WWZ-Gruppe: Wertkorrekturen und schwache Finanzmärkte drücken auf den Gewinn des Versorgers

Dividende sinkt um 30 auf 400 CHF

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Das Projekt Circulago ist auf Kurs. Hier abgebildet v.l.: André Wicki (Bauchef Stadt Zug), Isabelle Flachsmann (Taufpatin des abgebildeten Bohrkopfs), Andreas Widmer (CEO WWZ). Quelle: WWZ AG

Die WWZ-Gruppe (früher Wasserwerke Zug) steigerte in 2018 die Umsätze erneut um 2,4% auf 251 Mio. CHF. Einen deutlichen Rücksetzer verzeichnete die WWZ AG indessen beim konsolidierten Reingewinn, der um 34,8% auf 26.4 Mio. CHF fiel. Das Unternehmen, das einen ansehnlichen Wertschriftenbestand besitzt, litt unter der schwachen Entwicklung an den Finanzmärkten.

Zudem sah sich die WWZ gezwungen, eine Wertkorrektur auf der Beteiligung an der Quickline im Umfang von 6.8 Mio. CHF zulasten der Erfolgsrechnung zu verbuchen. Die Quickline ist zusammen mit der WWZ und weiteren 22 Netzbetreibern in einem Verbund zusammengeschlossen und versorgt rund 400’000 Haushalte mit Kabelnetzdienstleistungen. Hierfür verrechnet die Quickline Provisionen an die Betreiber. Diese (zu) hohen Kosten veranlassten die WWZ dazu, die Quickline zu einem neuen Geschäftsmodell mit deutlich geringeren Aufwendungen für die Netzbetreiber zu drängen, wie WWZ-CEO Andreas Widmer an der Analystenkonferenz in Zug informierte. Dies führte wiederum zu umfangreichen Sonderabschreibungen bei der Quickline selbst, die zu einer Wertminderung der Beteiligung führten.

So resultierte ein negatives Nettofinanzergebnis von minus 4.6 Mio. CHF nach einem Vorjahresgewinn von 4 Mio. CHF. Ohne diese Korrekturen konnte dennoch bei den Finanzanlagen eine positive Performance von 1,5% erzielt werden.

Strom bleibt Hauptgeschäft

Der Hauptanteil der Umsätze bei der WWZ entfiel auf die Stromverkäufe, die um 1% auf 95.1 Mio. CHF zulegten. Dabei ging allerdings der Stromabsatz um 3,5% auf 832 Millionen Kilowattstunden (KWh) zurück. Dank der höheren Strompreise stiegen die Einnahmen dennoch an. Massgeblich für das Absatzminus waren die Rückgänge bei den Marktkunden ausserhalb des eigenen Versorgungsgebiets. Diese können ihren Stromanbieter frei wählen. Um solche Kunden zu gewinnen, sind Marketinganstrengungen notwendig, die die WWZ im Vorjahr unterlassen hat, was wiederum dazu führte, dass auslaufende Verträge nicht erneuert wurden.

Das deutlich wärmere Wetter als im Vorjahr verursachte einen leichten Verbrauchsrückgang um 0,6% im eigenen Versorgungsnetz. Die grosse Trockenheit hatte zu tiefe Wasserstände der Lorze zur Folge, was wiederum zu einem Minus der Energieproduktion von 35,4% auf 18,8 Mio. KWh führte.

Noch deutlicher fiel der vor allem witterungsbedingte Rückgang der Gasabsätze mit minus 3,2% auf 512 Millionen KWh aus. Allerdings konnte die WWZ die Anzahl der Abgabestellen um 1,2% auf 3’138 erhöhen und das Gasnetz um 2 auf 282 Kilometer erweitern. Die Umsätze aus dem Gasgeschäft legten wegen der auch hier höheren Preise um deutliche 13,2% auf 34.1 Mio. CHF zu.

Telekom wächst im schwierigen Umfeld weiter

Trotz des harzigen, von einem grossen Wettbewerbsdruck geprägten Geschäfts konnte die Telekommunikationssparte der WWZ ihre Einnahmen um 7,6% auf 72.9 Mio. CHF steigern. Hierzu trug die um 0,5% wachsende Zahl der digitalen Grundanschlüsse ebenso bei wie das deutliche Plus von 38% im Bereich der Mobilkommunikation. In der Festnetztelefonie profitierte die WWZ von der Abschaltung des analogen Telefonnetzes der Swisscom und gewann so zusätzliche Kunden.

Ein Plus von noch 3% verzeichneten die Internetservices. Allerdings ist auch hier keine grosse Fantasie mehr vorhanden, berichtet Widmer. Die starke Marktdurchdringung der Haushalte mit Internet begrenzt die Wachstumschancen.

Weiter ausgebaut wurde die Infrastruktur. So bietet die WWZ allen Kunden im Kanton Luzern eine flächendeckende Versorgung mit einer Geschwindigkeit von 100 Gigabyt pro Sekunde an. Im Kanton Zug wird das Netz aktuell ebenfalls auf diese Geschwindigkeit aufgerüstet.

