Pilatusbahnen: Nach Jahren des Erfolges gerüstet für Corona-Herausforderung

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Die Panorama-Gondelbahn Kriens-Fräkmüntegg verzeichnete 2019 mit knapp 2 Millionen Frequenzen einen neuen Rekord. Bild: Pilatus-Bahnen AG

Die Pilatus-Bahnen AG blickt ergebnistechnisch auf das zweitbeste Geschäftsjahr der Firmengeschichte zurück. Nur das Rekordjahr 2018 war noch besser. Der Nettoertrag von 37.8 Mio. CHF egalisiert faktisch den Rekordumsatz aus dem Vorjahr. Bedingt durch höhere Kosten sank jedoch das Betriebsergebnis. Nach Jahren des Erfolges folgt nun mit der Corona-Krise eine ernstzunehmende Herausforderung.

Rekordhohe Gästezahlen

Die Anzahl der Transportfrequenzen stieg um 3,4% auf 3.16 Mio, wie dem Geschäftsbericht der Gesellschaft zu entnehmen ist. Vor allem die Gondelbahn Kriens-Frakmüntegg legte dabei mit einem Wachstum von 5,4% kräftig zu. Zurückzuführen ist diese Entwicklung auf den neu eröffneten Erlebnispark auf der Fräkmüntegg, welcher im Sommer viele einheimische Besucher angelockt hat. Einen leichten Rückgang (-6,1%) dagegen verzeichnete die Zahnradbahn. Aufgrund des reichlich vorhandenen Schnees anfangs 2019 konnte die Zahnradbahn erst zwei Wochen später als im langjährigen Durchschnitt eröffnet werden. Total legte die Gästezahl leicht auf 839’954 zu, wovon 603’769 bis ganz auf den Gipfel fuhren. Somit waren erstmals in der Geschichte über 600’000 Besucher auf Pilatus-Kulm.

Trotz der rekordhohen Transportfrequenzen ging der Verkehrsumsatz als Hauptertragspfeiler auf 24.3 Mio. CHF (-1,4%) zurück. Die Umsätze in der Hotellerie, der Gastronomie und im Merchandising bewegen sich allesamt im selben Bereich wie 2018. Einzig bei den Freizeitanlagen konnte ein kräftiges Umsatzplus von rund 37% erzielt werden. Trotz des gesamthaft annähernd konstanten Umsatzes stiegen die Kosten. Der Personalaufwand beansprucht mit 13.8 Mio. CHF neu 36,5% (Vorjahr 13.6 Mio. und 35,9%) des Gesamtumsatzes, der Betriebsaufwand 6.6 Mio. oder 17,4% des Umsatzes (Vorjahr 6.3 Mio. und 16,6%). Begründet werden die höheren Kosten durch höhere Versicherungsprämien, gestiegene Strompreise und Sonderaufwendungen zur Realisierung der neuen Attraktionen auf der Fräkmüntegg.

Konstante Dividende von 50 CHF

Unter dem Strich resultiert ein EBITDA von 14.1 Mio. CHF (Vorjahr 14.7 Mio.) und eine EBITDA-Marge von 37,3% (Vorjahr 38,9%). Da auch die Abschreibungen leicht höher ausfielen als im Vorjahr, sank das EBIT um knapp eine Mio. auf 11.2 Mio. CHF. Die zulasten des Reingewinns getätigten Rückstellungen wurden um 1.1 Mio. auf 8.3 Mio. CHF verkleinert. Das Jahresergebnis fiel mit 1.6 Mio. um 2,8% tiefer aus als 2018. Dieses erneut sehr erfreuliche Ergebnis erlaubt es dem Verwaltungsrat, den Aktionären zusätzlich zur Bruttodividende von 40 CHF je Aktie eine Sonderdividende von 10 CHF je Aktie vorzuschlagen. Somit bleibt die Dividende mit insgesamt 50 CHF gleich wie im Vorjahr.

Die in die Jahre gekommenen Wagen der Zahnradbahn werden bald ersetzt. Bild: Pilatus-Bahnen AG

Weiterhin im Gange ist die Ersetzung der Triebwagen der Zahnradbahn. Mit den neuen Wagen sollen eine bessere Ausschöpfung der Kapazitäten erreicht werden und so die Engpässe vor allem zur Mittagszeit behoben werden. Im Moment rechnet das Unternehmen mit Gesamtkosten von 55 Mio. für das Projekt. Um das Alleinstellungsmerkmal und Kulturgut der steilsten Zahnradbahn der Welt zu erhalten, sei bewusst auf einen Wechsel des Betriebs beispielsweise auf eine Seilbahn verzichtet worden, lässt sich Verwaltungsratspräsident Bruno Thürig im Geschäftsbericht zitieren.

