Johan Utterman, Head of Swiss Equities Lombard Odier IM: «Für 2026 sind wir recht optimistisch»

Fondsmanager setzt weiter auf Galderma, Sandoz und Barry Callebaut

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Der Lombard Odier Investment Managers Anlageansatz des LO Funds Swiss Small & Mid Caps folgt dem Bottom-up-Prinzip und basiert auf Fundamentalanalysen, mit denen führende Unternehmen mit eindeutigen Wettbewerbsvorteilen, nachweislich erfolgreicher Geschäftsleitung, Kernkompetenzen und überdurchschnittlichem Wachstumspotenzial identifiziert werden sollen. Das Portfolio setzt sich aus rund 35 Positionen zusammen, die eine Mischung aus zyklischen Titeln sowie Wachstums- und Substanzwerten bieten.

Der von Johan Utterman, Head of Swiss Equities bei Lombard Odier Investment Managers, geführte Fonds verwaltet AuMs von derzeit 281.5 Mio. CHF. Johan Uttermann ist gebürtiger Schwede und stiess 2008 zu Lombard Odier. Foto: schweizeraktien.net

Herr Utterman, die drei grössten Positionen in Ihrem Fonds sind Lindt & Sprüngli, Galderma und Sandoz. Alle drei Positionen haben im vergangenen Jahr eine gute Performance hingelegt. Warum hat Ihr Fonds mit diesen Highflyern die Benchmark SPI Extra nicht deutlicher hinter sich gelassen, sondern praktisch auf gleichem Niveau wie letztes Jahr performed?

Lindt & Sprüngli, Galderma und Sandoz trugen alle positiv zur absoluten Rendite von 13,1% bei, die in den ersten zehn Monaten des Jahres 2025 erzielt wurde. Während die beiden erstgenannten Unternehmen übergewichtet waren und somit auch zur relativen Performance beitrugen, war Sandoz leider gegenüber dem Referenzindex gleichgewichtet und trug daher nicht zur relativen Performance bei. Zugegebenermassen haben wir etwas zu früh Gewinne mitgenommen. Das Jahr 2025 war aufgrund der Unsicherheiten in Bezug auf Zölle, Zinssätze und Wirtschaftswachstum recht schwierig zu navigieren. Wir freuen uns, dass der Fonds in Bezug auf die Performance seit Jahresbeginn im Vergleich zu seiner Peergroup im ersten Quartil liegt.

Galderma notiert derzeit um die 100% über dem Kurs beim IPO im Frühjahr 2024. Die Kursgewinne auch im letzten Jahr waren beträchtlich. Nun haben Sie die Position weiter ausgebaut. Welche Kursfantasie haben Sie bei Galderma?

Normalerweise würden wir erwarten, dass der Aktienkurs eines fair bewerteten Unternehmens entsprechend seinem EPS-Wachstum steigt. Derzeit wird Galderma mit einem 12-Monats-KGV von 43,8 gehandelt, was manche als hoch empfinden mögen. Dem gegenüber stehen jedoch die Konsensprognosen für 2026, die ein EBITDA-Wachstum von 29% und ein EPS-Wachstum von 46% vorhersagen – beides hervorragende Werte.

Ebenfalls eine sehr gute Performance legt Sandoz hin, auch ein relativ neues Unternehmen an der SIX. Was macht Sandoz richtig, und wie könnte der weitere Kursverlauf aussehen?

Das Management von Sandoz hat seit dem Börsengang sehr gute Arbeit geleistet und die Prognosen und Konsenserwartungen erfüllt oder übertroffen. Die Biosimilar-Pipeline hat sich bewährt, und mehrere neue Produkteinführungen haben zum Wachstum beigetragen. Die Prognose für die EBITDA-Marge für 2025 wurde kürzlich angehoben. Das Unternehmen ist auch in einer Welt steigender Gesundheitskosten und Medikamentenpreise gut positioniert. Generika und Biosimilars tragen dazu bei, die Kosten für das Gesundheitssystem zu senken. Für die Zukunft erwarten wir, dass der Aktienkurs im Einklang mit dem EPS-Wachstum steigen wird.

Neu haben Sie Barry Callebaut in Ihr Portfolio aufgenommen. Die Aktie hat sich in den vergangenen Monaten deutlich von Tiefstständen erholt und hat alleine in den vergangenen 6 Monaten 70% Wertzuwachs erzielt. Was hat sich fundamental bei Barry Callebaut geändert?

Zu Beginn des Jahres stand Barry Callebaut vor zwei Herausforderungen: höheren Kakaopreisen und geringeren Absatzmengen. Die Kakaopreise erreichten im Mai ihren Höchststand und sind seitdem gesunken, sodass Barry Callebaut Betriebskapital freisetzen, den freien Cashflow verbessern und Schulden abbauen konnte.

