Sunstar Holding: Hotelgruppe steigert Profitabilität im Sommer 2015 – Harzige Wintersaison 2015/16 wegen Schneemangel

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Das Sunstar-Hotel in Grindelwald. Bild: www.sunstar.ch
Das Sunstar-Hotel in Grindelwald. Bild: www.sunstar.ch

Die Sunstar Holding AG konnte trotz rückläufiger Übernachtungszahlen das Ergebnis im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2015/16 verbessern, wie das Unternehmen in einer Medienmitteilung schreibt. Im Zeitraum zwischen Mai und Oktober 2015 verzeichnete die Hotelgruppe ein leichtes Minus der Übernachtungszahlen von 0.9% respektive minus 1’300 Logiernächten auf 149’600. Die Entwicklung der einzelnen Häuser verlief sehr unterschiedlich: Während in den beiden Betrieben im Berner Oberland Rekordwerte mit einem Plus von 14% und sogar 39% in Wengen realisiert wurden, mussten die übrigen Schweizer Betriebe einen Rückgang verzeichnen. Verantwortlich für die unterschiedlichen Entwicklungen seien die erhöhte Nachfrage von Gästen aus dem nahen und fernen Osten im Berner Oberland und die rückläufigen Besucherzahlen aus dem Euroraum. Die Betriebe im Wallis, Tessin und Graubünden werden traditionell stark von Gästen aus dem europäischen Ausland frequentiert. Besonders markant sei das Minus der Gäste aus Deutschland mit minus 41% gewesen, schreibt Sunstar weiter. Etwas kompensiert werden konnte der Rückgang durch das Plus von 0.9% bei den inländischen Gästen, die von den guten Wetterbedingungen profitierten.

Kostenreduktionen erlauben Ergebnissteigerung

Auf der Einnahmenseite verbuchte die Sunstar-Gruppe einen Rückgang um 0.5% auf 21.2 Mio. CHF. Während das Beherbergungsgeschäft sogar ein Plus von 3% auf 10 Mio. CHF erzielte, fielen die Restaurationserträge um 3.6% auf 8.6 Mio. CHF. Die übrigen Erträge und Nebenleistungen sanken um 3.3% auf 2.6 Mio. CHF. Auf der Ausgabenseite gingen die direkten Personalkosten, die gleichzeitig den grössten Kostenblock darstellen, mit minus 4.3% auf knapp 8.6 Mio. CHF zurück. Noch stärker fielen mit 6.4% auf 2.7 Mio. CHF die Warenkosten, während die direkten betrieblichen Aufwendungen um 5.9% auf 1.8 Mio. CHF anstiegen. Hieraus resultierte ein um 4.6% auf 8.15 Mio. CHF gesteigerter Bruttobetriebserfolg. Auch die übrigen Aufwendungen konnten um 4.1% auf 5.2 Mio. CHF gesenkt werden. Die grössten Einsparungen wurden im Bereich Marketing mit minus 8.6% erreicht. Auch im Bereich der übrigen betrieblichen Aufwendungen und Unterhaltskosten wurden markante Reduktionen von 6.3% respektive 9.2% erzielt. So stieg der Bruttobetriebsgewinn um 25% auf 2.9 Mio. CHF an. Trotz eines investitionsbedingten Anstiegs der Sachabschreibungen um 8% auf 3.2 Mio. CHF wurde das Betriebsergebnis (EBIT) von minus 1 Mio. CHF im Vorjahr auf minus 0.7 Mio. CHF verbessert. Trotz deutlich höherer Steuern resultierte so ein Reinverlust von 1.3 Mio CHF nach einem Verlust von 1.6 Mio. CHF im Vorjahr. Bei Sunstar fällt im Sommer analog zahlreicher Bergbahnen traditionsgemäss ein Verlust an, da die Betriebe in den Sommermonaten deutlich weniger stark frequentiert werden als im Winter.