20% weniger Umsatz erwartet

Nach den äusserst erfolgreichen letzten Jahren sehen sich die Pilatusbahnen nun mit grossen Herausforderungen konfrontiert. Die Abhängigkeit vom internationalen Tourismus ist gross. Nur rund die Hälfte der Gäste am Pilatus kommt aus der Schweiz, ein Viertel aus Asien und der Rest aus Europa und Amerika. CEO Godi Koch rechnet denn auch wegen des Coronavirus mit einem Umsatzrückgang über das gesamte Jahr von rund 20%, wie dem Geschäftsbericht des Innerschweizer Unternehmens zu entnehmen ist. Nach den idealen Rahmenbedingungen der letzten Jahre müsse man sich nun in einem schwierigen Umfeld behaupten. Er sieht die Pilatusbahnen jedoch gut gerüstet für diese stürmischen Zeiten.

Für 2020 ist die Festlegung der Strategie 2020+ geplant. Im anstehenden Strategieprozess wird sich das Unternehmen mit der Digitalisierung, der Standort-Thematik der Talstation Kriens und den Kapazitätsengpässen auseinandersetzen. Zudem soll der Gäste-Mix unter die Lupe genommen werden, da die Entwicklung zu Jahresbeginn aufgezeigt hat, wie schnell die Gäste aus der weiten Welt nicht mehr anreisen können.

Fazit

Das Geschäftsjahr 2019 war mit dem zweitbesten je erzielten Ergebnis erneut hervorragend. Dadurch konnten weitere Rückstellungen für die kapitalintensive Ersetzung der Triebwagen getätigt werden. Zusammen mit dem hohen Bestand an liquiden Mitteln von 36 Mio. CHF scheint die Realisierung des Projekts mit eigenen Mitteln durchaus möglich.

Als Unsicherheitsfaktor bleibt jedoch die ungewisse Entwicklung der wirtschaftlichen Lage. Mit nur ungefähr 50% Schweizer Gästen sind die Pilatusbahnen stark abhängig von einer baldigen Wiederaufnahme des internationalen Tourismus. In Anbetracht der nur schrittweise geplanten Lockerungen des Lockdowns scheint dieser Moment jedoch noch fern. Realistischer ist wohl, dass in den umsatzstärksten Sommermonaten ausschliesslich Schweizer Reisende den Pilatus besuchen werden. Mangels möglicher Auslandreisen und ohne die Abschreckung zu hoher Touristenmassen dürften zwar mehr Schweizer den Berg besuchen, jedoch wird dies nicht den gesamten Ausfall kompensieren können. Die von CEO Godi Koch erwarteten Umsatzausfälle von 20% fürs gesamte Jahr scheinen dabei noch zu optimistisch zu sein. Eine Chance bietet dafür das Zusammenfallen der Corona-Krise mit dem Start des neuen Strategieprozesses. Eine Verminderung der Abhängigkeit von Besuchern aus Fernost scheint angebracht, da die künftige Entwicklung in Anbetracht des Coronavirus äusserst unsicher ist.

Solide präsentiert sich die Bilanz der Gesellschaft. Die Eigenkapitalquote ist auf den ersten Blick mit 13,7% zwar tief, unter Einberechnung der Rückstellungen in Höhe von 55 Mio. CHF resultiert jedoch eine sehr hohe wirtschaftliche Quote von 87,4%. Somit dürften die Pilatusbahnen die Ausfälle wegen des Coronavirus wegstecken können.

Kursentwicklung der Pilatusbahnen-Aktie im vergangenen Jahr. Nach einem starken Verlust bis Mitte März 2020 hat sich der Kurs wieder seinem Niveau zu Jahresbeginn angenähert. Chart: moneynet.ch

Die Aktien der Pilatus-Bahnen AG werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Bis Mitte März verlor der Aktienkurs im Vergleich zum Jahresbeginn um rund 18%. Seither hat jedoch bereits eine Korrektur stattgefunden, so dass der aktuelle Kurs von 3’050 CHF nur noch leicht unter dem Kurs zu Jahresbeginn liegt. Auf Basis des letztbezahlten Kurses ergibt sich eine Dividendenrendite von tiefen 1,6%. Aufgrund der hohen Rückstellungen und Abschreibungen ist eine Ermittlung des fairen Preises der Aktie auf Basis des Gewinns wenig sinnvoll. Auf Basis des EBITDA lässt sich ein KGV von 5.7 ermitteln, womit die Titel nicht überteuert scheinen. Angesichts der unsicheren Lage und des sehr konstanten Kurstrends seit Ende 2018 dürfen in naher Zukunft keine grossen Kurssprünge erwartet werden.

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