Beau-Rivage Palace: Übernahme des Château d’Ouchy lässt Umsätze steigen, gute Sommersaison – Prognose bis Jahresende schwierig

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Das Beau-Rivage Palace in Lausanne profitierte von einem schönen Sommer. Bild: www.brp.ch
Das Beau-Rivage Palace in Lausanne profitierte von einem schönen Sommer. Bild: www.brp.ch

Die Lausanner Hotelgruppe Beau-Rivage Palace SA (BRP) profitierte im ersten Semester 2016 von der Integration des Château d’Ouchy in das Unternehmen, die per 1. Januar 2016 erfolgt war. Das Château ist allerdings, wie die Gesellschaft im aktuellen Semesterbericht schreibt, nur gemietet und wurde nicht von der Beau-Rivage Palace SA erworben. Zum neuen Haus gehören 50 Zimmer, ein Restaurant und eine Bar. Hauptsächlich wegen der erstmaligen Konsolidierung des neuen Betriebs konnte die BRP die Semesterumsätze im Vorjahresvergleich um 13.6% auf 31.8 Mio. CHF erhöhen. Allerdings gelang es dem Unternehmen, trotz des Wegfalls des Iran-Gipfels, der im Vorjahr die Umsätze positiv beeinflusste, die Einnahmen in den beiden Stammhäusern um 0.5% zu steigern. Positiv entwickelte sich insbesondere das 5-Sterne-Haus Beau-Rivage Palace mit einem Anstieg der Beherbergungsumsätze um 1.5% auf 9.4 Mio. CHF. Das Plus konnte wegen des höheren Durchschnittspreises pro Zimmer von 565 CHF nach 546 CHF im Vorjahr erzielt werden.

Zimmerbelegungsquote geht leicht auf 53.9% zurück

Deutlich wird dies bei der von 55.4% im 2015 auf 53.9% gefallenen Zimmerbelegungsquote. Nach einem guten Jahresstart belastete der regenreiche Juni die Einnahmen aus dem Restaurationsgeschäft, das im Vergleich zum Vorjahr dennoch ein Plus von 2% auf 9.9 Mio. CHF erzielte. Deutliche Einbussen verzeichneten die Nebenerträge mit minus 5% auf 3.9 Mio. CHF. Wie die BRP mitteilt, waren die Vorjahreswerte vor allem durch den Irangipfel höher ausgefallen. Im 4-Sterne-Haus Angleterre & Residence konnte ebenfalls ein Anstieg der Beherbergungserträge um 3.1% auf knapp 2.6 Mio. CHF verbucht werden. Trotz des schwierigen Umfelds ist es gelungen, den durchschnittlichen Zimmerpreis auf dem Vorjahresniveau von 268 CHF zu halten, teilte die BRP mit. Bei der Zimmerauslastung konnte ein Anstieg von 67.3% im Vorjahr auf 69% erzielt werden. Ein leichtes Minus von 0.5% auf 2.2 Mio. CHF verzeichneten allerdings die Restaurationserträge. Zu den Konzerneinnahmen steuerte das Château d’Ouchy Restaurations- und Beherbergungserträge von je 1.8 Mio. CHF bei. Die durchschnittliche Zimmerbelegung des 4-Sterne-Hauses lag mit 73% über derjenigen des Angleterre, während der durchschnittliche Preis in beiden 4-Sterne-Betrieben gleich war.

Höherer Zimmerpreis lässt Beherbergungsanteil steigen

Wegen des höheren Zimmerpreises im Haupthaus stieg der Anteil der Beherbergungserträge im Vorjahresvergleich um 1.4% auf 43.3% der Einnahmen an. Dies machte sich gleichzeitig auch positiv bei den Gewinnmargen bemerkbar. Allerdings wirkte sich der traditionell hohe Anteil der Restaurationserträge des neuen Betriebs negativ auf die Margen aus. Dennoch sei es unter dem Strich gelungen, die Bruttobetriebsmarge leicht von 39.5% auf 39.6% zu steigern, schreibt die BRP ihren Anteilseignern. Wegen der anderen Betriebsstrukturen in Ouchy zogen die Personalausgaben überproportional um 14.5% auf 15.3 Mio. CHF an. Die Integration des neuen Betriebs liess auch die Betriebskosten um 10.3% auf 3.4 Mio. CHF ansteigen. Deutlich höher fielen auch die Ausgaben für das Marketing mit 1.5 Mio. CHF nach 1.2 Mio. CHF im Vorjahr aus. Das neue Haus liess auch die Mietausgaben um 0.4 Mio. CHF auf 0.7 Mio. CHF anwachsen. Im Ergebnis resultierte ein Plus des Betriebsgewinns vor Abschreibungen (EBITDA) von 7.4% auf 3.6 Mio. CHF. Die ordentlichen Abschreibungen gingen leicht um 0.1 Mio. CHF zurück, was zu einem positiven EBIT von 0.3 Mio. CHF nach einer roten Null im Vorjahr führte. Nach den Finanzierungsausgaben in Vorjahreshöhe von 0.7 Mio. CHF musste unter dem Strich ein Verlust von 0.4 Mio. CHF nach einem Verlust von 0.1 Mio. CHF ausgewiesen werden. Der höhere Verlust basiert auf dem Wegfall ausserordentlicher Erträge von 0.6 Mio. CHF im Vorjahr.