Aufwände steigen an

Den Mehrumsätzen von 2,4% steht ein Anstieg der Betriebsaufwendungen um 8,4% auf 159.1 Mio. CHF gegenüber. Wegen der höheren Marktpreise für Strom und Gas kletterten die Beschaffungskosten um 8,2% auf 78.8 Mio. CHF. Der Personalbestand wuchs um 24 auf 431 Mitarbeitende, was den entsprechenden Aufwand um 8,9% auf 51 Mio. CHF anschwellen liess. Die Material- und sonstigen Betriebsaufwendungen zogen um 7,9% auf 29 Mio. CHF an.

Im Ergebnis führte dies zu einem Minus des Betriebsgewinns vor Abschreibungen EBITDA um 6,6% auf 91.9 Mio. CHF. Investitionsbedingt stiegen die Sachabschreibungen um 1 Mio. CHF auf 49.2 Mio. CHF an, was sich in einem Rückgang des EBIT von 14,9% auf 42.8 Mio. CHF niederschlug. Hierbei zu berücksichtigen ist ein Sonderertrag von 8.7 Mio. CHF in 2017 aus einem Landtauschgeschäft mit der Stadt Zug, der zugunsten der Umsätze verbucht wurde. Bereinigt um diese Transaktion stieg das EBIT im Vergleich zum Vorjahr um 1.1 Mio. CHF.

Auf das Reinergebnis negativ ausgewirkt haben sich die vorerwähnten Wertkorrekturen und die tieferen Wertschriftengewinne. Allerdings gingen dank des tieferen Gewinns die Steuern um 1.4 Mio. CHF auf 6.7 Mio. CHF zurück. Im Ergebnis resultierte ein Gewinnminus um 14.1 Mio. CHF auf 26.4 Mio. CHF. Die Aktionäre erhalten eine gegenüber dem Vorjahr um 30 CHF auf 400 CHF gekürzte Dividende.

Projekte auf Kurs

Im laufenden Jahr befindet sich die WWZ eigenen Darstellungen zufolge auf Kurs. So konnten im ersten Quartal die Verluste bei den Finanzanlagen wieder egalisiert werden. Im Telekommunikationsmarkt bleibt der Wettbewerbsdruck hoch, und im Versorgungsgeschäft halten die Herausforderungen von regulatorischer Seite an. Im Stromgeschäft wird ein weiteres Umsatzminus aufgrund der anhaltenden Auswirkungen des Vertriebsstopps für Marktkunden ausserhalb des Versorgungsgebiets erwartet.

Im Bereich Telekommunikation sollen Mobilfunk und interaktives Fernsehen Gewinne abwerfen, während die Anzahl der Grundanschlüsse weiter leicht sinken wird.

Auf Kurs befindet sich das Projekt Circulago zur Wasserentnahme aus dem Kanton Zug. Bis zum Jahresende 2019 sollen die ersten Quartierzentralen, aus denen ein ganzes Quartier mit Wärme und Kühlung aus dem Zuger Seewasser versorgt werden kann, in Betrieb gehen.

Fazit

Die Geschäftszahlen der WWZ-Gruppe für 2018 fallen zumindest auf operativer Ebene erfreulich aus. Zwar wurde das Ergebnis durch die schwache Finanzmarktentwicklung und Wertkorrekturen negativ beeinflusst. Die um den Sonderfaktor des Landtauschs bereinigte Entwicklung des EBITDA ist mit einem Plus von gut 2% sehr erfreulich. Auch das Finanzergebnis kann sich angesichts des sehr schwachen Marktumfelds mit deutlichen Kursrücksetzern zum Jahresende sehen lassen. Äusserst solide ist die Bilanz mit einer Eigenmittelquote von 87%.

Die Aktien der WWZ AG werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 13’850 CHF weisen die Papiere eine zumindest im aktuellen Tiefzinsumfeld attraktive Rendite von 2,9% auf. Wenig aussagekräftig ist das eher teuer erscheinende KGV von über 26 für 2018.

Eine bessere Aussagekraft hat das Verhältnis des Unternehmenswerts zum EBITDA, das sogenannte EV/EBITDA-Verhältnis. Dieses ist mit einem Wert von 6,6 für 2018 nicht überteuert. Die Aktien eignen sich vorwiegend wegen der hohen Substanz und der kontinuierlichen Dividendenzahlung zur Anlage. So ist denn für die WWZ auch die Kontinuität der Ausschüttungen, selbst bei deutlichen Gewinnrückgängen, ein wichtiges Thema, weswegen die Kürzung der Dividende im Verhältnis zum Gewinnminus gering ausfällt.

Dank der sehr gut dotierten Bilanz stellen die Ausschüttungen auch kein Problem für die Gesellschaft dar. Auf dem aktuellen Niveau erscheint das Potenzial für Avancen eher begrenzt, während das Kursverlustrisiko ebenfalls tief ausfällt. Die Papiere eignen sich als Ersatz für Obligationen, die derzeit nahezu keinen Zins abwerfen.

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