Portfoliomanager: Welche Small- und Midcaps sie für 2026 empfehlen

Vorsichtiger Optimismus für 2026, aber auch Warnungen vor Blasenbildung

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Was bringt das noch junge Jahr? 5 Portfoliomanager von Schweizer Small- und Midcap-Fonds sowie ein Vermögensverwalter geben einen Einblick in ihre Aktien-Empfehlungen für 2026. Bild: stock.adobe.com (KI-generiert)

Alles steht im Banne der Künstlichen Intelligenz, das Individuum, die Gesellschaft und vor allem auch die Börsen, die dank der US-Techgiganten und der KI-Fantasie gewaltige Gewinne verbuchen konnten. Da nimmt sich der Blick auf die Schweizer Börse wesentlich bescheidener aus, auch wenn 2025 durchaus ein erfolgreiches Jahr an der Schweizer Börse war. Sowohl die Blue Chips als auch die Small- und Midcaps konnten zulegen. So legte der SMI in 2025 um ca. 14% zu, der auch Mid und Small Caps umfassende SPI ca. 18%.

Für viele Portfoliomanager von Small- und Mid-Cap-Fonds ist der SPI EX die Benchmark. In 2025 konnte der Index um knapp 18% zulegen und schnitt damit leicht besser ab als der die Bluechips umfassende SMI. Quelle: six-group.com

schweizeraktien.net hat 5 Portfoliomanager von Schweizer Small- & Midcap-Fonds sowie einen Vermögensverwalter zu ihren Aktien-Empfehlungen für 2026 befragt und sie gebeten, den Anlegern Tipps zu geben, wo sie vorsichtig sein sollten.

Performance der Fonds in 2025 etwa in Höhe der Indices SMI und SPI

Beim Blick auf die Performance der Fonds im letzten Jahr fällt ein durchaus gemischtes Bild auf. Während Awea (+16%), LLB (+18%), Lakefield (+11%) und Bellevue (+18%) mehr oder weniger in Linie mit den Indices performten, hat die Zuger Vermögensverwaltung von Marc Possa mit einem im Sara Select Fonds verwalteten Vermögen von 1.2 Mia. CHF ein schwieriges Jahr hinter sich. «Wegen des Bias zu industriellen Ansätzen, welche vom Liberation Day und den 39% Zöllen am stärksten getroffen wurden, ist das Jahr nur knapp positiv beendet worden. Entsprechend gross ist aber das Rebound Potenzial, denn die mechatronischen Eigenheiten dieser Nischenweltmeister bleiben weiterhin hoch aktuell», kommentiert Possa das vergangene Jahr. Zum Vermögensverwalter J. Lehner gibt es kein Performance Check, weil er keinen Fonds aufgelegt hat.

Diversität bei Empfehlungen

Das Bild der Aktien-Empfehlungen für 2026 besticht durch seine Diversität. Die befragten Portfoliomanager gaben praktisch durchwegs Empfehlungen ab, die sie sozusagen exklusiv hatten. Nur die Aktie von Also, des Technologieanbieters im Bereich der Informations- und Telekommunikationstechnik, schaffte zwei Empfehlungen: Birgitte Olsen, Portfoliomanager des Bellevue Entrepreneur Fonds, begründet ihre Empfehlung folgendermassen: «Der Corporate Investitionszyklus in Hard- und Software sollte nach 3 Jahren Flaute endlich wieder anziehen. Treiber sind Windows 11 und zunehmende Nutzung von AI.» Marcel Weiss von Awea betont die Bewertung und den operativen Leverage nach der Integration von Westcoast in Also.

Galderma auf perfektem Kurs-Level

Zumindest zwei Portfoliomanager sind sich auch darüber einig, dass die Aktie von Galderma nach ihrer beeindruckenden Rally seit Börsengang mit Vorsicht zu geniessen ist. «Priced for Perfection» nennt das Marcel Weiss von Awea, Possa ergänzt: «Galderma wurde sehr stark gehyped, und entsprechend anspruchsvoll ist die Bewertung geworden.»

Seit dem Börsengang vor gut eineinhalb Jahren konnte die Aktie von Galderma um fast 150% zulegen. Dass lässt auch manche Portfoliomanager vorsichtig werden. Quelle: six-group.com

Uneinigkeit bei Temenos

Wie unterschiedlich die PMs die Aktien bewerten, wird beim Blick auf Temenos sichtbar. Während Thomas Kühne sie empfiehlt: «Temenos dürfte vom sich aufhellenden Umfeld für Banken und dem weiterhin attraktiven Geschäftsmodell (hohe Wechselkosten) profitieren», ist Vinicio Marisaj von Lakefield vorsichtig: «Trotz hoher wiederkehrender Umsätze bleibt die Visibilität im Lizenzgeschäft wegen historisch gemeldeter Execution-Engpässe eingeschränkt, was in unseren Risikosignalen zu höherer Vorsicht führt.»

Aussichten

Wegen der Underperformance der Schweizerischen Small- und Midcaps in den vergangenen Jahren blicken Adrian Lechthaler und Manuel Bottinelli von J. Lehner und Partner zunehmend optimistisch auf die kommenden Jahre. Auch Marcel Weiss und Patrick Hofer von Awea erwarten zwar eine volatile, aber insgesamt positive Entwicklung am hiesigen Markt.

Marc Possa betont, dass wir am Ende eines Bullenmarktes angelangt seien, was ihn für alle Arten von politischen oder ökonomischen Veränderungen anfällig macht. Thomas Kühne von LLB sagt, dass wir möglicherweise auf dem Weg in eine Spekulationsblase seien, schränkt aber mit Blick auf historische Vorgänger ein, dass wir auch noch einiges davon entfernt sein könnten.

Der Pessimismus rund um Deutschland, die Fiskalpolitik und Europa sei immer noch gross und könnte für positive Überraschungen sorgen, meint Birgitte Olsen. Vinicio Marisaj sieht ein Umfeld mit niedrigen Schweizer Zinsen (SNB-Leitzins 0%), zugleich jedoch erhöhte makroökonomische und währungsseitige Einflussfaktoren.

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