Branchentalk Banken: Nachhaltigkeit im Kreditportfolio wird zum grossen Thema

Zoom-Talk vom 7. Juni 2022

0
893

Nachhaltiges Wirtschaften liegt im Trend. In der Finanzindustrie hat das Thema seit mehreren Jahren im Anlagegeschäft gross an Bedeutung gewonnen. Mittlerweile fliessen in der Schweiz über 1’500 Mrd. CHF in nachhaltige Anlageprodukte. Doch um ehrgeizig gesteckte Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, genügt es nicht, nur nach ESG-Kriterien gemanagte Fonds zu verkaufen. Dies machte auch Dr. Gabriel Brenna, CEO der Liechtensteinischen Landesbank, am Zoom-Talk von schweizeraktien.net deutlich. Er zeigte in seinem Referat auf, welchen Nachhaltigkeitsansatz die LLB-Gruppe, zu der auch die Bank Linth in der Schweiz gehört, verfolgt. Es wurde deutlich, dass besonders im Kreditgeschäft mit den Hypotheken noch ein grosser Hebel liegt. Die Ziele der LLB sind ehrgeizig: Bis 2040 will die Bankengruppe bei den CO2-Emissionen «Netto Null» erreicht haben. Brenna sieht die Finanzindustrie generell als Treiber in der Nachhaltigkeitstransformation. Dabei sollten alle drei Dimensionen – Umwelt (E), Social (S) und Governance (G) verfolgt werden.

Netto-Null bis 2040

Der Nachhaltigkeitsansatz ist in der seit 2021 verfolgten neuen Unternehmensstrategie «ACT 26» der Bank fest verankert. Brenna zeigte auf, dass Nachhaltigkeit ein Teil der DNA der Universalbank ist. Dank der Kompensation von Treibhausgasemissionen über die Stiftung myclimate sei der Betrieb der LLB Gruppe bereits seit 2021 klimaneutral, so Brenna. Doch das reiche nicht. Durch die Mitgliedschaft u.a. in der Net-Zero-Banking-Alliance der UNO sowie der Stiftung Climate Pledge hat sich die Gesamtbank verpflichtet, ihre Netto-Null-Ziele bereits bis 2040 zu erreichen. Im Bankbetrieb gehören vor allem Massnahmen wie der Einsatz von Grünstrom und klimafreundliche Mobilität dazu. Einen Beitrag zur klimafreundlichen Mobilität soll auch weiterhin die Homeoffice-Möglichkeit für die Mitarbeitenden beisteuern.

Politik ist bei Hypotheken gefordert

Als herausfordernd bezeichnete Brenna den Bereich der Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit dem Hypothekarportfolio. Zwar bieten LLB und neu auch die Bank Linth sogenannte Umwelthypotheken an. Doch für genauere Einschätzungen fehlen die Daten für die Heizsysteme der Immobilien. Derzeit erfolge die CO2-Analyse auf der Basis von geschätzten Daten des Beratungsunternehmens WüestPartner. Gefordert sei jedoch die Politik in der Schweiz und in Liechtenstein, die für eine gleich bleibende Qualität der Daten und entsprechende Vorgaben für die Heizsysteme sorgen müsse. Dies könne nicht Aufgabe der Banken sein. Der LLB-CEO wies in diesem Zusammenhang auch auf den Spagat hin, den die Banken zwischen der Gewinnung von Geschäftsvolumen und der Erreichung der CO2-Ziele machen müssen.

Brenna zeigte auch die Fortschritte der Bank in der Governance auf, ebenso wie die verschiedenen Massnahmen im Bereich Soziales. Dennoch musste er einräumen, dass gerade in Bezug auf das Gender-Thema in Geschäftsleitung und Verwaltungsrat bei seiner Bank noch Verbesserungsbedarf besteht: In der Geschäftsleitung ist eine von vier Personen weiblich, im Verwaltungsrat sind es nur 2 von 7.

Am 28. Juni findet der Präsenzanlass vom Branchentalk Banken im Hotel Schweizerhof in Bern statt. Gäste sind u.a. Jörg Gasser, CEO der Bankiervereinigung, sowie Markus Schwab, CEO Yuh, und Karin Zahnd Cadoux, VRP der WIR Bank. Details finden Sie hier: www.schweizeraktien.net/branchentalk/banken/

Kommentar verfassen