Schwacher Wintersaisonstart 2015/16

Die für Sunstar wichtige Wintersaison hat schwach begonnen. Als Hauptgrund führt das Unternehmen im Semesterbericht die verschlechterte Währungssituation als Folge der Aufhebung der Euro-Unterstützung durch die Schweizerische Nationalbank an. So habe die Saison, wie zu befürchten war, schwach begonnen, schreibt Sunstar. Per Ende Dezember 2015 resultierte bei den Übernachtungen und bei den Umsätzen ein Minus von jeweils 14%. Vor allem die Gäste aus dem Euroraum fehlen der Hotelgruppe. Den grössten Rückgang verzeichnete Sunstar mit minus 48% bei den Besuchern aus Deutschland. Als weiterer belastender Faktor erwiesen sich die geringen Schneemengen. Diese führten zu einer zusätzlichen Reduktion der kurzfristigen Buchungen während der Feiertage, weswegen auch die Frequenzen aus dem Inland um 2.6% zurückgingen. Bei idealen Wetter- und Schneebedingungen wird eine gegenüber dem schwachen Vorjahr bessere zweite Wintersaisonhälfte möglich. Allerdings muss dennoch für die gesamte Wintersaison und dementsprechend für das Geschäftsjahr 2015/16 mit einem deutlichen Rückgang der operativen Ergebnisse gerechnet werden.

Die Zahlen für das erste Semester des Geschäftsjahrs 2015/16 fallen erfreulich aus. Doch diese positive Entwicklung des für Sunstar nur zweitrangigen Sommergeschäfts wird von der sich abzeichnenden deutlichen Abschwächung des Winterhalbjahres überschattet. Eine Rückkehr zu schwarzen Zahlen dürfte selbst bei einem sehr positiven Saisonschluss nicht möglich sein. Dank der bereits im Sommer eingeleiteten weiteren Kostensparmassnahmen dürfte es Sunstar allerdings gelingen, zumindest auf der Stufe EBIT eine schwarze Null auszuweisen. Mit der Zielsetzung, die Investitionen auf die Höhe des erzielten Cashflows zu begrenzen, ist zudem zumindest kurzfristig kein Mittelabfluss zu befürchten, zumal Sunstar auch bei den Krediten über sehr gute Konditionen verfügt, welche die Finanzaufwendungen tief halten. All dies trägt dazu bei, dass die Substanz als wichtigstes Asset der Gruppe gehalten werden kann. Somit ist die Gruppe nicht nur dank der soliden Bilanz in der Lage, problemlos eine längere Durststrecke zu überstehen, ohne in ernsthafte Schwierigkeiten zu geraten. Doch selbst für den wenig wahrscheinlichen Fall von erheblichen finanziellen Problemen verfügt Sunstar mit dem Grossaktionär Dr. Peter Grogg über einen „Rettungsanker“. Bislang hat sich dieser stets zur Hotelgruppe bekannt und wird notfalls auch den Betrieb unterstützen.

Die Aktien von Sunstar sind auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gelistet. Auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 900 CHF werden die Papiere mit einem Abschlag von knapp 20% zum Buchwert per 31. Oktober 2015 gehandelt. Eine Bewertung der Papiere auf der Basis des KGV scheidet wegen des zu erwartenden Verlustes aus. Auch dürfte die Rückkehr zu Dividendenzahlungen in weite Ferne gerückt sein. Indessen verfügt die Aktie für Anleger mit einem Faible für Substanzwerte durchaus über gute Anlagequalitäten. Wie allerdings bei den meisten ausserbörslich gehandelten Aktiengesellschaften üblich, dürfte es für den freien Aktionär nicht möglich sein, die Substanz zu realisieren. Dies wäre allenfalls bei einer Aufgabe des Hotelbetriebs und dem Umbau der Betriebe zu Wohneinheiten, die derzeit keinesfalls zu erwarten ist, denkbar. Die Aktionäre erhalten allerdings anstelle einer Dividende Aktionärsbons von 40 CHF pro Aktie. Diese Bons können zur Bezahlung von Übernachtungen bis zu 50% der Rechnungssumme – mit Treuekarte sogar bis zu 60% – ausserhalb der Hauptsaison im Winter verwendet werden. Für diejenigen Anleger, welche die Vergünstigungen nutzen können, bieten die Titel eine attraktive Rendite, die alleine auf der Basis der Bons bei 4.4% liegt. Oftmals bietet Sunstar den Aktionären sogar noch weitere Sonderkonditionen während buchungsschwachen Tagen an. Für Investoren, welche diese Angebote nutzen können, eignen sich die Titel zur Depotbeimischung, während die Aktie derzeit ansonsten wenig Potenzial bietet.

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