Schwierige Prognose für das Gesamtjahr trotz gutem Sommergeschäft

Nach einem durchschnittlichen Juli überraschte der August 2016 positiv. Dies gelte vor allem für das Beherbergungsgeschäft im 5-Sterne-Haus, so das Unternehmen. Das schöne Wetter wirkte sich positiv auf die Nutzung der Terrassenrestaurants aus. Eher enttäuschend ausgefallen sei hingegen das Bankettgeschäft, was auf die renovationsbedingte Schliessung des wichtigen Saals Sandoz im August zurückgeht. Bis Ende August haben die Umsätze mit einem Gesamtwert von 46.1 Mio. CHF die Vorjahreswerte um 13.2% übertroffen. Der Löwenanteil des Zuwachses geht widerum auf den Betrieb in Ouchy zurück, während in den beiden anderen Häusern ein Plus von 0.3% erreicht wurde. Dank der Reservationen in letzter Minute entwickelten sich die Erträge im September exzellent. Das Oktobergeschäft verlief nach Angaben der BRP besser als in den ursprünglich pessimistischen Prognosen angenommen. Dennoch sei es sehr schwierig, eine Prognose für das Gesamtjahr zu erstellen, teilt die BRP weiter mit. Noch nicht abschätzbar seien die Auswirkungen der neuen Konkurrenz in Lausanne, die sich bislang vor allem im Restaurationsgeschäft bemerkbar machte.

Die Geschäftszahlen der BRP des ersten Semesters 2016 können angesichts des schwierigen Umfelds als erfreulich angesehen werden. Keinesfalls übersehen werden dürfen bei der Beurteilung der Zahlen der Erfolgsrechnung die hohen Sachabschreibungen, welche höher ausfallen dürften, als dies betrieblich notwendig ist. Sehr positiv zu bewerten ist, dass es dem Unternehmen gelang, im 5-Sterne-Haus die Zimmerpreise zu erhöhen und die Preise im 4-Sterne-Haus zu halten. Das veränderte Buchungsverhalten mit sehr kurzfristigen Buchungen gepaart mit kürzeren Aufenthaltszeiten der Gäste erfordert eine hohe Flexibilität und lässt den Aufwand ansteigen. Dennoch ist es der BRP gelungen, die Margen zu steigern, was dem umsichtigen Kostenmanagement zuzuschreiben ist. Als nicht nur im Branchenvergleich solide angesehen werden kann die Bilanz mit einer Eigenmittelquote von 38% per 30. Juni 2016. Zwar ist der Eigenfinanzierungsgrad damit gegenüber dem Jahresende 2015 um 2% gesunken. Diesem steht allerdings der zum Ende des Semesters erfolgte Kauf des Areals einer stillgelegten Garage gegenüber, welches zur Verbesserung der Anfahrt genutzt wird.

Bislang keine spürbaren Auswirkungen auf den Geschäftsgang hat das neue 5-Sterne-Hotel in Lausanne, das erst per 1. Juni 2016 vollständig inklusive aller Dienstleistungen eröffnet wurde. Als grosse Stütze für die BRP kann auch der Ankeraktionär angesehen werden, der für die tiefen Finanzierungskosten massgeblich verantwortlich ist.

Die Aktien der BRP werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 210 CHF weisen die Titel ein sehr hohes KGV von über 100 auf der Basis des Reingewinns auf. Allerdings ist dieser Wert wegen der hohen Sachabschreibungen zu relativieren. Somit kommt vor allem das in der Finanzanalyse anerkannte Enterprise-Value/EBITDA-Verhältnis für die Ermittlung des fairen Werts in Betracht. Dieses fällt allerdings mit knapp 23 für 2015 sehr hoch aus und signalisiert keinesfalls eine Unterbewertung der Papiere. Hinfällig ist eine Beurteilung der Dividendenrendite, da die Gesellschaft für 2015 erstmalig keine Ausschüttung mehr machte. Es erscheint zumindest wenig wahrscheinlich, dass für 2016 wiederum eine Ausschüttung erfolgen wird. Ein anderes Bild der Bewertung der BRP lässt der Substanzwert zu. Auch wenn dieser nur geschätzt werden kann, dürfte dieser deutlich über dem ausgewiesenen Buchwert liegen. Dessen Ermittlung ist für Aussenstehende nahezu unmöglich.  Dennoch sind erhebliche stille Reserven im Anlagevermögen zu vermuten, weswegen der Aktienkurs im Hinblick auf den Substanzwert eher günstig sein dürfte. Eine Realisierung der Reserven erscheint indessen angesichts des langfristig agierenden Mehrheitsaktionärs, der am Hotelbetrieb festhält, nicht denkbar. Für die freien Aktionäre bleibt indessen die attraktive Naturaldividende in der Form eines Apéro riche an der Generalversammlung.

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