Eingestiegen sind Sie jetzt auch in Implenia. Haben Sie keine Befürchtungen, dass nach Kursgewinnen von über 100% im letzten Jahr hier ein Rücksetzer kommen könnte? Sind Sie mit anderen Worten nicht etwas spät mit Ihrem Einstieg?

Implenia wird mit einem 12-Monats-KGV von 11,1 gehandelt, was wir nicht als besonders anspruchsvoll erachten. Die Wachstumsaussichten des Unternehmens sehen vielversprechend aus.

Zwei Sorgenkinder der Börse, Swatch und Sonova, finden sich neu in Ihrem Portfolio. Warum glauben Sie an einen Turnaround bei diesen beiden Unternehmen?

Swatch und Sonova sind beide relativ neue Zugänge zum Fonds. Wir haben Swatch aufgenommen, weil wir nicht gegen den chinesischen Wohlstandseffekt wetten wollten und davon ausgingen, dass ein Handelsabkommen zwischen der Schweiz und den USA wahrscheinlich ist, wodurch die Zölle gesenkt würden. Sonova wechselte Mitte September vom SMI zum SPIEX und hat ein relativ grosses Gewicht im Referenzindex. Der Aktienkurs von Sonova war seit Jahresbeginn aufgrund eines schwachen Endmarktes, Wettbewerbsbedenken und der gewichteten Prognose für das zweite Halbjahr des Geschäftsjahres 2026 schwach. Das Unternehmen hat seine Konkurrenten übertroffen, Marktanteile gewonnen und scheint auf dem besten Weg zu sein, die Gesamtjahresprognose zu erfüllen.

Der Kurs von Burckhardt Compression, lange ein Lieblingswert der Börsianer, ist seit Sommer deutlich zurückgekommen. Haben Sie deshalb reduziert? Auf was führen Sie den Kursrückgang zurück?

Auch wir schätzen Burckhardt Compression als Unternehmen, haben jedoch unsere Position in diesem Jahr aufgegeben, da wir Bedenken hinsichtlich des Auftragseingangs hatten. Unsere Bedenken haben sich mit einem Wachstum von minus 31% bei konstanter Währung im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026 bestätigt. Die Schwäche wurde durch die Unsicherheit hinsichtlich der Zölle und weniger Aufträge für Hyperkompressoren verursacht. Wir schätzen das Managementteam sehr und werden zu gegebener Zeit erneut eine Bewertung vornehmen.

Die durch die USA verursachten Zollunwägbarkeiten haben auch den Schweizer Markt im Frühjahr hart getroffen. Seitdem geht es aber fast nur noch bergauf. Ist das Schlimmste ausgestanden, gerade jetzt, wo die USA die 39%-Zölle zurückgenommen haben und jetzt «nur» noch 15% erheben?

Ja, das Schlimmste ist vorbei. Die Auswirkungen waren nie so gravierend, wie es die Schlagzeile über einen Zollsatz von 39% erwarten liess. Das liegt daran, dass viele Unternehmen in den USA lokal produzieren und einige Branchen von den Zöllen ausgenommen sind.

Was bedeutet das geänderte Zollregime für Ihren Fonds? Welche konkreten Anpassungen nehmen Sie vor?

Die kürzlich bekannt gegebene Absichtserklärung zwischen der Schweiz und den USA hat nicht zu den von uns erwarteten bedeutenden Anpassungen im Fonds geführt. Zu Beginn des Jahres haben wir viel Zeit damit verbracht, das Risiko jedes Unternehmens in Bezug auf Zölle zu bewerten und zu überprüfen, welcher Prozentsatz des Umsatzes in den USA erzielt wurde und wie viel lokal hergestellt wurde. Danach haben wir überlegt, welche Massnahmen die Unternehmen zur Risikominderung ergreifen könnten, z. B. Preiserhöhungen.

Wie sieht Ihr allgemeiner Ausblick auf das restliche Börsenjahr 2025 und das beginnende 2026 aus?

Ich werde mich mit Prognosen zum Jahresende zurückhalten. Jedoch möchte ich darauf hinweisen, dass die Besorgnis darüber, dass die US-Notenbank im Dezember möglicherweise keine Zinssenkung vornehmen wird, sowie die Bewertungen von Aktien aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz, zu einer jüngsten Konsolidierung geführt haben. Mit Blick auf das Jahr 2026 sind wir recht optimistisch. Die Bewertungen von Schweizer Aktien erscheinen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17,0 angemessen und entsprechen genau dem 10-Jahres-Durchschnitt. Wir gehen davon aus, dass die US-Notenbank im nächsten Jahr die Zinsen senken wird, was die Aktienbewertungen und das Wirtschaftswachstum stützen dürfte. In Europa rechnen wir mit einer Belebung der deutschen Infrastrukturausgaben. In der Schweiz gibt es zahlreiche überzeugende Beispiele für strukturelles Wachstum.

Herr Utterman, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

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