Insolvenz vorgeschlagen wird.

Sollte sich hinsichtlich der Immobilie keine andere Lösung z.B. unter Einbezug der Gemeinden ergeben, dürfte eine konkursamtliche Versteigerung des Hauses in der Konsequenz zu anderen Nutzungskonzepten – mutmasslich auch unter Ausschluss der bisherigen Aktionäre – führen.

Das Aktienkapital der Hochalpines Institut Ftan AG in Höhe von 1’727’250 CHF ist eingeteilt in lediglich 11’515 Namenaktien à 150 CHF nominal. Bei einem zuletzt am 28. Juli 2015 bezahlten OTC-X-Kurs von 50 CHF ergibt sich eine Kapitalisierung des – vorbehältlich anderer, überraschender „Last-Minute-Lösungen“ auf der Zielgeraden – vor der Insolvenz stehenden Instituts von nur noch gut 0.5 Mio. CHF. Die HIF-Aktie wurde in den zurückliegenden Jahren nur extrem selten gehandelt, was auf einen sehr festen Aktionärskreis hindeutet.

Der Verwaltungsrat beantragt der kommenden ausserordentlichen Generalversammlung vom 31. August 2015 die Feststellung der Zahlungsunfähigkeit und den Beschluss, dass beim Konkursrichter die Insolvenzerklärung abgegeben wird. Der Verwaltungsrat wird ferner beauftragt, dem Konkursrichter die Auflösung der Gesellschaft infolge Zahlungsunfähigkeit zu beantragen.

Ob Aktionäre bei einer Auflösung nach einer Insolvenz in der vorliegenden Konstellation überhaupt noch irgendwelche Vermögensrückflüsse haben würden, kann an dieser Stelle nicht seriös prognostiziert werden. Ein wirtschaftlicher Totalverlust ist jedenfalls nicht auszuschliessen.

1 Kommentar

  1. Tatsächlich scheint sich für die von der Liquidation infolge Zahlungsunfähigkeit bedrohte Hochalpine Instituts Ftan AG auf der Zielgeraden eine „Last-Minute-Lösung“ abzuzeichnen, die die Weiterführung der Gesellschaft zum Ziel hat.

    Wie aus einer heute im Schweizerischen Handelsamtsblatt (www.shab.ch) veröffentlichten Mitteilung hervorgeht, wird die vorgesehene ausserordentliche Generalversammlung vom
    31. August 2015 zur Auflösung der Gesellschaft – über die wir jüngst berichtet hatten – annulliert.

    Im Hinblick auf die nunmehr geplante Weiterführung der Gesellschaft werden die Aktionäre neu zu einer ausserordentlichen Generalversammlung am Samstag, 19. September 2015, 15.00 Uhr, in die Aula des Hochalpinen Instituts Ftan eingeladen.

    Dabei soll der Verwaltungsrat komplett neu besetzt werden.

    Die amtierenden Verwaltungsräte haben ihren Rücktritt zum 19. September 2015 erklärt.

    Neu stellen sich für die beabsichtigte Weiterführung folgende Personen für den Verwaltungsrat zur Verfügung:

    – Frau Beatrice Tschanz
    – Herr Christian Fanzun
    – Herr Paul Häring
    – Herr Sven A. Kohler und
    – Herr Jon Peer

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